Beim Vorbereiten dieser Folge ist mir bewusst geworden, dass es
heute gar nicht um Leichtigkeit geht. Eigentlich geht es um etwas
anderes. Um Selbstmitgefühl. Um die Frage, wie freundlich ich mit
mir bin, wenn ich gerade nicht voller Energie bin.
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Bündner-Herz –
ehrlich unterwegs.
Heute nehme ich dich mit in einen Gedanken, der mich in den
letzten Tagen begleitet.
Eigentlich wollte ich über Leichtigkeit sprechen.
Über Freude.
Über Freiheit.
Über das Leben geniessen.
Über dieses Gefühl, einfach loszugehen, ohne alles zu
hinterfragen.
Doch während ich mich auf diese Folge vorbereitet habe, habe ich
gemerkt: Genau das fühle ich im Moment gar nicht. Und vielleicht
ist genau das die ehrlichere Folge.
Ich wünsche mir Leichtigkeit.
Ich wünsche mir Energie.
Ich wünsche mir dieses beschwingte Gefühl, morgens aufzustehen
und voller Ideen zu sein.
Doch mein Körper erzählt mir im Moment etwas anderes.
An manchen Tagen fühle ich mich kraftlos. Nicht traurig. Nicht
verzweifelt.
Einfach müde.
So, als würde mein Körper sagen: Heute nicht.
Und ich merke, wie schnell dann eine Stimme in mir auftaucht.
Sie fragt:
Warum bist du nicht motivierter?
Warum fühlst du dich nicht leichter?
Was musst du ändern?
Ich habe begonnen, nach Antworten zu suchen. Ich analysiere.
Überlege. Nach einer Lösung gesucht. Denn genau das mache ich
eigentlich gerne. Mich interessieren Zusammenhänge. Ich liebe
Fragen. Ich liebe Entwicklung. Ich liebe es, Menschen und auch
mich selbst besser zu verstehen.
Doch diesmal ist etwas anders. Ich habe gemerkt:
Vielleicht brauche ich gerade gar keine neue Erkenntnis.
Vielleicht brauche ich einfach Ruhe.
Vielleicht muss ich gar nichts lösen.
Vielleicht muss ich mich gerade nicht motivieren.
Vielleicht muss ich mich auch nicht antreiben.
Vielleicht darf ich mich einfach einmal ausruhen lassen.
Dieser Gedanke gefällt mir. Nicht einfach ausruhen. Sondern mich
ausruhen lassen.
Fast so, als dürfte ich mich anlehnen.
An das Leben.
An das Vertrauen.
An die Gewissheit, dass nicht jeder Tag gleich sein muss.
Ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der wir unglaublich viel
über Entwicklung sprechen.
Über Ziele.
Über Wachstum.
Über Möglichkeiten.
Doch ich frage mich:
Darf Entwicklung nicht auch einmal Pause machen? Darf sie nicht
auch still sein?
Vielleicht besteht Entwicklung manchmal gar nicht darin, den
nächsten Schritt zu machen.
Vielleicht besteht sie darin, stehen zu bleiben. Tief
durchzuatmen. Und dem Leben zu vertrauen.
Es gibt Jahreszeiten, in denen alles blüht. Und es gibt
Jahreszeiten, in denen scheinbar nichts passiert. Doch unter der
Oberfläche geschieht unglaublich viel.
Niemand würde einen Baum im Winter anschieben und sagen: Jetzt
wachse endlich.
Wir vertrauen darauf, dass seine Zeit wieder kommt. Warum fällt
uns das bei uns selbst oft so schwer? Warum glauben wir, immer
voller Energie sein zu müssen?
Immer kreativ.
Immer motiviert.
Immer bereit.
Sondern auch mal
Müde zu sein.
Still zu sein.
Ideenlos zu sein.
Nicht, weil etwas mit uns nicht stimmt. Sondern weil unser Körper
und unsere Seele gerade etwas anderes brauchen. Und während ich
darüber nachgedacht habe, ist mir noch etwas bewusst geworden.
Vielleicht suche ich gar nicht nach Leichtigkeit. Wahrscheinlich
suche ich nach der Erlaubnis. Nach der Erlaubnis, nicht ständig
funktionieren zu müssen. Nicht immer etwas aus sich machen zu
müssen. Sondern sich selbst gerade einfach sein zu lassen. Ich
merke, wie gut mir dieser Gedanke tut. Denn ich weiss:
Die Freude ist nicht weg.
Die Neugier ist nicht weg.
Die Ideen sind nicht weg.
Und das ist in Ordnung so.
Ich weiss nicht, wie es dir gerade geht. Vielleicht fühlst du
dich voller Energie. Dann freue ich mich von Herzen für dich.
Oder fühlst du dich auch ein bisschen oder eher so wie ich. Ein
wenig müde. Ein wenig kraftlos. Mit dem Wunsch, dass sich wieder
mehr Leichtigkeit zeigen darf.
Ich glaube, wir tragen das Leben manchmal. Und manchmal trägt das
Leben uns. Beides gehört dazu. Und vielleicht liegt genau darin
eine ganz stille Form von Leichtigkeit.
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