Welchen Einfluss hat unsere Herkunft auf unser Leben? Auf Bildung,
Karriere, unsere Beziehungen? Gibt es Chancengleichheit wirklich?
Und wann ist eine Gesellschaft gerecht? In dieser Folge von
Suhrkamp espresso geht es um soziale Herkunft und
Chancengleichheit. In ihrem neuen Roman Das lügenhafte Leben der
Erwachsenen erzählt Elena Ferrante von der 13-jährigen Giovanna,
die sich auf die Suche nach ihrer Tante und damit auch nach ihrer,
von den Eltern verleugneten, Herkunft macht. Ihr Weg führt sie aus
den höher gelegenen, bürgerlichen Stadtteilen Neapels, in denen sie
aufgewachsen ist, tief hinein in eine ganz andere Welt. Der Roman
erzählt von den Heucheleien der Eltern, den Verunsicherungen des
Erwachsenwerdens – und von Emanzipation. In ihrem Romandebüt
Streulicht erkundet Deniz Ohde die unsichtbaren Schranken in
unserer Gesellschaft und erzählt von der Kluft zwischen
Bildungsversprechen und erfahrener Ungleichheit. Die aus einer
Arbeiterfamilie stammende Ich-Erzählerin kehrt in ihren Heimatort
zurück und beginnt, sich zu erinnern: an die nicht enden wollenden
Anstrengungen des Alltags, in dem sie gegen Diskriminierung,
Vorurteile und Ungleichheit zu bestehen versucht. An die soziale
Scham, das Streben nach Aufstieg und die zermürbende
Auseinandersetzung mit einem Bildungssystem, das Gleichheit
verspricht, obwohl die eigene Herkunft am Ende doch maßgeblich den
eigenen Erfolg beeinflusst. In ihrem Buch Politische Gleichheit
plädiert die amerikanische Politologin Danielle Allen dafür, die im
Liberalismus in den Hintergrund geratene politische Gleichheit
wieder in den Vordergrund zu rücken. Echte politische Gleichheit,
so Allen, lässt sich nur in demokratischen Gesellschaften mit
starken sozialen Bindungen realisieren. In ihrem Roman 1000
Serpentinen Angst, der vor kurzem im S. Fischer Verlag erschien,
erzählt Olivia Wenzel von einer jungen, schwarzen, queeren Frau –
von ihrem Aufwachsen in der DDR, von den Diskriminierungen denen
sie ausgesetzt ist, von dem Rassismus, aber auch von den
Privilegien, die sie erfährt.
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