Wenn Frieden zur Flucht wird – Spirituelles Bypassing, Trauma und
fehlende Verkörperung
Spiritualität kann Halt geben, Sinn stiften und Menschen helfen,
sich innerlich neu auszurichten.
Problematisch wird sie dort, wo Frieden, Liebe und
Eigenverantwortung benutzt werden, um Trauma, Wut, Scham,
Grenzen, Machtverhältnisse und konkrete Verantwortung zu
überspringen.
In dieser Folge spreche ich darüber, warum spirituelle
Botschaften wie
„Du erschaffst deine Realität selbst“
„Du willst noch leiden“
„Du hältst an deiner Opferrolle fest“
„Du musst dich nur für Frieden entscheiden“
für traumatisierte Menschen nicht nur verkürzend, sondern auch
beschämend wirken können.
Es geht ausdrücklich nicht darum, Eigenverantwortung abzulehnen.
Im Gegenteil:
Ohne die Bereitschaft, die eigene Wirkung, die eigenen Muster und
das eigene Verhalten anzuschauen, ist Entwicklung kaum möglich.
Aber Eigenverantwortung ist nicht dasselbe wie
Totalverantwortung.
Ein Mensch ist heute dafür verantwortlich, wie er mit seinen
Prägungen umgeht. Er war aber nicht die Ursache dafür, dass er
als Kind beschämt, bedroht, vernachlässigt oder misshandelt
wurde.
In dieser Folge geht es unter anderem darum:
– wie aus Eigenverantwortung spirituelle Selbstbeschuldigung
werden kann
– warum Traumafolgen keine freiwillig gewählte Opferidentität
sind
– weshalb frühe Erfahrungen im impliziten Gedächtnis und im
Nervensystem weiterwirken
– warum ein erwachsener Verstand alte Schutzreaktionen nicht
einfach abschalten kann
– wie Spiritualität zur Abwehr eigener Aggression und Kontrolle
benutzt werden kann
– weshalb Erkenntnis noch keine Integration ist
– warum Wut, Scham, Misstrauen und Rückzug zunächst eine
Schutzfunktion haben können
– was echte Verkörperung von spiritueller Selbstdarstellung
unterscheidet
Ein zentraler Gedanke dieser Folge lautet:
Du kannst dich nicht ins Licht denken, wenn dein Nervensystem
noch im Überlebenskampf steckt.
Und ebenso wichtig:
Opfer gewesen zu sein ist eine Erfahrung. Sich dauerhaft über den
Opferstatus zu definieren, ist etwas anderes. Aber man kommt
nicht aus einer Opfererfahrung heraus, indem man sie verleugnet
oder beschämt.
Mein Gegenentwurf ist eine verkörperte, traumainformierte
Spiritualität!
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