Bandscheibenvorfälle ganzheitlich betrachten – warum auch die
Organe eine Rolle spielen können
Bei einem Bandscheibenvorfall schauen viele zunächst nur auf die
Wirbelsäule. Doch der Körper besteht nicht aus einzelnen,
voneinander getrennten Bereichen. Wirbelsäule, Muskulatur,
Faszien, Nervensystem und Organe stehen in enger Verbindung und
beeinflussen sich gegenseitig.
Unsere Organe liegen nicht einfach lose im Körper. Sie werden
durch ein Netzwerk aus Bindegewebe und Faszien an ihrem Platz
gehalten. Dieses Fasziennetz ist wiederum mit umliegenden
Muskeln, dem Zwerchfell, dem Becken und anderen Strukturen des
Bewegungsapparates verbunden. Gleichzeitig erfolgt die nervale
Versorgung der Organe über Nervenbahnen, die aus dem Rückenmark
kommen. Deshalb können sich Vorgänge im Bauchraum und
Veränderungen an der Wirbelsäule gegenseitig beeinflussen.
Hat ein Hund beispielsweise immer wieder Magenschmerzen, kann er
die Bauchmuskulatur anspannen und eine Schonhaltung einnehmen.
Auch das Zwerchfell kann in seiner Beweglichkeit eingeschränkt
sein. Ist der Darm stark gefüllt, aufgebläht oder dauerhaft
gereizt, kann das ebenfalls die Spannung im Bauch- und
Rumpfbereich verändern.
Diese anhaltenden Spannungen können über Muskeln und Faszien
veränderte Zugkräfte auf den Bewegungsapparat übertragen. Der
Hund bewegt sich anders, hält den Rücken fest oder belastet
einzelne Wirbelsäulenabschnitte stärker. Dadurch können
Fehlbelastungen entstehen, welche die Bandscheiben und kleinen
Wirbelgelenke zusätzlich beanspruchen.
Das bedeutet nicht, dass jedes Organproblem automatisch einen
Bandscheibenvorfall verursacht. Bandscheibenerkrankungen können
viele Auslöser haben – unter anderem Veranlagung, Alter,
Verschleiß, Übergewicht, mangelnde Muskulatur oder ungünstige
Belastungen. Aber wenn wir bei der Behandlung ausschließlich auf
die schmerzhafte Stelle an der Wirbelsäule schauen, übersehen wir
möglicherweise Faktoren, die das Problem verstärken oder immer
wieder neue Spannung erzeugen.
Deshalb ist es so wichtig, den Hund als Ganzes zu betrachten: Wie
arbeitet die Muskulatur? Wie beweglich sind Brustkorb und
Zwerchfell? Gibt es Verdauungsprobleme, Bauchschmerzen oder
auffällige Schonhaltungen? Und wie wirken all diese Bereiche
biomechanisch zusammen?
Denn für eine langfristig sinnvolle Therapie reicht es häufig
nicht, nur dort zu behandeln, wo der Schmerz sichtbar wird. Wir
müssen auch nach den Zusammenhängen und möglichen Ursachen der
Fehlbelastung suchen. Genau das bedeutet für mich ganzheitliche
Therapie.
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