In dieser Folge von Dialektisch sitzt mir Matthias Bitsche gegenüber – katholischer Pfarrer, seit kurzem in Hohenems tätig. Über drei Stunden lang reden wir, ganz ohne Drehbuch, und kommen dabei überraschend tief.
Wir starten bei seinem Werdegang: Warum wurde er Pfarrer und nicht Politiker, Jurist oder Psychotherapeut – alles Wege, die er sich auch hätte vorstellen können? Danach geht's an die Bibel selbst: Matthias erklärt, warum die Schöpfungsgeschichte im Hebräischen ein Lobgesang und kein Biologie- oder Geologiebuch ist – und warum das kein Widerspruch zur Wissenschaft ist.
Wir sprechen darüber, wie er Kirche als Team statt als Ein-Mann-Show lebt, warum Kinder in der Kirche auch mal laut sein dürfen, und wie viel Dialekt eigentlich in den Gottesdienst gehört. Ein größerer Block geht an heikle Themen: Missbrauch von Religion für Gewalt (und warum man da nicht nur auf den Islam zeigen sollte), der Ukraine-Krieg und die mediale Schieflage bei Solidaritätsbekundungen, wie viel Macht der Papst wirklich hat, sowie Frauen im Priesteramt, Zölibat und der Umgang der Kirche mit Homosexualität – Matthias nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.
Zum Schluss wird's persönlich und philosophisch: Jugendarbeit, die Theodizee-Frage (warum lässt Gott leiden, warum sterben Kinder?), was er aus unzähligen Trauergesprächen über ein gelungenes Leben gelernt hat – und ein Schlussgespräch über Sterblichkeit, das noch lange nachhallt.
Ob gläubig, zweifelnd oder überzeugt konfessionslos: Diese Folge gibt ehrliche Einblicke in einen Beruf, über den sich die wenigsten wirklich Gedanken machen.
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