Podcaster
Episoden
21.02.2026
60 Minuten
Jede zweite Person erfährt in ihrem Leben eine psychische
Erkrankung. Doch was heisst überhaupt krank? Und warum verstehen
wir noch heute nicht richtig, woher psychische Leiden kommen? Ein
Gespräch über Diagnosen, Vererbung und soziale Umstände, und über
die heilende Kraft von Geschichten. Angststörungen, Depressionen,
Sucht: Jede zweite Person erkrankt in ihrem Leben psychisch. Eine
erschreckend hohe Zahl, welche die Frage aufwirft, ob wir als
Gesellschaft immer kränker werden. Oder wird eher das Raster, was
als normal gilt, immer enger? Welche Ursachen liegen den
Krankheiten zugrunde, sind es die Gene oder macht doch das
gesellschaftliche Umfeld krank? Und welche Rolle spielt die
Psychiatrie, um seelischen Leiden zu begegnen, oder sie sogar zu
heilen? Darüber spricht Olivia Röllin mit Leon Engler, Autor des
Buchs «Botanik des Wahnsinns» und angehender Psychotherapeut, und
dem Medizinier und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner.
Mehr
14.02.2026
57 Minuten
Flugscham, Hafermilch, Lastenrad: Wer klimabewusst lebt, gilt
schnell als (moralisches) Vorbild. Die Juristin und
Rechtsphilosophin Frauke Rostalski hält das für eine gefährliche
Dynamik – und sagt: momentan ist der Einzelne nicht in der Pflicht,
etwas gegen den Klimawandel zu tun. Frauke Rostalski bestreitet
weder Klimakrise noch nicht die Dramatik des steigenden
Co2-Ausstosses. Sie kritisiert aber die Verschiebung der
Verantwortung auf Konsumentinnen und Konsumenten. Einzelne
Entscheidungen – weniger fliegen, weniger Fleisch essen – seien
klimatisch praktisch wirkungslos, solange sie nicht in ein global
verbindliches Reglementarium eingebettet sind. Gemäss Rostalski
braucht es internationale Regeln mit Anreizen und Sanktionen, etwa
in Form eines Klimaclubs mit CO₂-Mindestpreis - eine Idee, die sie
vom US-amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus
übernimmt. Verantwortung sieht Rostalski deshalb vor allem bei
Regierungen, die endlich ein funktionierendes internationales
System schaffen müssten, in das sich individuelle Handlungen
sinnvoll einfügen können. Dann, und erst dann, sieht Rostalski die
Einzelnen in der Pflicht. Olivia Röllin hakt nach und klärt, wie
realistisch ein solcher Klub ist, angesichts der weltpolitischen
Lage, warum das Pariser Abkommen als dysfunktional gilt, wieso ein
«Club der Willigen» mehr bewirken könnte als nationale
Vorreiterrollen und was man vor diesem Hintergrund eigentlich den
nachfolgenden Generationen sagen kann. Die Sendung wurde am Zürcher
Philosophie Festival aufgezeichnet.
Mehr
07.02.2026
1 Minute
Sibylle Berg, vielfach ausgezeichnete Autorin und Kolumnistin
agiert wie eine literarische Alarmanlage: schrill, nervig – und
doch notwendig. Denn ihre Frage ist keine kleine: Ist die Welt noch
zu retten und welche Kraft haben Utopien? Ihre Bücher sind in über
30 Sprachen übersetzt, ihre Stücke werden weltweit gespielt. Für
ihr Werk wurde Sibylle Berg – oft als weibliche Antwort auf Michel
Houellebecq bezeichnet – vielfach ausgezeichnet: unter anderem mit
dem Schweizer Buchpreis, dem Bertolt Brecht Preis und dem Grand
Prix Literatur. Als Mitglied des EU-Parlaments für «Die Partei»
mischt sie neuerdings auch den politischen Betrieb auf – und zögert
nicht mit Kritik: Zu viel Bürokratie, zu wenig Gestaltungsraum, zu
viel Besitzstandwahrung, zu wenig Aufbruch und Mut. «Frau Berg»,
wie sich die Künstlerin nennt, will den Kapitalismus abschaffen und
der Überwachung den Kampf ansagen. Dabei agiert sie nicht nett,
nicht mild, nicht versöhnlich – sondern klug, wütend und
unterhaltsam. Barbara Bleisch fragt nach, wie ernst es der
Künstlerin ist mit ihren Vorstössen, Ratschlägen und Interventionen
und ob uns eher die Kunst oder die Politik zu retten vermögen.
Mehr
31.01.2026
59 Minuten
Die Verunsicherung ist riesig. Welchen Nachrichten kann man noch
trauen? Besonders in digitalen Medien werden Fake News und
«alternative Fakten» gezielt gestreut, um unsere Demokratien zu
schwächen. Aber wirkt das überhaupt? Und wenn ja, wie genau? Der
Soziologe Nils Kumkar klärt auf. Laut einer aktuellen Erhebung sind
annähernd drei Viertel der befragten Internet-User überzeugt,
binnen der letzten Woche mit Fake News konfrontiert worden zu sein.
Diese gezielt gestreuten Falschinformationen haben meist unklare
Absender, breiten sich rasend schnell aus und benebeln die
Urteilskraft. Nicht zuletzt wird es im Zuge neuerer KI-Technologien
immer schwieriger, diese Fälschungen und Fakes als solche zu
erkennen und zu entlarven. Was also tun? Wem oder was kann man,
gerade in der digitalen Sphäre, überhaupt noch trauen? Und wie sähe
eine Demokratie aus, deren mündige Bürger sich nicht mehr
verlässlich informieren können? Der Soziologe Nils Kumkar, Autor
von Büchern wie «Alternative Fakten» und «Polarisierung», forscht
seit vielen Jahren über Dynamiken digitaler Desinformation. Im
Gespräch mit Wolfram Eilenberger klärt er über Wesen und Wirkung
von Fake News auf – und räumt gleichzeitig zahlreiche Fehlannahmen
aus dem Weg. Entlarvt sich die angenommene Bedrohung unserer
Demokratie durch Fake News am Ende gar selbst als «Fake»?
Mehr
24.01.2026
60 Minuten
Europa und die Schweiz rüsten auf. Doch es fehlen Soldaten. Wer
geht kämpfen, wenn es hart auf hart kommt? Braucht es wieder eine
Wehrplicht? Eine Gewissensprüfung? Und darf der Staat überhaupt zum
Töten zwingen? Ein Streitgespräch über Sicherheit, Krieg und
Frieden. Aufrüstung kostet nicht nur. Jemand muss all die Waffen
auch bedienen können. Wer stellt sich also an die Grenze, wenn
Russland angreift? «Ich sicher nicht», sagt Ole Nymoen. Sein Buch
«Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die
Kriegstüchtigkeit» sorgte unlängst für rote Köpfe und hitzige
Debatten. So wie er argumentieren viele junge Menschen. Auch in der
Schweiz ist die Bereitschaft, Wehrdienst zu leisten, gesunken.
Ausgerechnet jetzt, da auf dem europäischen Kontinent seit fast
vier Jahren Krieg geführt wird. Deshalb soll der Zivildienst nun
unattraktiver und eventuell die Gewissensprüfung wieder eingeführt
werden. Wer also ist bereit zu kämpfen? Und ist es moralisch
vertretbar, Menschen zum Töten zu zwingen? Darüber spricht Yves
Bossart mit der Philosophin Katja Gentinetta, dem Militärexperten
Georg Häsler und mit dem deutschen Autor und Podcaster Ole Nymoen.
Mehr
Über diesen Podcast
Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus
Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie
vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer
Zeit.
Kommentare (0)