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189 Episoden
31 Minuten
Das Corona-Tagebuch diesmal über:

Das Ende von Lockdowns "Wie endet so ein harter Lockdown eigentlich? Gibt es da ein Elfmeterschießen oder einen Countdown wie zu Silvester vor Mitternacht? Läutet die Pummerin oder meldet sich Sebastian Kurz im Fernsehen und sagt, er habe jetzt auch keine Lust mehr, „Alles Walzer“? Oder schickt er Hans Bürger vor?"

Warum Masken so komische Namen tragen "Ich verstehe nicht, warum man sich nicht einen leicht fasslicheren Namen dafür ausgedacht hat, also warum die FFP2-Masken nicht „Gummi-Rudi“ oder „zweilagiger Sebastian“, eventuell auch „dichter Werner“ heißen. In die jeweilige Verordnung könnte man schreiben, dass man ab jetzt beim Billa und beim Hofer und beim Spar und in der Straßenbahn und beim Arzt den „Gummi-Rudi“ zu tragen hat, das merken sich die Menschen leicht. Supermarkt rein, „Gummi-Rudi“ auf, fertig."

FFP2-Masken in der Schule "Werden die FFP2-Masken nass, etwa weil man schwitzt, bieten sie keinen Schutz mehr, sie müssen gewechselt werden. Bis vor kurzem galt die Empfehlung, die Masken 30 Minuten lang bei 65 bis 70 Grad trockener Hitze zu desinfizieren. Man hätte den Kindern also ganz einfach einen Backofen in die Schule mitgeben können. Den hätten sie sich in der Früh statt der Schultasche auf den Rücken geschnallt und das Problem wäre gelöst. In der Maskenpause hätten sie sich die benutzten FFP2-Prometten aufbacken und eventuell dazu gleich auch einen Zwetschgenkuchen ins Rohr schieben können."

Die Wut von Franz the Seilbahn Hörl "„Die Deutschen und die Holländer sind ja viel wichtiger für uns“, sagte Hörl in „Tirol heute“, das seien „die Hauptmärkte“ und ihre Meinung „viel entscheidender, wie wenn Wien einen Rülpser tut“."

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28 Minuten
In Kapitel 2 des 2. Corona-Tagebuches lesen Sie:

Wie der Kanzler überden Gesundheitsminister lästerte "Sebastian Kurz gab eines seiner raren „Krone“-Interviews. Der Kanzler wurde auch zu Gesundheitsminister Rudolf Anschober gefragt und das recht unverblümt: „Halten Sie ihn für überfordert?“ Kurz hätte jetzt eigentlich antworten müssen: „Mitnichten, das ist ein toller Typ, Experte in allem, kompetent bis zu den Haarwurzeln, vor allem im Bereich Gesundheit, ich würde mir von ihm jederzeit den Wurmfortsatz wegschneiden lassen“. Das tat er aber nicht, vielmehr sagte er: „Das war eine riesige Herausforderung für alle, auch für ihn und das ganze Ministerium. Aber wir arbeiten gut zusammen.“ Ich fasse seine Antwort auf die Frage nach einer gefühlten Überforderung kurz so zusammen: „Ja“."

Wie wir das mit den Kläranlagen geklärt kriegen "Aus Wasser lässt sich viel herauslesen, auch wenn es ihm dreckig geht. Wir scheiden mit unserem Stuhl auch abgestorbene RNA des Virus aus, sobald wir uns infiziert haben. Keine Sorge, ist nicht ansteckend, falls sie also demnächst zufällig in einer Kläranlage spazieren gehen, weil ihnen die Parks zu voll sind, es passiert nichts. Es ist übrigens auch wurscht, ob man eine Speichelprobe oder eine Stuhlprobe abgibt, ist überall weitgehend das Gleiche drin, von den relevanten Sachen halt. Klingt scheiße, ist aber so. "

Wie das "virologische Quartett" zu Ende ging "Der Tag der Entscheidung brachte ein paar entscheidende Veränderungen. Eine davon war, dass Rudolf Anschober kein Taferl mitgebracht hatte. Es blieb ungeklärt, ob seinem Drucker die Tinte ausgegangen war, sein Grafik-Taferlteam einen Tag frei bekommen oder „Agur“ die Leinwand gefressen hatte. Es spielte aber auch keine Rolle, denn der Gesundheitsminister wurde an diesem Sonntag an den Rand gedrängt und das durchaus im doppelten Wortsinn."

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29 Minuten
Das Corona-Tagebuch über:

Österreichs Impfstart "Impfen mögen andere, tu felix Austria pressekonferenze. Wenn schon die Theater geschlossen halten müssen, dann könnten wir doch für etwas Unterhaltung sorgen, dachte sich die Regierung wohl und entschied selbstlos, den Impfstart im Land als Operette zu inszenieren. Das passt gut in die Zeit, denn im Lauf des Dezembers wurden immer mehr Menschen unsicher, ob man heuer zu Weihnachten Christi Geburt oder doch die BioNTech/Pfizer-Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde feiern sollte."

Die Liebe der Regierung zu Pressekonferenzen "Die entscheidenden Tage, Wochen und Monate waren zugepflastert mit Pressekonferenzen, es ist gar nicht so leicht festzustellen wie viele es tatsächlich waren. Aber nach Durchsicht der Nachrichtenagenturen, der Regierungs-Aussendungen, der Medien-Archive, der (teils lückenhaften) parlamentarischen Anfrage-Beantwortungen, verschiedener anderer Verzeichnisse, eigener Aufzeichnungen, kann ich sagen: Alles in allem hielten Kanzler, Vizekanzler und die Ministerschar zwischen 1. März und Weihnachten 210 Pressekonferenzen ab."

Der erste Stich "Die Uhr zeigt 9.03 Uhr, so wird es vielleicht später einmal in den Geschichteschulbüchern stehen, es ist der Moment der zweiten Enttäuschung an diesem Tag. Wenn man sich schon keine Musik leistet, hätte man dann nicht zumindest ein „ploing“, ein „zadoing“ oder ein „autsch“ einspielen können? Etwas Konfettiregen wäre auch hübsch gewesen, drei Trompetenspieler oder Fanfaren eventuell, aber nichts dergleichen passiert."

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16 Minuten
Die Kopfnüsse diesmal über:

Politiker auf Instagram und Tiktok "Also ein Politiker oder eine Politikerin soll auf Instagram oder auf TikTok ruhig die Sau rauslassen, aber dafür scheint der offizielle Account nicht der richtige Platz zu sein. Privat ist privat, Partei ist Partei und Amt ist Amt und das hat auch mit Respekt vor einer politischen Aufgabe zu tun. Oder singen Regierungsmitglieder bei Staatsbesuchen den Gastgebern auch "Barbaras Rhabarberbar" vor?"

Die Bilanz der Sportwoche "In Wimbledon wurde rasend gutes Tennis gespielt, bei der Fußball-EM langweilten die Engländer sich und uns zeitgleich ins Finale. Die beiden Sportarten eint, dass jeweils das Runde ins Eckige muss, beim Tennis ist das Tor allerdings am Boden aufgemalt. Auch in der primären Zielsetzung bestehen gewisse Unterschiede. Ich habe jedenfalls noch keinen Tennisspieler erlebt, der vor dem Match gesagt hat: "Heute spiele ich auf Unentschieden."

Indiens Premierminister in Wien Es gab niemanden, der sich so unbändig darüber freute wie Karl Nehammer. Ob er nach dem vegetarischen Menü im Do&Co auf der Terrasse des Haas-Hauses mit Nehammer parlierte oder sich von ihm zärtlich die linke Hand auf den Oberarm legen und die rechte Hand gleichzeitig abreißen ließ, er machte meistens gute Miene zum guten Spiel."

Kurz in Indien "Er war Gast einer Hochzeit, bei der das Geld abgeschafft schien, Kurz kennt das von seinem Freund René Benko. Milliardärssohn Anant Ambani heiratete die Millionärstochter Radhika Merchant und das drei Tage lang, andere Ehen sind in dieser Zeit schon wieder geschieden."

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16 Minuten
Die Kopfnüsse diesmal über:

Österreich in der Trauerphase "Die Definition, was in Österreich als außergewöhnlich gilt, ist außergewöhnlich großen Schwankungen unterworfen. Das Fußball-Nationalteam spielte bei der EM in Deutschland gegen die Niederlande außergewöhnlich gut, hatte dann aber gegen die Türkei außergewöhnlich viel Pech, auch weil es außergewöhnlich intensiv regnete. Vor allem aus den Gesichtern der Spieler nach dem Schlusspfiff."

Wie sich die Koalition für die kalte Progression erwärmte "Die Regierung behielt sich über ein Drittel die Verfügungsgewalt. Um lenkend einzugreifen oder um jährlich Almosen verteilen zu können, darüber gehen die Interpretationen parteipolitisch auseinander und das ziemlich progressiv. Das ökonomische Quartett, die drei EM-Daumendrücker und die Fußballmaus also, präsentierten nun die Einigung darüber."

Das drohende Sparpaket "in dieser Situation erwarte ich mir, dass sich Politiker hinstellen und klar sagen, wo gespart werden soll und wo investiert werden muss. Und nein, ich sehe das nicht allein als Aufgabe der Regierungsparteien an, sondern als Job von allen Parteien. Sie sollen ihre Pläne auf den Tisch legen. Alle! Und noch einmal nein, ich will hier keine Sprachhülsenfrüchte serviert bekommen, sondern Fakten, Ehrlichkeit, wenn es sein muss auch in aller Schonungslosigkeit."

Linksrutsch im Parlament "Die FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch nannte die Grünen eine "kommunistische Sekte" und sagte zur ÖVP: "Sie haben diese Kommunisten in die Regierung geholt". Das Parlament sei nun "im Chaos, viel schlimmer kann es gar nicht mehr werden". Anderswo  auch nicht, denn "in Kärnten sind die Grünen nicht einmal im Landtag, das ist ja der Wahnsinn".

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14 Minuten
Die Kopfnüsse beschäftigen sich diesmal mit folgenden Themen:

Den Kleinigkeiten im Leben "In der Sprache reicht schon ein Buchstabe und der Sinn ändert sich grundlegend. Denken Sie nur an Geflügel und Gehflügel. Da macht ein H einen Riesenunterschied. Einen Hendlhaxn können Sie grillen, aber bis ein Gehflügel durch ist, dauert es seine Zeit. Es bemühen sich auch kaum Tierschutzorganisationen um die artgerechte Haltung von Gehflügeln. Bei Geflügel ist das anders, da wird auf Freilandhaltung geschaut. Aber wildern Sie einmal einen Gehflügel aus."

Dem Ausflug von Nehammer und Kogler "Vielleicht finde nur ich das seltsam. Daheim erweckt die Volkspartei den Eindruck, als würde sie nach dem als grobes Foul empfundenen Verhalten von Leonore Gewessler knapp vor der Forderung nach Spielabbruch stehen. In der Fremde aber feiern die Spitzen von ÖVP und Grünen eine Kabinenparty. Daheim werden Ministerräte abgesagt, in der Fremde trifft man sich zum Gruppenselfie."

Einem abgesagten Kanzler-Heurigen "Anders als Sebastian Kurz kann Karl Nehammer nicht an mindestens zwei Orten gleichzeitig sein. In Wien um 18 Uhr beim Friseur und um 21 Uhr dann in Leipzig, wenn wir die Türken rasieren, das geht sich nicht aus. Generalsekretär Christian Stocker teilte also mit, dass der Medienheurige "voraussichtlich auf Ende des Sommers verschoben werden" muss. Offensichtlich hängt Nehammer an das Ländermatch noch zwei Monate Urlaub in Leipzig an.

Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer live bei der EM "Vielleicht sollte Andreas Babler bei Karl Nehammer anrufen und ihn fragen, ob er ihn zu den Türken mitnimmt. Statt das Beste aus beiden Welten zu sein, könnte sich die nächste Koalition dann als "The besten Burschen" vermarkten."

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15 Minuten
Die Kopfnüsse der Woche über:

Gott und Österreich "Ich kann mir gut vorstellen, dass Gott im Himmel sitzt, die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sagt: "Jetzt habe ich euch einen so schönen Flecken Erde geschenkt, ihr musstet ihn nicht einmal mit Handtüchern reservieren, und mehr bringt ihr nicht zustande?" Die österreichische Antwort darauf könnte so lauten: "Na, so wenig unterhaltsam sind wir jetzt auch wieder nicht."

Ministerräte nach Gewesslers Tabubruch "Haben Volkspartei und Grüne im Ministerrat ab jetzt Wurfsterne vor sich liegen? Brauchen Regierungsmitglieder jetzt nicht mehr Bodyguards, wenn sie außer Haus gehen, sondern wenn sie drinnen bleiben? Versetzt Klaudia Tanner die Armee in Alarmbereitschaft, wenn sie zu Ministerräten fährt?"

Österreich und  die Renaturierung "Jeder will eine unbändige, ungezähmte Natur, und zwar unmittelbar bis zu seinem Schrebergartentzaun. Ab da werden der Natur die Flausen ausgetrieben. Viele Städter, die sich nun pausbäckig und rotwangig in der Diskussion engagieren, träumen insgeheim vom eigenen privaten Bauprojekt am Land, aber es soll das tatsächlich letzte seiner Art sein, danach muss Schluss sein mit der Bodenversiegelung."

Die Magie der SPÖ "Dann folgte eine Zaubernummer wie früher von "Siegfried und Roy", allerdings ohne weiße Tiger. Die SPÖ präsentierte einen Plan mit fünf Programmpunkten, als Beweis ihrer magischen Kraft ließ sie 45.000 Asylwerber verschwinden. Man müsse nur die Zuwanderer gerecht auf alle EU-Länder verteilen. Das ist an sich eine geniale Idee. Sie ist so genial, dass sie am 10. April 2024 schon im Europäischen Parlament beschlossen wurde, übrigens mit Wissen und Zustimmung der SPÖ."

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18 Minuten
In den Kopfnüssen hören Sie diesmal über:

Bablers Rettung des Gratis-Fußballs "Babler rettet das Unzurettende. Er führt die alte Oma, die gar nicht auf die andere Straßenseite will, auf die andere Straßenseite. Er zieht den Leistungsschwimmer aus dem Becken, damit er nicht ertrinkt, was er gar nicht vorhatte. Der Fußball, den er befreien will, ist schon frei. Nicht ganz natürlich, aber weitgehend. Die relevanten Spiele der Fußball-Europameisterschaft sind allesamt kostenfrei bei Servus TV zu sehen. Es wäre ehrlicher gewesen, Babler hätte sich hingestellt und gesagt: "Des was i eh. Oba i wüll ned, dass des bei die Dosen spült". Bei Red Bull also, seinem Endgegner bei der Millionärsbesteuerung."

Den Autogipfel als Drehmoment "Menschen bekamen Angst davor, dass über Nacht Lastwagen vorfahren würden, um ihre Benziner und Diesel aus den Hauseinfahrten und Garagen zu entführen. Nur Superkarl könnte das verhindern, das wurde suggeriert, zur Not indem er sich an den Autos festklebt, im Klebstoff natürlich technologieoffen."

Wie die ÖVP die Stimmung drehte "Im Vergleich zur EU-Wahl 2019 hatte die ÖVP 441.893 Stimmen verloren, fast genau ein Drittel. Aber das war nicht mehr Thema. Vielmehr machte sich die Erzählung breit, dass die Volkspartei um 17 Uhr zu Tode prognostiziert worden war, Auferstehung gefeiert hatte und nun um 23 Uhr bereitstünde, um in den Himmel aufzufahren. Die Aufholjagd der Volkspartei, die noch nicht einmal begonnen hatte, trug bereits erste Früchte. Innerhalb von sechs Stunden, in der Zeit von 17 Uhr bis 23 Uhr, konnten schon 1,2 Prozentpunkte auf die Blauen gutgemacht werden. Wenn das in dem Tempo weitergeht, dann wird die ÖVP am 29. September zwischen 80 und 90 Prozent erreichen."

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11 Minuten
Teil Nummer 2 der Kopfnüsse zur EU-Wahl beschäftigt sich den Folgen des Wahltages

Warum Wahlen bei uns immer ein Beben sind "Wann war eine Wahl in Österreich eigentlich das letzte Mal kein Beben? Also ganz simpel eine Wahl, die Leute geben ihre Stimmen ab, daraus errechnet sich ein Ergebnis, die einen freut´s, die anderen nicht? Bei uns: immer Gezische. Ich denke, an Wahlsonntagen kommen die Reporter in die Newsrooms, fahren ihre Computer rauf, tippen das Wort "Beben" in die Textmasken für Onlineartikel und Zeitungsberichte und dann sagen sie: "So, jetzt können die Resultate kommen, wir wären bereit."

Warum das Beben kein Beben war "Also zunächst war es schon ein Beben und viele beschrieben das Beben auch als Beben. Furchterregend! Aber am Ende des Tages, und das ist in diesem Fall wortwörtlich zu verstehen, entpuppte sich das Beben als Rülpser. Schon auch laut und beachtlich, aber die Tassen im Kuchlkastl von Tante Erna fingen nicht an zu klirren."

Was die Folgen waren "Österreich ging mit dem Bewusstein schlafen, dass die FPÖ einen Triumph erzielt hatte und wachte mit einem Brust-an-Brust-an Brust-Rennen um Platz 1 auf. Die Freiheitlichen lagen immer noch vorn, aber nun nur mehr 0,8 % von der Volkspartei entfernt. In Rülpsweite also."

Was es für die SPÖ heißt, Dritter zu sein "Vor ein paar Wochen war ich in einem Wiener Wirtshaus einen Happen essen, ich kam mit dem Besitzer ins Gespräch, ein fröhlicher Typ, um die 40, politisch schwer einschätzbar. "Die SPÖ", sagte er am Ende in einer Mischung aus Verwunderung und Bewunderung, "kämpft mit großer Leidenschaft für die Themen, die vor 20 Jahren wichtig waren".

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15 Minuten
Teil Nummer 1 der Kopfnüsse zur EU-Wahl beschäftigt sich mit dem Wahlsonntag:

Die Bedeutsamkeit von Wahlen "Wählen heißt auch, einen möglichen Irrtum in Kauf zu nehmen. Ob man sich richtig entschieden hat oder nicht, erfährt man oft erst Jahre später. Dann bekommt man eine neue Chance eingeräumt, sich ein weiteres Mal zu blamieren, leider ist das Risiko eines abermaligen Irrtums gleich hoch. Darauf basiert unser politisches System, es verführt uns in Wahlkämpfen zu möglichen Irrtümern. Diesmal nicht, denn Wahlkampf gab es genau genommen keinen, und die Gefahr, von einem Wahlplakat verführt zu werden, stellte sich als geringfügig heraus."

Was die EU-Wahl verändern wird "In diesem echten Leben werden die Diskussionen mit einem Mal anders sein. Die Rolle von Jäger und Gejagten dreht sich um. Das Selbstvertrauen wird sich wandeln. Auf der einen Seite die vor Zuversicht strotzende FPÖ, um die sich noch mehr als schon jetzt die politische Debatte drehen wird. Auf der anderen Seite die früheren Großparteien voller Selbstzweifel, vor allem dann, wenn das Ergebnis am Sonntag unter den Erwartungen ausfällt, den eigenen, vor allem aber den fremden."

Was das für die SPÖ heißt "Einigen Erzählungen der vergangenen Monate droht das Zerschellen. Die EU-Wahl ist der erste Fingerzeig, ob Andreas Babler seiner SPÖ tatsächlich neues Leben eingehaucht hat. Die Sozialdemokraten hatten in den letzten Jahren eine gewisse Leidenschaft dafür entwickelt, interne Debatten im öffentlichen Raum zu führen, die Kunstgattung könnte bei einem mageren Abschneiden eine Renaissance erleben. Nicht allein burgenländischer und tirolerischer Zungenschlag würde dann zu vernehmen sein."

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15 Minuten
Die Kopfnüsse widmen sich diesmal diesen Themen:

Warum Lena Schilling so wenig vorkommt "Noch ein paar Tage bis zur Volksabstimmung über Lena Schilling, die in anderen Ländern irrtümlicherweise EU-Wahl heißt. Der Zustrom an Chats ist versiegt, die Wasserfälle an Betroffenheits-Erzählungen in Fernsehsendern ebben ab. Das Land scheint seinen Durst gestillt zu haben. Selbst wenn nun enthüllt werden sollte, dass die Tanzlehrerin vor Jahren einmal grußlos an einem Stachelbeerstrauch vorbeigegangen ist, wird das keinen Erdrutsch mehr auslösen."

Woran das Renatuierungsgesetz scheitert "Auch Österreich spielt in dieser Inszenierung eine gewisse Rolle. Ein Teil der Regierung ist für die Renaturierung, ein Teil dagegen. Die Umweltministerin ist dafür, darf aber nicht dafür sein, weil die Landeshauptleute dagegen sind. Von den Landeshauptleuten sind aber nun nicht mehr alle dagegen, es müssen aber offiziell alle dagegen sein, weil es drei Beschlüsse gibt, in denen alle dagegen waren. Im EU-Parlament haben SPÖ, Grüne und NEOS für die Renaturierung gestimmt, die FPÖ dagegen. Die ÖVP auch, aber ausgerechnet ihr Spitzenkandidat bei der letzten Wahl nicht. Der war dafür."

Warum am 17. Juni die letzte Chance ist "Am 17. Juni findet in Brüssel der nächste Gipfel der EU-Umweltminister statt. Bleibt es dabei, dass Ungarn, Schweden, Polen, Italien und die Niederlande dagegen stimmen, Belgien und Finnland sich enthalten, dann ist Österreich bei der Abstimmung das Zünglein an der Waage. Kommt das Renaturierungsgesetz auf der Tagesordnung, dann hat Gewessler die Wahl zwischen Pest und Cholera: Sie kann gegen ihr eigenes Gesetz stimmen (indem sie sich enthält). Oder sie stimmt dafür, bricht die Verfassung und zertrümmert die Koalition. Das liegt in der Natur der Sache."

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16 Minuten
Die Kopfnüsse beschäftigen sich diesmal mit folgenden Themen:

Unserem Leben nach Lena Schilling "Wir schreiben uns selbst WhatsApp-Nachrichten, empören uns darüber, machen Screenshots, treffen uns mit uns selbst auf einer Parkbank und übergeben uns dann die Ausdrucke in einem braunen Kuvert. Unser Leben muss nicht wirklich ärmer werden, wenn es in diesem Leben keinen Schilling mehr gibt."

Den TV-Duellen vor der EU-Wahl "Für potentielle Straßenfeger hielt man die Zweierkonfrontationen offenbar nicht, denn sie wurden in den Nachmittag verbannt. Am Dienstag der vergangenen Woche war als Opener Harald Vilimsky vs. Helmut Brandstätter zu sehen, im Hauptabendprogramm lief aber eine Doku über die "Geheimnisvolle Augustinerkirche". Solche Sachen werden ja schnell alt. Tags darauf, als sich Lena Schilling zunächst mit Lopatka und dann mit Schieder zur Jause traf, entführte uns ORF III ab 20.15 Uhr in die Gegend "Rund ums Fellhorn"."

Dem abgetauchten Werner Kogler "Werner Kogler feiert mutmaßlich immer noch den Meistertitel von Sturm Graz. Vielleicht ist er aber auch in Paris und verhandelt mit Kylian Mbappe über einen Wechsel an die Mur. Der Stürmer-Star geht bekanntermaßen aus Paris weg und es wäre nicht das erste Mal, dass in Saint-Germain Verträge mit einer gewissen Relevanz für Österreich geschlossen werden."

Der FPÖ und ihrem System "Im Windschatten der sanften Lenanisierung des Landes, ist die FPÖ massiv in den EU-Wahlkampf eingestiegen. Sie nutzt dafür vor allem FPÖ TV, auf YouTube hat der Kanal 205.000 Abonnenten. Am Donnerstag ging ein Video online, das es mit über 37 Minuten fast auf Spielfilmlänge bringt und schon im Titel deutlich macht, was uns die Freiheitlichen im Wahlkampf-Endspurt mitteilen wollen: "Mit Euch gegen das System". "System", diesen Begriff werden wir jetzt öfter hören und sehen und lesen."

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14 Minuten
Elefanten und Lena Schilling: Darüber lesen Sie diesmal in den Kopfnüssen:

Eine interessante Überschrift im "Standard" "Ohrenwackeln und Urinieren: Begrüßungen von Elefanten ähneln jenen von Menschen. Ich habe das zwar noch nie gesehen, aber vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass sich Menschen mit Ohrenwackeln begrüßen. Zu Zeiten von Corona ist uns allerlei Blödsinn eingefallen, wie wir uns willkommen heißen könnten. Wir haben uns aus zwei Metern Entfernung zugewunken, als ginge es mit dem Zug vier Wochen zur Kur auf den Semmering. Wir haben uns verbeugt, mit dem Ellenbogen oder mit den Füßen berührt, was ab einem gewissen Alter als Erreichen der Olympiaqualifikation anerkannt werden sollte. Bankmanager, kurz vor der Pension und in feinstem Zwirn, haben sich mit der Ghettofaust begrüßt und für einen Moment gefühlt wie Harlem Globetrotters."

Die Weltpolitik und Österreich "In all diese Gemengelange hinein erscheint der Blick auf das aktuelle Österreich einigermaßen verstörend. Ich kann mich täuschen, aber wenn wir in fünf Jahren auf das Jetzt zurückblicken, dann werden wir uns vielleicht Fragen stellen wie: "Was haben wir getan, um die EU zusammenzuhalten?" Oder: "Wie haben wir die europäische Autoindustrie zukunftssicher gemacht?" Oder: "Was haben wir unternommen, um Europa im Konzert mit den USA und China eine Stimme zu verschaffen?" Was wir uns mutmaßlich nicht fragen werden: "Hat Lena Schilling einen festen Charakter oder lügt sie wie gedruckt?"

Was jetzt vielleicht eine gute Idee wäre "Jemand findet die Stopptaste, drückt kräftig drauf und beendet das Gefurze. Es wäre ein Pfingstwunder, aber wozu ist der Heilige Geist sonst heilig?"

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17 Minuten
Die Kopfnüsse widmen sich diesmal allerlei Überraschendem, etwa:

Andreas Babler ist kein Linker mehr "Er sieht sich plötzlich "stark christlich-sozial verankert", wie er dem "Kurier" erzählte. Da wird seine Leninstatue ordentlich Schluckauf bekommen haben, immerhin hatte Karl Marx die Religion als "Opium des Volkes" bezeichnet und so freizügig stehen Rauschmittel in Österreich jetzt auch noch nicht zur Verfügung."

Wie die Schilling-Affäre wirklich begann "Schilling lebte in einer Beziehung mit einem Politikerkollegen. Die Liebe ging im Frühjahr in die Brüche. Es gab männlicherseits etwas Verletztheit und in dieser Situation zeigte der Ex Anfang April einer Bekannten ein paar private Chatnachrichten, die ihm Schilling geschrieben hatte. Er hätte das vielleicht besser nicht tun sollen. In den Chats äußerte die grüne EU-Spitzenkandidatin den Verdacht, eine ihrer früher besten Freundinnen sei von ihrem Ehemann verprügelt worden und habe nach einem Übergriff eine Fehlgeburt erlitten. Das Problem: Bei der Bekannten, die nun die Chats zu lesen bekam, handelte es sich um die Betroffene selbst."

Die rätselhaften Grünen "Es gab keine Kommunikationsstrategie. Es erschloss sich nicht, warum fünf Personen da standen und warum genau die. Warum die Klimaministerin anwesend war, aber nicht die Justizministerin. Wieso Leonore Gewessler immer wieder nickte als wäre sie die Ministrantin eines TV-Predigers. Weshalb man die drei Wochen Wartezeit nicht genutzt hatte, um sich Antworten auf die Fragen zu überlegen, die klar auf der Hand lagen. Und dann nannte Kogler die Vorwürfe auch noch "Gefurze". Die Grünen, die sich sonst mit jedem Himbeerstrauch solidarisieren, fanden keine Worte der Empathie für die potentiellen Opfer."

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12 Minuten
Die Kopfnüsse bewegen sich diesmal zwischen Österreichs Almen und dem Wiener Rathausplatz hin und her. Zu hören gibt es:

Ein paar Gedanken zur politischen Teilhabe "Auf orf.at las ich in der vergangenen Woche eine Überschrift, bei der mir das Herz aufging. "Wölfe: Hirten könnten Herden schützen". Endlich ein Vorschlag aus kundigem Mund, auch wenn der sonst nur Geheul hervorbringt. Hirten sollen das mit dem Schutz übernehmen, finden die Wölfe. Löblich, dass nun auch Betroffenen die Teilhabe an der Debatte ermöglicht wird. Fortan können wir mit den Wölfen auf Augenhöhe über das Thema sprechen, selbst wenn dies das Risiko birgt, dass einem danach ein Auge fehlt. Oder zwei."

Politik mit Herz und Hirn. Oder ohne "Da uns die Politik schlecht fressen kann, umarmt sie uns derzeit zu Tode. Herz ist Trumpf. Bis 29. September werden wir so viel umgarnt und gebusselt werden, dass uns Hören und Sehen vergeht, was nicht immer ein Nachteil sein muss in diesem Land. Beim Parteirat in Wieselburg hatte Andreas Babler am 26. April sein Wahlprogramm vorgestellt, der SPÖ-Vorsitzende will "mit Herz und Hirn" auf Stimmenfang gehen. Er ist nicht der Einzige, der ein Auge auf unser Zentralorgan geworfen hat."

Die Nationalratswahlen als Blackbox "Kanzler Karl Nehammer hat ausgeschlossen, mit Herbert Kickl in eine Koalition zu gehen. Okay, glauben wir das einmal. Aber was ist, wenn Nehammer so grottig abschneidet, dass er am Wahlabend Geschichte ist? Gibt es dann Schwarz-Blau trotzdem? Mit Kickl und jemand anderen aus der Volkspartei? Mit Edtstadler ohne Kickl? Haben das die ÖVP-Wähler so gewollt? Oder hatten sie eher die Wiederbelebung der alten Großen Koalition im Hinterkopf?"

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