Die Gegenwart der Versicherung ist weniger ein Zahlenspiel als
ein Charaktertest. Jens Warkentin, Vorstandsvorsitzender des HDI,
entwirft mit Michael Carl und Mathias Harrassowitz das Bild einer
Branche, die im Wandel ihre Würde sucht: weg vom autoritären
Patriarchen hin zur Führung, die Vertrauen nicht einfordert,
sondern verdient.
Jens beschreibt den Versicherer als Sozialorganisation — nicht
als Kapitalmaschine. Menschen, sagt er, seien der eigentliche
Rohstoff, nicht Policen. Wer führen will, müsse Begeisterung
stiften, nicht To-Do-Listen abhaken. Die alte Stärke, „hart
durchzugreifen“, taugt heute nur noch als Fossil eines
untergegangenen Führungsstils.
Gleichzeitig schiebt sich die digitale Zukunft unaufhaltsam in
diese Welt der analogen Bindungen. Agentic AI, also
selbsthandelnde Systeme, werden bald ebenso selbstverständlich
mit Kunden sprechen wie Menschen. Doch Jens bleibt Realist:
Vertrauen lässt sich nicht programmieren. Der Mensch bleibt die
Schnittstelle, an der sich Risiko und Verlässlichkeit berühren.
Seine Vision ist kein technikfeindlicher Rückzug, sondern ein
Plädoyer für Gleichgewicht: Die Maschine soll erleichtern, nicht
ersetzen. Sie füllt Formulare, während der Mensch die Fragen
stellt, die kein Algorithmus versteht — jene nach Sorge,
Sicherheit und Sinn.
Und so klingt in diesem Gespräch weniger der CEO als der
Sportsmann durch: Einer, der gelernt hat, dass man Siege nicht
plant, sondern erarbeitet — mit Disziplin, Geduld und dem Mut,
das Menschliche im System zu bewahren.
Zu Gast:
Jens Warkentin, Vorstandsvorsitzender HDI Deutschland AG
Der Philosoph wird ermöglicht durch unseren Zukunftspartner
Concentrix.
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