Dienstagmorgen auf Flightradar24: Eine C-17 der US-Luftwaffe
fliegt von Riga nach Moskau, ein amerikanischer
Militärtransporter im Anflug auf die russische Hauptstadt, im
vierten Kriegsjahr. Aus Kiew sickert durch, die USA hätten
gebeten, drei Tage lang keine Drohnen auf Moskau und St.
Petersburg zu fliegen. Am Mittwoch bestätigt der Kreml: An Bord
war CIA-Direktor John Ratcliffe, vier Stunden, „Kontakte zwischen
den Geheimdiensten", kein Putin-Treffen. Es ist der erste
bekannte Moskau-Besuch eines CIA-Chefs seit November 2021, als
William Burns vor der Invasion der Ukraine warnte. Drei Monate
später begann der Krieg. Und das Merkwürdigste an diesem
Geheimbesuch: Er war gar nicht geheim. Wer unentdeckt bleiben
will, hat andere Mittel. Wenn Unsichtbarkeit verfügbar war und
nicht gewählt wurde, ist die Sichtbarkeit Teil der Botschaft.
Geheimdienstkanäle sind die letzte Leitung, die auch im tiefsten
Zerwürfnis nicht gekappt wird: keine Protokolle, keine Fahnen,
volle Abstreitbarkeit, von den Hinterzimmern der Kubakrise über
das Burns-Naryschkin-Treffen von 2022 bis zu den
Gefangenenaustauschen dieses Krieges. Die Deutungen des Besuchs
lassen sich nach Anreizen, Kosten und Präzedenzfällen sortieren,
vom Gefangenenaustausch über eine Iran-Vermittlung bis zur
Warnung, die ein Pressebericht nahelegt. Dann, am Donnerstag,
schrieb die Geschichte sich selbst weiter: Die New York Times
berichtet unter Berufung auf Regierungsbeamte, Ratcliffe habe
FSB-Chef Bortnikow die düstere CIA-Einschätzung des russischen
Kriegsverlaufs überbracht und Moskau gedrängt, ernsthaft zu
verhandeln, bevor die Lage sich weiter verschlechtert, ohne jede
Drohung. Der bemerkenswerteste Satz: Die CIA zweifelt, ob Putins
eigene Berater ihm die Wahrheit sagen. Der letzte ehrliche
Nachrichtenüberbringer des Kremlchefs sitzt in Langley.
Warum wissen wir das? Weil Beamte es der Zeitung erzählten,
anonym, gezielt, zwei Tage danach. Erst der trackbare Flug, dann
der dosierte Leak: In dieser Liga wird nichts zufällig sichtbar,
jedes Signal hat Adressaten, in Moskau, in Kiew, in Europa, im
eigenen Land. Der Bericht ist die belastbarste Deutung, die es
gibt, und zugleich selbst ein Zug im Spiel, beides stimmt
gleichzeitig, und wer nur eines sieht, liest solche Wochen
falsch. Die Folge endet mit einer Beobachtungsliste für die
nächsten Wochen, von der russischen Parlamentswahl Ende September
über die Patriot-Frage bis zur Ostflanke. Beim letzten Besuch
dieser Art kannte die Welt die Auflösung erst drei Monate später.
Diesmal liegt eine Version auf dem Tisch, die nach Verhandlungen
klingt. Hoffen wir, dass sie hält.
Mehr Podcasts und Inhalte gibt es unter:
https://48forward.com
Moderation: Daniel Fürg
Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)
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