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24 Episoden
24 Minuten
2006 hat Ruth Klüger (1931–2020) den Aufsatz „Mißbrauch der Erinnerung: KZ-Kitsch“ veröffentlich. Sie erinnert vehement daran, dass das Erinnern kein kategorischer Imperativ ist, kein Sollen oder Wollen, schon gar kein Verdienst, sondern Erinnern ist ein psychologischer Normalzustand. Die Störung oder das Erlöschen der Erinnerung dagegen ist krankhaft. Demnach ist die Frage nach dem Erinnern eine Frage des „Wie“, nicht des „Ob“. Eine gekürzte Fassung dieses Textes war am 9. November 2020 im Ferdinandeum in Innsbruck als Teil 3 des Abends mit der Klaviersonate „27. April 1927“ von Karl Amadeus Hartmann vorgesehen. Gelesen hat Rainer Egger. Musik Bert Breit.
33 Minuten
Am Montag, 23. April 1945 wurde im KZ Dachau die Bildung eines Häftlingszuges befohlen. Dieses „Kommando Ötztal“, bestehend aus 1700 bis 1800 jüdischen, sowjetischen und deutschen Gefangenen, sollte vermutlich die Errichtung eines Großwindkanals im Tiroler Ötztal vorantreiben, damit die letzte „Wunderwaffe“, das strahlgetriebene Flugzeug, im Herbst 1945 den Krieg entscheiden hätte können. Aber viele der insgesamt ca. 10.000 Menschen aus Dachau, die Ende April Richtung Tirol getrieben und gefahren werden, erreichen die Grenze nicht mehr lebend. Albert Knoll von der KZ-Gedenkstätte in Dachau berichtet von diesem Todesmarsch.
27 Minuten
Das Ziel der Todesmärsche aus dem KZ Dachau Ende April 1945 war Tirol und der Komponist Karl Amadeus Hartmann war ein Augenzeuge davon. Am 27. April 1945 sieht er unmittelbar vor seinem Haus in Kempfenhausen am Starnberger See, wie SS-Männer hunderte entkräftete und ausgehungerte Häftlinge Richtung Alpen treiben. Hartmann, der sich zwischen 1933 und 1945 dem NS-Regime verweigert und daher nicht aufgeführt wird, versucht in den letzten Tagen des Nazismus dem Vergessen der Todesmärsche mit der Komposition einer Klaviersonate entgegenzutreten. Sie erhält den Titel »27. April 1945«. Gespielt hat Michael Schöch.
31 Minuten
Ein Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Dr. Franz Gratl: Die Geschichte der Musikkapellen reicht weit zurück und verliert sich mitunter in Legenden und Mythen. Musikkapellen sind – jenseits der Musikgeschichte – auch als Teil einer obrigkeitlich geförderten Öffentlichkeit von Interesse: Ihre große Zahl, ihre flächendeckende Verbreitung und ihre Sozialstruktur sind einerseits ein Spiegelbild der regionalen Gesellschaft. Andererseits bilden ihre Musik, ihr Auftreten und die den Musikkapellen zugeordnete symbolische Bedeutung eine zentrale kulturelle Dimension von Macht … nicht nur in Tirol.
26 Minuten
Michael Gaismair, der sich am 7. Oktober 1525 durch Flucht aus der Gefangenschaft Ferdinands befreit hatte, brütete während der Wintermonate 1525/26 über einer Landesordnung, die zu jenen Texten des Bauernkrieges gehört, die am meisten Interesse auf sich gezogen haben. Das war Republikanismustheorie pragmatischen, nicht utopischen Zuschnitts. Das Kopfgeld, das Ferdinand 1526 auf ihn ausgesetzt hat, führt allerdings erst sechs Jahre später zur Ermordung Gaismaiers in Padua. Es lesen Rainer Egger und Johann Nikolussi. Musik von Bert Breit.
33 Minuten
Systemkonflikt in Tirol vor 500 Jahren. Die Zeitgenossen, städtische wie klösterliche Chronisten, adelige wie geistliche Herren, sie alle bezeichneten die Ereignisse von 1525 als „Puren-Krieg“, als Bauernkrieg. Sie formulierten damit aber nur die Außenansicht dieser Revolution, deren Bild in der Tat von bäuerlichen Haufen geprägt wurde. Ob der Begriff „Bauernkrieg“ jedoch alle diejenigen, die sich vor 500 gegen zahlreiche Formen der Herrschaft aufzulehnen beginnen, zutreffend definiert, muß bezweifelt werden. Es lesen Rainer Egger und Johann Nikolussi. Musik von Bert Breit.
28 Minuten
Vor 500 Jahren, im Jahr 1520 im Südtiroler Pustertal, beginnt eine Systemkrise, die nach fünf Jahren in den Tiroler Bauernkrieg mündet. Nicht nur in Tirol lehnen sich ab 1520 immer mehr Menschen gegen Justiz, Glaubenspraxis, Besitzverhältnisse, Jagdwesen etc. auf. Es geht ihnen um nichts weniger als um grundlegende ökonomische, politische und soziale Veränderungen. Selbst die Herrschaft der Habsburger wird 1525 auf dem Spiel stehen. Es lesen Rainer Egger und Johann Nikolussi. Mit Musik von Bert Breit.

Rückkehr 1945

37 Minuten
Ein Hörbild über das Österreich, in das der Innsbrucker Heinz Mayer 1945 aus dem KZ Buchenwald zurückgekehrt ist. 1991 und 1995 hat Heinz Mayer in langen Interviews über den Nazismus in Tirol vor und nach 1938 und über seine Rückkehr 1945 aus dem Konzentrationslager Buchenwald nach Tirol gesprochen. Als Vollinvalide hat er über Jahrzehnte die sozialen Interessen der Opfer und Gegner des Nazismus in zahlreichen Gremien vertreten. Er arbeitet unter anderem an der komplexen gesetzlichen Regelung der Opferfürsorge mit und wird in den Vorstand des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes berufen. 1999 ist Heinz Mayer in Innsbruck gestorben. Gelesen hat Rainer Egger.
31 Minuten
Die Tiroler Landesmuseen und das Gemeindemuseum Absam erinnern an die Befreiung Tirols vor 75 Jahren mit Musik des Komponisten und Widerstandskämpfers Peter Zwetkoff aus Hall in Tirol. Zu hören ist eine von Othmar Costa produzierte Aufnahme von „Wie es war“ von Peter Zwetkoff aus dem Jahr 1988, die der ORF Tirol dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Es lesen Rainer Egger und Johann Nikolussi, Anmerkungen und Kommentare von Franz Gratl. Dauer: 31 Minuten.
Hörpositionen

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Eine Podcast-Kooperation von Musiksammlung der Ti…