Folge 20 · Staffel 2 — Begleitmaterial, Videos und Watchlisten
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Ein Segelflugzeug hat keinen Motor. Wie weit es kommt, bestimmt
die Thermik — nicht der Pilot. Deshalb rechnet er vor jedem
Abgleiten dasselbe durch: Was ist von hier aus überhaupt
erreichbar, und liegt auf dem Weg ein Feld, auf dem ich notfalls
landen kann? Was er nicht macht: sich ein Ziel aussuchen und
hoffen, dass er ankommt. Genau das ist der Unterschied zwischen
Kursziel und Wunsch.
Wir sind in Phase 3 des 9-Phasen-Frameworks. Risiko steht, Stop
steht — heute kommt die Zahl dazu, die tatsächlich entscheidet,
ob der Trade überhaupt stattfindet. Wichtig dabei: Wir legen
heute nicht fest, wo wir aussteigen. Wir sind immer noch vor der
Position und messen nur, ob genug Weg da ist.
Was du mitnimmst:
Warum die Trefferquote das Uninteressanteste im ganzen Trading
ist — und was das Gesetz der großen Zahlen damit zu tun hat. Je
mehr Trades du betrachtest, desto weniger sagt sie aus.
Warum ich jedem davon abrate, mit Daytrading oder Scalping zu
starten: Wer hochfrequent handelt, kämpft gleich an zwei Fronten
— bei der Trefferquote und bei der Laufweite.
Pattillo Higgins sucht ab etwa 1890 bei Beaumont in Texas ein
Jahrzehnt lang erfolglos nach Öl und gilt in der Stadt als
Spinner. Am 10. Januar 1901 fördert diese eine Quelle an einem
Tag mehr als alle anderen Ölquellen der USA zusammen — und warum
das trotzdem kein Durchhalte-Märchen ist.
CRV ist nicht Profitfaktor: Das eine ist eine Planzahl vor der
Eröffnung, das andere eine Ergebniszahl nach dem Schließen. Und
ein CRV von 2:1 heißt nicht, dass du bei 2:1 zumachst.
Trefferquote und Laufweite sind austauschbar — niedrige Quote mit
großer Laufweite funktioniert genauso wie hohe Quote mit kleiner.
Was nicht funktioniert: nicht zu wissen, in welchem der beiden
Geschäfte du bist.
Der Stop ist Struktur gegen dich, die Laufweite ist Struktur für
dich. Und der entscheidende Unterschied zum Einstieg: Hier zählt
nicht die Bewegung in der Zone, sondern die Marktqualität
zwischen Einstiegszone und Zielzone.
Warum das Ziel nicht in die Mitte der Zielzone gehört, sondern
kurz davor — Stichwort Order Walls.
Der harte Filter: Unter 2:1 wird nicht gehandelt. Warum diese
Zahl, warum sie zusammen mit der Marktqualität gelesen wird und
warum sie fürs Swing Trading gilt und nicht automatisch für jede
Zeitebene.
Und der Satz, um den es am Ende geht: Mein Profit kommt nicht aus
der Trefferquote. Er kommt aus der Laufweite.
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