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Kreisky Forum Talks Archiv

399 Episoden
49 Minuten
Aktuelle Möglichkeiten und Herausforderungen der wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit

Mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 17,9 Mrd. EUR (2021)  ist China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Österreichs in  Asien und weltweit der drittwichtigste. Auch der kulturelle und  wissenschaftliche Austausch mit dem Ziel, tieferes gegenseitiges  Verständnis zu schaffen, ist intensiv. Politisch kommt angesichts  internationaler Krisen und globaler Herausforderungen der Zusammenarbeit  und Abstimmung der EU und ihrer Mitgliedsstaaten mit China große  Bedeutung zu. Feng Xiaohu, Universitätsprofessor in Peking, befasst sich  seit vielen Jahren mit den Beziehungen Chinas mit Österreich und  Deutschland. Irene Giner-Reichl spricht mit ihm über aktuelle  Möglichkeiten und Herausforderungen der Zusammenarbeit.

Prof. FENG Xiaohu ist Inhaber des Lehrstuhls für  Germanistik an der University of International Business and Economics  (UIBE) in Peking und Dekan der Research Academy der UIBE in Chengdu. Er  war Gastprofessor an Universitäten in den USA, Japan, Frankreich,  Brasilien und Deutschland In Verbundenheit zur Humboldt-Universität in  Berlin, wo er post-doktorale Studien absolvierte, gründete er 2013 das  Beijing-Humboldt-Forum, das sich in jährlichen Tagungen in Peking und  anderen chinesischen Orten der Förderung des wirtschaftlichen und  kulturellen Austausches vor allem mit Deutschland und Österreich widmet.

Irene Giner-Reichl, Diplomatin, war von 2012 bis  2017 österreichische Botschafterin in China und danach bis 2021 in  Brasilien. Sie lehrt an der Diplomatischen Akademie in Wien und  kuratiert seit 2018 die BKF-Veranstaltungsreihe „China im Blick“.

„China im Blick“ versucht, so die Kuratorin, die wechselseitigen  Perzeptionen in einer lockeren Folge von Veranstaltungen miteinander in  Dialog zu setzen und ein neues Verständnis für internationale  Beziehungen im 21. Jahrhundert aufzubauen, die China maßgeblich  mitgestaltet und tiefgreifend verändert.
52 Minuten
Ein weiteres Beispiel für ethische Dilemmata in der Migrationspolitik

Migrationspolitik polarisiert. Politische Parteien beziehen konträre  Positionen. Regierungen und zivilgesellschaftliche AktivistInnen  sprechen kaum noch dieselbe Sprache, wenn es um Ziele und Werte in der  Migrationspolitik geht. Entgegen diesem gesellschaftlichen Trend  behauptet das Projekt „Ethische Dilemmata der Migrationspolitik“, dass  es in diesem Feld auch echte Wert- und Zielkonflikte gibt, denen sich  politische Akteure stellen müssen. Das von Martin Ruhs, Julia Mourao  Permoser, Lukas Schmid und Rainer Bauböck koordinierte „Dilemmata Projekt“ hat vor kurzem in einem Sonderband der Zeitschrift Migration Studies fünf Dilemmata vorgestellt und ihre allgemeinen Dynamiken in einem Einleitungsaufsatz analysiert. Im Bruno Kreisky Forum soll dieser innovative Ansatz für  migrationspolitische Debatten an zwei Abenden vorgestellt werden. Beim  ersten Gespräch am 30. Jänner geht es um die allgemeine Frage, wie  migrationspolitische Dilemmata bearbeitet werden können und um Dilemmata  von NGOs in der Seenotrettung.

Am 13. Februar steht das sogenannte Gastarbeits-Dilemma im Mittelpunkt.  Programme für legale zeitlich befristete Arbeitsmigration bedeuten für  Migrant*innen beschränkte soziale und Aufenthaltsrechte, andererseits  eröffnen sie ihnen die Chance, ihre Situation zu verbessern und tragen  durch Rücküberweisungen und Qualifizierungseffekte mehr zur Entwicklung  der Herkunftsländer bei als offiizelle Entwicklungsprogramme. Ruhs und  Bauböck analysieren diesen Widerspruch als ein Dilemma zwischen den  Anforderungen sozialer Gerechtigkeit im Aufnahmeland und auf globaler  Ebene. Sie behaupten, dass das Dilemma nicht vollständig aufgelöst  werden kann, dass Abkommen zur temporären Arbeitsmigration aber  grundsätzlich gerechtfertigt sind, wenn sie tatsächlich allen  Beteiligten (den Aufnahmestaaten, den Herkunftsstaaten und den  Migrant*innen) Vorteile bringen. Um dies zu gewährleisten, müssen  Grundrechte von Migrant*innen geschützt werden und ihre Interessen sowie  jene der Herkunftsländer in der Aushandlung und Implementierung von  Abkommen zur temporären Arbeitsmigration in fairer Weise repräsentiert  werden.

Rainer Bauböck, Soziologe, Politologe und  Migrationsforscher, Professor am Europäischen Hochschulinstitut in  Florenz und Obmann der Kommission für Migrations- und  Integrationsforschung der österreichischen Akademie der Wissenschaften

Martin Ruhs, Professor für Migrationsstudien und  stellvertretender Direktor des Migration Policy Centre (MPC) am  Europäischen Hochschulinstitut (EUI) in Florenz

Moderation: Juliane Nagiller, Redakteurin, ORF/Radio Ö1, Redaktion „Wissenschaft, Bildung, Gesellschaft“

In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Hochschulinstitut (EUI) in Florenz
1 Stunde
INTERREGNUM: VON DEN BABENBERGERN ZU DEN HABSBURGERN

In der dritten Folge ihrer Gespräche über Mythen und Legenden in der  Geschichte Österreichs widmen sich BKF-Präsident Rudolf Scholten und  Historiker Wolfgang Maderthaner der turbulenten Phase des Übergangs von  den Babenbergern zu den Habsburgern.

Friedrich II, genannt der Streitbare, ist der letzte männliche  Babenberger. In einer Schlacht gegen Ungarn stirbt er 1246. Seine  einzigen Verwandten sind seine Schwester Margarete und seine Nichte  Gertrud. Um die von ihm beherrschten Länder, das Herzogtum Österreich  und die Steiermark, beginnt ein fast drei Jahrzehnte währender  Machtkampf, das sog. Interregnum.

1251 wird Ottokar II. aus dem böhmischen Geschlecht der Přemysliden  von den österreichischen Landständen in dieser „schrecklichen,  kaiserlosen Zeit“ ins Land gerufen. Zur Legitimation seines Anspruchs  auf Österreich heiratet er Margarete, die um dreißig Jahre ältere  Schwester von Friedrich II. Nach dem Tod seines Vates Wenzel wird er  König von Böhmen, erobert die Steiermark und erbt Kärnten. Seine Politik  ist darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische  Bürgertum zu fördern. In seinem Streben nach der Krone des  Römisch-Deutschen Reiches scheitert er jedoch. Er ist den Kurfürsten ist  er zu mächtig. 1273 wählen sie den vermeintlich schwächeren Grafen  Rudolf von Habsburg. Ottokar erkennt den neuen römisch-deutschen König  Rudolf I. nicht an, und dieser spricht ihm die Herrschaft über  Österreich und die Steiermark ab. Adelsrevolten machen Ottokar zunehmend  zu schaffen, der Konflikt mit Rudolf und seinen Verbündeten eskaliert.  1278 kommt es im Marchfeld zu einer der größten Ritterschlachten des  europäischen Mittelalters. Ottokar wird getötet, Rudolf begründet die  Herrschaft der Habsburger über Österreich.

Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums
54 Minuten
Wer davon nicht reden will, schafft es ab (Armin Thurnher)

Für den ORF wird 2023 zu einem Schicksalsjahr: Zum einen muss, nach  einem Urteil des Verfassungsgerichts, seine Finanzierung neu geregelt  werden – die bisherige GIS-Gebühr muss entweder ausgeweitet oder durch  eine Abgabe für alle Haushalte ersetzt werden. Oder er wird künftig aus  dem Bundesbudget finanziert – jährliche Verhandlungen mit der Regierung  zwecks Absicherung des Wohlverhaltens inklusive. Außerdem sollen dem  öffentlich-rechtlichen Medium durch eine Digitalisierungsnovelle ein  paar jener Steine aus dem Weg geräumt werden, die ihm dank des Lobbyings  der Zeitungsverlage dorthin gelegt wurden – etwa dass man Sendungen nur  sieben Tage lang nachhören bzw. nachsehen kann.

In der Zeit der Corona-Pandemie wurde der ORF verstärkt als  „Staatsfunk“ wahrgenommen. Auch dass er durch Parteipolitik bestimmt  werde, aufgeblasene Strukturen habe und nicht wirtschaften könne, hieß  und heißt es immer wieder. Die neue Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher  hat Sparmaßnahmen für Ö1 angekündigt und die Absicht, aus FM4 eine Art  „Ö3 für Junge“ zu machen. Parallel dazu haben gleich zwei Chefredakteure  des ORF wegen ihrer Willfährigkeit gegenüber ÖVP und FPÖ zumindest  kurzzeitig ein wenig zur Seite treten müssen. Und die grüne  Mediensprecherin hat überraschenderweise ihre Sympathie für die  Finanzierung des ORF aus dem staatlichen Budget erkennen lassen.

Wie sieht in diesem Umfeld die Zukunft des ORF aus? Welche Rolle soll  er gegenüber den kommerzialisierten Privatsendern einnehmen? Und sind  umfassende ORF-Gebühren für Alle zumutbar?

Darüber spricht Wolfgang Maderthaner mit dem Journalisten und Historiker Peter Lachnit.

Lachnit war ab 1984 im genossenschaftlich organisierten „Verlag für  Gesellschaftskritik“ aktiv und seit 1997 beim Radioprogramm Ö1. Dort war  er Redaktionssprecher und leitete von 2012 bis 2017 die Sendereihe  „Diagonal – Radio für Zeitgenoss:innen“. Den „Radiopreis der  Erwachsenenbildung“ hat er dreimal erhalten, 2016 den Dr. Karl  Renner-Publizistikpreis.

In „Kreiskys Wohnzimmer“ erläutert er, warum er keinen Widerspruch darin  sieht, in den 1980ern bei der Gründung der „ARGE österreichischer  Privatverlage“ dabei gewesen zu sein und heute für eine Stärkung des  öffentlich-rechtlichen Rundfunks einzutreten.
1 Stunde 3 Minuten
Während Migration immer öfter als politisches Druckmittel eingesetzt  wird – etwa bei der russischen Invasion der Ukraine oder im Syrien-Krieg  – wird bei größeren Fluchtbewegungen in Europa rasch die Frage  aufgeworfen: Gefährdet irreguläre Migration die Demokratie? Der  Migrationsexperte Gerald Knaus zeigt, wie sehr Flucht auch unsere Werte  infrage stellt: Ist es moralisch, zwischen Flüchtlingen und anderen  Migranten zu unterscheiden? Oder unmoralisch, es nicht zu tun? Sind wir  besonders empathisch, weil Europa in den letzten Jahren weltweit am  meisten Geflüchtete aufgenommen hat? Oder Heuchler, weil an Europas  Grenzen mehr Menschen sterben als irgendwo anders? Über Flucht zu  sprechen heißt, auch über Moral, Politik und die Natur des Menschen zu  sprechen. Zugleich zeigt Knaus auf, wie Lösungen für humane Grenzen und  mehr Schutz für Flüchtende aussehen.

Gerald Knaus, Soziologe und Migrationsforscher

Robert Misik, Autor und Journalist

Gerald Knaus berät als international gefragter Experte Regierungen  und Institutionen bei den Themen Flucht, Migration und Menschenrechte.  Der in Salzburg geborene und heute in Berlin lebende Gründungsdirektor  der Denkfabrik European Stability Initiative (ESI) studierte er  Philosophie, Politik und Internationale Beziehungen in Oxford, Brüssel  und Bologna, war Gründungsmitglied des European Council on Foreign  Relations und Associate Fellow am Carr Center for Human Rights Policy  der Harvard University’s John F. Kennedy School of Government.

In Kooperation mit dem Brandstätter Verlag.
46 Minuten
Almost a year ago, Russia launched its attack against Ukraine. The war  since February 24, 2022 has wreaked havoc and devastation in Ukraine -  tens of thousands of soldiers and civilians have perished. The  geopolitical situation but also the Russian society have changed as a  result of this war that President Putin has unleashed.  Raimund Löw talks about this with a high-ranking expert directly in  Moscow, Andrei Kolesnikov.

Andrei Kolesnikov is a senior fellow at the Carnegie Endowment for  International Peace. His research focuses on the major trends shaping  Russian domestic politics, with particular focus on ideological shifts  inside Russian society. He also works with the Gaidar Institute for  Economic Policy, is member of the board of the Yegor Gaidar Foundation  and of the Committee of Civil Initiatives (the Alexei Kudrin Committee).

He previously was the managing editor of Novaya Gazeta newspaper and  served as deputy editor in chief of Izvestia and The New Times. Novaya  Gazeta had to close its office last year in Russia. Novaja Gazetta  Europe, is publishing from Latvia. He has won numerous journalism awards, and he is the author of several  books. 

Raimund Löw, Journalist, Historian, Author, Director of Falter Radio,  former ORF-Correspondent in Moscow, Washington, Brussels and Beijing

ZOOM Talk, recorded January 17, 2023
37 Minuten
Ein Beispiel für ethische Dilemmata in der Migrationspolitik

Migrationspolitik polarisiert. Politische Parteien beziehen konträre  Positionen. Regierungen und zivilgesellschaftliche AktivistInnen  sprechen kaum noch dieselbe Sprache, wenn es um Ziele und Werte in der  Migrationspolitik geht. Entgegen diesem gesellschaftlichen Trend  behauptet das Projekt „Ethische Dilemmata der Migrationspolitik“, dass  es in diesem Feld auch echte Wert- und Zielkonflikte gibt, denen sich  politische Akteure stellen müssen. Das von Martin Ruhs, Julia Mourao  Permoser, Lukas Schmid und Rainer Bauböck koordinierte „Dilemmata Projekt“ hat vor kurzem in einem Sonderband der Zeitschrift Migration Studies fünf Dilemmata vorgestellt und ihre allgemeinen Dynamiken in einem Einleitungsaufsatz analysiert.

Im Bruno Kreisky Forum soll dieser innovative Ansatz für  migrationspolitische Debatten an zwei Abenden vorgestellt werden. Am 30.  Jänner geht es um die allgemeine Frage, wie migrationspolitische  Dilemmata bearbeitet werden können und um Dilemmata von NGOs in der  Seenotrettung.

Rainer Bauböck, Soziologe, Politologe und  Migrationsforscher, Professor am Europäischen Hochschulinstitut in  Florenz und Obmann der Kommission für Migrations- und  Integrationsforschung der österreichischen Akademie der Wissenschaften

Julia Mourão Permoser, Politologin und  Migrationsforscherin, Gastprofessorin für Politikwissenschaft an der  Universität Wien und Senior Research Fellow am Institut für  Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Leiterin des FWF-Projekts  „Migration als Moralpolitik“ (www.migration-morality.com).

Moderation: Judith Kohlenberger,  Kulturwissenschaftlerin und Migrationsforscherin am Institut für  Sozialpolitik der WU Wien, Vorsitzende des Wiener Integrationsrats,  Gründungsmitglied von COURAGE – Mut zur Menschlichkeit
1 Stunde 1 Minute
Gudrun Harrer im Gespräch mit Azadeh Zamirirad

REBELLION IM IRAN

Seit Mitte September gehen Iranerinnen und Iraner gegen das Regime auf  die Straße. Was als Empörung über den Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa  Amini in den Händen der Sittenpolizei begann, ist längst nicht nur ein  Aufstand der Frauen gegen die Kleidungsvorschriften in der Islamischen  Republik. Die Proteste haben unterschiedliche Sektoren der Gesellschaft  und Teile des Landes erfasst, alle eint sie die Ablehnung nach einer  Zwangsordnung unter islamischen Deckmantel. Das Regime reagiert mit  Repression und dem Versuch, Demonstrationen in den Randgebieten, vor  allem in Kurdistan, als „Separatismus“ darzustellen.

Azadeh Zamirirad ist Wissenschaftlerin bei der Stiftung Wissenschaft und  Politik (SWP) in Berlin. Sie ist dort als stellvertretende Leiterin der  Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika tätig. Ihr  Forschungsschwerpunkt sind Iran und die Atomverhandlungen. 

Gudrun Harrer, Leitende Redakteurin, Der Standard; Lektorin für Moderne  Geschichte und Politik des Nahen und Mittleren Ostens an der Universität  Wien und an der Diplomatischen Akademie Wien
1 Stunde 8 Minuten
Festvortrag: Univ. Prof. Dr. Dr. Oliver Rathkolb Professor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien;  Autor, Herausgeber und Mitherausgeber zahlreicher Publikationen zu  Themen der österreichischen Zeit-, Kultur- und Mediengeschichte;  Vorsitzender des internationalen wissenschaftlichen Beirats des Hauses  der Europäischen Geschichte (Europäisches Parlament, Brüssel)

Bruno Kreisky (1911-1990): Der »beste zweite Mann« als beliebtester Bundeskanzler der Zweiten Republik.

Bruno Kreisky hätte eigentlich nie Bundesparteivorsitzender der SPÖ  oder Bundeskanzler der Republik Österreich werden dürfen – zu viele  innenpolitische Traditionen standen diesen Funktionen entgegen: Er war  jüdischer Herkunft und Agnostiker, ein Intellektueller aus einer  bürgerlichen Familie, Revolutionärer Sozialist, verurteilter  „Hochverräter“ der Schuschnigg-Diktatur und Gestapo-Häftling, 1938-1950  im Exil in Schweden, lebte in einer großbürgerlichen Villa, war ein  Weltbürger und ein schlichter österreichischer Patriot.

Es ist kein Zufall, dass die »Unvollendete« von Franz Schubert zu  Kreiskys Lieblingswerken gehörte und er unter Hinweis darauf 1983  resümierte, »dass wir den Mut haben, uns immer wieder selber in  Frage zu stellen und zur Kenntnis nehmen, dass eben alles, was wir  beginnen, unvollendet bleibt. Aber es müssten eben andere erneut  versuchen«.
1 Stunde 3 Minuten
Climate Denialism and Putin’s War in the Ukraine

In his upcoming book Russia against Modernity the historian  Alexander Etkind traces the historical entanglements of climate change,  energy transition and military aggression. He suggests that the war  against the Ukraine should be seen as part of a wider attack on  modernity. Refusing to accept the imperatives of climate change, the  dying Energy Empire undermines the global effort of preventing  ecological collapse.

The inescapable demand to move away from fossil fuels has long  constituted an existential threat to Russia, as one of the world’s  largest oil and gas exporters. Its wealth and military might depend on  the ruthless extraction of energy and raw materials which it has  exploited for decades at the expense of the health and livelihood of the  population at large. Against this backdrop, the current attack on  Ukraine appears as the latest stage in a long ongoing war against  nature, environment, people and bodies.

Alexander M. Etkind is Professor at the Department of International Relations at the Central European University. He has authored, among others, Internal Colonization: Russia’s Imperial Experience (Polity Press 2011) and Nature’s Evil: A Cultural History of Natural Resources (Polity Press 2021). His new book, Russia against Modernity, will be released by Polity in April 2023.

Monika Halkort is a social scientist and journalist  in Vienna. She currently also teaches at the University of Applied Arts  as part of the master program ‚Applied Human Rights and the Arts`, under  the direction of Manfred Novak. Next to her academic work, she  regularly produces contributions for the Ö1 programs Radiokolleg,  Hörbilder and Diagonal. From 2011 to 2020, she taught and conducted  research at the Lebanese American University in Beirut, Lebanon. The  thematic focus of her scholarly and publishing work is the historical  interconnections of colonialism, technology and knowledge production and  how they continue to shape ideas of sustainability, planetary thinking  and environmental justice today.
1 Stunde 5 Minuten
In Jerusalem, what you see and what is true are two different things.  Maps divide the walled Old City into four quarters, yet that division  doesn’t reflect the reality of mixed and diverse neighbourhoods. Beyond  the crush and frenzy of its major religious sites, much of the Old City  remains little known to visitors, its people overlooked and their  stories untold. Nine Quarters of Jerusalem lets the communities  of the Old City speak for themselves. Ranging through ancient past and  political present, it evokes the city’s depth and cultural diversity.

Matthew Teller’s highly original ‚biography‘ features the Old City’s  Palestinian and Jewish communities, but also spotlights its Indian and  African populations, its Greek and Armenian and Syriac cultures, its  downtrodden Dom Gypsy families and its Sufi mystics. It discusses the  sources of Jerusalem’s holiness and the ideas – often startlingly  secular – that have shaped lives within its walls. It is an evocation of  place through story, led by the voices of Jerusalemites.

Matthew Teller is an Author, Travel Writer and  Documentary-Maker.  He writes and broadcasts for the BBC and other media  outlets around the world.

His latest book Nine Quarters of Jerusalem: A New Biography of the Old City was published in March 2022 (Profile Books Ltd, 9781788169189)

Viola Raheb, Theologian is Project Manager at Pro Oriente Foundation Vienna and Senior Fellow at Bruno Kreisky Forum
1 Stunde 17 Minuten
Europa auf dem Weg zu einer neuen Friedensordnung?

Der Krieg in der Ukraine hat alle Hoffnung zerstört, dass Europa  keine bewaffneten Konflikte mehr erlebt. Wieder, wie nach dem Zweiten  Weltkrieg und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, muss eine neue  Friedensordnung gefunden werden. Dazu muss über die aktuelle  militärische Lage im Ukrainekrieg hinausgedacht werden.

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin hat gemeinsam mit anderen ein Buch  veröffentlicht, das einer Verkürzung der aktuellen Debatten auf die  militärische Logik und gleichzeitig einer falsche Moralisierung der  Außenpolitik entgegenhält. Im Fokus stehen unterschiedliche Perspektiven  für eine neue Realpolitik, in der die Interessen der Ukraine  berücksichtigt und zugleich die Chancen für stabile Sicherheit und  Frieden ausgelotet werden.

Nida-Rümelin warnt vehement vor dem völligen Rückzug aus globalen  Abhängigkeiten. Er sieht darin eine neue Blockbildung wie im Kalten  Krieg. Im Gespräch mit Kreisky Forums-Präsident Rudolf Scholten spürt er  möglichen Perspektiven für eine neue Friedensordnung nach dem  Ukrainekrieg nach.

Julian Nida-Rümelin, Prof. Dr. Dr. h. c.; Professor  am Seminar für Philosophie der LMU München; Kulturstaatsminister im  ersten Kabinett Schröder; Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu  Berlin und der Europäischen Akademie der Wissenschaften, Direktor am  Bayerischen Institut für digitale Transformation sowie Vorstand der  Parmenides Foundation und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen  Ethikrates.

Rudolf Scholten, Präsident des Bruno Kreisky Forums für internationalen Dialog
53 Minuten
Is history erased when statues are pulled down? Or is history then made?

In her book “Fallen Idols” – in German: “Heldendämmerung” – British  historian Alex von Tunzelmann explores how societies deal with their  monuments. In the past few years, there has been a rush to topple  statues. Black Lives Matter protesters also defaced of politicians and  philanthropists, who were slaveholders and/or imperialists. Edward  Colston, Christopher Columbus, Belgian King Leopold II or Winston  Churchill: Do they deserve their monuments?

Vienna has its own controversy around the monument for Karl Lueger,  mayor of Vienna from 1895 to 1910. While praised for city reforms,  Lueger was also an avid antisemite who used racism as political  instrument – right in time for Adolf Hitler to learn the trade.

Statues are a visible form of historical storytelling. The stories we  tell are vital to how societies understand our past and make our future.  Shall we contextualize controversial monuments or take them down? Who  controls history?

HELDENDÄMMERUNG tells the story of twelve toppled statues around the  world. Übersetzt von Kristin Lohmann, Goldmann,2022, 384 S, 17 Euro.

Alex von Tunzelmann is a British historian and  publicist. She is the author of several historical books – Indian Summer  2007 about the end of colonialsm, Red heat 2011 about Cold War in the  Caribbean – and her articles appear in The Guardian, The New York Times  and others.

Tessa Szyszkowitz is a foreign affairs commentator for Falter and a London correspondent for profil & Cicero. Her last book was Echte Engländer, Britain & Brexit (2018). She is also Distinguished Fellow at the Royal United Services Institute in London.
55 Minuten
How do societies respond to great demographic change? This question  lingers over the contemporary politics of the United States and other  countries where persistent immigration has altered populations and may  soon produce a majority minority milestone, where the original ethnic or  religious majority loses its numerical advantage to one or more  foreign-origin minority groups. Until now, most of our knowledge about  large-scale responses to demographic change has been based on studies of  individual people’s reactions, which tend to be instinctively defensive  and intolerant. We know little about why and how these habits are  sometimes tempered to promote more successful coexistence.

To anticipate and inform future responses to demographic change, Justin  Gest looks to the past. In Majority Minority, Gest wields historical  analysis and interview-based fieldwork inside six of the world’s few  societies that have already experienced a majority minority transition  to understand what factors produce different social outcomes. Gest  concludes that, rather than yield to people’s prejudices, states hold  great power to shape public responses and perceptions of demographic  change through political institutions and the rhetoric of leaders.  Through subsequent survey research, Gest also identifies novel ways that  leaders can leverage nationalist sentiment to reduce the appeal of  nativism—by framing immigration and demographic change in terms of the  national interest. Grounded in rich narratives and surprising survey  findings, Majority Minority reveals that this contentious milestone and  its accompanying identity politics are ultimately subject to unifying or  divisive governance.

Justin Gest is an Associate Professor of Policy and  Government at George Mason University’s Schar School of Policy and  Government. He is the author of six books, primarily on the politics of  immigration and demographic change—all from Oxford University Press or  Cambridge University Press.

Robert Misik, Author and Journalist
1 Stunde 14 Minuten
Against a background of an international climate of heightened  tensions, an unprecedented act of military aggression by Russia against  Ukraine, many unresolved issues in the US relationship to China, the Mid  Term Election of November 2022 has altered the domestic political  landscape in the US.  Foreign policy mainly is in the domain of the  President. Nevertheless, the question whether and to what extent the  outcome of the election can impact on foreign policy in general and on  the President’s capability to shape it needs to be explored

Jeffrey D. Sachs is a world-renowned economics  professor, bestselling author, innovative educator, and global leader in  sustainable development. He serves as the Director of the Center for  Sustainable Development at Columbia University. He is also President of  the UN Sustainable Development Solutions Network, a commissioner of the  UN Broadband Commission for Development, and an SDG Advocate for UN  Secretary General Antonio Guterres. From 2001-18, Sachs served as  Special Advisor to UN Secretaries-General Kofi Annan (2001-7), Ban  Ki-moon (2008-16), and António Guterres (2017-18). Sachs has authored  and edited numerous books, most recently A New Foreign Policy: Beyond American Exceptionalism (2018), and The Ages of Globalization: Geography, Technology, and Institutions (2020).

Eva Nowotny, Board Member of Bruno Kreisky Forum, Amb. ret., Chair of the Vienna University Board