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Shownotes Lean&Lead Podcast #56

Auslastung ist noch kein Fluss. Little’s Law über
Durchlaufzeit, Durchsatz und WIP.

Alle sind beschäftigt. Die Kalender sind voll. In jedem Meeting
kommen neue Aufgaben dazu. Jede Person arbeitet an fünf, zehn
oder vielleicht sogar zwanzig Themen gleichzeitig.

Und trotzdem warten Kundinnen und Kunden. Projekte ziehen sich.
Entscheidungen bleiben liegen. Rückfragen häufen sich.

Die übliche Reaktion:

Wir müssen schneller werden. Wir müssen besser priorisieren. Wir
brauchen noch jemanden. Oder alle müssen einfach noch einmal
richtig durchziehen.

Aber was, wenn nicht zu wenig gearbeitet wird?

Was, wenn genau das Gegenteil das Problem ist: Es wird zu viel
gleichzeitig begonnen?

In dieser Folge von „Lean & Lead - Wegen schlechter Führung
geschlossen“ geht es um Little’s Law  und damit um den
Zusammenhang zwischen:

• Work in Progress (WIP), also begonnener, aber noch nicht
abgeschlossener Arbeit • Durchsatz, also dem, was tatsächlich
fertig wird • Durchlaufzeit, also der Zeit vom klar definierten
Start bis zum klar definierten Ende

Vereinfacht gilt in einem stabil betrachteten System:

WIP = Durchsatz × Durchlaufzeit

Oder andersherum:

Durchlaufzeit = WIP ÷ Durchsatz

Das bedeutet: Bleibt der Durchsatz gleich und wir geben immer
mehr Arbeit gleichzeitig ins System, steigt im Durchschnitt die
Durchlaufzeit.

Der zusätzliche Stapel beschleunigt die Arbeit nicht. Er
verlängert die Warteschlange.

In der Produktion lässt sich das leicht erkennen: Paletten,
Material und halbfertige Teile stehen vor Maschinen oder warten
zwischen Prozessschritten.

In Projekten, Servicebereichen und Büros bleibt derselbe Bestand
häufig unsichtbar. Dort heißt er:

• offene Vorgänge • halbfertige Konzepte • angefangene Angebote •
laufende Projekte • unbeantwortete Rückfragen • unerledigte
Tickets • angenommene, aber nicht umgesetzte Verbesserungsideen

In dieser Folge erfährst du:

• warum volle Auslastung noch kein guter Arbeitsfluss ist •
weshalb Bestände zu den problematischsten Formen der
Verschwendung gehören • wie Bestände Störungen,
Qualitätsprobleme, lange Rüstzeiten und schlechte Abstimmungen
verdecken • warum eine volle Ideenliste noch keine
Verbesserungskultur beweist • was Little’s Law für Produktion,
Kundenprojekte, technischen Service, Digitalisierung und KVP
bedeutet • weshalb ihr Start und Ende eines Prozesses eindeutig
definieren müsst • wie WIP-Limits und „Finish before Start“
helfen können • warum eine neue Priorität ohne Depriorisierung
keine echte Priorität ist • wie hohe Auslastung Systeme anfällig
für Schwankungen macht • und welche zusätzlichen Verluste durch
Unterbrechungen und ständiges gedankliches Umrüsten entstehen

Denn jedes neue Thema erzeugt nicht nur mehr Arbeit im System. Es
erhöht häufig auch die Zahl der Wechsel.

Schon bei vorsichtig angenommenen fünf bis fünfzehn Minuten
Wiedereinarbeitungszeit können acht größere Themenwechsel am Tag
zwischen 40 und 120 Minuten kosten... nur fürs Sortieren,
Erinnern und erneute Hineindenken.

Nicht eingerechnet sind zusätzliche Fehler, liegen gebliebene
Gedanken und der Stress, der durch das permanente Umschalten
entsteht.

Drei Handlungsebenen für deinen Alltag: WIP sichtbar machen

Zählt nicht nur, was abgeschlossen wurde. Macht auch sichtbar,
was begonnen, aber noch nicht beendet ist.

Klärt gemeinsam:

Was wartet gerade?

Worauf wartet es?

Wo fehlt eine Entscheidung?

Und wo braucht jemand Unterstützung?

Fertigstellen vor Neustarten

Begrenzt die Zahl der parallel aktiven Vorhaben.

Wenn ein neues dringendes Thema dazukommt, fragt:

Was nehmen wir dafür heraus?

Was stoppen oder parken wir?

Was stellen wir zuerst fertig?

Eingang, Kapazität und Portfolio verbinden

Wenn du das System mitgestalten kannst, schaut auf die gesamte
Steuerungslogik:

Nach welchen Kriterien startet ein Vorhaben?

Wer darf neue Arbeit ins System geben?

Wo liegt der tatsächliche Engpass?

Wie viel parallele Arbeit kann das System zuverlässig
bewältigen?

Und welche Kapazität braucht ihr bewusst, um Schwankungen
aufzufangen?

Denn Führung heißt nicht, jede Minute zu verplanen.

Führung heißt, das Arbeitssystem so zu gestalten, dass Wichtiges
zuverlässig fertig werden kann.

 

Schau in den nächsten Tagen nicht nur auf den vollsten Kalender
oder das neueste dringende Projekt.

Schau auf eure ältesten offenen Themen.

Vielleicht fehlt euch nicht mehr Tempo.

Vielleicht braucht ihr weniger gleichzeitig.

Denn wenn alles gleichzeitig wichtig ist, wird vor allem eines
langsamer: Alles. 

 

Weitere passende Podcastfolgen:

Lean&Lead #53: Lean im Alltag: PDCA ist kein Formular.

https://byclaudiaschmidt.com/lean-im-alltag-pdca-ist-kein-formular/

 

Lean&Lead #52: Lean im Alltag: Shopfloor-Management ist kein
Zahlen-Vorlesen.

https://byclaudiaschmidt.com/lean-im-alltag-shopfloor-management-ist-kein-zahlen-vorlesen/

 

Lean&Lead #18: Einfach besser Rüsten mit SMED. Wie du mit
deinem Team Rüstzeiten verkürzt, Stabilität reinbringst und was
das Ganze mit einem Kindergeburtstag zu tun hat.

https://byclaudiaschmidt.com/einfach-besser-ruesten-mit-smed-wie-du-mit-deinem-team-ruestzeiten-verkuerzt-stabilitaet-reinbringst-und-was-das-ganze-mit-einem-kindergeburtstag-zu-tun-hat/

 

Lean&Lead #38:  Du hast kein Zeitproblem , du
verschwendest Energie. Drei Schritte, die mehr bringen als
perfektes Zeitmanagement.

https://byclaudiaschmidt.com/du-hast-kein-zeitproblem-du-verschwendest-energie-drei-schritte-die-mehr-bringen-als-perfektes-zeitmanagement/

 

… und noch viele mehr ;)

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Die Folge basiert unter anderem auf den Arbeiten von John D. C.
Little zu Little’s Law sowie auf Forschung von Gloria Mark und
Kolleg zu Unterbrechungen und Aufgabenwechseln.

 

 

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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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