Am Wahlabend erscheint auf Donald Trumps Truth-Social-Account
eine Grafik: die Hochrechnung aus Magdeburg, die AfD bei 44,4
Prozent. Kein Kommentar, keine Überschrift, kein einziges eigenes
Wort, und trotzdem lässt sich der Post kaum anders lesen denn als
Signal, festnageln lässt sich der Absender auf nichts. Auf X
gratuliert Elon Musk mit „Well done!", der frühere US-Botschafter
Grenell spricht von einem neuen Tag in Deutschland, und
Spitzenkandidat Siegmund bietet dem reichsten Mann der Welt eine
„starke und konstruktive Zusammenarbeit" an. Zur selben Zeit
läuft im Halbdunkel eine Kampagne mit gefälschten Videos im
Design deutscher Medien, vor der das Bundesamt für
Verfassungsschutz im August namentlich gewarnt hat, ausgerichtet
auf genau diese Wahl. Diese Folge nimmt beide Phänomene
auseinander: Einflussnahme aus den USA und aus Russland, zwei
sehr unterschiedliche Maschinen, die auf dieselbe Partei
einzahlen.
Die offene Maschine hat eine Chronik, die Ende 2024 beginnt:
Musks „Only the AfD can save Germany", der Gastbeitrag in der
Welt am Sonntag, das Livegespräch mit Alice Weidel, die
Zuschaltung zum Wahlkampfauftakt, Vances Münchner Rede mit dem
Satz „there is no room for firewalls", ein New Yorker
Republikaner-Klub, der mit „AFD über alles" wirbt. Beim Warum
trennt die Folge streng zwischen dem, was die Akteure selbst
sagen, dem Projekt einer internationalen Rechten, und dem, was
Lesart bleibt, vom 120-Millionen-Euro-Bußgeld der EU gegen X bis
zur Machtlogik eines geschwächten Europas. Die verdeckte Maschine
heißt Matrjoschka: 141 gefälschte Videos über mehr als 40
deutsche Politikerinnen und Politiker in zwei Monaten,
dokumentiert von CeMAS, betroffen alle Parteien mit Ausnahme von
AfD und BSW, dazu ein erfundener Mordvorwurf gegen einen
Linken-Kandidaten aus Weißenfels und ein KI-Video gegen den
Ministerpräsidenten, das Sicherheitskreise der Kampagne
Storm-1516 zurechnen, jener Gruppe, die die Bundesregierung Ende
2025 förmlich Russland und dem Militärgeheimdienst GRU
zugeschrieben hat.
Die Folge behauptet dabei an keiner Stelle, diese Wahl sei von
außen entschieden worden, das lässt sich aus den Belegen nicht
ableiten, und ebenso wenig das Gegenteil. Forschende bewerten die
Wirkung der Fälschungswelle bislang als gering, viel Reichweite
ist künstlich erzeugt, und auch die Wahrnehmung allgegenwärtiger
Manipulation nutzt den Angreifern. Die Grenze, um die es am Ende
geht, verläuft nicht zwischen Inland und Ausland: Sie verläuft
dort, wo getäuscht wird, über den Absender, über den Inhalt, über
die Koordination dahinter. Wer diese Grenze kennt, ist nicht
immun, aber er erkennt die Versuche früher und beurteilt sie
nüchterner. Mehr kann Aufklärung nicht leisten. Weniger sollte
sie nicht.
Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter:
https://48forward.com
Moderation: Daniel Fürg
Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)
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