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  4. Pflege zwischen Verantwortung und Überlastung | Christian Fuchs
Die Pflege gehört zu den Berufsgruppen, die häufig zu wenig
Beachtung finden. Dabei ist die Belastung enorm hoch und
abgesehen von symbolischer Anerkennung durch Klatschen während
der Pandemie hat sich strukturell kaum etwas verändert.

Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus –
Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christian
Fuchs, Fachkrankenpfleger für Anästhesie mit 15 Jahren
Berufserfahrung.

Schon zu Beginn seiner Laufbahn hörte er oft den Satz „früher war
alles besser“ – inzwischen teilt er diese Einschätzung selbst.
Vor allem die fehlende Wertschätzung macht sich bemerkbar. Für
ihn ist klar: Unter den aktuellen Bedingungen ist der Beruf weder
körperlich noch psychisch bis zur Rente durchzuhalten.

Ein zentrales Problem sind die Personaluntergrenzen. Christian
berichtet von einer Silvesterschicht während der Corona-Pandemie,
in der drei Pflegekräfte insgesamt 16 Patient:innen versorgen
mussten. Trotz Überlastungsanzeigen blieb eine Reaktion aus. In
solchen Situationen stehen Pflegekräfte vor der Wahl: Sie tragen
das Risiko weiter oder verlassen die Situation.

Hinzu kommt, dass die Personaluntergrenzen eigentlich als
absolute Mindestbesetzung gedacht sind, in der Praxis aber oft
als Regelbetrieb dienen. Zudem werden unterschiedliche Funktionen
zusammengefasst – unabhängig davon, ob jemand tatsächlich in der
direkten Versorgung tätig ist. Auch die Berechnung über längere
Zeiträume verzerrt die reale Belastung im Alltag.

Politische Lösungen bleiben bislang aus. Laura sieht das
Hauptproblem weniger in der Vergütung als in den
Arbeitsbedingungen. Eine reine Gehaltserhöhung greift zu kurz.
Entscheidend ist, mehr Fachkräfte zu gewinnen und die
Abhängigkeit von starren Personaluntergrenzen zu reduzieren.

Mit dem von Jens Spahn eingeführten Pflegebudget wurde die Pflege
zwar vollständig refinanziert, gleichzeitig hat sich das
Aufgabenspektrum erweitert. Pflegekräfte übernehmen zunehmend
Tätigkeiten, die ursprünglich nicht zu ihrem Kernbereich gehören,
etwa organisatorische oder hauswirtschaftliche Aufgaben.

Auch die generalistische Ausbildung wird kritisch gesehen. Die
Zusammenführung von Kinderkrankenpflege, Altenpflege und
Krankenpflege führt laut Christian dazu, dass spezifische
Anforderungen im Klinikalltag nicht ausreichend abgebildet
werden.

Der Arbeitsalltag ist geprägt von wenigen Pausen und hoher
Belastung. Viele bleiben trotzdem im Dienst, weil sie ihre
Kolleg:innen nicht zusätzlich belasten möchten.

Laura beschreibt die Intensivstation als besonders kritischen
Bereich. Hier treffen die Anforderungen aller Fachabteilungen
zusammen, was häufig zu Engpässen führt. In der Folge werden
Patient:innen teilweise früher verlegt, als medizinisch sinnvoll
wäre – mit dem Risiko wiederholter Aufnahmen.

Durch DRGs, Fachkräftemangel und steigende Kosten stehen
Krankenhäuser unter wachsendem wirtschaftlichem Druck. Im
Gegensatz zu anderen Bereichen der Daseinsvorsorge müssen sie
wirtschaftlich arbeiten, was Fehlanreize begünstigt und das
System anfälliger für Missbrauch macht.

Laura erinnert sich zudem an eine Zeit ohne verpflichtende
Arbeitszeiterfassung, in der flexible Lösungen noch möglich
waren. Heute wünschen sich beide Modelle wie ein
Lebensarbeitszeitkonto, um die Belastung langfristig besser
auszugleichen und die Arbeit im Gesundheitswesen nachhaltiger zu
gestalten.

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