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Bücherpod Archiv
49 Episoden
59 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Das Ende von Eddy" von Édouard Louis, ein autofiktionaler Roman über eine Kindheit und Jugend in der französischen Provinz. Eddy wird von seinen Mitschülern bei jeder Gelegenheit schikaniert, seine Homosexualität, seine hohe Stimme, sein "mädchenhaftes" Verhalten machen ihn zum gefundenen Fressen in einer Gesellschaft, die sehr konkrete Vorstellungen davon besitzt, was als männlich zu gelten hat. Doch Louis' Roman ist nicht nur die Geschichte eines Mobbingopfers, sondern eine literarische Sozialstudie, die den den Blick auf ein Milieu richtet, das sich zusehends von einer politischen Linken als Vertreter ihrer Interessen entfernt hat.
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58 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Nachtgewächs" von Djuna Barnes, ein lyrischer Roman über eine lesbische Liebesbeziehung. Das Verhältnis von Nora und Robin gestaltet sich zunehmend schwierig, als Robin sich immerzu in den Rausch der Nacht flüchtet und Nora von Eifersucht und Schmerz geplagt nach ihren Spuren sucht. Die Beziehung geht in die Brüche, doch das Bild einer desillusionierten Liebe wirkt nach. Auch die anderen Figuren in diesem Buch sind zwielichtige Gestalten der Nacht, die sich zwischen verschiedenen Welten bewegen. Insbesondere der Doktor, der zwischen prophetischer Weisheit und schrulligem Wahnsinn das eigentliche Zentrum des Geschehens bildet.
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56 Minuten
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist, eine Chronik über die Frage nach Recht und Gerechtigkeit. Der Rosshändler Kohlhaas wird um zwei seiner Pferde betrogen und obwohl vollkommen klar ist, dass ihm eine Wiedergutmachung zusteht, kommt er auf dem offiziellen Weg nicht zu seinem Recht. Schließlich eskaliert die Situation, er schreitet zur Selbstjustiz und brennt mit einer privaten Armee ganze Städte nieder. Obwohl er eigentlich ein vernünftiger Mensch ist, steht sein Rachefeldzug in keinerlei Verhältnis zu dem ihm angetanen Unrecht. Aber wie weit darf man gehen, wenn einen der Staat und die Gesellschaft nicht mehr schützen?
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1 Stunde 1 Minute
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq, ein von Misanthropie und Nihilismus handelnder Skandalroman. Der Ich-Erzähler empfindet in seinem Job als Informatiker keinerlei Sinnerfüllung, er sieht sich lediglich als Rädchen in einem System, das Menschen durch ihre funktionale Informationskultur in die Vereinsamung stürzt. Auch seine sexuelle Frustration nimmt einen gewaltigen Raum ein, bis er zuletzt sogar einen jungen Mann zum Lustmord anstiften will, um sich an der Gesellschaft zu rächen.
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1 Stunde 2 Minuten
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit "Leutnant Gustl" von Arthur Schnitzler, ein Innerer Monolog aus Sicht eines österreichischen K&K-Militärs. Gustl wird in einem Konzert von einem einfachen Bäckermeister beleidigt und verpasst es, angemessen auf die Situation zu reagieren. Weil er sich in seiner Ehre verletzt fühlt, sieht er den einzigen Ausweg darin, sich umzubringen. Die ganze Nacht schleift er durch die Stadt und gibt sich seinen Gedanken hin. Mit psychologischem Scharfsinn legt Schnitzler in dieser literarischen Form die unbewussten Strukturen des Denkens offen, die sich unkontrollierbar in diesem widersprüchlichen Charakter vollziehen.
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55 Minuten
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit "Das unbekannte Meisterwerk" von Honoré de Balzac, eine Erzählung über das Streben nach dem Absoluten in der Kunst. Seit 10 Jahren arbeitet der alte Meister Frenhofer an dem perfekten Gemälde, aber niemand hat seine Arbeit bislang jemals zu Gesicht bekommen. Bis ihm der junge Malerkollege Poussin einen Deal vorschlägt, der dem Alten ermöglicht, sein Werk zu vollenden. Indessen geht es auch um den theoretischen Anspruch der Kunst im Allgemeinen, eine Wahrheit jenseits der realistischen Darstellung ans Licht zu bringen.
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1 Stunde 16 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Madame Bovary" von Gustave Flaubert, einer Poesie des Ehebruchs. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im 19. Jahrhundert wurde Flaubert wegen dieses Romanes von der französischen Staatsanwaltschaft angeklagt, gegen die öffentliche Moral verstoßen zu haben. Doch was ist so skandalös an dieser Literatur? Emma Bovary ist die Frau eines unscheinbaren Durchschnittsmannes in der französischen Provinz, sie langweilt sich endlos mit ihm und beginnt hinter seinem Rücken mehrere Affären. Sie strebt nach einem erfüllten Leben, wie sie es aus ihren Büchern kennt, immer ruchloser wird sie dabei, bis schließlich die Katastrophe über sie hereinbricht. Flaubert hat mit Emma Bovary ein Sittenbild der Provinz gezeichnet, ohne eine moralische Wertung vorzunehmen. Präzise und sensibel wird hier einfach nur beschreiben, was geschieht.
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1 Stunde 22 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Das trunkene Schiff" von Arthur Rimbaud, eines der einflussreichsten Gedichte des späten 19. Jahrhunderts. Rimbauds Leben ist zum Mythos geworden, bereits als Jugendlicher zählt er als einer der talentiertesten Dichter Frankreichs, bevor er mit nur 19 Jahren der Literatur für immer abschwört und als Abenteurer durch die Welt zieht. Aus diesem berühmten Gedicht spricht ein Schiff, das seine Mannschaft verloren hat und nun alleine über das Meer zieht. Auf seiner Reise erlebt es phantastische Eindrücke, aber auch große Gefahren. Diese Verse sind ein Feuerwerk der Metaphern und ein Bekenntnis zur bedingungslosen Freiheit.
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1 Stunde 12 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Gegen den Strich" von Joris-Karl Huysmans, einer der prägendsten Romane für die Literatur der Décadence. Der 30-jährige Des Esseintes ist der letzte Abkömmling eines alten Adelsgeschlechts. Nachdem er zunächst versucht, sich als Dandy in Paris ein unbeschwertes Leben aufzubauen, zieht er sich bald von der Gesellschaft angewidert in einen einsamen Vorort zurück. Mit allem nur erdenklichen Prunk richtet er sich sein extravagantes Haus so ein, dass er alles Natürliche durch Künstlichkeit ersetzt. Er gibt sich intensiven Kunststudien hin und verdrängt die banale Realität zunehmend durch seine Phantasien und Vorstellungen.
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1 Stunde 29 Minuten
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit "Van Gogh, der Selbstmörder durch die Gesellschaft" von Antonin Artaud, einer Auseinandersetzung über den Wahnsinn eines Genies. Für Artaud, der selbst jahrelang in der Psychiatrie interniert war, ist Van Gogh nicht wahnsinnig geworden, es ist die bösartige Gesellschaft, die ihn für verrückt erklärt und ihn damit in den Selbstmord getrieben hat.
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1 Stunde 11 Minuten
In dieser Folge setzen wir und mit "Homo Faber" von Max Frisch auseinander, der Bericht eines rationalen Technikers über ein inzestuöses Verhältnis zu seiner eigenen Tochter. Durch eine Reihe von Zufällen begegnet der Ingenieur Walter Faber auf einer Schifffahrt einer ihm unbekannten jungen Frau, die sich im Laufe der Handlung als sein eigenes Kind herausstellt, von dem er gar nicht wusste, dass es existiert. Es entwickelt sich eine griechische Tragödie im modernem Gewand der 1950er Jahre. Mythos und Schicksal prallen auf eine durchrationalisierte Weltsicht, in der dafür eigentlich kein Platz mehr vorgesehen ist.
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1 Stunde 2 Minuten
In dieser Folge sprechen wir über "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann, einer kunstvollen Novelle über eine Verfallsgeschichte. In strenger Disziplin widmet der angesehene Schriftsteller Gustav von Aschenbach sein ganzes Leben nur der künstlerischen Arbeit, bis ein mysteriöser Fremder plötzlich die Reiselust in ihm weckt. Er fährt nach Venedig, wo ihn eine bis dato nicht bekannte Leidenschaft packt: er verliebt sich in den wunderschönen Jüngling Tadzio. Immer mehr gibt er sich dem Lauf der Dinge, dem Chaos, den dionysischen Kräften einfach hin, bis schließlich der Tod Einzug in die Stadt erhält...
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1 Stunde 2 Minuten
In dieser Folge besprechen wir "Aus dem Leben eines Taugenichts" von Joseph v. Eichendorff, eine der berühmtesten Novellen der Romantik. Weil er faul ist und keine Lust hat zu arbeiten, wird der Taugenichts von seinem Vater in die weite Welt hinausgeschickt, dort sein eigenes Glück zu versuchen. Überglücklich macht dieser sich singend und musizierend auf den Weg und erlebt ein Abenteuer nach dem nächsten. Ständig fällt ihm dabei alles Gute einfach zu, indem er sich der natürlichen Harmonie der Dinge fügt. Die Figur des Taugenichts verkörpert nicht nur ein Gegenbild zur biederen bürgerlichen Ordnung, in ihm vereinigen sich auch Kunst und Leben zu einer idyllischen Einheit.
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48 Minuten
In dieser Folge beschäftigen wir uns mit "Lenz" von Georg Büchner, eine Novelle über den Wahnsinn. Der Schriftsteller Lenz flieht sich in die Natur der Berge, um dort Ruhe zu finden. Doch immer wieder befällt ihn eine unbestimmte Angst, die ihn in rasende Zustände versetzt und seine Wahrnehmung der Wirklichkeit erschüttert. Ein Riss tut sich auf zwischen ihm und der Welt, der alles auf den Kopf stellt.
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50 Minuten
Dieses Mal beschäftigen wir uns mit "Der kurze Sommer der Anarchie" von Hans Magnus Enzensberger, einem historischen Roman über einen Revolutionär im Spanischen Bürgerkrieg. Buenaventuri Durruti ist für die politische Linke eine schillernde Ikone und ein Held, für seine Feinde hingegen ist er ein rücksichtsloser Verbrecher. In einer Collage aus realen Zeitzeugenberichten entwirft Enzensberger ein vielschichtiges Bild vom Leben des Anarchisten aus zahlreichen verschiedenen Blickwinkeln. Dabei wird deutlich, dass so keineswegs ein einheitliches Ganzes entsteht, vielmehr entpuppt sich Geschichte im Allgemeinen als kollektive Fiktion, als konstruiertes Narrativ.
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