DER DENKRAUM Archiv
27 Episoden
15 Minuten
1839, Woburn, Massachusetts. Ein Stück Gummi mit Schwefel landet auf einem heißen Ofen und schmilzt nicht. Aus Charles Goodyears Zufall wird die Vulkanisation, und ohne sie gäbe es keinen einzigen Reifen. Georg Redlhammer ist eingefleischter Formel-1-Fan und ist mit einer Annahme in diese Folge gegangen: In einem Sport voller Simulatoren, digitaler Zwillinge und Rechenzentren fährt die künstliche Intelligenz überall mit. Die Recherche hat ihn korrigiert. Ausgerechnet der Reifen lässt sich am schwersten berechnen, und die Temperatur, an der schon Goodyear verzweifelt ist, bleibt bis heute das Problem. Dazu die Rennserie ohne Fahrer in Abu Dhabi, ein ehemaliger Formel-1-Pilot gegen die Maschine und ein digitaler Reifenzwilling, der bald in Deinem Auto mitliest. Wem gehören dann diese Daten?
15 Minuten
Fredericton, 9. Juni 2026. Im Parlament der kanadischen Provinz New Brunswick liest der Abgeordnete Bill Oliver mitten in seiner Rede die Anweisung an die Maschine mit vor. Wir wissen davon, weil er den Beweis mitgeliefert hat. Die meisten liefern ihn nicht mit. Diese Folge fragt, woran man KI-Texte erkennt, warum die bekannten Merkmale veralten, bevor man sie gelernt hat, und warum der beste Detektor am Markt trotzdem die Falschen trifft. Georg Redlhammer legt dabei seinen eigenen Widerspruch offen. Er hat ein Handbuch geschrieben, das KI-Spuren aus Texten entfernt, und damit zugleich eine Anleitung, jeden Detektor auszutricksen. Vierte und letzte Folge der Reihe über KI in Film, Fernsehen, Radio und Text.
14 Minuten
New Hampshire, Jänner 2024. Bei tausenden Menschen klingelt das Telefon, am Apparat ist Joe Biden, und er sagt ihnen, sie sollen nicht wählen gehen. Es war nicht Joe Biden. Es war seine Stimme. In dieser Folge geht es um die Fälschung, um einen Schuldirektor, dessen Ruf eine halbe Minute erfundener Ton zerstört hat, und um eine Branche, die gerade um ihre Arbeit kämpft, während Netflix deutschen Sprecherinnen und Sprechern Verträge mit KI-Klausel vorlegt. Am Ende prüft Georg Redlhammer die eigene Praxis, ohne Schonung, und fällt bei zwei von drei eigenen Fragen durch. Dritte Folge der vierteiligen Reihe über KI in Film, Fernsehen, Radio und Text.
15 Minuten
Linz, 18. September 1979. Ein Roboter hält die Eröffnungsrede eines neuen Festivals, und am selben Abend hören hunderttausend Menschen im Donaupark Bruckners Achte aus Lautsprechern. Das war die Ars Electronica und die erste Klangwolke, beide erdacht im ORF Oberösterreich. Die Frage, ob eine neue Technik die Kunst verändert, ist also alles andere als neu. Georg Redlhammer stellt ihr die jüngste Blase gegenüber. Beeple, 69,3 Millionen Dollar bei Christie's, und dann ein Absturz des Kunst-NFT-Handels um rund 93 Prozent. Ist KI das nächste NFT? Die Antwort ist unbequem, und zwar für beide Seiten. Zweite Folge der vierteiligen Reihe über KI in Film, Fernsehen, Radio und Text.
15 Minuten
Ein Satz, fünfmal gesprochen, fünf Bedeutungen. Kein Wort geändert, nur die Betonung. Georg Redlhammer hat in den Neunzigerjahren beim ORF sprechen gelernt, bei der Radiolegende Günther Bahr, mit einem Kassettenrekorder, einem Mikrofon und einem Text, den Bahr Stück für Stück zerlegt hat. In dieser Folge geht es darum, was eine Stimme beim Hörer auslöst, warum eine Betonung eine Entscheidung ist und was die synthetische Stimme genau nicht tut. Sie deutet nicht, sie mittelt. Am Ende zieht er die Konsequenz für den eigenen Podcast. Ab dieser Folge spricht er alles selbst, auch die Gegenrede, auch die Sätze, die gegen ihn sprechen. Erste Folge der vierteiligen Reihe über KI in Film, Fernsehen, Radio und Text.
31 Minuten
Im Finale der Staffel läuft alles zusammen, auf der größten Bühne, der Demokratie. Kann sie funktionieren, wenn Meinungsbildung im großen Stil maschinell beeinflussbar ist. Georg, Liberaler und Gemeinderat, verteidigt die offene Gesellschaft und gibt zu, Teil der Maschinerie zu sein. Letzte Folge der Staffel Manipulation.
23 Minuten
Nicht der einzelne Deepfake ist das Problem, sondern der Zweifel an allem. Wenn jedes Bild gefälscht sein kann, kann jeder echte Beweis als Fälschung abgetan werden. Die Forschung nennt das die Lügner Dividende. Georg, Jahrgang 1966 und analog aufgewachsen, fragt, worauf man noch vertraut, wenn man den eigenen Augen nicht mehr traut. Dritte Folge der Staffel Manipulation.
13 Minuten
Dieselbe KI Technik, die in der Werbung überzeugt, wird im Betrug zur Waffe. Eine geklonte Stimme, ein gefälschter Videocall, ein Opfer im schwachen Moment. Georg fragt, warum wir es Werbung nennen, wenn ein Konzern es tut, und Betrug, wenn ein Einzelner dasselbe tut. Zweite Folge der Staffel Manipulation.
24 Minuten
Werbung war immer Überzeugung. Neu ist, dass die Maschine sie baut, das Ziel wählt und den Moment kennt, in dem du empfänglich bist. Georg Redlhammer hat ein halbes Berufsleben im Automobilmarketing gearbeitet und kennt das Handwerk von innen. Er fragt, wo das Überzeugen in Zeiten der KI aufhört und das Manipulieren anfängt, wenn ein System deine Schwächen besser kennt als du selbst. Erste Folge der vierteiligen Staffel Manipulation.
8 Minuten
Ein Footballspieler trägt zwei Funksender in den Schulterpolstern. Ein Basketballspieler trägt nichts, ihn filmen Kameras in 3D. Zwei Wege, einen Menschen in Daten zu verwandeln. Diese Folge führt die Datenfrage aus Tango und Cash nach Amerika. Wer misst, wer rechnet, und wem gehört am Ende der vermessene Körper? Die Überraschung: Der Profi ist oft besser geschützt als du.
21 Minuten
Córdoba 1978, der Tango, ein Bub vor dem Radio. Von dort zu einem Ball, der heute 500 Mal pro Sekunde misst. Diese Folge erzählt den Fußball vom Spielgerät her. Vom Leder zum Sensor, vom Sportartikel zur Geldmaschine. Welche Daten von. Fussballern erhoben und gemessen werden. Und sie stellt die unbequeme Frage. Wem gehören die Daten, wenn am Ende sogar der Mensch vermessen wird?
14 Minuten
Ich bin 1966 geboren. Analog aufgewachsen. Heute, sechzig Jahre alt, sitze ich vor einem Modell, das in drei Sekunden weiß, was ich in einer halben Stunde recherchiert hätte. In dieser Folge ordne ich ein, was ich in den letzten zwei Folgen aus fünf Stimmen gehört habe. Wo ich Leo XIV. zustimme. Wo ich widerspreche. Drei eigene Maximen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Und eine bewusste Provokation. 1633 stand Galileo Galilei vor der Inquisition. Wenn ein Kirchenoberhaupt 2026 eine Verlangsamung der KI fordert, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie. Am Schluss die ehrlichen Antworten auf zwei Fragen, die ich in den letzten Folgen offen gelassen habe. Bin ich Verbündeter oder Mittäter. Warum höre ich überhaupt zu. Folge drei und Abschluss der Trilogie.
12 Minuten
Am 30. April 2026 saßen in einem geschlossenen Raum in Manhattan Manager von OpenAI und Anthropic. Ihnen gegenüber sieben religiöse Vertreter. Auf dem Tisch lag eine Frage. Wie soll künstliche Intelligenz sich verhalten. In dieser Folge stelle ich vier Männer vor, die zur KI sprechen und auf die viele hören. Bartholomäus I. von Konstantinopel mit seiner Warnung vor der Robotokratie. Kirill von Moskau mit der Forderung nach einer orthodoxen KI. Ahmed al-Tayyeb von Al-Azhar mit dem Dialog mit dem Vatikan. Und der vierzehnte Dalai Lama mit Mitgefühl als Bedingung für Technik. Am Schluss zurück nach New York, zum Faith-AI Covenant, und zu der Frage, ob diese Männer miteinander sprechen oder ob sie gerade einzeln eingekauft werden. Folge zwei einer Trilogie.
18 Minuten
Am 15. Mai 2026 hat Papst Leo XIV. seine erste Sozialenzyklika unterzeichnet. Magnifica Humanitas, vierundvierzig Seiten, zweihundertfünfundvierzig Absätze. Mich interessiert dieser Text nicht aus Glaubensgründen. Mich interessiert er, weil ein Mann ihn unterzeichnet hat, dessen Wort eine Komma vier Milliarden Menschen erreicht. Und weil er Sätze schreibt, die scharf sind. Über die Arbeit. Über die neue Sklaverei in den Datenfabriken. Über autonome Waffen. In dieser Folge stelle ich die drei härtesten Stellen vor. Aber ich nicke nicht. Ich zeige drei innere Widersprüche der Enzyklika auf. Und ich lasse eine Frage offen, die mich selbst betrifft. Bin ich Verbündeter dieses Tempos, oder Mittäter. Folge eins einer Trilogie
44 Minuten
Tarek Leitner hat beim von mir mitinitiierten und erdachten AI next Symposium am 15. April 2026 in Linz eine der unbequemsten Fragen unserer Zeit ins Zentrum gestellt. Was können wir noch glauben, wenn Texte, Bilder und Videos täuschend echt generiert werden, wenn Manipulation nicht mehr auffällt, sondern sich nahtlos in den Nachrichtenfluss einfügt. Tarek Leitner zeigt, wie KI Medien verändert, wie Desinformation funktioniert und warum journalistische Verantwortung unter völlig neuen Bedingungen steht. Es geht nicht nur darum, was technisch möglich ist, sondern darum, welche Fragen wir stellen müssen, um Wahrheit von Inszenierung zu unterscheiden. Wie erkennen wir Glaubwürdigkeit neu, welche Rolle spielen Redaktionen, Plattformen und wir selbst als Publikum. Kein Alarmismus, sondern eine Einladung zur kritischen Medienmündigkeit im Zeitalter künstlicher Intelligenz.