Warum wir solche Angst vor dem Tod haben.
Was fürchten wir eigentlich, wenn wir sagen: „Ich habe Angst vor
dem Tod“?
In dieser zweiten Folge spreche ich darüber, warum wir zwischen
der Angst vor dem Tod und der Angst vor dem Sterben unterscheiden
sollten. Fürchten wir Schmerzen, Kontrollverlust oder Einsamkeit?
Die Vorstellung, irgendwann nicht mehr da zu sein? Oder vor allem
den Verlust eines geliebten Menschen – und die Trauer, die danach
auf uns wartet?
Ich frage, warum der Tod in den vergangenen 100 Jahren immer mehr
aus unserem Alltag verschwunden ist – und welche Spuren
Weltkriege, nationalsozialistische Vernichtungspolitik, Shoah,
Flucht, Gewalt und das Schweigen der Nachkriegsgenerationen
hinterlassen haben.
Ich erzähle, wie fremd mir der Tod war, als ich noch als Sängerin
und VocalCoach arbeitete – und wie ich meine Mama nach ihrem Tod
zum ersten Mal auf Fotos sah. Ich spreche über meine Angst vor
diesen Bildern und über den Moment, in dem ich ihr schließlich
wirklich gegenüberstand: wie ich ihre eiskalten Hände berührte,
sie streichelte und auf die Wangen küsste.
Warum war diese Begegnung für meinen Trauerprozess so wichtig?
Kann das Sehen und Berühren eines verstorbenen Menschen helfen,
die Wirklichkeit des Todes zu begreifen? Und löscht der „letzte
Blick“ alle anderen Erinnerungen – oder kommt lediglich ein
letztes Bild zu unserem inneren Fotoalbum hinzu?
Außerdem geht es darum, was eine Todesnachricht in unserem Körper
auslösen kann, weshalb Trauer kein linearer Ablauf ist und warum
Trauermodelle Orientierung geben können, ohne eine
Gebrauchsanweisung zu sein. Es gibt kein „richtiges“ und kein
„falsches“ Trauern. Mit Trauer umgehen zu lernen bedeutet nicht,
sie nicht mehr zu spüren.
Vielleicht besteht Mut im Umgang mit dem Tod nicht darin, keine
Angst mehr zu haben, sondern darin, sie wahrzunehmen – und
trotzdem hinzusehen und miteinander zu sprechen.
Höchste Zeit, Gevatter Tod nicht länger
totzuschweigen.
Hinweis zu sensiblen Inhalten:
In dieser Folge geht es um den Tod eines nahestehenden Menschen,
die Begegnung mit und Berührung einer Verstorbenen,
Todesnachrichten, Trauer sowie Krieg und generationsübergreifende
Belastungen. Bitte achte beim Hören gut auf Dich und unterbrich
die Folge, wenn Dir etwas zu nahegeht.
Wenn Du Unterstützung brauchst, wende Dich an einen vertrauten
Menschen oder eine professionelle Anlaufstelle. Die
TelefonSeelsorge erreichst Du anonym, kostenfrei und rund um die
Uhr:
0800 111 0 111 · 0800 111 0 222 · 116 123
https://www.telefonseelsorge.de/
Hat diese Folge etwas in Dir bewegt? Schreib mir Deine Gedanken,
Erfahrungen, Fragen oder Dein Feedback an:
nicole@mit-dem-tod-per-du.de
Du möchtest selbst mit mir über Deine Geschichte sprechen? Dann
melde Dich gerne. Wenn Dir der Podcast gefällt, freue ich mich,
wenn Du ihn abonnierst, teilst und kommentierst.
Literatur:
• Irvin D. Yalom: In die Sonne schauen.
• Verena Kast: Trauern. Phasen und Chancen des psychischen
Prozesses.
• Bruce Greyson: Nahtod.
• Sabine Bode: Kriegsenkel.
Studien:
• Stroebe/Schut: „The Dual Process Model of Coping with
Bereavement“, 1999.
https://doi.org/10.1080/074811899201046
• van Lommel et al.: „Near-death experience in survivors of
cardiac arrest“, 2001.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(01)07100-8
Die Studie zu Nahtoderfahrungen belegt kein Fortbestehen des
Bewusstseins nach einem unumkehrbaren Tod. (?)
Film- und Dokumentarfilmtipps:
• Being Mortal (2015)
• Dick Johnson Is Dead (2020)
• Nokan – Die Kunst des Ausklangs (2008)
• Coco – Lebendiger als das Leben! (2017)
Credits:
Musik: „Medieval Folk Music“ von Watermelon Beats
https://pixabay.com/users/watermelon_beats-54140361/
Logo-Design: Janin Villhauer
villhauer. nachhaltige design- und
markenkonzepte.
https://www.villhauer-design.de/
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.