F.A.Z. Am Tresen - Der Gesprächspodcast Archiv
30 Episoden
47 Minuten
Bijan Kaffenberger hat einen strikten Zeitplan. Aber beim Termin zuvor mit der Umweltministerin hat es länger gedauert, deshalb kommt er etwas gestresst an und eigentlich soll gerade das nicht passieren. Denn Stress führt dazu, dass die Ticks, die er durch das Tourette-Syndrom hat, stärker werden. Vor einem dreiviertel Jahr hat er es geschafft, über die Erststimmen einen Wahlkreis in Darmstadt für die SPD direkt zu gewinnen, seitdem ist er Abgeordneter im hessischen Landtag. Kaffenberger ist 29 Jahre alt, war erfolgreicher Youtuber, promovierte über Bankenregulierung - und gilt als eine Nachwuchshoffnung seiner Partei. Er sagt, vor allem hätte er die Wähler überzeugen müssen, dass ein Politiker Tourette haben kann. „Mein Wahlkampfslogan war nicht: Ein Tick anders." Wieso er die Emojis der SPD nicht besonders mag, wie ihn der Wahlkampfspot von Gerhard Schröder 1998 für die SPD begeisterte und wieso er bei seiner Oma wohnt, darüber spricht er am Tresen eines Wasserhäuschens.
1 Stunde 2 Minuten
Ein Blick hinter die Kulissen der deutschen Serienrevolution: Lisa Blumenberg dreht in Frankfurt die zweite Staffel der deutschen Erfolgsserie "Bad Banks". Während das Team in der Frankfurter Innenstadt eine Kneipenszene filmt, spricht die Produzentin mit uns an einem Wasserhäuschen über ihre Filmvorlieben, was sie bei der Recherche zu "Bad Banks" über Banken und Banker gelernt hat und was man eigentlich so macht als Produzent einer Fernsehserie.
1 Stunde 16 Minuten
Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im türkischen Bolu, Sohn von Gastarbeitern, wurde in den Neunzigern bekannt als Autor von Geschichten aus dem migrantischen Milieu. Für seine Romane („Isabel“, „Liebesbrand“) ist er mit einigen Preisen ausgezeichnet worden. Er lebt schon lange in Kiel, in Frankfurt ist er wegen einer Lesung aus seinem neuen Buch „Die Geschichte der Frau“ zu Gast. „Am Tresen“ spricht Zaimoglu über Zorn als seinen Antrieb, darüber, dass Arbeit Qual sein muss und wieso er Entspannung hasst und keinen Urlaub macht.
57 Minuten
Jedes zweite Wort musste Laura Karasek googlen, als sie in der Wirtschaftskanzlei anfing: „Das ist so eine Businessssprache: Ich habe einen All Nighter gemacht, der Kickback läuft so und so.“ Da lernte sie die harten Arbeitszeiten der Branche kennen - und Kollegen, „die sehr gerne mal das Licht angelassen haben, das Jackett über dem Stuhl – und die so vorgegeben haben, bis 24 Uhr im Büro gewesen zu sein.” Vor wenigen Monaten hat die 1982 geborene Karasek ihren Job in der Kanzlei gekündigt und will sich jetzt auf das Schreiben von Büchern und eine neue Talkshow konzentrieren, die bald bei ZDFneo startet. “Es war auch ausgelöst durch den Tod meines Vaters, dass ich dachte: Deine Träume haben nicht ewig Zeit. Ich bin jetzt Mitte 30. Irgendwann ist es sonst zu spät. Jetzt schreibe ich meinen zweiten Roman.” Am Tresen eines Frankfurter Wasserhäuschens berichtet Karasek von der Kindheit mit einem prominenten Vater, Preisverleihungen mit den Back Street Boys, davon, wie es war von Thomas Gottschalk von der Tanzschule abgeholt zu werden und wie es war, mit 13 die Diabetes-Diagnose zu bekommen („Ich habe erstmal angefangen zu rauchen.“). Ein Gespräch über Alkohol, Karneval, Feminismus - und wieso Karasek nach dem ersten Staatsexamen unbedingt nach Frankfurt wollte.
1 Stunde 10 Minuten
Mutter Italienerin, Vater aus Burundi, aufgewachsen in einer Frankfurter Sozialbausiedlung – heute ist Patrick Mushatsi-Kareba CEO von Sony Music in München. Warum er fast ein halbes Jahr im Hotel wohnte und was er dabei lernte, was guter Smalltalk auf Partys ist und wie Sony zur EU-Diskussion über das Urheberrecht steht - darüber sprechen wir mit ihm im Podcast.
49 Minuten
Wo Andrea Kiewel ist, ist gute Laune. Am Sonntagmittag kehrt sie mit dem ZDF-Fernsehgarten in die deutschen Wohnzimmer ein - sie führt durch Spiele, begrüßt Schlagerstars. Dabei wirkt sie, wie die “taz” einmal bemerkte, immer aufrichtig in ihrer Begeisterung. Was Kiwi, wie sie sich selbst nennt, von Kiewel unterscheidet? “Bei Kiwi gibt es keine schlechten Nachrichten. Bei Kiwi ist immer alles in Ordnung. Aber das ist ja nicht das Leben”, sagt sie im Podcast “Am Tresen”. Der Erfolg kann schnell aufhören, das hat Kiewel 2017 gemerkt, als sie für den Diätanbieter "Weight Watchers" Schleichwerbung machte. Fast ein Jahr war sie raus aus dem Geschäft. Wie sich das anfühlte, plötzlich nichts mehr zu tun zu haben, und wieso sie zurückkehren konnte, wie sie überhaupt damals zum DDR-Fernsehen kam, obwohl sie ja eigentlich Leistungsschwimmerin und Lehrerin war und wieso sie heute den Winter in Tel Aviv verbringt, das erzählt sie im Podcast “Am Tresen”. In Tel Aviv fühlt sie sich wohl, weil sie das Gefühl hat, die Bewohner der Stadt seien wie sie. “Ich bin nicht 90 oder 100 Prozent, ich bin 110 Prozent. Ich habe nicht dieses gesunde deutsche Mittelmaß.” Was sie heute machen würde, wenn es die DDR noch gäbe, wieso Kiewel so abergläubisch ist, wieso der Fernsehgarten für sie auch Heilung bedeutet und wieso sie auch mitten in der Nacht sofort losmoderieren könnte, darüber spricht sie "Am Tresen".
57 Minuten
Am Tag, an dem islamistische Terroristen die Mitarbeiter der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" 2015 erschossen, stand das Telefon bei Tim Wolff, dem Chef der deutschen Satire-Zeitschrift "Titanic" nicht mehr still. Alle wollten mit ihm sprechen, Kamerateams standen vor der Redaktion Schlange. Fast jeder Journalist fragte, ob Wolf Angst habe, so erinnert er sich. "Angst kommt erst auf, wenn Polizisten mit Maschinengewehren am Fenster vorbeilaufen, um uns zu beschützen", sagt Wolff in der neuen Folge von "Am Tresen", dem F.A.Z.-Gesprächspodcast. Er erinnert sich, wie plötzlich eine Handvoll "ehemaliger Klassenclowns" sehr ernsten Polizisten gegenüber saß, er unter Polizeischutz stand und eine Bombenattrappe als polizeiinterne Übung vor seiner Wohnung abgelegt wurde. Nach fünf Jahren an der Spitze ist Tim Wolff seit gut einem Monat nicht mehr Chefredakteur der „Titanic“. "Am Tresen" einer Trinkhalle im Frankfurter Gallusviertel berichtet er von seinem zwiespältigen Verhältnis zur Arbeit des Fernsehsatirikers Jan Böhmermann. Welche Politiker am meisten gegen die Satire-Zeitschrift geklagt haben ("Wenn es humorlose Politiker gibt, dann sind sie immer in der SPD") und warum sich die "Titanic" besonders gerne von der katholischen Kirche verklagen lässt - die hatten nämlich zunächst gegen ein Titelbild Klage eingereicht, die "Titanic" bekam dadurch viel Aufmerksamkeit und im letzten Moment, "bevor es teuer wurde" hatte die Bischofskonferenz die Klage zurückgezogen. "Mit dem Vatikan würde ich jederzeit wieder zusammenarbeiten. Das war optimal", sagt Wolff. Außerdem erklärt der Satiriker, wie ein guter Witz funktioniert, wieso er selbst keinen erzählen kann, warum die Sketche von Loriot heute nicht mehr funktionieren würden und warum er deutsches Kabarett nicht erträgt.
59 Minuten
Bei Filmprojekten versuche sie gegen die Schublade „Regisseurin mit Migrationshintergrund“ anzukämpfen, sagt Soleen Yusef. Für Netflix arbeitet die junge Regisseurin derzeit an der Serie „Skylines“, die in der Frankfurter Hip-Hop-Szene spielt. Ist das ein Vorteil der Streaming-Dienste, das man mehr ausprobieren kann und in weniger Schubladen gesteckt wird? Bei einem Bier erzählt sie, was sie beim Dreh in ihrer kurdischen Heimat, wo sie ihren Debütfilm aufnahm, über sich selbst lernte. Was sie mit dem ersten Ort in Deutschland verbindet, an dem ihre Familie nach der Flucht aus dem Nordirak ankam. Und mit welchem musikalischen Ratschlag sie ihre anfängliche Schüchternheit ablegte.
1 Stunde 16 Minuten
Der Schauspieler Dietmar Bär erzählt von einer Kindheit im Ruhrgebiet, dem "Spätstolz" auf die Region, Urlauben in der DDR, wie es ist 20 Jahre lang Tatort zu spielen - und wieso er irgendwann wieder zum Theater wollte.
1 Stunde 2 Minuten
Ende der Neunziger war Eckhart Nickel Teil der Popliteraturwelle um Benjamin von Stuckrad-Barre und Christian Kracht. Zusammen wollten sie die Literatur revolutionieren. “Es gab die Vision, dass ein Text so toll klingen soll wie eine Popsingle”, erzählt er. 20 Jahre später hat er seinen ersten eigenen Roman "Hysteria" veröffentlicht und landete damit auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Wir fragen ihn, wie das Reisen mit Christian Kracht ist und warum er ein Magazin von Kathmandu aus herausgab. Außerdem sprechen wir über Filterkaffee, Würstchen, über die Frankfurter Altstadt und wieso der Autor den VW-Polo liebt.
1 Stunde 9 Minuten
Mahret Kupka kennt sich nicht nur mit Kunst aus, sie reist dafür auch um die Welt. Die Kuratorin des Frankfurter "Museums Angewandte Kunst" (MAK) war zuletzt in Georgien, wo eines Morgens ein Zettel vor ihrem Bett lag, dessen Nachricht ihr den roten Faden für die aktuelle Ausstellung junger Georgischer Künstler gab. Was darauf stand und wie ihre Mitreisenden darauf reagierten, erzählt sie im Podcast. Vor der Kunst kam jedoch die Mode: Kupka war eine der ersten professionellen Modebloggerinnen Deutschlands, inklusive Markenkooperation. Wir haben sie gefragt, warum sie sich gegen die Influencer-Karriere entschieden hat. Aufgewachsen ist die junge Frau in Hanau, die Wurzeln ihrer Familie liegen aber in Nigeria. Dass Verwandschaft dort etwas völlig anderes bedeutet als in Deutschland, stellte sie bei der Hochzeit ihrer Eltern fest. "Plötzlich hat man eine riesige Familie", sagt sie. Auf Twitter berichtete sie über Alltagsrassismus und erzählt uns im Gespräch, was sie mit ihrer Mutter in einem hessischen Ausflugslokal beim Bier erlebte.
46 Minuten
James Ardinast brachte Pastrami nach Frankfurt. Wie es ist Restaurants mit dem eigenen Bruder zu führen, was die beiden aus der Küche der jüdischen Oma für ihre Speisekarten übernommen haben und was er als Junge einer jüdischen Familie in Frankfurt erlebt hat, erzählt er an der Trinkhalle.
1 Stunde 3 Minuten
Mike Josef hat eine beinahe unlösbare Aufgabe. Frankfurt wächst und wächst, wie alle Großstädte, trotzdem muss er es schaffen, dass die Mieten nicht weiter steigen. Was tut er dafür, dass Menschen mit normalem Einkommen in der Stadt wohnen bleiben können, dass Sozialwohnungen nicht weiter verschwinden, dass die gewachsene Sozialstruktur von Stadtteilen nicht binnen weniger Jahre durch Gentrifizierung zerstört wird? Als Planungs- und Wohnungsbaudezernent von Frankfurt muss er darauf Antworten finden. Früher war das vielleicht ein dröger Job, heute geht es um Zukunftsfragen: „Ein Dach über dem Kopf zu haben, ist die Voraussetzung Teil einer Gesellschaft zu sein", sagt Josef. Josefs Leben ist eine Aufsteigergeschichte: Seine Eltern flohen als Christen aus Syrien nach Deutschland. Vieles musste die Familie erst lernen. Auf die Flüchtlingskrise hatte der SPD-Politiker 2015 einen anderen Blick: "Wenn meine Eltern damals, 1987, nicht das Land verlassen hätten, wäre ich vielleicht heute einer von denen, die jetzt gekommen sind.“ Warum seine Eltern ihren Namen eindeutschen ließen und wieso Josef als heutiger Hoffnungsträger der hessischen SPD bei seiner ersten Bundestagswahl 2002 Edmund Stoiber wählte - über all das sprechen wir mit ihm im F.A.Z.-Gesprächspodcasts Am Tresen.
55 Minuten
Mit 27 Jahren wird Sybille Schönberger Küchenchefin in einem Sternerestaurant. Das allein ist ungewöhnlich - es gibt nur eine Handvoll profilierter weiblicher Küchenchefs in Deutschland. Keiner glaubt, dass Schönberger den Stern im Guide Michelin, der wichtigsten Auszeichnung der Szene, halten kann. Aber sie schaffte es. In wenig anderen Berufen wird so viel gebrüllt, beschimpft, herrscht so viel Druck wie in der Spitzenküche. Wie setzt man sich da durch? Wie lässt sich das mit einem Familienleben vereinbaren? Inzwischen war Schönberger in allen großen Kochshows im Fernsehen, nimmt regelmäßig an der "Küchenschlacht" im ZDF teil. Im F.A.Z.-Gesprächspodcast "Am Tresen" spricht sie über feminen Geschmack, darüber, dass sie lieber vegan als glutenfrei leben würde - und die Welt der Fernsehköche.
55 Minuten
Der Musiker Stefan Hantel ist besser bekannt unter seinem Künstlernamen “Shantel”. Mit dem Song “Disco Partizani” eroberte er die Charts in Deutschland und Südosteuropa, noch immer tritt er jährlich auf mehreren hundert Konzerten auf, dabei wollte er früher gar nicht Musiker werden. “Ich fand das eigentlich etwas unseriös”, erinnert er sich beim Gespräch an einem Wasserhäuschen im Frankfurter Gallusviertel. Unweit von hier begann seine Musikkarriere: Im Bahnhofsviertel organisierte er 1987 seine ersten Parties in alten Gründerzeithäusern. “Das Bahnhofsviertel war ja damals noch ein No-Go-Viertel, da ist man echt nicht hingegangen”, sagt er. Warum er sich trotzdem sofort in den Stadtteil verliebt hat, was er gegen Sitzkonzerte hat und wieso er die Zusammenarbeit mit Madonna abgelehnt hat - all das hören Sie in der ersten Folge des F.A.Z.-Gesprächspodcasts Am Tresen.