Podcast #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland Archiv
72 Episoden
41 Minuten
Der mehrfach ausgezeichnete Pianist Igor Levit verbindet in seinem Klavierspiel „klanglichen Charme, intellektuellen Antrieb und technische Brillanz“ (The New Yorker). Seit 2019 ist er Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Darüber hinaus ist er bekannt für seinen politischen Aktivismus, bei dem er sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung einsetzt. Für unseren Podcast #2021JLID spricht er mit Shelly Kupferberg über seine Erfahrungen von subtilem Antisemitismus und grobschlächtige Gewaltdrohungen. Über seine Schulzeit und seinen Schritt in die Öffentlichkeit und wie seine jüdische Herkunft beides beeinflusste.
1 Stunde 14 Minuten
Im Gespräch zwischen Miron Tenenberg und dem Dirigenten Daniel Grossmann geht es um Leben und Tod, um das Selbstverständnis als Jude in Deutschland zu leben, Antisemitismus, Corona-Demos und natürlich ganz viel um Musik. Daniel Grossmann gründete mit 20 Jahren das „Orchester Jakobsplatz München“. Mittlerweile heißt es „Jewish Chamber Orchestra Munich“ und hat sich über die Grenzen Bayerns hinaus einen Namen gemacht. Grossmann gelingt es, seinen emotionalen Zugang zum Judentum als „jüdischer Deutscher“ auf das Orchesterprogramm zu übertragen. Er schafft es, Gedenkveranstaltungen in Konzerte zu verwandeln, die über das Genre hinauswachsen, indem er das Leben der Menschen in den Mittelpunkt stellt.
1 Stunde 8 Minuten
Mirna Funk traf Viviane Andereggen. Die Filmregisseurin und Hamburger Krimipreisträgerin wuchs in Ungarn und der Schweiz auf, studierte Medienwissenshaften und Ethnologie in Basel und anschließend Regie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Heute lebt Sie in Berlin. Bekannt ist sie vor allem durch ihre zahlreichen Filme, wie den Preisgekrönten Krimi “Rufmord”, die Regieführung im Züricher Tatort oder den Film “Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut”. Im Podcast 2021 JILD spricht Viviane Andereggen mit Mirna Funk über die Frage, warum zu wenige Filme aus jüdischer Perspektive erzählt werden, wie sie selbst versucht hier ein tieferes Bewusstsein zu vermitteln und was sie sich vom deutschen Film erhofft. Für “Rufmord” wurde sie außerdem 2019 für den Jürgen Roland Preis nominiert, dessen Namensgeber in der Propagandakompanie und der Waffen-SS diente. Wie sie mit diesem Konflikt und dieser Situation umgegangen ist, warum sie sich wünschen würde, dass man mehr Geschichtsbewusstsein zeigt und nachfragt was vor 75 Jahren eigentlich genau passiert ist, das hört Ihr in der aktuellen Folge.
39 Minuten
Eine neue Perspektive auf das jüdische Leben in Deutschland, die wünscht sich die Politikerin Sylvia Löhrmann, sie ist Generalsekretärin des Vereins „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Lebendigkeit, Vielfalt, empathische Aufarbeitung, Aufklärung und Begegnung – das sind die Dinge, die sie in der Auseinandersetzung mit jüdischem Leben besonders wichtig findet und die sie sowohl als Politikerin, als auch als Pädagogin stets versucht hat, in die Tat umzusetzen. Was in der Vergangenheit davon bereits geglückt ist, wie sie selbst zum Thema fand und welche Rechtsverschiebungen sie heute in Deutschland beobachtet, das schildert sie im Gespräch mit Shelly Kupferberg.
36 Minuten
Ist das Jüdischste am jüdischen Leben der Tod? Viele Menschen in Deutschland scheinen genau dies so zu empfinden. Schade, findet Andrei Kovacs – er ist leitender Geschäftsführer des Vereins „321-2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, der für das Festjahr, das 2021 bundesweit begangen wird, gegründet wurde. Jüdisches Leben in Deutschland in seiner ganzen Vielfalt sichtbar machen und so auch gegen antisemitische Vorurteile antreten – das hat sich der Verein vorgenommen. Was sich Andrei Kovacs von diesem Festjahr verspricht, welche Rolle dabei das Hier und Jetzt und gleichzeitig die Geschichte und der Holocaust spielen kann, wie er als Jude in Deutschland lebt und was er sich hierfür wünscht, darüber berichtet er im Gespräch mit Shelly Kupferberg.
53 Minuten
Mirna Funk trifft auf Leo Schapiro. Er ist 1982 in Berlin geboren und lehrt als Professor für Wirtschaftsrecht an der HTW Berlin. 2018 gründete er gemeinsam mit Dalia Grinfeld und Monty Ott den Verein Keshet. Eine junge Initiative von jüdischen Queers und Allies, die sich für alle relevanten LGBTQI-Belange politisch und institutionell einsetzt. Bis heute ist Schapiro stellvertretender Vorsitzender von Keshet Deutschland und agiert als Fachbeirat der Magnus Hirschfeld Stiftung. Im Podcast #2021JILD spricht Mirna Funk mit Leo Schapiro über seine Kindheit im Westberlin der Vorwendezeit, seine jüdische-russische Identität und welche Ziele er mit der Gründung von Keshet Deutschland langfristig verfolgt.
39 Minuten
Seit Frühjahr 2020 ist Hetty Berg neue Direktorin des Jüdischen Museum Berlin – einem echten Publikumsmagneten der internationalen Museumslandschaft. Das Haus zeigt Geschichte und Kultur der Juden in Deutschland, will aber auch ein Ort des offenen Austausches sein, in dem die dynamischen und komplexen Entwicklungen in der deutschen Gesellschaft begleitet werden. Denn neben einem blühenden jüdischen Leben zeigen sich auch immer lauter werdende Polarisierungen und Antisemitismus. Welche Rolle das Museum gesellschaftlich spielen kann, wie jüdisch Hetty Berg, die zuvor Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam war, aufgewachsen ist, und wie sie jüdisches Leben in Deutschland wahrnimmt, darüber erzählt sie im Gespräch mit Shelly Kupferberg.
51 Minuten
Mirna Funk trifft auf Michel Friedman. Er ist Jurist, Philosoph, Publizist, Politiker und Fernsehmoderator. Viele kennen ihn durch seine langjährige Arbeit, in der es immer darum geht, gesellschaftlich relevante und gleichzeitig komplexe Themen zu diskutieren. Sie kennen ihn aber auch als streitlustigen Moderator und angriffsbereiten Gesprächspartner. Wer aber ist Michel Friedman als Mensch? Wie war seine Kindheit und Jugend und was hat ihn besonders geprägt? Im Podcast 2021 JILD spricht Mirna Funk mit Michel Friedman über seine Kindheit in Paris, das Aufwachsen mit Schindlerjuden, den Umzug nach Deutschland und die zwei großen Gabelungen, die sein Leben nachhaltig geprägt haben. Dialogisch gehen sie den Herausforderungen auf den Grund, denen Europa sich aktuell und auch in Zukunft stellen muss und sammeln eine Vielzahl von Werten, die der Mensch braucht, um friedlich und glücklich leben zu können.
49 Minuten
„Wenn jemand schon mal eine Lungenentzündung hatte, wird er bei jedem Husten ein wenig genauer hinhören“, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster über jüdisches Leben in Deutschland. Der Arzt engagiert sich seit Jahrzehnten als Gemeindevorsitzender und Repräsentant Jüdischer Belange in unterschiedlichsten Gremien. Im Gespräch mit Shelly Kupferberg erzählt er von seiner Kindheit und Jugend in Deutschland, spricht von besonderen Begegnungen im Rahmen seines Ehrenamts – mit Papst Franziskus, Bundespräsidenten oder der Bundeskanzlerin und berichtet davon, worin er seine Aufgaben heute sieht.
50 Minuten
Mirna Funk trifft auf die Psychologin und Beteiligungspädagogin Marina Weisband. Sie ist 1987 in Kiew geboren, Mutter einer Tochter und lebt in Münster. Zu Bekanntheit kam sie durch ihr politisches Engagement in der Piratenpartei, deren Mitglied sie von 2009-2015 war. Seit November 2020 hat sie ein eigenes Youtube-Format. Zusammen mit Eliyah Havemann beantwortet sie in „Frag einen Juden“ alle wichtigen Fragen zu jüdischem Leben. Im Podcast 2021 JILD spricht Mirna Funk mit Marina Weisband über ihre Kindheit und Jugend als Kontingentgeflüchtete, ihren individuellen Weg zur jüdischen Identität und welche notwendigen Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus eingeleitet werden müssten.
56 Minuten
„Ich war ein Deutscher mit oder ohne jüdische Wurzeln“, schreibt der Schauspieler und Schriftsteller Christian Berkel in seinem ersten Roman „Der Apfelbaum“. Erst spät hat er begonnen, die eigene komplexe Familiengeschichte aufzuarbeiten und sich somit auch mit seiner jüdischen Identität auseinanderzusetzen, über die seine Familie nie mit ihm gesprochen hatte. Bei seinem ersten Synagogenbesuch vor einigen Jahren kamen ihm unweigerlich die Tränen. Warum er sich heute um eine Möglichkeit betrogen fühlt, wie es sich anfühlt, in internationalen Filmproduktionen Nazis zu spielen und welche Fehlentwicklungen er in der Aufarbeitung der Shoah heute in Deutschland beobachtet, darüber spricht der engagierte Schauspieler mit Shelly Kupferberg.
1 Stunde 3 Minuten
Die drei Moderator*innen des Podcasts #2021 JLID Shelly Kupferberg, Miron Tenenberg und Mirna Funk finden sich zum Auftaktgespräch zusammen. Sie stellen sich vor und sprechen ausführlich darüber, was jüdisches Leben für sie einzeln bedeutet, was sie sich von dem Festjahr erhoffen und welche große Chance die Erinnerung an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland bieten könnte. Denn trotz dieser fast 2000 Jahre alten deutsch-jüdischen Geschichte fehlt den meisten nichtjüdischen Deutschen Wissen zur ganz normalen jüdischen Lebenswirklichkeit. Zumeist herrscht die Vorstellung, dass alle Jüdinnen*Juden ihr Judentum identisch ausleben würden: Es gibt immensen Nachholbedarf, auch, weil wir dem erstarkenden Antisemitismus nur durch die Auflösung von Stereotypen zukünftig entgegenwirken können.