"Woher kommst du wirklich?" Archiv
33 Episoden
1 Stunde 10 Minuten
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Alla wurde in Usbekistan geboren, hat ukrainische Wurzeln, besitzt einen russischen Pass und lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland, wo sie sich heute heimisch und deutsch fühlt. In der 30. Episode von Woher kommst du wirklich? habe ich mit Alla Leschenko gesprochen, einer Frau mit einer unglaublich vielschichtigen Geschichte und einer komplizierten Herkunft und Identität. Alla ist Lektorin und Autorin, die die deutsche Sprache liebt und mit beeindruckender Präzision beherrscht – und doch wird sie immer wieder auf ihre Migrationserfahrung reduziert.
In Usbekistan galt sie als Russin, obwohl sie ethnisch ukrainisch ist. In Deutschland sieht sie sich als Usbekin und als Deutsche – doch ihr Akzent und ihr Name machen sie für viele automatisch zur „Russin“.
Unsere Unterhaltung zeigt, wie tief Vorurteile in der Gesellschaft verankert sind. Besonders bewegend erzählt Alla von einem Erlebnis mit der Lehrerin ihres Sohnes: Als dieser in der Schule Schwierigkeiten hatte, wurde ihr geraten, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen – eine Empfehlung, die sie tief traf. „Deutsch ist unsere Gefühlssprache, unsere Familiensprache – es hat nichts mit der Herkunft zu tun“, betont Alla. Später stellte sich heraus, dass die Lernschwierigkeiten ihres Sohnes auf eine Schreibschwäche zurückzuführen waren – und nicht auf eine vermeintlich mangelnde Deutschkenntnis.
Im Gespräch reflektieren wir auch die „heilige Dreifaltigkeit“ von Sprache, Namen und Aussehen, die oft entscheidet, ob jemand in Deutschland als „deutsch“ wahrgenommen wird. Allas Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, werden selbstverständlich als deutsch angesehen, da sie helle Haut haben. Doch Alla selbst, obwohl sie die deutsche Sprache liebt und meisterhaft beherrscht, erlebt immer wieder, dass sie nicht ganz dazugehört.
Von Vorurteilen gegenüber russischsprachigen Frauen, die oft auf stereotype Rollen reduziert werden, bis hin zu den politischen Spannungen zwischen Russen und Ukrainern in der Diaspora – Alla teilt offen ihre Erfahrungen. Sie spricht über Brüche in Familien, die durch Krieg und politische Meinungen verstärkt werden, und über den Schmerz, der entsteht, wenn die eigene Identität ständig hinterfragt wird.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt Alla optimistisch. Sie schätzt die Freiheit, die sie in Deutschland genießt, und glaubt fest daran, dass Sprache der Schlüssel zu Integration und Verständnis ist.
Mit dieser Episode endet vorerst die Reise von Woher kommst du wirklich?. Die 30. Folge ist ein würdiger Abschluss der ersten Staffel, mit einem Gespräch, das zeigt, wie komplex und faszinierend Identität sein kann – und wie wichtig es ist, einander zuzuhören.
Danke, dass ihr diesen Weg mit mir gegangen seid. Vielleicht hören wir uns in einer neuen Staffel wieder. Bis dahin: bleibt neugierig und begegnet der Vielfalt um euch herum mit Offenheit und Respekt.
--------------------------------------
Alla Leschenko ist deutsche Lektorin, Texterin und Schriftstellerin. Seit 2005 lebt sie in Deutschland. Ihre Leidenschaften sind Sprache, Gesellschaft und Politik – sowie ihre Liebe zu Horror und Katzen.
https://www.linkedin.com/in/alla-leshenko
https://www.facebook.com/alla.leshenko
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Bitte Feedback oder Fragen an Erdal Ahlatci per Mail , LinkedIn oder Instagram
Podcast LinkedIn Profil:
https://www.linkedin.com/company/woher-kommst-du-wirklich/
Musik & Postproduktion:
Joscha Grunewald
Alla wurde in Usbekistan geboren, hat ukrainische Wurzeln, besitzt einen russischen Pass und lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland, wo sie sich heute heimisch und deutsch fühlt. In der 30. Episode von Woher kommst du wirklich? habe ich mit Alla Leschenko gesprochen, einer Frau mit einer unglaublich vielschichtigen Geschichte und einer komplizierten Herkunft und Identität. Alla ist Lektorin und Autorin, die die deutsche Sprache liebt und mit beeindruckender Präzision beherrscht – und doch wird sie immer wieder auf ihre Migrationserfahrung reduziert.
In Usbekistan galt sie als Russin, obwohl sie ethnisch ukrainisch ist. In Deutschland sieht sie sich als Usbekin und als Deutsche – doch ihr Akzent und ihr Name machen sie für viele automatisch zur „Russin“.
Unsere Unterhaltung zeigt, wie tief Vorurteile in der Gesellschaft verankert sind. Besonders bewegend erzählt Alla von einem Erlebnis mit der Lehrerin ihres Sohnes: Als dieser in der Schule Schwierigkeiten hatte, wurde ihr geraten, zu Hause mehr Deutsch zu sprechen – eine Empfehlung, die sie tief traf. „Deutsch ist unsere Gefühlssprache, unsere Familiensprache – es hat nichts mit der Herkunft zu tun“, betont Alla. Später stellte sich heraus, dass die Lernschwierigkeiten ihres Sohnes auf eine Schreibschwäche zurückzuführen waren – und nicht auf eine vermeintlich mangelnde Deutschkenntnis.
Im Gespräch reflektieren wir auch die „heilige Dreifaltigkeit“ von Sprache, Namen und Aussehen, die oft entscheidet, ob jemand in Deutschland als „deutsch“ wahrgenommen wird. Allas Kinder, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, werden selbstverständlich als deutsch angesehen, da sie helle Haut haben. Doch Alla selbst, obwohl sie die deutsche Sprache liebt und meisterhaft beherrscht, erlebt immer wieder, dass sie nicht ganz dazugehört.
Von Vorurteilen gegenüber russischsprachigen Frauen, die oft auf stereotype Rollen reduziert werden, bis hin zu den politischen Spannungen zwischen Russen und Ukrainern in der Diaspora – Alla teilt offen ihre Erfahrungen. Sie spricht über Brüche in Familien, die durch Krieg und politische Meinungen verstärkt werden, und über den Schmerz, der entsteht, wenn die eigene Identität ständig hinterfragt wird.
Trotz dieser Herausforderungen bleibt Alla optimistisch. Sie schätzt die Freiheit, die sie in Deutschland genießt, und glaubt fest daran, dass Sprache der Schlüssel zu Integration und Verständnis ist.
Mit dieser Episode endet vorerst die Reise von Woher kommst du wirklich?. Die 30. Folge ist ein würdiger Abschluss der ersten Staffel, mit einem Gespräch, das zeigt, wie komplex und faszinierend Identität sein kann – und wie wichtig es ist, einander zuzuhören.
Danke, dass ihr diesen Weg mit mir gegangen seid. Vielleicht hören wir uns in einer neuen Staffel wieder. Bis dahin: bleibt neugierig und begegnet der Vielfalt um euch herum mit Offenheit und Respekt.
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Alla Leschenko ist deutsche Lektorin, Texterin und Schriftstellerin. Seit 2005 lebt sie in Deutschland. Ihre Leidenschaften sind Sprache, Gesellschaft und Politik – sowie ihre Liebe zu Horror und Katzen.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 30 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
„Ich hatte nie ein Zuhause, nirgendwo auf dieser Erde,“ sagt Ellen Wagner, meine heutige Gästin.
Ellen ist Diversity-Beraterin, Autorin und Aktivistin. Sie wurde in Deutschland geboren, ist dort aufgewachsen, hat in vielen Ländern gelebt und gearbeitet und lebt derzeit mit ihrer Familie in den USA. Im Gespräch teilt sie, wie es ist, als von weißen Eltern adoptiertes schwarzes Kind aufzuwachsen und was es bedeutet, immer wieder gefragt zu werden, woher man „wirklich“ kommt. Die Erfahrung, als „Andersartige“ betrachtet zu werden, begann schon im Kindergarten. „Das erste Mal, als man mich fragte, woher ich wirklich komme, war ich fünf,“ erzählt Ellen. Schon da begann die Suche nach Zugehörigkeit, die immer wieder von anderen in Frage gestellt wurde – selbst in ihrer eigenen Familie, wo sie als einziges schwarzes Mitglied oft die irritierten Blicke anderer ertragen musste.
Ellen beschreibt, wie tief sich das Gefühl des „Nicht-Dazugehörens“ in ihre Identität eingeschrieben hat. Sogar als sie beruflich als Reiseleiterin für deutsche Gäste arbeitete und stolz ihren Heimatort und Anekdoten erzählte, erhielt sie oft die Frage, ob sie überhaupt Deutsch spreche – trotz der Deutschlandflagge auf ihrem Namensschild. Diese wiederholten Momente des „Andersmachens“, das ständige „Woher kommst du wirklich?“ sind für sie wie „tausend Pflaster auf Wunden, die immer wieder entfernt werden und dadurch nicht heilen“.
Heute klärt Ellen in Workshops darüber auf, welche emotionalen Narben solche scheinbar harmlosen Fragen hinterlassen. Sie bringt Menschen bei, dass es nicht auf die Absicht ankommt, sondern auf die Wirkung. Für sie ist das Ziel, dass eine neue Generation von Kindern aufwachsen kann, ohne ständig nach einer Herkunftsrechtfertigung gefragt zu werden. Doch Ellen ist skeptisch, ob rassifizierte Menschen diese Freiheit je erfahren können. Besonders in den USA, wo Ellen jetzt lebt, ist es für ihre Tochter überlebenswichtig, bei Polizeikontrollen besonders vorsichtig zu sein – ein Überlebenswissen, das weiße Kinder nicht brauchen.
In dieser Episode sprechen wir u.a. darüber, wie tief die Frage nach Identität und Zugehörigkeit geht und wie fest Stereotype verankert sind. Wir reflektieren über die Erfahrung, sich in Deutschland oder den USA fremd zu fühlen, über Rassismus, institutionelle Ungleichheit und intersektionale Diskriminierung, die viele Betroffene prägt. Ellen und ich beleuchten, wie sich Zuschreibungen und Vorurteile auf das Selbstbild und die Entwicklung unserer Kinder auswirken und welche Maßnahmen wir uns wünschen, damit auch marginalisierte Menschen sich wirklich als Teil der Gesellschaft fühlen können.
Mehr über die Gästin:
Ellen Wagner ist Moderatorin, Speaker, Workshop Facilitator und Autorin. Ihr Schwerpunkt ist die Schaffung inklusiver Unternehmenskulturen. Dies gelingt ihr anhand strategischer Beratung sowie mit Talks & Trainings rund um die Themen Diversity, Equity, Inclusion & Belonging. Als queere, Schwarze und neurodivergente Frau ist ihre Herangehensweise immer mit intersektionalem Blick und mit einem besonderen Fokus auf LGBTQIA-Feindlichkeit, anti-Schwarzen Rassismus und Neurodivergenz.
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„Ich hatte nie ein Zuhause, nirgendwo auf dieser Erde,“ sagt Ellen Wagner, meine heutige Gästin.
Ellen ist Diversity-Beraterin, Autorin und Aktivistin. Sie wurde in Deutschland geboren, ist dort aufgewachsen, hat in vielen Ländern gelebt und gearbeitet und lebt derzeit mit ihrer Familie in den USA. Im Gespräch teilt sie, wie es ist, als von weißen Eltern adoptiertes schwarzes Kind aufzuwachsen und was es bedeutet, immer wieder gefragt zu werden, woher man „wirklich“ kommt. Die Erfahrung, als „Andersartige“ betrachtet zu werden, begann schon im Kindergarten. „Das erste Mal, als man mich fragte, woher ich wirklich komme, war ich fünf,“ erzählt Ellen. Schon da begann die Suche nach Zugehörigkeit, die immer wieder von anderen in Frage gestellt wurde – selbst in ihrer eigenen Familie, wo sie als einziges schwarzes Mitglied oft die irritierten Blicke anderer ertragen musste.
Ellen beschreibt, wie tief sich das Gefühl des „Nicht-Dazugehörens“ in ihre Identität eingeschrieben hat. Sogar als sie beruflich als Reiseleiterin für deutsche Gäste arbeitete und stolz ihren Heimatort und Anekdoten erzählte, erhielt sie oft die Frage, ob sie überhaupt Deutsch spreche – trotz der Deutschlandflagge auf ihrem Namensschild. Diese wiederholten Momente des „Andersmachens“, das ständige „Woher kommst du wirklich?“ sind für sie wie „tausend Pflaster auf Wunden, die immer wieder entfernt werden und dadurch nicht heilen“.
Heute klärt Ellen in Workshops darüber auf, welche emotionalen Narben solche scheinbar harmlosen Fragen hinterlassen. Sie bringt Menschen bei, dass es nicht auf die Absicht ankommt, sondern auf die Wirkung. Für sie ist das Ziel, dass eine neue Generation von Kindern aufwachsen kann, ohne ständig nach einer Herkunftsrechtfertigung gefragt zu werden. Doch Ellen ist skeptisch, ob rassifizierte Menschen diese Freiheit je erfahren können. Besonders in den USA, wo Ellen jetzt lebt, ist es für ihre Tochter überlebenswichtig, bei Polizeikontrollen besonders vorsichtig zu sein – ein Überlebenswissen, das weiße Kinder nicht brauchen.
In dieser Episode sprechen wir u.a. darüber, wie tief die Frage nach Identität und Zugehörigkeit geht und wie fest Stereotype verankert sind. Wir reflektieren über die Erfahrung, sich in Deutschland oder den USA fremd zu fühlen, über Rassismus, institutionelle Ungleichheit und intersektionale Diskriminierung, die viele Betroffene prägt. Ellen und ich beleuchten, wie sich Zuschreibungen und Vorurteile auf das Selbstbild und die Entwicklung unserer Kinder auswirken und welche Maßnahmen wir uns wünschen, damit auch marginalisierte Menschen sich wirklich als Teil der Gesellschaft fühlen können.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 21 Minuten
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„Wer bist du als Mensch? Können unsere Herzen korrespondieren?“ – Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Meri Eremut, die in dieser Episode von ihrem Weg zwischen Kulturen und Krisen erzählt. Geboren in Deutschland, aber als „Kofferkind“ bis zum Vorschulalter bei ihrer Tante in Kroatien aufgewachsen, kennt Meri das Gefühl, nirgendwo ganz dazuzugehören. In unserem Gespräch wird deutlich, wie ihre Identität durch äußere Zuweisungen und eigene Erfahrungen im Spannungsfeld zwischen zwei Ländern geformt wurde.
Meri beschreibt, wie sie in ihrer Jugend Teil einer jugoslawischen Community war, in der Kroaten, Serben, Slowenen und Bosnier friedlich zusammenlebten. Nationalität spielte lange Zeit keine Rolle – bis der Nationalismus in den 90er-Jahren den Krieg brachte und die Community zerbrach. „Früher war es egal, wer Serbe oder Kroate war, wir waren einfach Freunde“, erzählt Meri. Doch mit dem Krieg kamen Feindseligkeiten, Freundschaften zerbrachen, und aus der vermeintlichen Einheit entstand tiefe Spaltung. Besonders bewegend ist, wie Meri schildert, dass ihre Familie direkt vom Krieg betroffen war, mit dem Verlust zweier naher Verwandter.
Statt in Hass und Ressentiments zu versinken, entschied sich Meri für den Weg des Dialogs und der Versöhnung. Sie kehrte nach dem Krieg in die Krisengebiete zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen, und suchte den Austausch mit Menschen auf allen Seiten. „Der Krieg hat niemandem etwas gebracht“, sagt sie nachdenklich. Ihre Erfahrungen in dieser Zeit prägten nicht nur ihre eigene Identität, sondern auch ihre Sicht auf die Gesellschaft und das Miteinander.
Überraschend ist, dass sich Meris Kinder stärker mit ihrer kroatischen Herkunft identifizieren, obwohl sie mit ihnen überwiegend Deutsch spricht und sie in Deutschland aufwachsen. „Es hat mich erstaunt, dass sie sich als Kroaten sehen“, erzählt Meri. Dabei ist es weniger die Sprache oder eine tiefe Verbindung zu Kroatien, sondern vielmehr die Tatsache, dass ihnen in Deutschland oft das Gefühl gegeben wird, nicht ganz dazuzugehören. „Man sagt ihnen, sie seien nicht ganz deutsch, und so fangen sie an, sich woanders zu verorten.“ Diese fehlende bedingungslose Zugehörigkeit in der deutschen Gesellschaft führt dazu, dass ihre Kinder sich vermehrt mit ihrer kroatischen Herkunft identifizieren.
Das Gespräch macht deutlich: Die Frage „Woher kommst du wirklich?“ berührt mehr als nur die geografische Herkunft. Sie geht tief in die Seele und beeinflusst die Selbstwahrnehmung und das Zugehörigkeitsgefühl. Solange Menschen in Schubladen gesteckt und als „anders“ wahrgenommen werden, wird es für viele schwer, in Deutschland wirklich anzukommen.
Meri Eremut ist Hochwasser- und Starkregenrisikomanagerin mit einer tiefen Leidenschaft für den Schutz von Menschen vor Naturgefahren. Sie berät Ministerien, Landkreise und Kommunen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, um Vorsorgekonzepte zu entwickeln, die Leben retten können. Meri begleitet Projekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung und sieht darin eine Möglichkeit, die Welt widerstandsfähiger und sicherer zu machen.
Bereits als Kind entwickelte sie den Wunsch, Menschen zu helfen. Diese Ambition wuchs weiter, als der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien ihr Leben prägte und sie erkannte, welche verheerenden Folgen das „Andere-Sehen“ von Menschen haben kann. Ihre erste berufliche Erfahrung sammelte sie in Entwicklungshilfeprojekten des Auswärtigen Amts auf dem Westbalkan, wo sie miterlebte, was echte Versöhnung bedeutet.
Der Klimawandel bereitet ihr nicht nur wegen der zunehmenden Extremwetterereignisse Sorgen, sondern auch wegen der sozialen Spannungen, die daraus entstehen. Meris Engagement zielt darauf ab, sowohl Gemeinden als auch Menschen widerstandsfähiger gegen die Herausforderungen von morgen zu machen – sei es gegen Naturkatastrophen oder die sozialen Folgen des Klimawandels.
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Joscha Grunewald
„Wer bist du als Mensch? Können unsere Herzen korrespondieren?“ – Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Meri Eremut, die in dieser Episode von ihrem Weg zwischen Kulturen und Krisen erzählt. Geboren in Deutschland, aber als „Kofferkind“ bis zum Vorschulalter bei ihrer Tante in Kroatien aufgewachsen, kennt Meri das Gefühl, nirgendwo ganz dazuzugehören. In unserem Gespräch wird deutlich, wie ihre Identität durch äußere Zuweisungen und eigene Erfahrungen im Spannungsfeld zwischen zwei Ländern geformt wurde.
Meri beschreibt, wie sie in ihrer Jugend Teil einer jugoslawischen Community war, in der Kroaten, Serben, Slowenen und Bosnier friedlich zusammenlebten. Nationalität spielte lange Zeit keine Rolle – bis der Nationalismus in den 90er-Jahren den Krieg brachte und die Community zerbrach. „Früher war es egal, wer Serbe oder Kroate war, wir waren einfach Freunde“, erzählt Meri. Doch mit dem Krieg kamen Feindseligkeiten, Freundschaften zerbrachen, und aus der vermeintlichen Einheit entstand tiefe Spaltung. Besonders bewegend ist, wie Meri schildert, dass ihre Familie direkt vom Krieg betroffen war, mit dem Verlust zweier naher Verwandter.
Statt in Hass und Ressentiments zu versinken, entschied sich Meri für den Weg des Dialogs und der Versöhnung. Sie kehrte nach dem Krieg in die Krisengebiete zurück, um beim Wiederaufbau zu helfen, und suchte den Austausch mit Menschen auf allen Seiten. „Der Krieg hat niemandem etwas gebracht“, sagt sie nachdenklich. Ihre Erfahrungen in dieser Zeit prägten nicht nur ihre eigene Identität, sondern auch ihre Sicht auf die Gesellschaft und das Miteinander.
Überraschend ist, dass sich Meris Kinder stärker mit ihrer kroatischen Herkunft identifizieren, obwohl sie mit ihnen überwiegend Deutsch spricht und sie in Deutschland aufwachsen. „Es hat mich erstaunt, dass sie sich als Kroaten sehen“, erzählt Meri. Dabei ist es weniger die Sprache oder eine tiefe Verbindung zu Kroatien, sondern vielmehr die Tatsache, dass ihnen in Deutschland oft das Gefühl gegeben wird, nicht ganz dazuzugehören. „Man sagt ihnen, sie seien nicht ganz deutsch, und so fangen sie an, sich woanders zu verorten.“ Diese fehlende bedingungslose Zugehörigkeit in der deutschen Gesellschaft führt dazu, dass ihre Kinder sich vermehrt mit ihrer kroatischen Herkunft identifizieren.
Das Gespräch macht deutlich: Die Frage „Woher kommst du wirklich?“ berührt mehr als nur die geografische Herkunft. Sie geht tief in die Seele und beeinflusst die Selbstwahrnehmung und das Zugehörigkeitsgefühl. Solange Menschen in Schubladen gesteckt und als „anders“ wahrgenommen werden, wird es für viele schwer, in Deutschland wirklich anzukommen.
Meri Eremut ist Hochwasser- und Starkregenrisikomanagerin mit einer tiefen Leidenschaft für den Schutz von Menschen vor Naturgefahren. Sie berät Ministerien, Landkreise und Kommunen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, um Vorsorgekonzepte zu entwickeln, die Leben retten können. Meri begleitet Projekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung und sieht darin eine Möglichkeit, die Welt widerstandsfähiger und sicherer zu machen.
Bereits als Kind entwickelte sie den Wunsch, Menschen zu helfen. Diese Ambition wuchs weiter, als der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien ihr Leben prägte und sie erkannte, welche verheerenden Folgen das „Andere-Sehen“ von Menschen haben kann. Ihre erste berufliche Erfahrung sammelte sie in Entwicklungshilfeprojekten des Auswärtigen Amts auf dem Westbalkan, wo sie miterlebte, was echte Versöhnung bedeutet.
Der Klimawandel bereitet ihr nicht nur wegen der zunehmenden Extremwetterereignisse Sorgen, sondern auch wegen der sozialen Spannungen, die daraus entstehen. Meris Engagement zielt darauf ab, sowohl Gemeinden als auch Menschen widerstandsfähiger gegen die Herausforderungen von morgen zu machen – sei es gegen Naturkatastrophen oder die sozialen Folgen des Klimawandels.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 26 Minuten
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"Es geht nicht darum, wie du die Frage meinst, sondern was sie mit mir macht." – sagt Lamiya in Bezug auf die immer wiederkehrende Frage nach ihrer „wirklichen“ Herkunft.
Lamiya wuchs in Deutschland auf, hat hier ihren Lebensmittelpunkt, und doch begleitet sie eine Frage, die sie immer wieder daran erinnert, dass sie für viele nicht „deutsch“ ist: „Woher kommst du wirklich?“ In dieser Episode erzählt sie, was diese Frage mit ihr gemacht hat – von ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg, in dem sie immer wieder daran erinnert wurde, dass sie anders aussieht, bis hin zu ihrer heutigen Reflexion als Mutter, die sich entschieden hat, ihre Identität nicht länger von außen bestimmen zu lassen.
Lamiya spricht nicht nur über die Belastungen durch rassistische Mikroaggressionen, sondern auch darüber, wie sie ihren Kindern eine starke, selbstbewusste Identität vermitteln will. Besonders spannend ist ihre Erfahrung, als sie an einem AfD-Stand ein Gespräch mit einem AfD-Mitglied führte, das ihr Mut abverlangte – und welches aufzeigt, wie tief die gesellschaftlichen Gräben sind, wenn es um Fragen der Herkunft und Zugehörigkeit geht.
Ein prägender Moment in der Episode ist, als Lamiya reflektiert, wie sie als junges Mädchen mit ihrer vermeintlichen Andersartigkeit und der Frage nach ihrem eigenen Wert kämpfte. Sie erzählt von ihrem Drang zur Überanpassung, um endlich Akzeptanz zu finden – bis sie schließlich erkannte, dass wahre Akzeptanz nur aus ihrem Inneren kommen kann. Diese Erkenntnis war ein wichtiger Wendepunkt in ihrem Leben, und sie beschreibt den Weg zu dieser Befreiung als einen Prozess voller Selbstreflexion und Mut.
Diese Episode ist ein Einblick in das Leben einer Frau, die sich jahrelang mit der Frage auseinandergesetzt hat, wer sie wirklich ist – und was es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, die zu oft nur nach Äußerlichkeiten urteilt und Menschen eine Identität zuweist.
Mehr über Lamiya:
Lamiya Pitussi ist psychologische Beraterin, Autorin, Podcasterin, Coach und Psychologie-Influencerin. Auf ihrem reichweitenstarken Instagram Kanal unterstützt sie täglich Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen und ein glückliches und zufriedenes Leben für sich aufzubauen. Darüber hinaus hält sie regelmäßig Vorträge und Workshops rund um das Thema mentale Gesundheit und begleitet Menschen auf ihrer Selbstfindungsreise.
Podcast "Werde Glücklich":
https://podcasters.spotify.com/pod/show/werde-glcklich
https://www.youtube.com/@Lamiya.Pitussi/podcasts
Webseite:
https://werdeglücklich.de
Instagram:
https://www.instagram.com/werdegluecklich_/
LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/a-lamiya-pitussi-5752472ba/
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Joscha Grunewald
"Es geht nicht darum, wie du die Frage meinst, sondern was sie mit mir macht." – sagt Lamiya in Bezug auf die immer wiederkehrende Frage nach ihrer „wirklichen“ Herkunft.
Lamiya wuchs in Deutschland auf, hat hier ihren Lebensmittelpunkt, und doch begleitet sie eine Frage, die sie immer wieder daran erinnert, dass sie für viele nicht „deutsch“ ist: „Woher kommst du wirklich?“ In dieser Episode erzählt sie, was diese Frage mit ihr gemacht hat – von ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg, in dem sie immer wieder daran erinnert wurde, dass sie anders aussieht, bis hin zu ihrer heutigen Reflexion als Mutter, die sich entschieden hat, ihre Identität nicht länger von außen bestimmen zu lassen.
Lamiya spricht nicht nur über die Belastungen durch rassistische Mikroaggressionen, sondern auch darüber, wie sie ihren Kindern eine starke, selbstbewusste Identität vermitteln will. Besonders spannend ist ihre Erfahrung, als sie an einem AfD-Stand ein Gespräch mit einem AfD-Mitglied führte, das ihr Mut abverlangte – und welches aufzeigt, wie tief die gesellschaftlichen Gräben sind, wenn es um Fragen der Herkunft und Zugehörigkeit geht.
Ein prägender Moment in der Episode ist, als Lamiya reflektiert, wie sie als junges Mädchen mit ihrer vermeintlichen Andersartigkeit und der Frage nach ihrem eigenen Wert kämpfte. Sie erzählt von ihrem Drang zur Überanpassung, um endlich Akzeptanz zu finden – bis sie schließlich erkannte, dass wahre Akzeptanz nur aus ihrem Inneren kommen kann. Diese Erkenntnis war ein wichtiger Wendepunkt in ihrem Leben, und sie beschreibt den Weg zu dieser Befreiung als einen Prozess voller Selbstreflexion und Mut.
Diese Episode ist ein Einblick in das Leben einer Frau, die sich jahrelang mit der Frage auseinandergesetzt hat, wer sie wirklich ist – und was es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, die zu oft nur nach Äußerlichkeiten urteilt und Menschen eine Identität zuweist.
Mehr über Lamiya:
Lamiya Pitussi ist psychologische Beraterin, Autorin, Podcasterin, Coach und Psychologie-Influencerin. Auf ihrem reichweitenstarken Instagram Kanal unterstützt sie täglich Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen und ein glückliches und zufriedenes Leben für sich aufzubauen. Darüber hinaus hält sie regelmäßig Vorträge und Workshops rund um das Thema mentale Gesundheit und begleitet Menschen auf ihrer Selbstfindungsreise.
Podcast "Werde Glücklich":
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Joscha Grunewald
1 Stunde 27 Minuten
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Was bedeutet es, als Kind einen rassistischen Anschlag zu überleben und die traumatischen Erlebnisse jahrzehntelang zu verdrängen?
In dieser Folge spricht Mina über ihre Kindheit im Flüchtlingsheim, den Angriff auf ihre Familie und die schmerzhaften Erinnerungen, die sie lange Zeit tief in sich verborgen hielt.
Wie prägt es ein Kind, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der es nicht willkommen ist, während die Eltern alles tun, um es zu schützen, obwohl sie selbst keine Sicherheit haben?
Minas Geschichte ist nicht nur die eines Traumas, sondern auch eine Geschichte von Widerstandskraft und Anpassung. Sie erzählt von ihren Eltern, die in Afghanistan erfolgreiche Akademiker waren, in Deutschland jedoch um Akzeptanz und Anerkennung kämpfen mussten. Ihr Vater, ein talentierter Künstler, stellte seine Leidenschaft zurück, um die Familie zu ernähren. Ihre Mutter, einst in einer gut bezahlten Position, sah sich plötzlich mit Vorurteilen und sprachlichen Barrieren konfrontiert.
Doch das tiefere Problem war das Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Selbst der Kauf eines Hauses im Schwabenland – ein Symbol für Integration und Erfolg – wurde zur Hürde, als die Nachbarn versuchten, den Verkauf an „Ausländer“ zu verhindern. Nur der pragmatische Ansatz des Verkäufers ermöglichte es der Familie, das Haus zu erwerben.
Mina schildert, wie ihre Familie trotz aller Hindernisse nie aufgegeben hat. Heute sind ihre Eltern in der Nachbarschaft geschätzt, Rezepte und Freundschaften werden ausgetauscht. Doch der Weg dorthin war lang und beschwerlich.
Mina spricht auch über die subtilen Formen des Rassismus, die sie bis heute begleiten: Die Erwartung, sich ständig erklären zu müssen, das Gefühl, sich für die eigene Identität rechtfertigen zu müssen, und die Angst, dass bei einem Anschlag der Täter afghanischer Herkunft oder Muslim sein könnte – und sie und ihre Familie pauschal dafür mitverantwortlich gemacht werden.
Besonders eindrücklich wird Minas Erzählung, als sie über ihre eigenen Kinder spricht. Sie möchte ihnen das Selbstbewusstsein mitgeben, das sie selbst lange nicht hatte. „Ich will, dass meine Kinder stolz auf ihre afghanischen Wurzeln sind“, sagt sie, „aber ich muss erst selbst mit meiner Vergangenheit aufräumen, bevor ich ihnen diesen Stolz vermitteln kann.“
Am Ende steht jedoch eine klare Botschaft: „Vielfalt verbindet“, sagt Mina. „Lasst uns das Positive daraus ziehen.“ Ihre Agentur „Diversity Connects“ steht genau für dieses Prinzip – den Glauben daran, dass uns Unterschiede bereichern und dass es trotz aller Widerstände möglich ist, eine starke, inklusive Gesellschaft zu schaffen.
-----------------------------------------
Mina Mangal ist eine deutsch-afghanische Gründerin und Mutter von zwei Kindern, die in Stuttgart lebt. Als Kind aus Kabul geflüchtet, beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen der Identität und der Weitergabe kultureller Erfahrungen an ihre Kinder. Mit ihrer Agentur „Diversity Connects“ setzt sie sich für die Förderung von Vielfalt und interkulturellem Verständnis ein.
https://diversity-connects.de
https://www.instagram.com/diversity_connects/
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Was bedeutet es, als Kind einen rassistischen Anschlag zu überleben und die traumatischen Erlebnisse jahrzehntelang zu verdrängen?
In dieser Folge spricht Mina über ihre Kindheit im Flüchtlingsheim, den Angriff auf ihre Familie und die schmerzhaften Erinnerungen, die sie lange Zeit tief in sich verborgen hielt.
Wie prägt es ein Kind, in einer Umgebung aufzuwachsen, in der es nicht willkommen ist, während die Eltern alles tun, um es zu schützen, obwohl sie selbst keine Sicherheit haben?
Minas Geschichte ist nicht nur die eines Traumas, sondern auch eine Geschichte von Widerstandskraft und Anpassung. Sie erzählt von ihren Eltern, die in Afghanistan erfolgreiche Akademiker waren, in Deutschland jedoch um Akzeptanz und Anerkennung kämpfen mussten. Ihr Vater, ein talentierter Künstler, stellte seine Leidenschaft zurück, um die Familie zu ernähren. Ihre Mutter, einst in einer gut bezahlten Position, sah sich plötzlich mit Vorurteilen und sprachlichen Barrieren konfrontiert.
Doch das tiefere Problem war das Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Selbst der Kauf eines Hauses im Schwabenland – ein Symbol für Integration und Erfolg – wurde zur Hürde, als die Nachbarn versuchten, den Verkauf an „Ausländer“ zu verhindern. Nur der pragmatische Ansatz des Verkäufers ermöglichte es der Familie, das Haus zu erwerben.
Mina schildert, wie ihre Familie trotz aller Hindernisse nie aufgegeben hat. Heute sind ihre Eltern in der Nachbarschaft geschätzt, Rezepte und Freundschaften werden ausgetauscht. Doch der Weg dorthin war lang und beschwerlich.
Mina spricht auch über die subtilen Formen des Rassismus, die sie bis heute begleiten: Die Erwartung, sich ständig erklären zu müssen, das Gefühl, sich für die eigene Identität rechtfertigen zu müssen, und die Angst, dass bei einem Anschlag der Täter afghanischer Herkunft oder Muslim sein könnte – und sie und ihre Familie pauschal dafür mitverantwortlich gemacht werden.
Besonders eindrücklich wird Minas Erzählung, als sie über ihre eigenen Kinder spricht. Sie möchte ihnen das Selbstbewusstsein mitgeben, das sie selbst lange nicht hatte. „Ich will, dass meine Kinder stolz auf ihre afghanischen Wurzeln sind“, sagt sie, „aber ich muss erst selbst mit meiner Vergangenheit aufräumen, bevor ich ihnen diesen Stolz vermitteln kann.“
Am Ende steht jedoch eine klare Botschaft: „Vielfalt verbindet“, sagt Mina. „Lasst uns das Positive daraus ziehen.“ Ihre Agentur „Diversity Connects“ steht genau für dieses Prinzip – den Glauben daran, dass uns Unterschiede bereichern und dass es trotz aller Widerstände möglich ist, eine starke, inklusive Gesellschaft zu schaffen.
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Mina Mangal ist eine deutsch-afghanische Gründerin und Mutter von zwei Kindern, die in Stuttgart lebt. Als Kind aus Kabul geflüchtet, beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen der Identität und der Weitergabe kultureller Erfahrungen an ihre Kinder. Mit ihrer Agentur „Diversity Connects“ setzt sie sich für die Förderung von Vielfalt und interkulturellem Verständnis ein.
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Blond, mit einem deutschen Namen und akzentfreiem Deutsch – Nina Löwen erfüllt keine der klassischen „Dreifaltigkeitsfaktoren“, Hautfarbe, Name und Sprache, die sonst zur Frage „Woher kommst du wirklich?“ führen. Doch die Migrationsgeschichte ihrer Familie als Russlanddeutsche erzählt eine andere Geschichte: das Gefühl, in Russland als „die Deutschen“ abgestempelt zu werden und in Deutschland trotzdem nicht ganz dazuzugehören.
Ninas Vater heißt Heinrich – ein Name, der ihn in Russland sofort als „den Deutschen“ erkennbar machte. Doch in Deutschland wurde er oft als „der Russe“ wahrgenommen. Diese doppelte Fremdzuschreibung zieht sich durch Ninas gesamte Familiengeschichte. In der neuesten Episode spricht Nina Löwen über diese Zerrissenheit und teilt mit uns, wie es war, zwischen zwei Welten aufzuwachsen.
Ein zentraler Punkt in unserem Gespräch ist die emotionale Sprachlosigkeit in ihrer Familie. Generationen von Entwurzelung und Migration haben dazu geführt, dass über Gefühle kaum gesprochen wurde. Nina erzählt, dass Zuneigung oft auf praktische Weise ausgedrückt wurde – in Handlungen, nicht in Worten. Das erinnert mich stark an meine eigene Erfahrung. Auch meine Mutter drückte ihre Liebe oft durch Kochen für uns aus, statt über Gefühle zu reden. Diese Art der emotionalen Distanz ist etwas, das viele migrantische Familien teilen und das oft unausgesprochen bleibt.
Es gibt Dinge, die Nina sehr vermisst. Besonders stark ist die Sehnsucht nach der „russischen Seele“, dieser tiefen Melancholie, die durch Musik und Filme transportiert wird. Sie spricht darüber, wie diese Nostalgie ein Teil ihrer Identität geblieben ist, auch wenn sich ihr Leben verändert hat und sie teilweise einen Bruch mit ihren Wurzeln erlebt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unsichtbarkeit, die viele Russlanddeutsche erleben. Sie leben oft im „Stealth-Modus“, wie Nina es nennt – sie passen sich an und verbergen ihre Herkunft. Das ist für sie möglich, weil sie äußerlich und mit Namen als Deutsche durchgehen. Doch was geht verloren, wenn man sich ständig anpasst? Wie viel von der eigenen Identität bleibt, wenn man sich unsichtbar macht, um nicht aufzufallen?
Wie stark prägt uns unsere Herkunft? Und wie geht man damit um, wenn man nach außen hin als „normale Deutsche“ wahrgenommen wird, innerlich aber den Migrationsschmerz mit sich trägt?
Wir haben festgestellt, dass das Gefühl, verstanden zu werden und sich einer Community anzuschließen, helfen kann, den Schmerz der Entwurzelung und die Fragen der Identität zu bewältigen.
Dieser Podcast ist auch eine Community, und ich lade euch alle ein, gemeinsam diese Episode anzuhören und über die eigene Identität zu reflektieren.
Infos über Nina:
Nina Löwen ist eine Psychotherapeutin und forscht im Bereich User Experience (UX) und Nutzerverhalten, speziell im Zusammenhang mit digitalen Gesundheitslösungen. Sie legt großen Wert auf gendersensible und antirassistische Arbeit in der Therapie. Neben ihrer Tätigkeit als Therapeutin ist sie auch in der Entwicklung von digitalen Lösungen für psychische Erkrankungen aktiv und setzt sich für die Einbindung von Patienten in diese Prozesse ein. Zudem ist sie als Dozentin tätig und engagiert sich für Diversität und Chancengleichheit.
https://www.psychotherapie-loewen.de/ueber-mich/
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Musik & Postproduktion:
Joscha Grunewald
Blond, mit einem deutschen Namen und akzentfreiem Deutsch – Nina Löwen erfüllt keine der klassischen „Dreifaltigkeitsfaktoren“, Hautfarbe, Name und Sprache, die sonst zur Frage „Woher kommst du wirklich?“ führen. Doch die Migrationsgeschichte ihrer Familie als Russlanddeutsche erzählt eine andere Geschichte: das Gefühl, in Russland als „die Deutschen“ abgestempelt zu werden und in Deutschland trotzdem nicht ganz dazuzugehören.
Ninas Vater heißt Heinrich – ein Name, der ihn in Russland sofort als „den Deutschen“ erkennbar machte. Doch in Deutschland wurde er oft als „der Russe“ wahrgenommen. Diese doppelte Fremdzuschreibung zieht sich durch Ninas gesamte Familiengeschichte. In der neuesten Episode spricht Nina Löwen über diese Zerrissenheit und teilt mit uns, wie es war, zwischen zwei Welten aufzuwachsen.
Ein zentraler Punkt in unserem Gespräch ist die emotionale Sprachlosigkeit in ihrer Familie. Generationen von Entwurzelung und Migration haben dazu geführt, dass über Gefühle kaum gesprochen wurde. Nina erzählt, dass Zuneigung oft auf praktische Weise ausgedrückt wurde – in Handlungen, nicht in Worten. Das erinnert mich stark an meine eigene Erfahrung. Auch meine Mutter drückte ihre Liebe oft durch Kochen für uns aus, statt über Gefühle zu reden. Diese Art der emotionalen Distanz ist etwas, das viele migrantische Familien teilen und das oft unausgesprochen bleibt.
Es gibt Dinge, die Nina sehr vermisst. Besonders stark ist die Sehnsucht nach der „russischen Seele“, dieser tiefen Melancholie, die durch Musik und Filme transportiert wird. Sie spricht darüber, wie diese Nostalgie ein Teil ihrer Identität geblieben ist, auch wenn sich ihr Leben verändert hat und sie teilweise einen Bruch mit ihren Wurzeln erlebt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unsichtbarkeit, die viele Russlanddeutsche erleben. Sie leben oft im „Stealth-Modus“, wie Nina es nennt – sie passen sich an und verbergen ihre Herkunft. Das ist für sie möglich, weil sie äußerlich und mit Namen als Deutsche durchgehen. Doch was geht verloren, wenn man sich ständig anpasst? Wie viel von der eigenen Identität bleibt, wenn man sich unsichtbar macht, um nicht aufzufallen?
Wie stark prägt uns unsere Herkunft? Und wie geht man damit um, wenn man nach außen hin als „normale Deutsche“ wahrgenommen wird, innerlich aber den Migrationsschmerz mit sich trägt?
Wir haben festgestellt, dass das Gefühl, verstanden zu werden und sich einer Community anzuschließen, helfen kann, den Schmerz der Entwurzelung und die Fragen der Identität zu bewältigen.
Dieser Podcast ist auch eine Community, und ich lade euch alle ein, gemeinsam diese Episode anzuhören und über die eigene Identität zu reflektieren.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 52 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland sehen viele Politiker geflüchtete Menschen als größte Gefahr und stellen sie als Sündenböcke dar, doch selten hört man ihre Perspektive. Oft wird vergessen, dass hinter den politischen Debatten echte Menschen mit außergewöhnlichen Geschichten stehen.
In einer Special Episode spreche ich mit Mujtaba Sarfaraz, der 2016 als Minderjähriger alleine aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet ist. Er lebt heute in Bautzen, Sachsen – einer Stadt, die für ihre rechtsextreme Szene und den hohen AfD-Stimmenanteil bekannt ist.
Mujtaba war 10 Jahre alt, als die Taliban seinen Vater ermordeten, weil dieser als Dolmetscher für die Amerikaner arbeitete. Die Familie musste nach Iran fliehen, da auch der älteste Sohn, der nun die Familie unterstützte, von den Taliban bedroht wurde.
Im Iran lebten sie unter extrem prekären Verhältnissen, und Mujtaba musste als Kind bis zu 16 Stunden täglich arbeiten, ohne Aussicht auf gültige Papiere. Auf der Suche nach Sicherheit flüchtete er alleine über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. In der Türkei versteckte er sich mit anderen Geflüchteten wochenlang in einem Keller und entkam knapp dem Tod, als sie beinahe an einer Gasvergiftung starben, weil sie sich mit einem Gasherd gegen die Kälte schützen wollten. Die gefährliche Überfahrt nach Griechenland auf einem überladenen Schlauchboot war nur eine von vielen Situationen, in denen er dem Tod entkam.
Mujtaba spricht über den alltäglichen Rassismus in Bautzen, seine Sehnsucht, einmal unsichtbar zu sein und nicht ständig unwillkommen angestarrt zu werden. Er äußert seine Angst um die Zukunft seiner Kinder, deren Mutter Deutsche ist und Bautzen ihre Heimat. Er ist wütend darüber, dass seine Geschichte als Ausnahme gesehen wird, obwohl er viele positive Geschichten anderer Geflüchteter kennt.
Er erzählt von der Einsamkeit, weil seine Freunde und viele Menschen mit Migrationsgeschichte Bautzen verlassen haben. Die Liebe zu seiner Frau gibt ihm die Stärke, mit dem Rassismus umzugehen und in Bautzen zu bleiben. Weil er weiß, wie schwer es ist, ohne Familie zu sein und seine Heimat zu verlassen, möchte er nicht wegziehen und nicht, dass seine Frau das auch erleben muss.
Mujtaba sorgt sich, dass die Demokratie in Deutschland, für die er unter Lebensgefahr gekommen ist, durch Rechtsextremisten bedroht ist.
Er hebt auch die Chancen hervor, die er in Deutschland bekam, darunter die Möglichkeit, eine Schule mit deutschen Mitschülern zu besuchen. Dank einer engagierten Lehrerin konnte er schnell Deutsch lernen, seinen Schulabschluss machen, eine Ausbildung abschließen und eingebürgert werden. Heute arbeitet er als Pflegedienstleiter, führt ein Team von 10 Mitarbeitern und studiert nebenbei.
Vor den Landtagswahlen am Sonntag ist dies eine wichtige Gelegenheit, innezuhalten und zu reflektieren, welche Auswirkungen unsere Stimmen auf das Leben von Menschen wie Mujtaba haben können.
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Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland sehen viele Politiker geflüchtete Menschen als größte Gefahr und stellen sie als Sündenböcke dar, doch selten hört man ihre Perspektive. Oft wird vergessen, dass hinter den politischen Debatten echte Menschen mit außergewöhnlichen Geschichten stehen.
In einer Special Episode spreche ich mit Mujtaba Sarfaraz, der 2016 als Minderjähriger alleine aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet ist. Er lebt heute in Bautzen, Sachsen – einer Stadt, die für ihre rechtsextreme Szene und den hohen AfD-Stimmenanteil bekannt ist.
Mujtaba war 10 Jahre alt, als die Taliban seinen Vater ermordeten, weil dieser als Dolmetscher für die Amerikaner arbeitete. Die Familie musste nach Iran fliehen, da auch der älteste Sohn, der nun die Familie unterstützte, von den Taliban bedroht wurde.
Im Iran lebten sie unter extrem prekären Verhältnissen, und Mujtaba musste als Kind bis zu 16 Stunden täglich arbeiten, ohne Aussicht auf gültige Papiere. Auf der Suche nach Sicherheit flüchtete er alleine über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. In der Türkei versteckte er sich mit anderen Geflüchteten wochenlang in einem Keller und entkam knapp dem Tod, als sie beinahe an einer Gasvergiftung starben, weil sie sich mit einem Gasherd gegen die Kälte schützen wollten. Die gefährliche Überfahrt nach Griechenland auf einem überladenen Schlauchboot war nur eine von vielen Situationen, in denen er dem Tod entkam.
Mujtaba spricht über den alltäglichen Rassismus in Bautzen, seine Sehnsucht, einmal unsichtbar zu sein und nicht ständig unwillkommen angestarrt zu werden. Er äußert seine Angst um die Zukunft seiner Kinder, deren Mutter Deutsche ist und Bautzen ihre Heimat. Er ist wütend darüber, dass seine Geschichte als Ausnahme gesehen wird, obwohl er viele positive Geschichten anderer Geflüchteter kennt.
Er erzählt von der Einsamkeit, weil seine Freunde und viele Menschen mit Migrationsgeschichte Bautzen verlassen haben. Die Liebe zu seiner Frau gibt ihm die Stärke, mit dem Rassismus umzugehen und in Bautzen zu bleiben. Weil er weiß, wie schwer es ist, ohne Familie zu sein und seine Heimat zu verlassen, möchte er nicht wegziehen und nicht, dass seine Frau das auch erleben muss.
Mujtaba sorgt sich, dass die Demokratie in Deutschland, für die er unter Lebensgefahr gekommen ist, durch Rechtsextremisten bedroht ist.
Er hebt auch die Chancen hervor, die er in Deutschland bekam, darunter die Möglichkeit, eine Schule mit deutschen Mitschülern zu besuchen. Dank einer engagierten Lehrerin konnte er schnell Deutsch lernen, seinen Schulabschluss machen, eine Ausbildung abschließen und eingebürgert werden. Heute arbeitet er als Pflegedienstleiter, führt ein Team von 10 Mitarbeitern und studiert nebenbei.
Vor den Landtagswahlen am Sonntag ist dies eine wichtige Gelegenheit, innezuhalten und zu reflektieren, welche Auswirkungen unsere Stimmen auf das Leben von Menschen wie Mujtaba haben können.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 28 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
Was bedeutet es wirklich, deutsch zu sein? Ist es nur die Staatsbürgerschaft, die unsere Zugehörigkeit definiert, oder steckt da mehr dahinter? Diese Frage habe ich mir oft gestellt, und in dieser Episode hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit meinem Gast Saber darüber nachzudenken und zu diskutieren.
Saber, dessen Eltern aus Tunesien kommen, ist deutscher Staatsbürger. Er wurde in Braunschweig geboren und ist dort aufgewachsen. Heute lebt er mit seiner Frau, deren Familie aus der Türkei stammt, und ihren Kindern in Düsseldorf. Ein Satz von ihm, der mich besonders berührt und zum Nachdenken gebracht hat, lautet: „Ich war bei der Bundeswehr und hab all das getan. Heißt das, ich bin deutsch? Nein, würde ich nicht sagen.“
Dieser Satz verdeutlicht, dass es in unserer Gesellschaft oft nicht ausreicht, eine deutsche Staatsangehörigkeit zu haben – Deutschsein wird von vielen nicht allein durch einen Pass oder bestimmte Leistungen definiert. Es geht um mehr – es geht darum, wie man in dieser Gesellschaft wahrgenommen und behandelt wird und wie man sich selbst in ihr sieht.
In unserem Gespräch haben Saber und ich über die tiefgehende Sehnsucht nach Zugehörigkeit gesprochen. Es geht nicht nur um formale Aspekte, sondern um das Gefühl, tatsächlich in dieser Gesellschaft angenommen zu sein, ohne dass ständig nach der „wahren“ Herkunft gefragt wird. Warum müssen wir uns ständig erklären, nur weil wir vielleicht eine andere Sprache sprechen oder eine andere Religion praktizieren?
Ich frage mich: Warum trennen wir nicht einfach unsere persönliche Identität – die Sprachen, die wir sprechen, unsere religiösen Ansichten, unsere Essgewohnheiten – von unserer nationalen Identität? Deutsch sollte doch jeder sein, der eine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Warum reicht das nicht aus? Warum wird immer wieder die Frage gestellt: „Woher kommst du wirklich?“ – als ob das, was auf unserem Pass steht, nicht genug wäre. Warum müssen wir uns ständig beweisen und rechtfertigen, dass wir „wirklich“ aus Deutschland kommen und deutsch sind?
Saber und ich teilen die gleichen Gefühle, die wir aus unterschiedlichen Perspektiven ausdrücken und diskutieren. Deutschsein sollte nicht an äußeren Merkmalen oder an einer vermuteten Herkunft festgemacht werden, sondern allein an der Staatsbürgerschaft. Alles andere – unsere persönlichen Überzeugungen, unsere Vorlieben und unsere Kultur – sollten als das gesehen werden, was sie sind: individuelle Merkmale, die uns als Menschen einzigartig machen, aber nichts an unserer nationalen Identität ändern.
Diese Episode soll dazu anregen, offen über Identität und Zugehörigkeit zu sprechen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie wir eine Gesellschaft schaffen können, in der sich jeder zu Hause fühlt, unabhängig davon, welche Sprache er spricht oder woher seine Familie stammt.
Infos über Saber:
Saber Romdhani ist Transformationsbegleiter und vereint technisches Know-how mit einem tiefen Verständnis für zwischenmenschliche Dynamiken. Er unterstützt Führungskräfte und Teams durch praxisorientierte Workshops, Keynotes und Management Trainings bei der erfolgreichen Umsetzung von Veränderungsprozessen.
https://www.linkedin.com/in/saberromdhani/
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Was bedeutet es wirklich, deutsch zu sein? Ist es nur die Staatsbürgerschaft, die unsere Zugehörigkeit definiert, oder steckt da mehr dahinter? Diese Frage habe ich mir oft gestellt, und in dieser Episode hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit meinem Gast Saber darüber nachzudenken und zu diskutieren.
Saber, dessen Eltern aus Tunesien kommen, ist deutscher Staatsbürger. Er wurde in Braunschweig geboren und ist dort aufgewachsen. Heute lebt er mit seiner Frau, deren Familie aus der Türkei stammt, und ihren Kindern in Düsseldorf. Ein Satz von ihm, der mich besonders berührt und zum Nachdenken gebracht hat, lautet: „Ich war bei der Bundeswehr und hab all das getan. Heißt das, ich bin deutsch? Nein, würde ich nicht sagen.“
Dieser Satz verdeutlicht, dass es in unserer Gesellschaft oft nicht ausreicht, eine deutsche Staatsangehörigkeit zu haben – Deutschsein wird von vielen nicht allein durch einen Pass oder bestimmte Leistungen definiert. Es geht um mehr – es geht darum, wie man in dieser Gesellschaft wahrgenommen und behandelt wird und wie man sich selbst in ihr sieht.
In unserem Gespräch haben Saber und ich über die tiefgehende Sehnsucht nach Zugehörigkeit gesprochen. Es geht nicht nur um formale Aspekte, sondern um das Gefühl, tatsächlich in dieser Gesellschaft angenommen zu sein, ohne dass ständig nach der „wahren“ Herkunft gefragt wird. Warum müssen wir uns ständig erklären, nur weil wir vielleicht eine andere Sprache sprechen oder eine andere Religion praktizieren?
Ich frage mich: Warum trennen wir nicht einfach unsere persönliche Identität – die Sprachen, die wir sprechen, unsere religiösen Ansichten, unsere Essgewohnheiten – von unserer nationalen Identität? Deutsch sollte doch jeder sein, der eine deutsche Staatsangehörigkeit hat. Warum reicht das nicht aus? Warum wird immer wieder die Frage gestellt: „Woher kommst du wirklich?“ – als ob das, was auf unserem Pass steht, nicht genug wäre. Warum müssen wir uns ständig beweisen und rechtfertigen, dass wir „wirklich“ aus Deutschland kommen und deutsch sind?
Saber und ich teilen die gleichen Gefühle, die wir aus unterschiedlichen Perspektiven ausdrücken und diskutieren. Deutschsein sollte nicht an äußeren Merkmalen oder an einer vermuteten Herkunft festgemacht werden, sondern allein an der Staatsbürgerschaft. Alles andere – unsere persönlichen Überzeugungen, unsere Vorlieben und unsere Kultur – sollten als das gesehen werden, was sie sind: individuelle Merkmale, die uns als Menschen einzigartig machen, aber nichts an unserer nationalen Identität ändern.
Diese Episode soll dazu anregen, offen über Identität und Zugehörigkeit zu sprechen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie wir eine Gesellschaft schaffen können, in der sich jeder zu Hause fühlt, unabhängig davon, welche Sprache er spricht oder woher seine Familie stammt.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 13 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
"Als Kind habe ich mich vehement dagegen gewehrt, Tagalog mit meiner Mutter zu sprechen, weil die Kinder mich aufgezogen haben. Heutzutage bin ich stolz auf diese Wurzeln und die Kultur, die mich geprägt hat."
Yasmin Preis, Tochter einer philippinischen Mutter und eines deutschen Vaters, teilt in der neuesten Episode ihre Erfahrungen mit der Frage: „Woher kommst du wirklich?“ und wie schwierig es ist, Teil der deutschen Gesellschaft zu sein, wenn man nicht die Dreifaltigkeit von Sprache, Name und Aussehen erfüllt. Yasmin beschreibt, wie sie schon als Kind mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert wurde, was sie dazu brachte, ihre philippinischen Wurzeln zu verleugnen, um dazuzugehören.
Sie erzählt von ihrer Kindheit auf dem Land, wo sie und ihre Schwester aufgrund ihres Aussehens und ihrer Herkunft oft ausgegrenzt wurden. Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte ihrer Schwester, die bei einer Aufführung im Kindergarten nicht geschminkt wurde, weil sie bereits „chinesisch“ genug aussah. Wir sprechen auch darüber, wie das Fehlen einer unterstützenden Community die Zugehörigkeit erschweren kann. Yasmins Mutter, die vor 50 Jahren als Krankenschwester nach Deutschland kam, erlebte Rassismus in einer Zeit, in der es noch weniger Verständnis und Akzeptanz für Migranten gab und keine Möglichkeiten des Austausches mit anderen in derselben Situation.
„Ich musste schon als kleines Kind lernen, dass ich anders bin, weil mir gesagt wurde, meine Nase sieht anders aus oder ich wurde als 'schwarzer Bleistift' bezeichnet. Das hat tiefe Spuren hinterlassen.“ Yasmin teilt Geschichten aus ihrer Kindheit und berichtet von den Herausforderungen, die sie und ihre Familie aufgrund ihres multikulturellen Hintergrunds in Deutschland erlebt haben.
„Du kannst dir nicht vorstellen, wie schmerzhaft es ist, wenn du in deinem eigenen Zuhause, in deiner Wohnung in Schöneberg, nicht als der Mensch akzeptiert wirst, der du bist, weil dein Aussehen nicht den Erwartungen entspricht.“ Yasmin erzählt eindrucksvolle und schmerzliche Geschichten, wie die eines Nachbarn, der ihr nach ihrem Einzug in ihre neue Wohnung in Schöneberg sagte, dass sie nicht die „richtige“ Bewohnerin sein könne, weil ihr Aussehen nicht dem Namen auf dem Klingelschild entsprach. Oder als ihre Mutter sie besuchte und von einem Nachbarn gefragt wurde, zu wem sie gehöre, als sie den Müll herausbrachte – ein kleines, aber tief verletzendes Beispiel für Alltagsrassismus.
„Dieser Mini-Rassismus, diese kleinen Erlebnisse, die ja gar nicht so schlimm scheinen, weil schließlich wurden wir nicht verprügelt oder beschimpft – das sind die täglichen Nadelstiche, die uns signalisieren, dass wir nicht wirklich dazugehören.“ Yasmin spricht auch über die vielen Facetten des Rassismus in Deutschland, die oft im Verborgenen bleiben. Durch Yasmins Geschichten aus ihrem Alltag wird deutlich, dass Rassismus nicht immer laut und offensichtlich sein muss, um tief verletzend und ausgrenzend zu wirken.
—————————————————
Yasmin Preis ist Beraterin für Employer Branding und HR Marketing. Sie ist die Gründerin von Belong Branding und hilft Unternehmen, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen und zu kommunizieren. Yasmin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin.
Kontakt zu Yasmin: LinkedIN, Instagram
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"Als Kind habe ich mich vehement dagegen gewehrt, Tagalog mit meiner Mutter zu sprechen, weil die Kinder mich aufgezogen haben. Heutzutage bin ich stolz auf diese Wurzeln und die Kultur, die mich geprägt hat."
Yasmin Preis, Tochter einer philippinischen Mutter und eines deutschen Vaters, teilt in der neuesten Episode ihre Erfahrungen mit der Frage: „Woher kommst du wirklich?“ und wie schwierig es ist, Teil der deutschen Gesellschaft zu sein, wenn man nicht die Dreifaltigkeit von Sprache, Name und Aussehen erfüllt. Yasmin beschreibt, wie sie schon als Kind mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert wurde, was sie dazu brachte, ihre philippinischen Wurzeln zu verleugnen, um dazuzugehören.
Sie erzählt von ihrer Kindheit auf dem Land, wo sie und ihre Schwester aufgrund ihres Aussehens und ihrer Herkunft oft ausgegrenzt wurden. Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte ihrer Schwester, die bei einer Aufführung im Kindergarten nicht geschminkt wurde, weil sie bereits „chinesisch“ genug aussah. Wir sprechen auch darüber, wie das Fehlen einer unterstützenden Community die Zugehörigkeit erschweren kann. Yasmins Mutter, die vor 50 Jahren als Krankenschwester nach Deutschland kam, erlebte Rassismus in einer Zeit, in der es noch weniger Verständnis und Akzeptanz für Migranten gab und keine Möglichkeiten des Austausches mit anderen in derselben Situation.
„Ich musste schon als kleines Kind lernen, dass ich anders bin, weil mir gesagt wurde, meine Nase sieht anders aus oder ich wurde als 'schwarzer Bleistift' bezeichnet. Das hat tiefe Spuren hinterlassen.“ Yasmin teilt Geschichten aus ihrer Kindheit und berichtet von den Herausforderungen, die sie und ihre Familie aufgrund ihres multikulturellen Hintergrunds in Deutschland erlebt haben.
„Du kannst dir nicht vorstellen, wie schmerzhaft es ist, wenn du in deinem eigenen Zuhause, in deiner Wohnung in Schöneberg, nicht als der Mensch akzeptiert wirst, der du bist, weil dein Aussehen nicht den Erwartungen entspricht.“ Yasmin erzählt eindrucksvolle und schmerzliche Geschichten, wie die eines Nachbarn, der ihr nach ihrem Einzug in ihre neue Wohnung in Schöneberg sagte, dass sie nicht die „richtige“ Bewohnerin sein könne, weil ihr Aussehen nicht dem Namen auf dem Klingelschild entsprach. Oder als ihre Mutter sie besuchte und von einem Nachbarn gefragt wurde, zu wem sie gehöre, als sie den Müll herausbrachte – ein kleines, aber tief verletzendes Beispiel für Alltagsrassismus.
„Dieser Mini-Rassismus, diese kleinen Erlebnisse, die ja gar nicht so schlimm scheinen, weil schließlich wurden wir nicht verprügelt oder beschimpft – das sind die täglichen Nadelstiche, die uns signalisieren, dass wir nicht wirklich dazugehören.“ Yasmin spricht auch über die vielen Facetten des Rassismus in Deutschland, die oft im Verborgenen bleiben. Durch Yasmins Geschichten aus ihrem Alltag wird deutlich, dass Rassismus nicht immer laut und offensichtlich sein muss, um tief verletzend und ausgrenzend zu wirken.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 7 Minuten
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"Ich hatte das Gefühl, ich muss mich entscheiden, als würde mir jemand die Pistole auf die Brust setzen und sagen, ich bin jetzt türkisch, deutsch oder kurdisch."
In dieser Episode von "Woher kommst du wirklich?" spreche ich mit Fatma Kaya über ihre tiefen seelischen Belastungen, die durch Rassismuserfahrungen und die Migrationsgeschichte entstanden sind. Fatma teilt ihre persönlichen Erlebnisse, angefangen von ihrer Kindheit im Flüchtlingsheim, dem jahrelangen unsicheren Aufenthaltsstatus, den mentalen Herausforderungen, die sie als junge Erwachsene durchlebt hat, sowie den Traumata der Eltern. Sie beschreibt eindrücklich, wie zusätzlich noch die Frage nach ihrer Herkunft sie in eine Identitätskrise stürzte und letztendlich zu einem Burnout und Panikattacken führte.
Fatma betont die Bedeutung der Unterstützung durch ihre Eltern und wie deren harte Arbeit ihr den Weg zu einem erfolgreichen Leben geebnet hat. Sie erzählt, wie diese Unterstützung sich auf ihre psychische Gesundheit und ihre Motivation, im Leben erfolgreich zu sein, ausgewirkt hat. Sie erzählt, wie sie sich nach dem Anschlag in Hanau von ihrer Umgebung im Stich gelassen fühlte und wie sehr sie sich wünscht, dass Menschen mehr Mitgefühl zeigen.
Themen, die wir besprochen haben:
Wie wirken sich rassistische Gewalt und Ignoranz auf die mentale Gesundheit aus?
Welche Rolle spielen die Traumata und Herausforderungen der Eltern bei der psychischen Belastung der nächsten Generation?
Welche Strategien können Migranten und ihre Nachkommen entwickeln, um mit den Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung umzugehen?
Wie kann die Gesellschaft Empathie und Unterstützung fördern, um ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit zu schaffen?
Warum ist es wichtig, dass Themen wie Rassismus und psychische Gesundheit in der Öffentlichkeit sichtbar bleiben und diskutiert werden?
Das Gespräch mit Fatma macht deutlich, wie wichtig es ist, offen über psychische Belastungen zu sprechen und Unterstützung zu suchen. Fatma betont die Wichtigkeit von Empathie und gegenseitigem Verständnis und ruft dazu auf, psychische Gesundheit nicht als Tabuthema zu behandeln. Fatma ermutigt alle, die Unterstützung benötigen, diese auch zu suchen, sei es durch Gespräche mit Freunden oder professionelle Hilfe.
Informationen über Fatma:
Fatma Kaya ist People- und Projektmanagerin sowie Speakerin zu Mental-Health-Themen, zuletzt bei TEDx Mannheim. Sie managt die Modedesignerin Meriem Lebdiri und bietet Beratungen in Social Media, Marketing und Personal Branding an. Bei Miss Germany 2023/24 erreichte sie die Top 40 mit dem Thema "Mental Health". Fatma hat einen Master in International Management
Links:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/fatma-kaya-/
Instagram: https://www.instagram.com/kayy.fatma/
Website: www.fatmakaya.de
TedxTalk: https://www.youtube.com/watch?v=nj_9YJhdfqk
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Joscha Grunewald
"Ich hatte das Gefühl, ich muss mich entscheiden, als würde mir jemand die Pistole auf die Brust setzen und sagen, ich bin jetzt türkisch, deutsch oder kurdisch."
In dieser Episode von "Woher kommst du wirklich?" spreche ich mit Fatma Kaya über ihre tiefen seelischen Belastungen, die durch Rassismuserfahrungen und die Migrationsgeschichte entstanden sind. Fatma teilt ihre persönlichen Erlebnisse, angefangen von ihrer Kindheit im Flüchtlingsheim, dem jahrelangen unsicheren Aufenthaltsstatus, den mentalen Herausforderungen, die sie als junge Erwachsene durchlebt hat, sowie den Traumata der Eltern. Sie beschreibt eindrücklich, wie zusätzlich noch die Frage nach ihrer Herkunft sie in eine Identitätskrise stürzte und letztendlich zu einem Burnout und Panikattacken führte.
Fatma betont die Bedeutung der Unterstützung durch ihre Eltern und wie deren harte Arbeit ihr den Weg zu einem erfolgreichen Leben geebnet hat. Sie erzählt, wie diese Unterstützung sich auf ihre psychische Gesundheit und ihre Motivation, im Leben erfolgreich zu sein, ausgewirkt hat. Sie erzählt, wie sie sich nach dem Anschlag in Hanau von ihrer Umgebung im Stich gelassen fühlte und wie sehr sie sich wünscht, dass Menschen mehr Mitgefühl zeigen.
Themen, die wir besprochen haben:
Wie wirken sich rassistische Gewalt und Ignoranz auf die mentale Gesundheit aus?
Welche Rolle spielen die Traumata und Herausforderungen der Eltern bei der psychischen Belastung der nächsten Generation?
Welche Strategien können Migranten und ihre Nachkommen entwickeln, um mit den Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung umzugehen?
Wie kann die Gesellschaft Empathie und Unterstützung fördern, um ein Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit zu schaffen?
Warum ist es wichtig, dass Themen wie Rassismus und psychische Gesundheit in der Öffentlichkeit sichtbar bleiben und diskutiert werden?
Das Gespräch mit Fatma macht deutlich, wie wichtig es ist, offen über psychische Belastungen zu sprechen und Unterstützung zu suchen. Fatma betont die Wichtigkeit von Empathie und gegenseitigem Verständnis und ruft dazu auf, psychische Gesundheit nicht als Tabuthema zu behandeln. Fatma ermutigt alle, die Unterstützung benötigen, diese auch zu suchen, sei es durch Gespräche mit Freunden oder professionelle Hilfe.
Informationen über Fatma:
Fatma Kaya ist People- und Projektmanagerin sowie Speakerin zu Mental-Health-Themen, zuletzt bei TEDx Mannheim. Sie managt die Modedesignerin Meriem Lebdiri und bietet Beratungen in Social Media, Marketing und Personal Branding an. Bei Miss Germany 2023/24 erreichte sie die Top 40 mit dem Thema "Mental Health". Fatma hat einen Master in International Management
Links:
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/fatma-kaya-/
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1 Stunde 14 Minuten
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„Wenn das so ein Gespräch ist, die Person hat nicht mal Hallo gesagt und fragt mich, woher ich komme, je nachdem wie gut gelaunt ich bin an dem Tag, dann sage ich auch mal, ja, ich bin Deutsch.“
In dieser Episode erzählt Andisheh Ebrahimnejad u.a., wie sie mit der Frage nach ihrer Herkunft umgeht, besonders in unpassenden Momenten. Sie beschreibt das Gefühl, wie in einem Verhör zu stehen, und die ständige Notwendigkeit, sich zu erklären. Darüber hinaus spricht sie über die Reaktionen auf ihre Antwort „Ich bin deutsch“.
„Wenn ich sage, ich bin Iranerin, dann fragt man mich so historische Sachen über Iran, und ich denke, woher soll ich das denn wissen, ich habe jetzt nicht Iranistik studiert…“ Sie beschreibt das Gefühl, stets als Repräsentantin aller Iraner wahrgenommen zu werden und oft zu historischen oder kulturellen Themen befragt zu werden, die sie nicht beantworten kann, da sie keine Expertin für das gesamte Land ist.
Wir sprechen auch über die Bedeutung der Umgebung und die Auswirkungen kultureller Vielfalt auf das Zugehörigkeitsgefühl. Andisheh teilt ihre positiven Erfahrungen in Berlin, wo sie in einer multikulturellen Nachbarschaft aufwuchs.
Wir diskutieren, wie die wiederholte Hinterfragung der Identität dazu führen kann, dass sich Menschen zurückziehen. Andisheh gibt Einblicke in ihre Erfahrungen am Arbeitsplatz, wo sie oft das Gefühl hatte, ihre religiösen Praktiken wie das Fasten während des Ramadans verbergen zu müssen, um als „deutsch“ akzeptiert zu werden.
Unsere Diskussion berührt auch die Unterschiede zwischen den Generationen und die sich wandelnden Einstellungen gegenüber Herkunft und Zugehörigkeit. Wie hat sich die Wahrnehmung von Identität und Zugehörigkeit über die Generationen hinweg verändert?
Andisheh schildert, wie sie ohne Deutschkenntnisse ankam und aufgrund der Sprachbarriere zunächst in die erste Klasse eingestuft wurde, obwohl sie eigentlich in die vierte Klasse gehörte. Innerhalb von sechs Monaten lernte sie Deutsch und konnte in die richtige Klasse wechseln. Doch diese ersten Monate waren einsam und hart, da sie keine Freunde fand und oft verspottet wurde. Wie beeinflusst diese Einsamkeit die Entwicklung eines Kindes?
Andisheh berichtet, wie sie und andere Schüler mit Migrationsgeschichte in spezielle Klassen gesteckt wurden, weil man ihnen von vornherein weniger zutraute. Doch entgegen den Erwartungen schafften es alle, die Klasse nicht nur zu bestehen, sondern auch weiterzukommen.
Ein weiteres Thema unseres Gesprächs sind die Unterschiede innerhalb der iranischen Community in Deutschland. Andisheh berichtet von den Schwierigkeiten, die ihre Mutter als gläubige Muslima mit Hijab und sie als gläubige Muslimin innerhalb der Community hatten. Was bedeutet es, wenn man selbst in der eigenen Community Ablehnung erfährt? Wie findet man dann seine eigene Identität und Zugehörigkeit?
Infos über Andisheh:
https://www.linkedin.com/in/andisheh-ebrahimnejad/
www.dastanconsulting.com
Andisheh ist Trainerin und Beraterin für strategische HR Themen und Diversity, Equity, Inclusion & Belonging. Sie gründete DASTAN Consulting und hilft Unternehmen, ein modernes und inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. In den letzten acht Jahren half sie Start-ups und Unternehmen, moderne HR-Prozesse zu implementieren und mit hochfunktionalen Teams zu wachsen. Andisheh, geboren im Iran und als Migrantentochter in Deutschland aufgewachsen, möchte mehr Sichtbarkeit gegen Rassismus und Diskriminierung schaffen.
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Musik & Postproduktion:
Joscha Grunewald
„Wenn das so ein Gespräch ist, die Person hat nicht mal Hallo gesagt und fragt mich, woher ich komme, je nachdem wie gut gelaunt ich bin an dem Tag, dann sage ich auch mal, ja, ich bin Deutsch.“
In dieser Episode erzählt Andisheh Ebrahimnejad u.a., wie sie mit der Frage nach ihrer Herkunft umgeht, besonders in unpassenden Momenten. Sie beschreibt das Gefühl, wie in einem Verhör zu stehen, und die ständige Notwendigkeit, sich zu erklären. Darüber hinaus spricht sie über die Reaktionen auf ihre Antwort „Ich bin deutsch“.
„Wenn ich sage, ich bin Iranerin, dann fragt man mich so historische Sachen über Iran, und ich denke, woher soll ich das denn wissen, ich habe jetzt nicht Iranistik studiert…“ Sie beschreibt das Gefühl, stets als Repräsentantin aller Iraner wahrgenommen zu werden und oft zu historischen oder kulturellen Themen befragt zu werden, die sie nicht beantworten kann, da sie keine Expertin für das gesamte Land ist.
Wir sprechen auch über die Bedeutung der Umgebung und die Auswirkungen kultureller Vielfalt auf das Zugehörigkeitsgefühl. Andisheh teilt ihre positiven Erfahrungen in Berlin, wo sie in einer multikulturellen Nachbarschaft aufwuchs.
Wir diskutieren, wie die wiederholte Hinterfragung der Identität dazu führen kann, dass sich Menschen zurückziehen. Andisheh gibt Einblicke in ihre Erfahrungen am Arbeitsplatz, wo sie oft das Gefühl hatte, ihre religiösen Praktiken wie das Fasten während des Ramadans verbergen zu müssen, um als „deutsch“ akzeptiert zu werden.
Unsere Diskussion berührt auch die Unterschiede zwischen den Generationen und die sich wandelnden Einstellungen gegenüber Herkunft und Zugehörigkeit. Wie hat sich die Wahrnehmung von Identität und Zugehörigkeit über die Generationen hinweg verändert?
Andisheh schildert, wie sie ohne Deutschkenntnisse ankam und aufgrund der Sprachbarriere zunächst in die erste Klasse eingestuft wurde, obwohl sie eigentlich in die vierte Klasse gehörte. Innerhalb von sechs Monaten lernte sie Deutsch und konnte in die richtige Klasse wechseln. Doch diese ersten Monate waren einsam und hart, da sie keine Freunde fand und oft verspottet wurde. Wie beeinflusst diese Einsamkeit die Entwicklung eines Kindes?
Andisheh berichtet, wie sie und andere Schüler mit Migrationsgeschichte in spezielle Klassen gesteckt wurden, weil man ihnen von vornherein weniger zutraute. Doch entgegen den Erwartungen schafften es alle, die Klasse nicht nur zu bestehen, sondern auch weiterzukommen.
Ein weiteres Thema unseres Gesprächs sind die Unterschiede innerhalb der iranischen Community in Deutschland. Andisheh berichtet von den Schwierigkeiten, die ihre Mutter als gläubige Muslima mit Hijab und sie als gläubige Muslimin innerhalb der Community hatten. Was bedeutet es, wenn man selbst in der eigenen Community Ablehnung erfährt? Wie findet man dann seine eigene Identität und Zugehörigkeit?
Infos über Andisheh:
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Andisheh ist Trainerin und Beraterin für strategische HR Themen und Diversity, Equity, Inclusion & Belonging. Sie gründete DASTAN Consulting und hilft Unternehmen, ein modernes und inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen. In den letzten acht Jahren half sie Start-ups und Unternehmen, moderne HR-Prozesse zu implementieren und mit hochfunktionalen Teams zu wachsen. Andisheh, geboren im Iran und als Migrantentochter in Deutschland aufgewachsen, möchte mehr Sichtbarkeit gegen Rassismus und Diskriminierung schaffen.
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Musik & Postproduktion:
Joscha Grunewald
1 Stunde 25 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
"Wann bin ich wirklich ich selbst, wann bin ich mein authentisches Selbst und wann folge ich der Fiktion anderer?"
Diese Frage von meinem Gast Emre bildet den zentralen Kern der neuesten Episode und zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Wir sprechen über die Schwierigkeit, eine authentische Identität aufzubauen, wenn man ständig von außen mit bestimmten Zuweisungen, Eigenschaften und Erwartungen konfrontiert wird. Wie kann man sich selbst finden, wenn die Herkunft, das familiäre Umfeld und die gesellschaftlichen Normen einen in enge Schubladen stecken wollen?
Emre und ich sind beide in kleinen Orten in Niederbayern aufgewachsen, hatten ein schwieriges Verhältnis zu unseren Vätern, sind von unseren Müttern geprägt worden, sind in Armut groß geworden und haben mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen. Trotz dieser Herausforderungen haben wir es über Umwege geschafft, im Tech-Bereich Karriere zu machen. Doch wie gelang uns dieser Weg?
In der Episode erzählt Emre von den inneren und äußeren Kämpfen, die er durchstehen musste. Die Angst vor Ablehnung in der queeren Community, die Erwartungen seiner Familie und die Vorurteile der Gesellschaft waren ständige Begleiter auf seinem Weg zur Selbstakzeptanz. Toxische Männlichkeit und Rassismus verstärkten diesen Druck zusätzlich und machten es noch schwieriger, ein authentisches Selbst zu finden. Emres Geschichte über seine erste Liebe, das schmerzhafte Outing gegenüber seiner Mutter und die tiefe Wut, die er empfand, als seine Familie seine Identität infrage stellte, sind ebenso bewegend wie inspirierend.
Was bedeutet es, seine eigene Identität zu finden, wenn die eigene Familie ein starres Bild von einem hat? Wie geht man mit der Ablehnung der eigenen Community um, wenn man nicht den stereotypischen Vorstellungen entspricht? Und wie kann man trotz alledem ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen?
Wie schafft man es, authentisch zu sein in einer Welt, die einem ständig Identitäten zuweist? Kann man die Liebe und Akzeptanz der Familie gewinnen, ohne sich selbst zu verleugnen? Was passiert, wenn man die eigenen Ambivalenzen akzeptiert und sich gegen die Fiktionen anderer stellt?
Diese und viele weitere Fragen diskutieren wir in einer offenen und ehrlichen Unterhaltung. Emres Leben zeigt, wie wichtig es ist, seine Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sich ihnen zu stellen und authentisch zu leben. Seine Geschichte ist ein starkes Beispiel dafür, wie man trotz widriger Umstände und innerer Konflikte seinen eigenen Weg findet.
Hört rein und lasst euch von Emres inspirierender Reise berühren.
Mehr über Emre:
Emre Celik (he/they) ist ein mehrfach ausgezeichneter Anti-Diskriminierungsexperte, der ein innovatives Anti-Diskriminierungs-Ökosystem eingeführt hat, um Diskriminierung zu bekämpfen. Emre arbeitet bei Google DeepMind als People and Culture Partner in der “Künstlichen Intelligenz”-Abteilung. Zuvor war er als EMEA Employee Relations & Investigations Partner tätig und untersuchte Fehlverhalten am Arbeitsplatz"
Instagram: iam.emrecelik
LinkedIn: emre-celik-hr
Website: www.emre-celik.de
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In der Episode erzählt Emre von den inneren und äußeren Kämpfen, die er durchstehen musste. Die Angst vor Ablehnung in der queeren Community, die Erwartungen seiner Familie und die Vorurteile der Gesellschaft waren ständige Begleiter auf seinem Weg zur Selbstakzeptanz. Toxische Männlichkeit und Rassismus verstärkten diesen Druck zusätzlich und machten es noch schwieriger, ein authentisches Selbst zu finden. Emres Geschichte über seine erste Liebe, das schmerzhafte Outing gegenüber seiner Mutter und die tiefe Wut, die er empfand, als seine Familie seine Identität infrage stellte, sind ebenso bewegend wie inspirierend.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 9 Minuten
Sende uns deine Meinung über diese Episode
"Wenn man jemanden fragt, wo er herkommt, dann akzeptiere doch, wenn er sagt, ich bin aus Lübeck oder ich bin Franzose oder ich bin sonst was. Und bohre dann nicht weiter nach." Das sagt Nadja in der neuesten Episode und bringt eine essenzielle Botschaft unseres Gesprächs auf den Punkt: die Akzeptanz der selbstdefinierten Identität ohne Nachhaken oder Infragestellen.
Nadja ist in Lübeck geboren und aufgewachsen, ihr Vater ist Muslim und ihre Mutter ist Christin, ihre Muttersprache ist Deutsch. Sie hat das typisch norddeutsche Leben geführt mit Traditionen wie Laternenlaufen und Nikolaus. Doch ihr Deutschsein wurde oft aufgrund ihres Aussehens infrage gestellt.
Sie spricht über die unangenehmen Situationen, die mit der Frage nach der „wirklichen“ Herkunft verbunden sind. Diese Frage wurde häufig in unpassenden Momenten gestellt, wie bei Vorstellungsgesprächen oder Wohnungsbesichtigungen. Sie erzählte von einer Begebenheit in Heidelberg, wo eine Vermieterin hartnäckig nach ihren „wirklichen“ Wurzeln fragte, obwohl Nadja wiederholt betonte, dass sie aus Lübeck stammt.
Im Vergleich dazu schilderte Nadja ihre Erfahrungen in Kanada, wo sie vor 1,5 Jahren mit ihrer Familie ausgewandert ist, einem Land, das sich als Mosaik verschiedener Kulturen versteht.
Ihre Familie, die sie liebevoll als „United Nations“ bezeichnet, spiegelt ihre vielfältigen Wurzeln wider: ein Viertel palästinensisch, ein Viertel deutsch und halb marokkanisch. Doch ihre Kinder, die in Frankfurt aufwuchsen und die französische Staatsbürgerschaft besitzen, identifizieren sich hauptsächlich als Deutsche und Frankfurter.
Nadja ist eine gläubige Muslima und betont die Bedeutung von universellen Werten wie Ehrlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft, die sowohl im Islam als auch im Christentum zentral sind. Sie vermittelt diese Werte auch ihren Kindern und schafft so eine Brücke zwischen den Kulturen und Religionen ihrer Eltern.
Ein anderes Thema unseres Gesprächs ist, wie stark persönliche Beziehungen die Übernahme kultureller Identität beeinflussen. Nadja lernte zum Beispiel Arabisch nicht von ihrem palästinensischen Vater, sondern von ihrer algerischen Stiefmutter, zu der sie eine enge Beziehung hatte und sich mit ihr identifizierte. Diese Erfahrung unterstreicht, dass kulturelle Identität und Sprachkenntnisse oft mehr durch persönliche Bindungen als durch biologische Abstammung geprägt werden.
Besonders bewegend ist Nadjas Geschichte über den Verlust ihrer leiblichen deutschen Mutter und die Herausforderungen, die dieser Verlust mit sich brachte. Trotz ihres norddeutschen Aufwachsens wurde ihr oft das Deutschsein abgesprochen, was sie als besonders schmerzhaft empfindet, weil es auch die Verbindung zu ihrer Mutter ist.
Diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie Nadjas Erfahrungen und Einsichten uns daran erinnern, dass Zugehörigkeit und Identität viel mehr sind als nur nationale oder religiöse Etiketten und wie wichtig es ist, Menschen in ihrer Gesamtheit zu sehen und ihre selbstdefinierte Identität zu respektieren.
Mehr über Nadja:
Nadja ist Übersetzerin im Marketing bei einer amerikanischen Firma tätig. Gleichzeitig ist Co-Chair der Employee Resource Group "Connecting Cultures". Employee Resource Groups sind Mitarbeitergruppen, die sich aufgrund gemeinsamer Merkmale oder Lebenserfahrungen an ihrem Arbeitsplatz zusammenschließen. Sie arbeiten eng mit Inclusion & Diversity zusammen. In ihrer Rolle organisiert sie Meetings, Podiumsdiskussionen und Fireside Chats zu Themen rund um verschiedene Kulturen.
https://www.linkedin.com/in/deiadvocate/
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Nadja ist in Lübeck geboren und aufgewachsen, ihr Vater ist Muslim und ihre Mutter ist Christin, ihre Muttersprache ist Deutsch. Sie hat das typisch norddeutsche Leben geführt mit Traditionen wie Laternenlaufen und Nikolaus. Doch ihr Deutschsein wurde oft aufgrund ihres Aussehens infrage gestellt.
Sie spricht über die unangenehmen Situationen, die mit der Frage nach der „wirklichen“ Herkunft verbunden sind. Diese Frage wurde häufig in unpassenden Momenten gestellt, wie bei Vorstellungsgesprächen oder Wohnungsbesichtigungen. Sie erzählte von einer Begebenheit in Heidelberg, wo eine Vermieterin hartnäckig nach ihren „wirklichen“ Wurzeln fragte, obwohl Nadja wiederholt betonte, dass sie aus Lübeck stammt.
Im Vergleich dazu schilderte Nadja ihre Erfahrungen in Kanada, wo sie vor 1,5 Jahren mit ihrer Familie ausgewandert ist, einem Land, das sich als Mosaik verschiedener Kulturen versteht.
Ihre Familie, die sie liebevoll als „United Nations“ bezeichnet, spiegelt ihre vielfältigen Wurzeln wider: ein Viertel palästinensisch, ein Viertel deutsch und halb marokkanisch. Doch ihre Kinder, die in Frankfurt aufwuchsen und die französische Staatsbürgerschaft besitzen, identifizieren sich hauptsächlich als Deutsche und Frankfurter.
Nadja ist eine gläubige Muslima und betont die Bedeutung von universellen Werten wie Ehrlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft, die sowohl im Islam als auch im Christentum zentral sind. Sie vermittelt diese Werte auch ihren Kindern und schafft so eine Brücke zwischen den Kulturen und Religionen ihrer Eltern.
Ein anderes Thema unseres Gesprächs ist, wie stark persönliche Beziehungen die Übernahme kultureller Identität beeinflussen. Nadja lernte zum Beispiel Arabisch nicht von ihrem palästinensischen Vater, sondern von ihrer algerischen Stiefmutter, zu der sie eine enge Beziehung hatte und sich mit ihr identifizierte. Diese Erfahrung unterstreicht, dass kulturelle Identität und Sprachkenntnisse oft mehr durch persönliche Bindungen als durch biologische Abstammung geprägt werden.
Besonders bewegend ist Nadjas Geschichte über den Verlust ihrer leiblichen deutschen Mutter und die Herausforderungen, die dieser Verlust mit sich brachte. Trotz ihres norddeutschen Aufwachsens wurde ihr oft das Deutschsein abgesprochen, was sie als besonders schmerzhaft empfindet, weil es auch die Verbindung zu ihrer Mutter ist.
Diese Episode zeigt eindrucksvoll, wie Nadjas Erfahrungen und Einsichten uns daran erinnern, dass Zugehörigkeit und Identität viel mehr sind als nur nationale oder religiöse Etiketten und wie wichtig es ist, Menschen in ihrer Gesamtheit zu sehen und ihre selbstdefinierte Identität zu respektieren.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 23 Minuten
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"... am Anfang siehst du dich vielleicht sogar als Deutsch und fühlst dich zugehörig, weil du die Andersbehandlung, die du ja erfährst, egal ob jetzt in der Schule oder auf der Straße oder auch die deiner Eltern, das verstehst du nicht direkt, dass es Rassismus ist. Und danach verstehst du das und dann fällt es dir schwer, dich mit einem Land zu identifizieren, das dich so behandelt, dass deine Eltern so behandelt und dass dir das Deutschsein auch abspricht," sagt meine Gästin Asmahan in der neuesten Episode, wenn sie darüber spricht, wie das Zugehörigkeitsgefühl durch die Erfahrungen in der Gesellschaft sich entwickelt.
Asmahan teilt ihre persönlichen Erfahrungen und ihr sehr umfangreiches und fundiertes Wissen über die Herausforderungen, die Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland täglich bewältigen müssen. Wir führen ein tiefgehendes, teilweise emotionales Gespräch über Rassismus, Zugehörigkeit, Herkunft und Identität und analysieren, wie diese Themen zusammengehören und was sie für die individuelle Entwicklung und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bedeuten.
Welche Rolle spielt die Frage "Woher kommst du wirklich?" im Alltag von Menschen, denen diese Frage in verschiedenen Situationen gestellt wird? Wie beeinflusst diese Frage das Selbstbild und die Identität der Betroffenen? Asmahan erklärt, warum diese Frage oft weniger aus echter Neugier, sondern mehr aus einer Erwartungshaltung heraus gestellt wird und welche stereotypen und rassistischen Folgefragen daraus resultieren können.
Wie gehen Kinder und Jugendliche mit den subtilen und offenen Formen des Rassismus um, denen sie in Schulen und anderen Institutionen begegnen? Asmahan erzählt sehr eindrucksvoll von ihren eigenen Erlebnissen in der Schulzeit, von individuellen Diskriminierungen bis hin zu strukturellem Rassismus, und wie ihre Mutter als Fürsprecherin eine entscheidende Rolle in ihrer Bildungslaufbahn spielte.
Was bedeutet es, "deutsch" zu sein, und wer entscheidet das? Welche Kriterien bestimmen, ob jemand als "deutsch" wahrgenommen wird? Und wie wirkt sich das auf das Gefühl der Zugehörigkeit und Identität aus?
Warum ist es so schwierig, sich mit einem Land zu identifizieren, das einen aufgrund äußerlicher Merkmale als "nicht dazugehörig" einstuft? Welche Strategien können helfen, eine positive Identität und Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln?
Wir haben noch viele weitere Themen besprochen, die sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft bewegen.
Ich bin beeindruckt von Asmahans Wissen und Erfahrung im Bereich Rassismus und Diversity. Ich habe sehr viel gelernt und viel nachgedacht nach dem Gespräch.
Wenn ihr euch tiefgehend mit den Themen Rassismus, Zugehörigkeit und Herkunft beschäftigen wollt, hört zu, was Asmahan erzählt.
---------------------------------------------------
Asmahan Gamgami ist freiberufliche Diversity-Trainerin und Beraterin, Aktivistin, Lehrbeauftragte an der Hochschule Bochum und Senior Diversity Managerin bei der Baumarkt Handelskette Obi Group Holding SE & Co. KGaA.
Webseite: https://www.bewerbung4u.de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/asmahan-gamgami-7885b21b0/
Instagram: https://www.instagram.com/bewerbung_4u/
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Asmahan teilt ihre persönlichen Erfahrungen und ihr sehr umfangreiches und fundiertes Wissen über die Herausforderungen, die Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland täglich bewältigen müssen. Wir führen ein tiefgehendes, teilweise emotionales Gespräch über Rassismus, Zugehörigkeit, Herkunft und Identität und analysieren, wie diese Themen zusammengehören und was sie für die individuelle Entwicklung und das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bedeuten.
Welche Rolle spielt die Frage "Woher kommst du wirklich?" im Alltag von Menschen, denen diese Frage in verschiedenen Situationen gestellt wird? Wie beeinflusst diese Frage das Selbstbild und die Identität der Betroffenen? Asmahan erklärt, warum diese Frage oft weniger aus echter Neugier, sondern mehr aus einer Erwartungshaltung heraus gestellt wird und welche stereotypen und rassistischen Folgefragen daraus resultieren können.
Wie gehen Kinder und Jugendliche mit den subtilen und offenen Formen des Rassismus um, denen sie in Schulen und anderen Institutionen begegnen? Asmahan erzählt sehr eindrucksvoll von ihren eigenen Erlebnissen in der Schulzeit, von individuellen Diskriminierungen bis hin zu strukturellem Rassismus, und wie ihre Mutter als Fürsprecherin eine entscheidende Rolle in ihrer Bildungslaufbahn spielte.
Was bedeutet es, "deutsch" zu sein, und wer entscheidet das? Welche Kriterien bestimmen, ob jemand als "deutsch" wahrgenommen wird? Und wie wirkt sich das auf das Gefühl der Zugehörigkeit und Identität aus?
Warum ist es so schwierig, sich mit einem Land zu identifizieren, das einen aufgrund äußerlicher Merkmale als "nicht dazugehörig" einstuft? Welche Strategien können helfen, eine positive Identität und Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln?
Wir haben noch viele weitere Themen besprochen, die sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft bewegen.
Ich bin beeindruckt von Asmahans Wissen und Erfahrung im Bereich Rassismus und Diversity. Ich habe sehr viel gelernt und viel nachgedacht nach dem Gespräch.
Wenn ihr euch tiefgehend mit den Themen Rassismus, Zugehörigkeit und Herkunft beschäftigen wollt, hört zu, was Asmahan erzählt.
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Asmahan Gamgami ist freiberufliche Diversity-Trainerin und Beraterin, Aktivistin, Lehrbeauftragte an der Hochschule Bochum und Senior Diversity Managerin bei der Baumarkt Handelskette Obi Group Holding SE & Co. KGaA.
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Joscha Grunewald
1 Stunde 18 Minuten
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„Wir werden nicht gesehen. Wir werden nicht ernst genommen. Unser Schmerz wird nicht ernst genommen. Wir müssen uns selbst darum kümmern. Wir müssen laut genug werden, um gesehen zu werden.“
So sagt Jennifer in der neuesten Episode, als sie erzählt, wie sie mit 21 Jahren nach dem schrecklichen Mord an George Floyd durch einen Polizisten in den USA die Black Lives Matter-Demo in München 2020 mitorganisierte. Es war nicht nur der Tod von George Floyd, sondern auch ihre eigenen Rassismuserfahrungen in München, die dazu geführt haben, dass sie sehr früh politisiert wurde. Im Podcast sprechen wir darüber, wie stolz ihre Eltern waren, dass sie 25.000 Menschen mobilisieren und dort eine Rede halten konnte, und wie rührend dieser Stolz für sie war.
„Ohne diese Frage hätte ich diese Identitätskrise als Kind nicht durchlebt. Dann wäre es auch nicht dazu gekommen, dass ich mich so intensiv mit Benin auseinandersetzen musste, dass ich so einen Stolz aufbauen konnte.“ Das sagt sie in Bezug auf die Frage nach der „wirklichen“ Herkunft, die ihr und anderen jungen Menschen gestellt wird, die in Deutschland geboren sind und sich als Teil der deutschen Gesellschaft sehen. Diese Frage verändert jedoch oft ihr Selbstverständnis im Laufe der Zeit.
Wir reden über die Resignation junger Menschen, die sich in ihre Communities zurückziehen, weil sie sich von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlen.
Jennifer erzählt auch von ihren Ohnmachtsgefühlen bei rassistischen Erfahrungen – sowohl ihren eigenen als auch denjenigen, die ihre Eltern machen und die sie als Kind miterlebt. Für viele Menschen ist letzteres sogar noch schmerzhafter. Wenn Jennifer darüber spricht, wird sie sehr emotional und die Tränen kommen ihr.
Besonders schlimm ist für sie die Erfahrung mit Rassismus von Menschen, die eigentlich helfen sollten, wie Polizisten, Ärzten und Lehrern.
Jennifer gibt Workshops über Rassismus für Kinder und Erwachsene und teilt ihre Erfahrungen im Podcast. In diesem Zusammenhang besprechen wir folgende Themen und Fragen:
Wie gestaltet man Workshops über Rassismus mit Erstklässlern?
Ab wann lernen Kinder, dass Hautfarben ein Unterscheidungsmerkmal von Menschen sind?
Ist es okay, wenn sich schwarze Jugendliche untereinander mit dem N-Wort ansprechen?
Haben Menschen Angst, über ihre Vorurteile zu sprechen, aus Furcht, als Rassist abgestempelt zu werden?
Warum werden bestimmte Menschen aggressiv, wenn man sie mit Rassismus konfrontiert und fühlen sich angegriffen, wenn Betroffene über ihre Erfahrungen sprechen?
Warum wird oft ein „wir“ gegen „die“ daraus gemacht, obwohl wir als Gesellschaft alle von Rassismus betroffen sind?
Junge Menschen haben generell Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden mit ihrer Identitätsbildung, machen viele Unsicherheiten durch, sammeln ihre ersten Erfahrungen mit Liebesbeziehungen und beruflichen Entscheidungen. Wenn dazu noch Rassismuserfahrungen kommen, wird es zusätzlich erschwert und stürzt sie in ein Gefühlschaos. Das habe ich besonders in diesem Gespräch mit Jennifer gespürt.
Mehr Infos über Jennnifer:
Jennifer Tevi ist eine engagierte Aktivistin und Mitorganisatorin der Black Lives Matter Demonstrationen in München. Sie ist eine gefragte Expertin bei zahlreichen Podiumsdiskussionen und leitet Workshops an verschiedenen Schulen. Ihre Workshops konzentrieren sich auf Empowerment, Antirassismus und die afrikanische Geschichte.
https://www.linkedin.com/in/jennifer-tevi-b44425152/
https://politischbilden.de/expertise/tevi/
https://www.instagram.com/jenni.tevi/
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„Ohne diese Frage hätte ich diese Identitätskrise als Kind nicht durchlebt. Dann wäre es auch nicht dazu gekommen, dass ich mich so intensiv mit Benin auseinandersetzen musste, dass ich so einen Stolz aufbauen konnte.“ Das sagt sie in Bezug auf die Frage nach der „wirklichen“ Herkunft, die ihr und anderen jungen Menschen gestellt wird, die in Deutschland geboren sind und sich als Teil der deutschen Gesellschaft sehen. Diese Frage verändert jedoch oft ihr Selbstverständnis im Laufe der Zeit.
Wir reden über die Resignation junger Menschen, die sich in ihre Communities zurückziehen, weil sie sich von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlen.
Jennifer erzählt auch von ihren Ohnmachtsgefühlen bei rassistischen Erfahrungen – sowohl ihren eigenen als auch denjenigen, die ihre Eltern machen und die sie als Kind miterlebt. Für viele Menschen ist letzteres sogar noch schmerzhafter. Wenn Jennifer darüber spricht, wird sie sehr emotional und die Tränen kommen ihr.
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Ist es okay, wenn sich schwarze Jugendliche untereinander mit dem N-Wort ansprechen?
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Warum werden bestimmte Menschen aggressiv, wenn man sie mit Rassismus konfrontiert und fühlen sich angegriffen, wenn Betroffene über ihre Erfahrungen sprechen?
Warum wird oft ein „wir“ gegen „die“ daraus gemacht, obwohl wir als Gesellschaft alle von Rassismus betroffen sind?
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