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  4. Die Erfindung des Wochenendes
Im August 1930 nahmen die Comedian Harmonists „Wochenend und
Sonnenschein" auf, ein Loblied auf den Wochenendausflug, das
klingt, als besinge es die natürlichste Sache der Welt. Dabei
besang es eine junge und alles andere als selbstverständliche
Errungenschaft: Der früheste bekannte gedruckte Beleg für das
Wort „week-end" stammt von 1879, Telefon und Glühlampe
existierten also schon, bevor die Welt überhaupt ein Wort für die
Zeit zwischen Samstagmittag und Montagmorgen brauchte, und als
die Harmonists sangen, war der Samstag für die große Mehrheit der
Beschäftigten in Deutschland ein normaler Arbeitstag, in vielen
Branchen noch bis in die Sechziger. Die Folge zum Wochenstart
erzählt die Geschichte der selbstverständlichsten Institution
unseres Lebens, und sie ist ausdrücklich die hellste dieser
Serie: kein Tag, an dem das Wochenende erfunden wurde, sondern
ein gutes Jahrhundert, in dem es sich zusammensetzte, aus
religiösen Ruhetagen, selbstgenommener Arbeiterzeit,
Reformbewegungen, Streiks, Geschäftsmodellen, Tarifverträgen und
Gesetzen.

Die Stationen: der „heilige Montag", den sich Handwerker und
Bergleute im neunzehnten Jahrhundert selbst verordneten, und der
halbe Samstag, der mancherorts als Tauschgeschäft gegen
zuverlässige Montagsarbeit begann. Eine Baumwollspinnerei in
Neuengland, die 1908 als früheste dokumentierte Fünf-Tage-Fabrik
Amerikas auf die Sabbatruhe ihrer mehrheitlich jüdischen
Belegschaft und Leitung umstellte, wobei die Folge an dieser
Stelle eine vielerzählte Legende gegen die nüchterne Quelle
tauscht, die kleiner und interessanter ist. Henry Ford, der die
Fünf-Tage-Woche ab Mai 1926 ohne Lohnkürzung einführte und als
Geschäftsmodell verkaufte, ausgeruhte Arbeiter, konsumierende
Kunden, samt der bitteren Ironie, dass ausgerechnet einer der
einflussreichsten Antisemiten seiner Zeit einem auch von der
Sabbatpraxis geprägten Modell zum Durchbruch verhalf. Das
amerikanische Gesetz von 1938, das die 40-Stunden-Woche nicht
befahl, sondern über Überstundenzuschläge einpreiste. Und die
westdeutsche Eroberung des freien Samstags, vom DGB-Plakat
„Samstags gehört Vati mir" über die Branchen-Kaskade der
Sechziger bis zu den Warnungen prominenter Wirtschaftsführer vor
dem Untergang, dem stattdessen Jahrzehnte mit über sechs Prozent
Wachstum folgten, während die DDR 1967 ihren ganz eigenen Weg zur
Fünf-Tage-Woche ging.

Am Ende steht der Anschluss an die Verteilungsfrage-Folge: Die
heutige Debatte um die Vier-Tage-Woche weist auffällige
Parallelen zu 1926 und 1956 auf, und diesmal gibt es echte
Experimente mit Zahlen, aus Island, Großbritannien und
Deutschland, deren ermutigende, aber begrenzte Befunde die Folge
samt ehrlichem Kleingedruckten einordnet. Ob die nächste
Verkürzung kommt, behauptet die Folge nicht, und dass sie überall
funktioniert, auch nicht. Aber die Geschichte des Wochenendes
entkräftet ein Argument, das Argument der Unvorstellbarkeit, denn
jede Stufe unseres Zeitwohlstands stieß auf Warnungen, sie sei
nicht tragbar, und wurde binnen einer Generation
selbstverständlich. Keynes schrieb seine Prognose von der
Fünfzehn-Stunden-Woche übrigens im selben Jahr, in dem die
Harmonists ihr Lied aufnahmen. Von den fünfzehn Stunden sind wir
kurz vor seinem Zieljahr weit entfernt. In der Richtung lag er
richtig.

Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter:

https://48forward.com

Moderation: Daniel Fürg

Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)

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„Die Erfindung des Wochenendes“

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