Podcaster
Episoden
22.05.2026
44 Minuten
Seit etwa zehn Jahren hört und liest man über immer mehr – und immer krassere – Fälle von Vandalismus in Kirchen. Aber dies ist ein Thema, das sich nicht leicht fassen lässt. Man erfährt nur gelegentlich in vermischten Kurzmeldungen davon – so, als ob es sich um Einzelfälle handelte. Dabei gibt es Muster – bei Diebstählen, Beschädigungen und Schändungen. Sie zeigen, dass hier um mehr als «Sachbeschädigung» geht. Diese Angriffe sind für die betroffenen Kirchengemeinden und Ortschaften sehr verletzend. Deshalb kann man in einigen Fällen durchaus von «hate crime» sprechen. Aber sie sind mit den Mitteln des Rechtsstaats schwer aufzuklären und zu bestrafen. Zudem gibt es interessierte Gruppen, die solche Fälle massiv skandalisieren – nicht immer aus lauteren Motiven. Sie schreien einen antichristlichen Kulturkampf herbei. Gerade deshalb ist es gut, sich dieses Thema genauer anzuschauen und sachlich zu beurteilen. Was ist dran am neuen Kirchen-Vandalismus? Jakob Johannes Koch, Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, beobachtet den zunehmenden Kirchen-Vandalismus seit längerem und hat dazu sehr hilfreiche Artikel publiziert. Wie kaum ein anderer im deutschsprachigen Raum kann er erklären, worum es geht und was zu tun ist.
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08.05.2026
54 Minuten
Regelmässig lade ich Menschen in meinen Podcast ein, die gerade ein Buch veröffentlicht haben. Dieses Mal mache ich es anders: Ich habe einen Gast bei mir, der gerade an einem Buch arbeitet, das sehr interessant werden dürfte – nur muss er sich eingestehen, dass dieses Buch eigentlich gar nicht möglich ist. Markus Witte lehrt Altes Testament an der Fakultät für Evangelischen Theologie an Humboldt Universität Berlin. Er möchte eine Literaturgeschichte des Alten Testaments schreiben. Doch das dürfte kaum mehr möglich sein. Denn in der alttestamentlichen Forschung hat sich ein radikal neues Bild von der Entstehung der Bibel durchgesetzt: Es gab keine «Autoren», vielmehr haben «Redaktionen» in immer neuen Anläufen, Neudeutungen und Umschreibung das geschaffen, was nun als Buch vor uns liegt. In meinem Studium hatte ich es noch ganz anders gelernt. Es hat in der alttestamentliche Forschung eine regelrechte Revolution stattgefunden – allerdings, ohne dass die breite Öffentlichkeit das mitbekommen hätte. Welche Folgen hat sie für unser Verständnis des Alten Israel, für unser Verhältnis zur Bibel, für unseren Glauben.
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24.04.2026
57 Minuten
Es ist Krieg, in vielen Regionen der Erde. Besonders Kinder haben darunter zu leiden. Was erleben sie? Und welche Folgen wird dies für ihr späteres Leben haben? Eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg gibt eine Ahnung davon, was auf Kinder in der Ukraine, im Iran, in Gaza, Israel, im Libanon oder Sudan zukommen kann. Gerade hat die Gesellschaft für bedrohte Völker darüber eine Broschüre veröffentlicht. Sie erzählt von den ostpreußischen «Wolfskindern», die nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs allein überleben mussten. Wer sich in ihre Geschichte vertieft, kann besser verstehen, was ein Trauma ist, aber auch was Kindern im Krieg hilft, später ein eigenes Leben aufzubauen. Der Historiker und Autor Christopher Spatz hat über die Wolfskinder geforscht und die sehr erfolgreiche Kampagne der Gesellschaft für bedrohte Völker begleitet.
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10.04.2026
36 Minuten
Langsam fragen sich manche, ob das mit dem Internet wirklich so eine gute Idee war. So viel Hass breitet sich dort aus. Aber was ist Hass eigentlich, und wie gewinnt er eine solche Macht im digitalen Raum? Darüber spreche ich mit Christian Gürtler. Er ist Dozent am Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und digitale Theologie in Erlangen und arbeitet dort an seiner Doktorarbeit. Wir kennen uns von einem gemeinsamen Projekt: «Anstand digital» (https://anstanddigital.de/) – damit wollten wir ein paar Regeln für gute Kommunikation im Netz vorstellen. Das hat sich leider noch nicht vollständig durchgesetzt. Deshalb wollte ich bei Christian Gürtler nachfragen, weil er sich intensiv mit dem Phänomen der digitalen Hassrede, ihrer Dynamik und Gewalt auseinandergesetzt hat. Von ihm wollte ich natürlich auch erfahren, was man tun kann für ein besseres Miteinander im Internet.
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27.03.2026
46 Minuten
Wenig, zu wenig weiss man in Europa von dem christlichen Kulturerbe im Nahen Osten und in Nordafrika. Deshalb habe ich gemeinsam mit Negar Hakim ein Heft der traditionsreichen Zeitschrift «Kunst und Kirche» hierüber gestaltet. Hakim arbeitet als Architekturhistorikerin an der Technischen Universität Wien und stammt aus Isfahan im Iran. Wir sprechen über alte und neue Kirchengebäude in Tunesien, Mauretanien, Ägypten, Katar oder im Libanon oder Iran. Wir sprechen aber auch darüber, wie bedroht diese Schätze sind – in Gaza oder in Syrien. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass diese christliche Kultur an vielen Orten in ihrer Existenz bedroht ist. Ihr Ende wäre auch für uns in Westeuropa ein riesiger Verlust. Wir wollen aber auch einen Eindruck davon vermitteln, wie christliche Gemeinschaften in der islamischen Welt nicht nur überleben, sondern ein beeindruckendes Gemeindeleben entfalten und sich für ihr Gemeinwesen engagieren. Das sollten wir gerade in diesen Kriegszeiten zur Kenntnis nehmen.
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Über diesen Podcast
Die Kultur der Gegenwart ist voller Religion – ob es einem gefällt
oder nicht. Das Gute daran: Es schafft Anlässe, mit ganz
unterschiedlichen Menschen Gespräche zu führen. Über überraschende
kulturelle Entwicklungen, tolle neue Kunstwerke oder aktuelle
Konflikte. Nicht als journalistisches Frage-Antwort-Spiel, sondern
als gemeinsames, ernsthaft-unterhaltsames Nachdenken. Alle zwei
Wochen mit Johann Hinrich Claussen und immer einem anderen Gast.
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