Anatomie und Erleuchtung. Das klingt erst mal nach zwei Themen,
die nichts miteinander zu tun haben.
Trotzdem erreicht mich kaum eine Frage so häufig wie diese:
„Können wir nicht mal mehr Anatomie machen?" Yogalehrende
wünschen sich Workshops dazu, und viele haben den Eindruck, sie
müssten einfach mehr wissen, um besser zu unterrichten. Auch
Schüler:innen glauben oft, dass sie ihre Praxis besser verstehen
würden, wenn sie nur genauer wüssten, was im Körper passiert.
Ich verstehe die Frage. Und gleichzeitig macht sie mich jedes Mal
ein wenig ratlos, weil ich gar nicht genau weiß, was damit
eigentlich gemeint ist. Denn Anatomie im medizinischen Sinn, also
Knochen benennen und wissen, wo sie liegen, danach fragt
eigentlich niemand. Gemeint ist meistens etwas anderes: Wie mache
ich es so, dass sich niemand verletzt. Was tue ich, wenn jemand
mit Knieschmerzen vor mir steht.
In dieser Folge räume ich auch mit einem Irrglauben auf. Viele
denken, dass ich Asana besser unterrichte, weil ich Medizin
studiert habe. Ehrlich gesagt benutze ich dieses Wissen fast nie.
Und ich erzähle, warum ich glaube, dass hinter dem Wunsch nach
mehr Anatomie oft etwas ganz anderes steckt, nämlich
Unsicherheit. Der Gedanke dahinter ist verständlich: Mit genug
Wissen kann ich diese Sorge endlich loslassen. Nur stimmt das
vielleicht nur zum Teil, weil mit mehr Wissen über Verletzungen
und Therapie manchmal auch die Sorge größer wird. Und diese Sorge
geben wir dann weiter, an genau die Menschen, die zu uns in die
Klasse kommen.
Es geht außerdem um drei sehr einfache Dinge, die tatsächlich vor
Verletzungen schützen und für die du kein anatomisches Wissen
brauchst. Um die Frage, in welcher Rolle wir eigentlich stehen,
wenn wir unterrichten. Und um das Iliosakralgelenk, wo zwei Lager
sich sicher sind, dass die jeweils andere Seite gefährlich ist.
Was mich daran hauptsächlich interessiert: Was sagt es uns
eigentlich, wenn beide Seiten dieselbe Erfahrung machen?
Erwähnte Folgen:
Folge 20: Hands-On Assists, ja bitte
Folge 27: Die Sucht nach Weiterbildungen (so wirst du sie
los!)
Folge 43: Asanas sind kein Yoga
Folge 66: Der innere Kritiker im Yogaunterricht
Wie ist das bei dir? Wünschst du dir mehr anatomisches Wissen,
und was genau erhoffst du dir davon? Schreib mir gern, ich bin
wirklich neugierig.
Hier findest du mich:
Instagram:
Unsere Fortbildungen und Ausbildungen im Studio
Mein Buch "Das Ende deiner Suche"
Kapitel:
00:00 Warum diese Folge mit einem Geständnis anfängt
00:50 Anatomie in einem Podcast über Erleuchtung?
01:11 Die Frage, die mir ständig gestellt wird
02:14 Warum sie mich jedes Mal ratlos macht
02:43 Was Anatomie eigentlich ist, und wo sie aufhört
03:59 Was Menschen wirklich meinen, wenn sie mehr Anatomie wollen
05:12 Der Irrglaube: Medizinstudium gleich besserer Unterricht
06:26 Fachbegriffe im Yogaunterricht, und was sie bringen
07:25 In welcher Rolle stehen wir beim Unterrichten?
08:26 Kommt Anatomie in den Yoga-Schriften überhaupt vor?
09:30 Wissen als Sicherheitsgefühl, und wie daraus neue Angst
wird
10:35 Drei Basics: Gegendruck, Langsamkeit, Atem
11:56 Die Richtig-und-falsch-Falle
13:00 Wie wir Anatomie in der 300-Stunden-Ausbildung umgestellt
haben
14:21 Das Iliosakralgelenk und die zwei Lager
16:02 Suchen, finden, loslassen
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.