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  4. Interview mit Prof. Dr. Helmut Schrettenbrunner
Seit der Erstellung von Videospielen befinden sich Serious Games in
einer Nische und werden von kommerziellen Studios selten umgesetzt.
Die Gründe hierfür sind vielfältig, doch der Wichtigste ist wohl,
dass Publisher den kommerziellen Erfolg dieser Programme und Spiele
als wenig lukrativ einschätzen. Der Anspruch von Serious Games ist
es, authentische Situationen und Problemstellungen der realen Welt
abzubilden, für die es oftmals keine einfachen Lösungen gibt.
Dadurch stellen sich die typischen Erfolgsmomente von kommerziell
vertriebenen Computerspielen meist nicht ein, da nicht der
Spielfortschritt und der damit verbundene Erfolg für den Spieler im
Vordergrund steht, sondern vielmehr die Sensibilisierung von
Problemen durch die Spielerfahrung selbst. Daraus ergeben sich
wiederum Schwierigkeiten bei der Ausbalancierung des
Schwierigkeitsgrades, des Gameplay-Loops und dem Spielerfolg
selbst. Diese Faktoren führen dazu, dass Lernsoftware oftmals als
wenig(er) spaßig empfunden wird, da typische motivierende, aber
unrealistische Faktoren, die zum Weiterspielen animieren, fehlen.
Die Folge ist ein meist sehr überschaubarer Adressatenkreis, der
sich mit diesen Spielen ernsthaft auseinandersetzt. Unserem
heutigen Gast Prof. Dr. Helmut Schrettenbrunner, ehemaliger Inhaber
des Lehrstuhls für Geographie an der
Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen/Nürnberg, ist
rückblickend im Jahr 1989 ein Kunststück gelungen. Unter seiner
Leitung entstand das DOS-Spiel „Hunger in Nordafrika“, welches von
seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern E. Gradl und G. Heß
umgesetzt wurde. Der Vertrieb der Software erfolgte als
Lernprogramm zum Thema Sahelzone und richtete sich an Schülerinnen
und Schüler der Mittelstufen in Deutschland. Die gegebene Anzahl an
Stellschrauben, die dem Spieler innerhalb der Simulation zur
Verfügung stehen, erzeugten im Gegensatz zu vielen üblichen
Vertretern im Genre eine ungewöhnlich hohe Motivation innerhalb der
angesprochenen Schülerschaft. Das Programm wurde in den
Computerräumen der Schulen oftmals auch unbewusst kompetitiv
gespielt, mit dem Ziel die eigene digitale Familie über möglichst
viele Jahre wirtschaftlich handlungsfähig zu halten. Der zu Beginn
beschriebene Teufelskreis der Serious Games war in diesem Programm
durchbrochen, viele Schüler kehrten freiwillig, auch in
Freistunden, zu diesem Spiel zurück und optimierten ihre Strategien
anhand des erworbenen Wissens immer weiter, womit das eigentliche
Lernziel der Software, dem Auseinandersetzen mit dem Überleben
innerhalb der Sahelzone, mehr als erreicht wurde. Im Interview mit
Prof. Dr. Helmut Schrettenbrunner erhalten wir persönliche
Einblicke in die Entstehung und Weiterentwicklung von Lernsoftware
und blicken mit ihm gemeinsam auch auf weitere digitale Projekte
innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit am Lehrstuhl. Der Fokus
unserer Fragen liegt jedoch auf dem Programm „Hunger in
Nordafrika“, welches laut Aussage unseres Gastes das beste
entwickelte Programm des Lehrstuhls gewesen ist und während der
aktiven Vertriebszeit schätzungsweise 500.000 Schülerinnen und
Schülern erreichte. An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals bei
Prof. Dr. Helmut Schrettenbrunner, der sich die Zeit für dieses
Interview genommen hat und geduldig jede unserer Fragen
beantwortete und wünschen allen viel Spaß beim Anhören der Folge.
Unsere Website findet Ihr unter https://www.legendarygam.es
Intro-Musik "Switchblade Squadron" von Covox aus dem Album
"Infiltrator".
http://freemusicarchive.org/music/Covox/Infiltrator/Switchblade_Squadron
Outro-Musik "I Love Holy Daze" von Geir Tjelta
http://freemusicarchive.org/music/geir_tjelta/Dexters_Pinkboratory/mtk096-va-bestofahxvol1-07-geir-tjelta-i-love-holy-daze

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