Sie zögerte. Lügen? Würde der Tigerkater es Abendfeuer erzählen.
„Oh… ja.“
„Ich mochte ihn nie besonders“, meinte Rauchschatten ernsthaft.
Flammenpfote blickte ihn stumm an. Was sollte man über so etwas
sagen?
„Es war schon dich kennengelernt zu haben“, schnurrte
Rauchschatten mit einem Hauch von Bedauern in seinen warmen,
bernsteinfarbenen Augen. „Hoffentlich sehen wir uns bei der
nächsten Großen Versammlung. Vielleicht sogar mit deinem
Kriegernamen.“
„Warte noch einen Moment!“, rief ihm Flammenpfote hinterher.
Rauchschatten drehte sich um. „Also… Wer, ich meine… wer ist… wer
ist der Zweite Anführer des BlitzClans?“
„Oh.“ Rauchschatten schnaubte belustigt. „Hat man dir das nicht
gesagt? Ich.“
Mit einem Mal schien der Boden unter ihren Pfoten wegzukippen.
Nach einem Herzschlag hatte sie sich genug gefasst um zu wispern:
„Ich glaube… Du bist mein Vater.“
Rauchschatten starrte sie an. „Du bist meine Tochter?“ Er schien
es kaum fassen zu können. „Oh, Flammenpfote. Du bist genauso
wunderschön, wie ich mir dich immer vorgestellt habe!“
Der Zweite Anführer des BlitzClans, ihr Vater, stürzte zu ihr und
schmiegte sich an sie. Flammenpfote genoss es, bevor ihr wieder
etwas einfiel. Schnell trat sie zurück. „Aber… Du wolltest mich
doch nicht!“
„Was?“ Fassungslos schüttelte er den Kopf. „Natürlich wollte ich
dich! Froststern hätte um dich gekämpft! Aber Goldstern hat sich
geweigert. Sie hat gesagt, dass ein Junges in den Clan seiner
Mutter gehört, dass du dort Familie hast, alle dich lieben und du
es dort liebst und…“ Er brach ab.
„Das hat Goldstern gesagt?“ Irritiert dachte sie an all die Male,
wenn eine Katze sie beschimpft hatte und beleidigt, gestoßen und
verletzt. „Niemand mag mich dort. Sie hassen mich. Abendfeuer
kämpft, als wäre ich seine Feindin. Und das alles hat Goldstern
wirklich gesagt?“
„Er trainiert aber nicht mit Krallen, oder?“
„Doch. Das macht man doch so.“
„Nein.“ Vorsichtig, fast zaghaft legte er seine Nase liebevoll
auf ihre Stirn, bevor er ihre Verletzungen begutachtete. „So
etwas dürfte er nicht tun. Wenn sich eine dieser Wunden entzündet
hast du schlechte Chancen zu überleben. Sie müssen furchtbar
wehtun.“
„Ein bisschen“, gab sie schüchtern zu.
„Darf ich dich um etwas bitten, Flammenpfote?“ Rauchschatten zog
sie zu sich heran. „Komm mit mir. In den BlitzClan.“
„Ich werde mit dir gehen“, flüsterte Flammenpfote und konnte kaum
glauben, dass sie das gesagt hatte. Früher hatte sie sich immer
vorgehalten, der HimmelsClan wäre ihre einzige Zuflucht. Jetzt
konnte sie eine völlig neue Zukunft sehen. Selbst wenn die
BlitzClan-Katzen sie hassen würden, hätte sie immer noch ihren
Vater. Es klang fremd, was sie überlegte, fremd und neu und
wunderbar.
Sie setzte über die Grenze hinweg. Eine schwere Last fiel von
ihrem Herzen, wie benebelt vor Glück folgte sie Rauchschatten
durch den Schutz des Waldes. Die Blätter über ihr raschelten
beruhigend im Nachtwind. Vielleicht hörte sich so Zuhause an?
Oder gehörte noch mehr dazu?
Als Rauchschatten anhielt wagte sie einen Blick über seine
Schulter. Eine junge, cremefarbene Kätzin sah sie neugierig an.
„Beerenpelz“, begrüßte er sie mit einem respektvollen Nicken.
„Ich denke, das hier ist wichtig genug um deine Kriegerwache zu
unterbrechen. Sage auch deinen Wurfgefährten bescheid.“
Der Eingang des BlitzClan-Lagers lag versteckt in einer
Brombeerhecke und nachdem Flammenpfote hindurchgetreten war
leitete Rauchschatten sie zu einem Baumstumpf, hinter dem ein
geräumiger Bau lag.
„Froststern?“ Rauchschattens Stimme war nur halblaut. Aus den
Schatten weiter hinten im Bau näherte sich eine schon ältere,
blaugraue Kätzin. Es musste der Anführerbau sein. Die Kätzin –
Froststern – neigte den Kopf.
„Wen hast du mir mitgebracht, Rauchschatten? Eine
HimmelsClan-Schülerin?“
„Meine verloren geglaubte Tochter Flammenpfote“, verkündete er
stolz und sein Blick streifte Flammenpfotes. Sofort wirkte die
Anführerin interessierter.
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