In Folge 6 meiner persönlichen Hörbuch-Reihe „System Exit“
erzähle ich von einem der dunkelsten Übergänge meiner
Suchtgeschichte.
Es geht um die Zeit, in der ich eigentlich dachte, ich sei auf
einem guten Weg: Sport, Ernährung, kein Rauchen, Disziplin,
Kontrolle. Nach außen sah es aus wie Veränderung. Doch innerlich
hatte ich noch nicht gelernt, mit Schmerz, Ohnmacht, Trauer und
Einsamkeit anders umzugehen.
Als diese neue Stabilität durch Krankheit wegbrach und
gleichzeitig der Kontakt zu meinem Sohn, die gescheiterte Nähe zu
meiner Mutter und meine Depressionen wieder zusammenkamen,
entstand ein Punkt, an dem ich nicht mehr leben wollte wie
bisher.
Diese Folge erzählt, wie Heroin in mein Leben kam — nicht als
Partydroge, nicht aus Neugier, sondern als scheinbare Antwort auf
unerträgliches Fühlen.
Nicht Spaß.
Nicht Freiheit.
Nicht Abenteuer.
Sondern Ruhe.
Ich erzähle vom Bremer Platz in Münster, von dem Moment, in dem
ich plötzlich nicht mehr von außen auf „die Junkies“ geschaut
habe, sondern selbst einer von ihnen war. Von Szenen, die mir
gezeigt haben, wohin dieser Weg führen kann. Von Menschen, deren
Grenzen durch Sucht, Not und Beschaffung völlig verschoben waren.
Und von „Leiche“, den ich aus meiner ersten Entgiftung kannte und
dessen Verfall mich später tief erschüttert hat.
Es geht auch um meinen Weg zum Hausarzt, den schnellen Einstieg
ins Methadon-Programm und die Tragik, dass ich damals gar nicht
verstanden habe, was Substitution langfristig bedeuten kann.
Methadon hat mich vom direkten Heroin-Beschaffungsdruck entfernt.
Aber es hat mich nicht frei gemacht.
Alkohol, Cannabis, Partydrogen, emotionale Taubheit, Depression
und alte Muster liefen weiter. Ich war legal ruhiggestellt — aber
nicht zurück im Leben.
Am Ende dieser Folge steht der nächste scheinbare Neuanfang:
Köln.
Eine neue Stadt.
Eine neue Chance.
Ein neuer Ort.
Und doch nehme ich mich selbst mit.
Diese Folge ist keine Verherrlichung und keine Anleitung. Sie ist
Aufarbeitung.
Für Betroffene, die verstehen wollen, warum gefährliche
Substanzen in tiefster Verzweiflung manchmal nicht wie Gefahr
wirken, sondern wie Rettung.
Für Angehörige, die begreifen möchten, warum Opiate nicht immer
aus Neugier oder „Spaß am Konsum“ beginnen, sondern oft aus
Ohnmacht, Depression, Trauma und dem Wunsch, nicht mehr fühlen zu
müssen.
Und für alle, die verstehen wollen, warum Substitution helfen
kann — aber ohne Begleitung, Ehrlichkeit und innere Arbeit nicht
automatisch Freiheit bedeutet.
Hinweis: Diese Folge enthält Themen wie Suizidgedanken, einen
Suizidversuch, Heroin, Methadon, Beikonsum, Depression,
Szeneleben, Prostitution, Verwahrlosung und Tod. Ich erzähle
keine Details zur Methode meines Suizidversuchs. Bitte höre nur
weiter, wenn es sich für dich gerade sicher anfühlt.
Wenn du dich akut gefährdet fühlst oder Suizidgedanken hast, hole
dir bitte sofort Hilfe. In Deutschland erreichst du die
TelefonSeelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222
oder 116 123. Bei akuter Gefahr rufe bitte den Notruf 112.
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