ERP Einführung im Mittelstand: 3.000 ERP Projekte, immer
dieselben Fehler. Prof. Norbert Gronau hat ausgewertet,
woran ERP Projekte in der Praxis scheitern. Es geht um ERP
Kosten, Eigenaufwand, Stammdaten, den ERP Vertrag, Cloud ERP
gegen On Premise und die Zeit nach dem Go Live.
Ein Geschäftsführer entscheidet einmal in 10 bis 15 Jahren über
ein ERP System. Es gibt keine Lerneffekte. Deshalb wiederholen
sich über 3.000 Projekte hinweg die immer gleichen Fehler.
Woran erkenne ich, dass ich ein neues ERP System
brauche?
An Push-Faktoren wie Support-Ende, fehlender Weiterentwicklung
oder Cyber Security. Und an Pull-Faktoren wie Lieferkettengesetz,
ESG-Nachweisen oder Internationalisierung. Die meisten warten,
bis der Schmerz aus dem alten System unerträglich ist. Und dann
noch zwei Jahre.
Wie hoch ist der Eigenaufwand bei einer ERP
Einführung?
Ein bis zwei interne Personentage pro Beratertag des Anbieters.
Der am häufigsten unterschätzte Posten bei den Kosten einer ERP
Einführung im Mittelstand.
Muss die Projektleitung intern besetzt
sein?
Ja. Ein externer ERP Projektleiter kann unangenehme Wahrheiten
aussprechen, ohne auf Hierarchie zu achten. Anweisen kann er
nichts. Die Durchsetzung muss intern erfolgen, bei einem
Geschäftsführer mit Ergebnisverantwortung.
Warum sind Stammdaten so kritisch?
Weil darin das Know-how von Jahrzehnten steckt und der
organisatorische Schrott gleich mit. Aus der Folge: die Siemens
AG 326-mal im Lieferantenstamm, Artikelgruppe 99 als
Kennzeichnung für Auslaufartikel. Die wichtigste Regel:
Stammdaten werden nie im laufenden Betrieb bereinigt. Entweder
vorher oder nie.
Worauf muss ich im ERP Vertrag achten?
Standardverträge verlagern das Projektrisiko fast vollständig auf
den Anwender. Verhandelbar sind das Recht, schlechte Berater
auszutauschen, die verbindliche Nutzung des
Projektmanagement-Handbuchs und klare Regelungen für den Fall,
dass es nicht gut läuft. Ein Lizenzrabatt von 4 Prozent ist kein
Verhandlungserfolg.
Cloud ERP, Private Cloud oder On Premise?
Ohne besondere Compliance-Anforderungen spricht nichts gegen
Public Cloud. Neu ist die Souveränitätsfrage: die Sorge, dass
Funktionen von außen abgeschaltet werden. Deshalb kommen Private
Cloud und On Premise zurück. SAP hat die Cloud-Only-Strategie
zurückgenommen.
Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor bei der ERP
Einführung?
Die Optimierungsphase nach dem Go Live. Nicht 14 Tage Hypercare,
sondern ein halbes bis ein Jahr. Ohne sie hat man eine neue Dose,
die dasselbe kann wie die alte.
KI im ERP: die neue Schatten-IT
Früher wurde Schatten-IT mit Excel gebaut, heute mit KI. Gronau
erwartet die erste Insolvenz, die durch KI im ERP-Umfeld
verursacht wird. Nicht wegen der KI-Funktionen der Anbieter,
sondern wegen dem, was Anwender nebenbei selbst bauen.
Weitere Themen: ERP Auswahl, Projektorganisation
und Widerstände im Unternehmen, Standard gegen individuelle
Anpassungen, die Auswahl des richtigen ERP Partners und
Intervention bei ERP Projekten in der Krise.
Der Gast: Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau forscht
und berät seit Jahrzehnten zu ERP Systemen.
prof-gronau.de | erp-management.de | Checklisten zur ERP
Einführung | potsdam-consulting.de
Der ERP Checker ist der Podcast für
Geschäftsführer, IT-Leiter und Projektverantwortliche im
Mittelstand, die ein ERP System auswählen, einführen oder
ablösen.
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