58 Blätter, gezeichnet und geschrieben mit Filzstift, Aquarell und Schreibmaschine: 1977 beginnt Annegret Soltau (*1946 Lüneburg) während ihrer ersten Schwangerschaft, ihre Gedanken, Gefühle und Beziehungen in »Tagesdiagrammen« festzuhalten. Wie in einem visuellen Tagebuch untersucht sie darin die eigene Wahrnehmung und setzt sich mit einer für sie existenziellen Frage auseinander: Kann sie zugleich Künstlerin und Mutter sein? Die Serie gehört zu den intimsten Arbeiten Soltaus und wird in der Ausstellung »Annegret Soltau VATERSUCHE« im Kunstforum der TU Darmstadt erstmals öffentlich gezeigt. Gegenübergestellt ist ihr die seit 1988 entstandene Arbeit »Vatersuche«, in der Soltau ihrer jahrzehntelangen Suche nach dem Vater nachgeht, den sie nie kennengelernt hat. In dieser Folge von »Schönheit & Verstand« hören Sie einen Live-Mitschnitt des zweiten »Science & Art Talks«, der am 22. April 2026 im Kunstforum der TU Darmstadt stattgefunden hat. Zu Gast ist Prof. Dr. Enno Giese vom Fachgebiet Theoretische Quantenoptik des Fachbereichs Physik der TU Darmstadt. Gemeinsam mit Julia Reichelt, Leiterin des Kunstforums, betrachtet er Annegret Soltaus »Tagesdiagramme« aus einer ungewöhnlichen Perspektive: der Quantenphysik. Auch die Künstlerin selbst beteiligt sich an dem Gespräch. Was verbindet ein persönliches, intuitiv entstandenes Tagebuch mit einem wissenschaftlichen Diagramm? Welche Rolle spielen Perspektive und Beobachtung dabei, wie wir Wirklichkeit wahrnehmen? Und können vermeintliche Gegensätze gleichzeitig bestehen? Ausgehend von Soltaus Linien, Farben, Worten und Beziehungsgeflechten schlägt Enno Giese Bögen zu Phasenraum- und Feynman-Diagrammen, zur Relativitätstheorie, zu Schrödingers Katze und zur quantenmechanischen Verschränkung. Dabei geht es nicht darum, Soltaus Arbeiten physikalisch zu erklären, sondern durch wissenschaftliche Konzepte neue Assoziations- und Denkräume zu eröffnen. Zwischen Kunst und Quantenphysik entwickelt sich so ein Gespräch über Beziehungen und Wechselwirkungen, über unterschiedliche Blickwinkel, Gleichzeitigkeit und die Schwierigkeit, komplexe Wirklichkeiten in eine anschauliche Form zu bringen. Und schließlich führt der Blick auf die Quantenmechanik zurück zu einer zentralen Frage in Soltaus Werk: Muss es immer ein Entweder-oder geben – oder können Künstlerin und Mutter, unterschiedliche Gefühle und scheinbare Gegensätze zugleich ihren Platz haben? Weitere Informationen: • Webseite zur Ausstellung »Annegret Soltau VATERSUCHE« https://www.tu-darmstadt.de/kunstforum/exhibitions/past_exhibitions/year_2026/vatersuche/vatersuche.de.jsp • Webseite des Fachgebiets Theoretische Quantenoptik der TU Darmstadt https://www.iap.tu-darmstadt.de/tqo/ • Webseite von Annegret Soltau https://www.annegret-soltau.de/
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