SAGEN, WAS IST - Constantin Schreiber Archiv
173 Episoden
11 Minuten
Die FDP verschwindet aus immer mehr Parlamenten – und nach den jüngsten Wahlergebnissen stellt sich die Frage, ob wir gerade den politischen Niedergang einer traditionsreichen Partei erleben. Für mich ist das keine Nachricht, über die ich mich freue, denn mit der Idee des Liberalismus kann ich mich durchaus identifizieren. Doch Liberalismus ist mehr als Steuersenkungen, Schuldenbremse und ein möglichst kleiner Staat – und genau hier hat die FDP aus meiner Sicht etwas Entscheidendes verloren. Warum Deutschland liberale Ideen weiterhin braucht, aber vielleicht eine völlig andere Vorstellung davon, was eine liberale Partei sein sollte.
14 Minuten
Noch am Wahltag hatte ein Politiker der LINKEN zur "Wahl-Intifada“ aufgerufen. Unfassbar. Der Text verbindet migrantische Mobilisierung mit Israel-Feindschaft, pauschalen Vorwürfen gegen deutsche Parteien und der Forderung nach der „Befreiung Palästinas“. Er teilt die Bürger Berlins ein in ein "uns" - die Migranten - und "die anderen" - die sogenanntn "Komplizen". Was sagt dieser Wahlaufruf über das politische Klima in Teilen der Linken aus?
17 Minuten
Berlin wählt – und ausgerechnet die Linke könnte am Ende ganz vorne stehen. Eine Partei, die Enteignungen vorantreibt, den Verfassungsschutz abschaffen will und zugleich mit heftigen innerparteilichen Konflikten über Israel und Antisemitismus konfrontiert ist, könnte künftig noch größeren Einfluss auf die Hauptstadt bekommen. Gleichzeitig warnen Wirtschaftsvertreter vor den Folgen der Vergesellschaftungsdebatte für Investitionen – während Berlin dringend Wohnungen, Kapital und Wachstum braucht. Deshalb frage ich mich an diesem Wahlsonntag: Wählt Berlin in die Dystopie?
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13 Minuten
Als ich zwischen 2006 und 2009 in Dubai lebte, war Europa noch eine selbstverständliche Bezugsgröße – wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich. Heute erlebe ich eine Region, die selbstbewusst in die Zukunft blickt und auf Europa zunehmend wie auf einen faszinierenden, aber alternden Kontinent schaut. Unsere Geschichte wird bewundert, unsere Kultur geschätzt – doch sind wir für andere noch ein Modell für die Zukunft? Aus Dubai frage ich deshalb: Wird Europa gerade zum Museum?
20 Minuten
Was haben ein Rechtsextremer, ein Linksextremer und ein progressiver Aktivist nach Analyse von Ahmad Mansour gemeinsam? Dass sie, so der Psychologe, Opfer von Radikalisierung wurden. Ich spreche mit Mansour anlässlich seines Buches „Haltung ohne Hass“. Wir reden über gesellschaftliche Polarisierung, Extremismus und die Frage, wie man klare Grenzen zieht, ohne den Dialog aufzugeben. Ein Gespräch darüber, wie viel Streit eine Demokratie braucht – und wann aus Überzeugung Feindseligkeit wird.
14 Minuten
Europa war über Jahrhunderte das Zentrum einer Welt, die sich nach seinen Regeln richtete – vielleicht war genau das die historische Anomalie. Jetzt beginnt sich diese Ordnung aufzulösen: Kapital, Technologie und Einfluss wandern in neue Zentren, während unsere Selbstverständlichkeit schwindet. Noch leben wir von einem gewaltigen Erbe und glauben, dieser Zustand werde irgendwie fortbestehen – doch Geschichte schuldet Europa keine Fortsetzung. Wenn die Anomalie Europa gerade endet: Was wird aus uns?
1 Stunde 7 Minuten
Vor der anstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus habe ich mit den Spitzenkandidaten von CDU, SPD, GRÜNE und LINKE in der jüdischen Gemeinde zu Berlin über Antisemitismus diskutiert. Die AfD wurde nicht eingeladen, da die Veranstalter mit denjenigen Politikern diskutieren wollten, die realistischerweise eine Chance haben, künftig den Posten des Regierenden Bürgermeisters zu besetzen. Es war eine kontroverse Diskussion, die vor allem das Spannungsfeld zu Islamismus, politischem Islam und zunehmende Grenzen der Politik bei der Bekänpfung von Antisemitismus deutlich machte. Hier auf vielfachen Wunsch die ganze Diskussion nach dem Eingangsstatement.
15 Minuten
Friedrich Merz ist politisch erledigt – und dennoch könnte er sich noch eine ganze Weile als Kanzler halten. Denn wer wollte das Amt in einer derart desolaten und brisanten Lage überhaupt übernehmen? Mit einem Wechsel an der Spitze wären die grundlegenden Probleme von CDU und Bundesregierung ja noch lange nicht gelöst. Für jeden, der Merz jetzt ablösen wollte, wäre das Job mit großer Sicherheit daher ein Himmelfahrtskommando.
15 Minuten
Warum wirken Städte wie Dubai sauber, sicher und geordnet, während ausgerechnet das freie, liberale Berlin vielerorts verwahrlost erscheint? Mich beschäftigt die Frage, warum wir uns daran gewöhnt haben, Schmutz, Chaos und kaputte Infrastruktur beinahe als Begleiterscheinungen von Freiheit hinzunehmen. Dabei ist eine offene Gesellschaft doch nicht automatisch eine ungepflegte Gesellschaft. Vielleicht sollten wir uns fragen, ob Freiheit wirklich dreckig sein muss – oder ob wir uns das nur viel zu lange eingeredet haben.
15 Minuten
Warum kritisiere ich eigentlich so häufig die politische Linke? Weil ich den Eindruck habe, dass Medien rechts sehr genau hinschauen – während es auf der anderen Seite blinde Flecken gibt. Ich wünsche mir einen Journalismus, der Antisemitismus, radikale Forderungen und politische Ideologien in alle Richtungen mit demselben Maßstab prüft. Deshalb schaue ich bewusst auch dorthin, wo es im journalistischen Milieu häufig unbequem wird. Falls ihr euch fragt, wo ich gerade bin: Dubai.
1 Stunde 8 Minuten
LINKE-Politikerin Elif Eralp führt in aktuellen Umfragen zur Landtagswahl in Berlin. Ihre Partei macht derweil immer wieder mit antisemitischen Skandalen und Positionen, die dem politischen Islam nahestehen, Schlagzeilen. Diese Woche ging es dann hoch her. Gemeinsam mit den anderen Spitzenkandidaten von CDU, SPD und Grünen wagte sie sich zu einer Diskussionsrunde in die jüdische Gemeinde Berlin, die ich moderieren durfte. Interessant: Ihre Teilnahme wurde von der LINKE in der Terminübersicht vorab verschwiegen - was extrem unüblich ist. Offenbar wollte die Partei nicht zu viel Aufmerksamkeit auf den Termin lenken. Als Elif Eralp - deutlich zu spät - beim Termin erschien, schaute sie mich erschrocken an und sagte "Ich dachte, das moderiert jemand vom tagesspiegel?". Offensichtlich hatte sie auf eine ungefährlichere Diskussion gehofft. Und in der Tat: Es wurde ungemütlich für sie, vor allem bei den Themen antimuslimischer Rassismus und linker Antisemitismus. Eralp zeigte sich zunehmend genervt. Die komplette, ungeschnittene Gesprächsrunde stelle ich noch separat zur Verfügung.
21 Minuten
Werden wir tatsächlich immer älter – oder täuschen uns die ständig steigenden Zahlen zur Lebenserwartung? Ein genauer Blick auf die Daten zeigt, dass hinter dieser scheinbar einfachen Aussage eine deutlich kompliziertere Geschichte steckt. Entscheidend ist nämlich, warum die durchschnittliche Lebenserwartung gestiegen ist – und ob sich auch unsere maximale Lebensspanne immer weiter verlängert. Ist die Vorstellung vom immer längeren Leben wissenschaftlich tatsächlich haltbar?
15 Minuten
Das ZDF lässt eine Holocaust-Überlebende ausdrücklich vor der AfD warnen – doch wann erleben wir Vergleichbares mit Blick auf die LINKE? Es geht nicht darum, diese Warnung zu kritisieren, sondern um die Frage, wohin der journalistische Scheinwerfer gerichtet wird. Auch Sozialismus und Kommunismus stehen historisch für Diktatur, Gulags, Überwachung, Armut und Unfreiheit. Wer glaubwürdigen Journalismus will, sollte deshalb einen einfachen Maßstab verlangen: kritische Distanz in alle politischen Richtungen.
16 Minuten
Politik ist heute oft nur noch Krisenmanagement: Rentenlücke, Migration, marode Infrastruktur, Energiepreise, Bürokratie – ein Problem nach dem anderen wird verwaltet. Doch die entscheidende Frage stellen wir viel zu selten: In welchem Deutschland wollen wir eigentlich 2040 leben? Wir brauchen wieder eine positive Vision von wirtschaftlicher Dynamik, technologischem Fortschritt, gesellschaftlichem Zusammenhalt, einem funktionierenden Staat und einem selbstbewussten Europa. Vielleicht fehlt uns weniger Geld oder Wissen als der Mut, uns wieder eine Zukunft vorzustellen, auf die wir uns freuen können.
21 Minuten
Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wirft eine entscheidende Frage auf: Warum gelingt es den etablierten Parteien immer weniger, Wähler zurückzugewinnen, die sich von ihnen abgewandt haben? Im Gespräch mit dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer geht es um den Erfolg der AfD, die Fehler der politischen Konkurrenz und die Frage, ob die bisherigen Strategien im Umgang mit der Partei überhaupt noch funktionieren. Palmer erklärt, warum er das Ergebnis auch als Chance begreift und welche Veränderungen er von den etablierten Parteien erwartet.