An diesem Morgen liegt auf dem blauesten Meer der Welt ein so
dichter Nebel, dass Moustache nicht einmal mehr seine eigenen
Arme sieht. Tom reicht ihm die Hand, und sie halten sich gut
fest, um sich nicht zu verlieren. Dann kommt eine Karte an, ganz
feucht vom Nebel und fast nicht zu lesen.
«Wo der Nebel Meer und Himmel verdeckt, schließ die Augen, hör
zu, und finde das Wichtigste.» Eine Robbenfamilie hat sich im
Nebel der verlorenen Bucht verirrt: Der kleine Pilou ist von
seinem Papa getrennt worden. Ohne ihre Augen tasten sich Tom und
Moustache ganz langsam voran, nur nach Gehör, und hören
schließlich Pilous winzige Stimme, die ruft und sich im Kreis
dreht.
Erste Idee: den Namen des Papas ganz laut rufen. Doch im Nebel
prallt der Schall überall ab, und man weiß überhaupt nicht mehr,
woher etwas kommt. Je mehr alle rufen, desto verlorener ist der
Robbenpapa. Es braucht etwas anderes, einen Klang, den Pilou und
sein Papa unter tausend anderen erkennen würden.
Also bittet Tom den kleinen Pilou zu singen, nicht den Namen
seines Papas, sondern das tiefe Liedchen, das die beiden nur für
sich haben und das ein Papa aus allen Geräuschen der Welt
heraushört. Der alte Leuchtturm, den sonst nie jemand um etwas
bittet, ist ganz glücklich, gebraucht zu werden: Sein Licht kommt
nicht durch den Nebel, aber sein Nebelhorn macht einen tiefen,
gleichmäßigen Ton, immer an derselben Stelle, wie ein Herzschlag
im Weiß. Geführt vom Lied seines Kleinen und vom Horn, das sich
nicht bewegt, schwimmt der Robbenpapa näher und näher, bis sie
sich wiederfinden. Pilou lässt ein feines Babyrobben-Schnurrhaar
für die Truhe da: das elfte Andenken.
Eine beruhigende Geschichte, gerade richtig, wenn man ein
bisschen Angst im Dunkeln hat. Das ganze Abenteuer gelingt, ohne
etwas zu sehen, nur mit den Ohren. Auch wenn man nichts sieht,
ist man nämlich nie wirklich allein. Man muss nur zuhören: das
Meer, den Wind, den Atem derer, die man liebhat, ganz nah.
Eine Gutenachtgeschichte ohne Bildschirm, für Kinder von 3 bis 5
Jahren, zum Zuhören beim Schlafengehen, im Auto oder vor dem
Mittagsschlaf. Wie immer bei Tilibou bleibt das Ende ganz sanft,
ohne Musik, um sich vor der Nacht geborgen zu fühlen.
Alle Tilibou-Gutenachtgeschichten auf tilibou.com
Tipp: Um eine Welt am Stück zu hören, wähle ihre Staffel
(Noisette, Léo, Cassie, Marin, Tom der Pirat, oder die Staffeln
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