Mit Der zweite Reiter führte Alex Beer den Kriminalinspektor
August Emmerich ein, der im Wien des Jahres 1919 Mordfälle zu
lösen hat. Für diesen Debüt-Roman erhielt die Vorarlbergerin
gleich mal den Leo-Perutz-Preis 2017 für die beste Neuerscheinung
aus dem Genre Kriminalroman im deutschen Sprachraum. Der zweite
Roman, Die Rote Frau, führt diese begonnene Reihe fort und spielt
ebenfalls im Wien, allerdings ein paar Monate später, nämlich im
März 1920. Hunger am Ende des Krieges, Hunger am Beginn des
Friedens, der Zerfall der Monarchie, Gründung der Ersten
Republik, Kriegsheimkehrer, Arbeitslose, unwirtliche
Hygienezustände prägen das Stadtbild, und in all dem setzt Alex
Beer ihre Krimi-Handlung an. Sie bleibt dabei nicht an der
Oberfläche, sondern recherchiert penibel in den Archiven der
Österreichischen Nationalbibliothek. Heraus kommt in beiden
Fällen ein spannungsreiches Gesellschaftsbild mit gut
herausgearbeiteten Charakteren und glaubhaften Krimihandlungen.
Der literarische Feinsinn von Alex Beer schafft dabei die
Gratwanderung der anspruchsvollen Unterhaltung unter Einbeziehung
zeithistorischer Sittenbilder und Alltagsmomenten ohne dabei
jemals die Spannungsdramaturgie eines Krimis aus den Augen zu
verlieren. Beide Romane heben sich somit wohltuend von der
breiten Masse an Kriminalromanen ab, und war schon Der zweite
Reiter ein Hochgenuss zum Lesen, so ist der zweite Fall mit
August Emmerich nochmals eine Steigerung. Beim Interview sprachen
wir über Erwartungshaltungen und Recherchemethoden, über
Ansprüche und Glück, und nicht zuletzt über soziale Einrichtungen
in der Ersten Republik. Passend zum Zeitrahmen des Romans stammen
die Musikbeiträge von Original Schellack Aufnahmen aus dem Jahr
1919 und 1920, namentlich von Irving Kaufman, Arthur Fields,
Marion Harris, Al Jolson, Mamie Smith, Albert C. Campbell and
Henry Burr, Armin Berg und Otto Reutter.
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