Podcaster
Episoden
10.01.2026
59 Minuten
Andreas Maercker ist einer der renommiertesten Traumaforscher der
Welt – und hat als politischer Häftling selbst Traumatisches
erlebt. Wie lassen sich traumatische Erlebnisse bewältigen,
persönlich und als Gesellschaft? Andreas Maercker weiss, wovon er
spricht: Als Professor an der Universität Zürich hat der Psychologe
und Arzt während vieler Jahre erforscht, wie Menschen traumatische
Erfahrungen verarbeiten und unter welchen Umständen sie
Folgeerkrankungen ausbilden. Seine viel beachteten Studien – unter
anderem mit Kriegsopfern, politischen Gefangenen und ehemaligen
Verdingkindern – zeigten, dass die Anerkennung des Geschehenen für
eine erfolgreiche Bewältigung zentral ist. Im Gespräch mit Barbara
Bleisch erklärt der renommierte Wissenschaftler, was die
Betroffenen der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS jetzt
brauchen und weshalb Gesten wie der nationale Gedenktag ebenso
wichtig sind wie die Klärung der Schuldfrage. Und er erzählt von
seiner persönlichen traumatischen Geschichte, wie er als junger
Mann von der Stasi in einem Gefängnis in der DDR festgehalten
wurde.
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03.01.2026
59 Minuten
In seinem neuen Buch «Liebe! Ein Aufruf» plädiert der Essayist
Daniel Schreiber für eine Politik der Liebe und radikale
Freundlichkeit. Barbara Bleisch fragt nach, wieviel politische
Sprengkraft in diesem Aufruf steckt, der im ersten Moment wie ein
nett gemeinter, aber naiver Vorschlag klingt. Der preisgekrönte
Essayist Daniel Schreiber spürt in seinem neuen Buch der Frage
nach: Was bedeutet die Liebe zur Welt – und warum fällt es uns
heute oft so schwer, sie zu empfinden? Bezugnehmend auf
philosophische Stimmen wie Hannah Arendt oder Erich Fromm und
persönliche Beobachtungen ruft Schreiber dazu auf, die derzeit bei
vielen vorherrschende Resignation zu durchbrechen und sich radikal
zurückzubesinnen auf Empathie, Solidarität und Verbundenheit. Doch
können solch selbstverständlich klingende Appelle in der
derzeitigen politischen Grosswetterlage etwas ausrichten? Barbara
Bleisch fragt nach, ob nicht Wut die wirkungsvollere Kraft wäre für
echte Veränderung und ob die Liebe in der Politik tatsächlich etwas
verloren hat.
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27.12.2025
1 Stunde 1 Minute
In einer Welt, die von Bildern dominiert wird, erscheint ein Leben
ohne Augenlicht nahezu unvorstellbar. Der Philosoph Tobias Litterst
ist seit Geburt blind und erzählt, was es heisst, in einer Welt aus
Klängen und Tasteindrücken zu leben. Eine Welt, von der sehende
Menschen viel lernen können. Der deutsche Philosoph Tobias Litterst
hat noch nie eine Farbe gesehen, noch nie den Sternenhimmel
betrachtet. Und doch hat er eine Idee davon. In seinem Buch «Blind
sein – Ein philosophischer Erfahrungsbericht» beschreibt er seine
Welt als konturlos, als flüchtig und als ständigen Widerspruch
zwischen Nähe und Distanz. Die schöne Landschaft ist ungreifbar
weit weg, das Hindernis dagegen gefährlich nah. Seiner Welt fehlt
die Vorhersehbarkeit und die Übersicht. Er ist notgedrungen auf
Hilfe angewiesen, fragt sich nur: Wie hilft man richtig? Was können
sehende Menschen von Blinden lernen? Und welches Weltbild hat man
ohne Bild? Darüber spricht Tobias Litterst mit Yves Bossart.
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25.12.2025
60 Minuten
Heute werde zwar viel über Rassismus und Sexismus gesprochen, aber
viel zu wenig über Klasse. Das meint der Philosoph Hanno Sauer.
Olivia Röllin spricht mit ihm über Statussignale und jene feinen
Unterschiede, die viel über unsere Klassenzugehörigkeit sagen. Fast
alles, was wir tun, ist ein Statussignal. Das zumindest behauptet
der Philosoph Hanno Sauer. Klasse sei nicht nur eine ökonomische
Kategorie, sondern auch Bildung, Wohnort, Netzwerke und Geschmack
entscheiden darüber, wer oben und wer unten steht. Schon an
Aussprache, Körperhaltung oder scheinbar banalen Höflichkeitsgesten
lasse sich ablesen, wo jemand in der sozialen Hierarchie rangiert.
Dieser Hierarchisierung sei kein Fehler des Systems, sondern Teil
unseres menschlichen Wesens. Deshalb argumentiert Sauer, dass es
moderne Gesellschaften ohne Klassenunterschiede nicht geben kann.
Für ihn stellt sich nicht die Frage, wie man Klassen abschafft,
sondern wie sich mit sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit
leben lässt, zumal Klassenunterschiede immer wichtiger werden. Im
Gespräch mit Olivia Röllin erklärt er, warum Klassismus die
vielleicht meistübersehene Form der Diskriminierung ist, was
geschieht, wenn zu viele Personen eine Rolex tragen und wie selbst
moralische Haltungen zu Mitteln des Statuswettbewerbs geworden
sind.
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20.12.2025
1 Minute
Die Zeit ist aus den Fugen. Trumps USA wenden sich von Europa ab.
Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins vierte Jahr. Wie
lässt sich unsere neue, unheimliche Gegenwart auf den Begriff
bringen? Gespräch mit dem Historiker Karl Schlögel über den Beginn
einer neuen weltgeschichtlichen Epoche. Nichts schwieriger als zu
sagen, was die eigene Gegenwart ausmacht. Auch der mehrfach
preisgekrönte Historiker und Russland-Experte Karl Schlögel gesteht
offen, noch auf der Suche nach den richtigen Begriffen für unsere
Jetztzeit zu sein. Eine Zeit neuer Kriege und Kriegsdrohungen
inmitten Europas, schwankender Demokratien, zerbrechender
Sicherheitsbündnisse und schamlos autokratischen Machtzugriffs. Wie
lässt sich die drohende Selbstaufgabe der amerikanischen Demokratie
begreifen? Was, wenn überhaupt, ist neu an Putins Gewaltherrschaft?
Wie konnte Zentraleuropa sich so lange in Sicherheit wähnen? Haben
„wir“ denn gar nichts aus der Geschichte gelernt? Im Gespräch mit
Wolfram Eilenberger spricht Karl Schlögel, Chronist des 20.
Jahrhunderts und Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels
2025, über das Dunkle des gegenwärtigen Augenblicks – und mögliche
Ausgänge in eine hellere Zeit.
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Über diesen Podcast
Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus
Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie
vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer
Zeit.
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