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313 Episoden
9 Minuten
Tragische Romanzen sind nicht mein Genre, andererseits wollte ich unbedingt die Hauptdarstellerin sehen: Kotone Furukawa. Ihr Charisma trägt diesen Film, bei dem schnell klar ist, wohin die romantische Reise geht: Die schöne junge Frau ist krank, da ist ein junger Mann, eine tragische Liebe … SECRET: A HIDDEN SCORE geht dabei keinem Klischee aus dem Weg. Grundsätzlich ist der Film genau das, was er sein will: Ein Herzschmerztränendrücker mit schönen Menschen und schöner Mode. Im Podcast gehen wir unterschiedlich hart mit diesem Genrefilm ins Gericht. Andras erinnert sich daran, dass er das taiwanesische Original von 2007 gesehen hat, weiß aber nicht mehr, ob der ursprüngliche Film auch schon so schmalzig war. Aber es ist gibt auch eine positive (weibliche) Stimme zu dieser japanischen Romanze, trotz der Klischees und der Vorhersehbarkeit. Am Mikrofon habe ich direkt nach dem Film: Rene und Marcel von den Abspannguckern, Andras und eine junge Dame, deren Name ich leider vergessen habe.
8 Minuten
Folge 1294 – In BELONGING (Toritsukushima) schlüpfen Verstorbene in Gegenstände, die Ihnen etwas bedeuten, um in der Nähe ihrer Lieben bleiben zu können. Eine junge Frau zum Beispiel wechselt nach ihrem Unfalltod in eine Tasse, die ihr und ihrem Mann besonders wichtig war. Aus der Tassenperspektive erlebt sie, wie das Leben für den jungen Witwer weiter geht. Die Vorstellung, dass Dinge belebt sind, ist der japanischen Kultur sicher näher als unserer, aber die Idee ist auch für uns berührend. Regisseurin Kahori Higashi hat mit BELONGING einen Roman ihrer eigenen Mutter verfilmt.

So ganz glücklich sind wir aber direkt nach der Vorführung nicht mit diesem Episodenfilm. Das liegt auch daran, dass die stärkste Episode gleich den Anfang macht, dort ist die Bindung an die Protagonisten am stärksten. Insgesamt schwankt der Film in seiner Intensität, bleibt unentschieden im Tonfall. Im Podcast direkt nach dem Film fragen wir uns, ob BELONGING zu wohlfühlig für das ernste Thema ist? Oder ob er tröstlich ist und wir sind einfach nicht das richtige Publikum? Und wir erinnern uns (nach vielen Jahren) an einen anderen Episodenfilm, den wir auf Nippon Connection gesehen haben und der uns nachhaltig beeindruckt hat: SKETCHES OF KAITAN CITY. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Hendrik und Thomas.
10 Minuten
Diese Dokumentation von Sarah Appleton und Jasper Sharp hatte ich mir im Programm von Nippon Connection 2024 ausgesucht, weil ich mich kaum mit J-Horror auskenne. Für mich bestand J-Horror aus langen schwarzen Haaren und weißbleicher Haut. Ich hatte Fragen und der Film hat viele beantwortet: Woher kommen die J-Horror-Filme? Mit welchen Filmen begann es? Was ist eigentlich ein J-Horror-Film und was nicht? Und welche Wirkung hatten diese Filme? Was erschreckt die Japaner und was erschreckt die Amerikaner?

Fast alle wichtigen Regisseure des klassischen J-Horrors kommen zu Wort, Ausschnitte aus kaum zugänglichen Filmen wurden gezeigt. Ein enormer Rechercheaufwand muss in J-HORROR-VIRUS stecken. Für die Hardcore-Fans des Genres ist vielleicht nicht viel Neues dabei, für alle anderen gibt es eine Menge Augenöffner und eine solide filmgeschichtliche Einordnung. Im Podcast direkt nach dem Film im Frankfurter Regen habe ich Daniel vom Filmpodcast Altstadtkino am Mikrofon. Wir reden über unvollendete Menschen, über Vorläufer in den 1950er Jahren und viel über CURE von Kiyoshi Kurosawa (obwohl dieser Film gar kein J-Horror im engeren Sinne ist).
9 Minuten
Der Film beginnt mit dem Blick auf die Zuschauer, die ein Kino betreten, sich ihre Plätze suchen. Und soviel können wir vorwegnehmen: Der Film endet auch damit, dass wir eben diese Zuschauer nach dem Film sehen, wie sie das Kino wieder verlassen (oder aufgeweckt werden müssen). Den Film, den die Zuschauer sehen, sehen wir nicht. Aber wir sehen, wie der Film entsteht: Eine Independent-Regisseurin hat genaue Vorstellungen, aber die kleine Produktion muss das schmale Budget einhalten, es müssen die richtigen Schauspieler gefunden werden, es gibt unendlich viele kleine und große Probleme und unendlich viele Entscheidungen zu treffen. Sich zu entscheiden – das ist die Achillesferse der jungen Regisseurin. Dazu kommen noch private Verwicklungen.

 Wir lernen: Filmemachen ist wie das Leben: Es geht ständig etwas schief, man muss Entscheidungen treffen ob man will oder nicht, man hofft, man verzweifelt und irgendwie geht es dann doch. Im Podcast direkt nach dem Film reden wir über die sehr gute Hauptdarstellerin Nairu Yamamoto, über den Meta-Charakter dieses Films im Film und mutmaßen die Bedeutung des Filmtitels. Am Mikrofon vor dem Kinosaal: Daniel Haberkorn vom Filmpodcast Altstadtkino, Hendrik und Thomas.
7 Minuten
Der Film ist ein Zusammenschnitt der Serie PHOENIX in Spielfilmlänge und spannt einen weiten Bogen über mehr als tausend Jahre von einer Auswanderergeschichte auf den unwirtlichen Planeten Eden, über Begegnungen mit Außerirdischen bis zum düsteren Schicksal der Erde – und der Menschheit. Dabei springt der Film nicht nur in der Handlung sondern auch zwischen Erwachsenenfilm und Kinderfilm. Unser Feedback ist gemischt. Thomas hat direkt nach dem Kino Rene und Marcel von den Abspannguckern und Hendrik am Mikrofon.
13 Minuten
FURIOSA ist hart, alptraumhaft, eine hoffnungslose Sicht auf eine toxische Männerwelt, die nur Vernichtung kennt. Es ist aber nicht die Härte, die uns so mitgenommen hat, sondern die Erkenntnis, dass FURIOSA bei aller Überspitzung die Menschen und vor allem die Männer so zeigt, wie sie sind, wie wir sind. Es fühlte sich nicht an wie eine groteske Dystopie sondern wie ein Blick in die Zukunft. Furiosa, das Mädchen, das aus dem Paradies vertrieben wurde, lernt in dieser toxischen Testosteron-Benzin-Wahnsinnswelt zu überleben – ihre Entwicklungsgeschichte ist in fünf Kapiteln klassisch aufgebaut.

Die Actionszenen sind wieder überragend. Weniger Cirque du Soleil-Action wie in FURY ROAD, stattdessen härter, schmutziger, geradliniger und immer nachvollziehbar. Herausragend das erste Kapitel mit Furiosas Mutter: der Goldstandard für ernstzunehmendes Action-Kino. Anya Taylor-Joy überzeugt als taffe Frau, die sich durchsetzt, auch Chris Hemsworth und Tom Burke als Pretorian Jack (Wie sehr kann man wie Stacy Keach aussehen ohne Stacy Keach zu sein?) Fazit: Unerwartet intensiv und unerwartet gut. Am Mikrofon direkt nach dem Film: Johanna und Thomas.
7 Minuten
Eine einzige gute Idee reicht völlig aus, wenn es die richtige Idee ist: Zwei Gondeln einer Seilbahn, die über ein abgelegenes Tal in Georgien fahren und sich in der Mitte treffen, zwei junge Gondelführerinnen (bezaubernd: Mathilde Irrmann und Nino Soselia), die sich bei ihren kurzen Begegnungen in luftiger Höhe erst grüßen, dann beeindrucken wollen und dann immer intensiver miteinander flirten. Und man kann sagen, dass die ganze Angelegenheit immer weiter eskaliert Den verliebten Frauen fällt immer noch etwas Verrückteres, etwas Berührenderes ein. Ein wunderbarer Film von Veit Helmer, romantisch, schelmisch, poetisch, der ganz ohne Worte auskommt und sein einfaches und geniales Motiv immer wieder wiederholt und abwandelt – Goldbergs Variationen als Liebeskomödie, sagt Katharina. Wir waren sehr begeistert. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Cinemayence: Katharina, Hendrik und Thomas.
8 Minuten
Ichiko ringt um die eigene Identität: Als Kind wurde sie nicht registriert, für die Behörden existiert sie nicht. Das bedeutet, sie braucht eine falsche Identität, um auf die Schule gehen zu können. Eine falsche Identität verhindert später eine Krankenversicherung. Sie muss ständig lügen – einfach nur um zu überleben. Wie kommt Ichiko heraus aus diesem Dilemma? Als ihr Leben besser zu werden scheint, holt sie ihre tragische Vergangenheit ein. ICHIKO von Akihiro Toda ist ein atmosphärischer, sommerhitzeflirrender Psychothriller, der sich nicht auf Stereotypen und Klisches einlässt, gleichzeitig ein klassisches Sozialdrama. Am Ende fragen wir uns: Wer ist Opfer, wer ist Täter, wer ist beides. Thomas hat direkt nach dem Kino Johannes und Hendrik am Mikrofon.
8 Minuten
Wer einmal in Japan war, fragt sich, warum dieses Land in so vielen Bereichen besser funktioniert, warum die Straßen sauber sind, warum die Züge auf die Sekunde genau fahren und auf den Zentimeter genau halten. Woher kommt die Disziplin und die Rücksichtnahme? Die Erziehung durch die Eltern spielt bestimmt eine große Rolle, noch größer wahrscheinlich ist die Bedeutung der ersten sechs Schuljahre. In der Grundschule werden aus Menschen Japaner – sozusagen. Ema Ryan Yamazaki hat ein Jahr lang in einer japanischen Grundschule gedreht und hat aus 700 Stunden Material eine wunderbare Dokumentation gemacht, die uns einen tiefen Einblick gibt. Wir sehen, wie die Kinder früh mit kleinen und immer größer werdenden Verantwortungen betraut werden, wie sie ständig ermahnt werden, aber auch sehr viel Anleitung und Aufmerksamkeit bekommen – und wie schon in der ersten Klasse die Schüler anfangen sich gegenseitig zu kontrollieren. Wir sehen, wie viele Lehrer:innen mit den Kindern mitleiden und wie streng andere sind. Und spätestens, wenn es Noten für das millimetergenaue Platzieren der Straßenschuhe gibt, bekommen wir eine Ahnung, woher die japanische Präzision kommt – und wie hoch der Leistungsdruck ist. Sehr beeindruckende Doku, der wir dringend einen deutschen Verleih wünschen. Thomas hat direkt nach dem Kino Andras am Mikrofon.
8 Minuten
Es ist eine kleine Bühne, auf der QUALIA spielt – eine Hühnerfarm, Yuko, ihr Mann, ihre Schwägerin, ein Helfer. Aber es sind die großen Fragen, die hier verhandelt werden: Tod und Geburt, Verantwortung für anvertrautes Leben, Schuld und die Frage, wie man die Welt wahrnimmt. Alle halten Yuko für dumm, für zurückgeblieben, die Entscheidungen treffen andere, ihr Mann zum Beispiel, aber vor allem die resolute Schwägerin, die alles zusammenhält. Der Ton ist rauh und alles kommt aus dem labilen Gleichgewicht, als die schwangere Geliebte des Ehemannes auf den Hof zieht. QUALIA ist ein sehr kluger Film, der in einer kleinen Welt von der Befindlichkeit des Menschen erzählt und am Ende von einer Emanzipation. Vielleicht der beste Film des Festivals Nippon Connection 2024, von dem Bilder im Kopf bleiben werden: die Schwägerin bei der Jagd, Yukos Blick auf die Eheringe … Thomas hat direkt nach dem Kino Christian von Get Your Genki am Mikrofon – mit einem begeisterten ersten Eindruck.
7 Minuten
Kaz I Kiriya hat sich als Regisseur sehr viel vorgenommen: Einen Coming-of-Age-Film, einen Samuraifilm und einen Agententhriller zusammenzubringen, mit einer großen Portion Mistery und einer feinen Prise Science-Fiction. Mehr als zwei Stunden voller interessanter Ideen und starker Bilder, aber am Ende fügt sich das nicht in eine überzeugende Erzählung. Auch wenn wir direkt nach dem Film noch am Sortieren sind und einiges kritisieren, ist der Film doch sehr sehenswert – allein schon, weil er unüberhörbar die Frage stellt: Ist die Menschheit noch zu retten? Direkt nach dem Kino am Mikrofon: Rene und Marcel von den Abspannguckern, Andras und Thomas.
7 Minuten
Der Film beginnt mit einem Schwenk über gefallene Samuraikrieger in einem Flussbett, die Kamera hält bei einem Mann, dessen Kopf abgeschlagen wurde. Aus dem Hals heraus klettern Krabben und beginnen den Leichnam aufzufressen. Damit gibt Takeshi Kitano gleich den Ton vor. Er dekonstruiert und vernichtet den Samurai-Mythos, KUBI ist eine blutige, brutale, kopfabschlagende Desillusionierungsmaschine. Toxische Maskulinität gerät außer Kontrolle, Macht, Eitelkeit und Gier treibt die Männer an. Sie gehen sich selbst an die Gurgel und vor allem schicken sie tausende Soldaten in einen sinnlosen, grausamen Tod. Das alles zeigt uns Kitano sehr explizit, immer wieder auch mit schwarzem Humor. Hier führen sich die Samurai auf wie schwachsinnige Yakuza – und das zwischen den Kriegern auch noch Liebesaffären laufen, verstärkt das Chaos noch. Direkt nach dem Kino hat Thomas spät in der Nacht am Mikrofon: Rene und Marcel von den Abspannguckern, Johannes und Hendrik, der den Film ganz anders erlebt hat.
12 Minuten
Der 18-jährige Jimmy ist verliebt. Er arbeitet in einer Karaoke-Bar in Taiwan, als die bezaubernde japanische Backpackerin Ami auftaucht. Einen Monat lebt und arbeitet sie dort und verzaubert alle. Jimmys Gefühle scheint sie nicht zu erwidern, seine schüchternen Annäherungsversuche sind nicht wirklich erfolgreich. Oder doch? 18 Jahre später begibt er sich auf eine Reise – zu Ami. 18×2 berührt, weil die beiden Hauptdarsteller (und die Nebendarsteller) uns ihre Figuren großartig nahe bringen, weil der Film mit Twists gut geschrieben und mit schönen Bildern sehr liebevoll inszeniert ist. Ein romantischer, tränenreicher und sehr gelungener Start ins Festival Nippon Connection 2024. Direkt nach dem Kino bei Thomas am Mikrofon: Helena und Malte von Sneaky Monday.
13 Minuten
Ganz langsam entfaltet sich die Geschichte um die Freundschaft zweier Jungen: Minato, der Ältere, wird beschuldigt, Yori zu mobben und beschuldigt seinen Lehrer, ihn geschlagen zu haben. Was steckt dahinter? Was ist wirklich passiert? Wie einst in RASHOMON wird auch hier die Geschichte nacheinander aus drei Perspektiven erzählt. Zuerst mit den Augen der resoluten, alleinerziehenden Mutter (großartig: Sakura Ando), die ihren Sohn mit aller Kraft verteidigt, dann aus der Perspektive des Lehrers, der mit seinen Stärken und Schwächen unter die Räder des Systems gerät – und schließlich aus der Perspektive der Kinder.

Während die ersten beiden Akte einem lang vorkommen können (wenn man noch nicht in Kore-edas Raumzeit angekommen ist), bildet der dritte Akt den bewegenden und dramatischen Höhepunkt der Geschichte. Die beiden Kinderdarsteller Soya Kurokawa und Yota Hiiragi sind herausragend – ihre Figuren wehren sich gegen die Erwachsenen, ihre Vorurteile und Regeln, die dem Glücklichsein im Wege stehen. Kore-eda findet dafür genau die richtigen, oft wunderschönen Bilder. Während die Erwachsenen in unterschiedlicher Weise von Mauern begrenzt sind, laufen am Ende Minato und Yori einfach weiter in ihre Zukunft hinein. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Cinemayence: Johanna, Kathrin und Thomas.
13 Minuten
Prof. Matthews ist ein eher langweiliger Prof, irgendwie unvollendet, ein Mensch, der seine wissenschaftliche Karriere nicht gekrönt hat und sich selbst etwas vormacht, ein Mensch, der mit seinen Schwächen oft peinlich ist, uns aber aber nie wirklich unsympathisch ist. Als er ganz unverdient ohne sein Zutun sehr berühmt wird, ist er schnell überfordert. Er genießt den Ruhm und durchschaut die Mechanismen der Aufmerksamkeit nicht. Aber die Dinge ändern sich, der Ruhm kippt und am Ende steht der Kommerz – der Grobablauf der Handlung zeigt: DREAM SCENARIO ist auch eine Parabel über Social Media-Hypes. Aber der Film ist mehr: Er ist – wie Marc sagt – ein Spiegel unserer eigenen Bedeutungslosigkeit, Ohnmacht, Selbstüberschätzung, Naivität, Eitelkeit aber auch der Angst vor Bloßstellung, der Angst vor Einsamkeit. Das alles steckt mehr oder weniger in uns allen. Im Podcast direkt nach dem Kino sprechen wir über emotionale Reaktionen im Kino, über starke Einstiege und ein nicht so starkes Finale, über Träume und böses Erwachen. Am Mikrofon direkt nach dem Film vor dem Cinemayence – dem Regen trotzend: Johanna, Katharina, Kathrin, Anke, Marc, Tom und Thomas.
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Der erste Eindruck direkt nach dem Kino