Chlorgesänge Archiv
191 Episoden
41 Minuten
Diesmal waren wir im Paradies! Also eigentlich war es das Berliner Sommerbad Mariendorf, aber es kam uns vor wie das Paradies. Denn an diesem herrlichen Spätsommertag bei 26 Grad im Schatten waren gefühlt höchstens 20 Menschen im Bad. Und wir natürlich. Und dann war das 50-Meter-Becken auch noch geleint und zwar mit zwei Bahnen in der Mitte! Mehr perfekt geht einfach nicht!
Auch die Schwimmmeisterin machte einen ausgesprochen gelassenen Eindruck und erklärte uns, warum man sich zu den geleinten Bahnen in der Mitte entschlossen habe. Wenn die Leinen an der Seite sind, nutzen sie nämlich viele Menschen, um sich dranzuhängen und zwischendurch zu verschnaufen. Das aber ist ziemlich gefährlich! Da laufen nämlich feste Stahlseile durch und an denen kann man sich ganz schön weh tun! Wieder was gelernt.
Wir tauchen erstmal ein paar Bahnen ab und genießen dann noch bei unserem Freibadgedeck - Cola zero mit Pommes rotweiß - die entspannte Atmosphäre im Mitte der 1950er Jahre erbauten Sommerbad, liebevoll „Rixe“ genannt. Mit riesigem Nichtschwimmerbecken plus Wasserpilz und Rutsche, das wirklich ideal für Familien mit Kindern ist. Hier ist alles sehr liebevoll angelegt, mit hübschen Zeichnungen an den Wänden und noch den original Umkleidekabinen, mittlerweile alles unisex-Bereiche. Im Winter 1971 soll hier mal eine Traglufthalle über das Schwimmerbecken gespannt worden sein - das erwies sich dann aber doch als zu zugig.
Wir lassen die Sommersaison an uns vorbeiziehen, erwähnenswerte Gewaltvorfälle hat es in den Freibädern nicht gegeben, was die Befürworter:innen der 2,5 Millionen teuren Sicherheitsmaßnahmen inklusive Ausweiskontrollen, online-Tickets und höheren Zäunen sicherlich für sich verbuchen werden. Wir glauben eher, dass es am nassen Juli lag, aber wer weiß das schon?
Im Sommerbad Wilmersdorf und im Strandbad Tegel konnten in letzter Minute zwei Kinder gerettet werden, ein paar Tote gab es leider auch - aber zum Glück nicht in den Berliner Freibädern. Wohl aber in den Seen in und um Berlin - und einer von uns ist aufgefallen, dass mittlerweile immer mehr Menschen mit Bojen im Freiwasser unterwegs sind. Die andere zieht natürlich gleich zwei Exemplare aus der Tasche und gemeinsam begutachten wir, was denn so eine Boje kann - und was nicht. Eine Schwimmhilfe ist sie auf jeden Fall nicht, aber man kann Handy oder Handtuch trocken in ihr verstauen und sollte man doch mal einen Krampf kriegen, sich für einen Moment daran festhalten - bis Hilfe kommt. Zu sehen jedenfalls ist man damit gut - zumindest so lange, wie nicht Hunderte von Menschen mit Bojen im See unterwegs sind, dann wird es auch wieder etwas unübersichtlich …
Zum Schluss finden wir, dass auch dieser Sommer mal wieder einfach nicht lange genug gedauert hat und stellen mit Bedauern fest, dass die ersten Freibäder bereits schließen. Dabei haben wir doch noch Tickets auf unserer Mehrfachkarte! Es ist ein Elend. Aber ein schönes!
https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/sommerbad-mariendorf/
https://www.instagram.com/explore/locations/212178722152057/sommerbad-mariendorf/?locale=de
https://www.schwimm-blog-berlin.de/2015/07/03/sommerbad-mariendorf/
https://www.geo.de/vergleich/schwimmbojen-test/
Auch die Schwimmmeisterin machte einen ausgesprochen gelassenen Eindruck und erklärte uns, warum man sich zu den geleinten Bahnen in der Mitte entschlossen habe. Wenn die Leinen an der Seite sind, nutzen sie nämlich viele Menschen, um sich dranzuhängen und zwischendurch zu verschnaufen. Das aber ist ziemlich gefährlich! Da laufen nämlich feste Stahlseile durch und an denen kann man sich ganz schön weh tun! Wieder was gelernt.
Wir tauchen erstmal ein paar Bahnen ab und genießen dann noch bei unserem Freibadgedeck - Cola zero mit Pommes rotweiß - die entspannte Atmosphäre im Mitte der 1950er Jahre erbauten Sommerbad, liebevoll „Rixe“ genannt. Mit riesigem Nichtschwimmerbecken plus Wasserpilz und Rutsche, das wirklich ideal für Familien mit Kindern ist. Hier ist alles sehr liebevoll angelegt, mit hübschen Zeichnungen an den Wänden und noch den original Umkleidekabinen, mittlerweile alles unisex-Bereiche. Im Winter 1971 soll hier mal eine Traglufthalle über das Schwimmerbecken gespannt worden sein - das erwies sich dann aber doch als zu zugig.
Wir lassen die Sommersaison an uns vorbeiziehen, erwähnenswerte Gewaltvorfälle hat es in den Freibädern nicht gegeben, was die Befürworter:innen der 2,5 Millionen teuren Sicherheitsmaßnahmen inklusive Ausweiskontrollen, online-Tickets und höheren Zäunen sicherlich für sich verbuchen werden. Wir glauben eher, dass es am nassen Juli lag, aber wer weiß das schon?
Im Sommerbad Wilmersdorf und im Strandbad Tegel konnten in letzter Minute zwei Kinder gerettet werden, ein paar Tote gab es leider auch - aber zum Glück nicht in den Berliner Freibädern. Wohl aber in den Seen in und um Berlin - und einer von uns ist aufgefallen, dass mittlerweile immer mehr Menschen mit Bojen im Freiwasser unterwegs sind. Die andere zieht natürlich gleich zwei Exemplare aus der Tasche und gemeinsam begutachten wir, was denn so eine Boje kann - und was nicht. Eine Schwimmhilfe ist sie auf jeden Fall nicht, aber man kann Handy oder Handtuch trocken in ihr verstauen und sollte man doch mal einen Krampf kriegen, sich für einen Moment daran festhalten - bis Hilfe kommt. Zu sehen jedenfalls ist man damit gut - zumindest so lange, wie nicht Hunderte von Menschen mit Bojen im See unterwegs sind, dann wird es auch wieder etwas unübersichtlich …
Zum Schluss finden wir, dass auch dieser Sommer mal wieder einfach nicht lange genug gedauert hat und stellen mit Bedauern fest, dass die ersten Freibäder bereits schließen. Dabei haben wir doch noch Tickets auf unserer Mehrfachkarte! Es ist ein Elend. Aber ein schönes!
https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/sommerbad-mariendorf/
https://www.instagram.com/explore/locations/212178722152057/sommerbad-mariendorf/?locale=de
https://www.schwimm-blog-berlin.de/2015/07/03/sommerbad-mariendorf/
https://www.geo.de/vergleich/schwimmbojen-test/
30 Minuten
Dass man in (Berliner) Bädern nicht fotografieren darf, war im wahrsten Sinne des Wortes der Auslöser für Pia Henkel, aktiv zu werden. Die freie Fotografin liebt aber vor allem das Schwimmen - und die ganz besondere Atmosphäre, die jedem Schwimmbad innewohnt. Die wollte sie unbedingt festhalten, das wurde ihr klar, als sie im Sommerbad Pankow staunend vor den weißen Umkleidekabinen stand. Und zwar nicht mit einem Handy, sondern mit einer analogen Kamera, einem Stativ und ganz viel Geduld..
Also fragte sie die Berliner Bäderbetriebe, ob sie nicht vielleicht doch fotografieren dürfe. Und sie durfte. Immer früh am Morgen, wenn noch keine Gäste da sind und die Sonne die Bäder in ein ganz besonderes Licht taucht, immer anders, je nach Wetter und Jahreszeit.
Herausgekommen sind eindrucksvolle Bilder, finden wir. Was das Besondere ist: Jeder und jede von uns, egal ob man Schwimmbäder mag oder nicht, verbindet mit ihnen ganz eigene Gefühle. Gute oder schlechte, intensvive oder flüchtige, aber alle haben zu Schwimmbädern eine eigene Geschichte zu erzählen, erinnern sich an besondere Erlebnisse. Und Pias Bilder wecken diese Erinnerungen, im besten Falle gute! Und sie rücken das Bad von nebenan, in dem man doch eigentlich nur schwimmen will, nochmal in ein ganz besonderes Licht: Denn jedes hat seine ganz eigene Schönheit, die Pia in ihren Fotos ganz wunderbar herausgearbeitet hat.
Im Moment arbeitet Pia an ihrem Fotobuch, das sie für ihre Masterarbeit einreichen will, sie studiert in Dortmund Photographic Studies. „No running“ hat sie ihre Foto-Serie genannt, denn in Bädern darf man nicht nur nicht fotografieren, sondern auch nicht laufen. Und so sind ihre Fotos Momente des Innehaltens im Kontrast zur gewohnten lärmigen Schwimmbadatmosphäre. Mitte Oktober soll es im Studio 35 in Berlin-Lichtenberg dann auch eine Ausstellung geben. Alles Weitere erfahrt Ihr bei den Chlorgesängen und auf Pias Webseite!
https://piahenkel.com/
https://panorama.pm/project/no-running/
https://www.itsnicethat.com/articles/pia-henkel-no-running-project-photography-150922
https://taz.de/!5987725/
Also fragte sie die Berliner Bäderbetriebe, ob sie nicht vielleicht doch fotografieren dürfe. Und sie durfte. Immer früh am Morgen, wenn noch keine Gäste da sind und die Sonne die Bäder in ein ganz besonderes Licht taucht, immer anders, je nach Wetter und Jahreszeit.
Herausgekommen sind eindrucksvolle Bilder, finden wir. Was das Besondere ist: Jeder und jede von uns, egal ob man Schwimmbäder mag oder nicht, verbindet mit ihnen ganz eigene Gefühle. Gute oder schlechte, intensvive oder flüchtige, aber alle haben zu Schwimmbädern eine eigene Geschichte zu erzählen, erinnern sich an besondere Erlebnisse. Und Pias Bilder wecken diese Erinnerungen, im besten Falle gute! Und sie rücken das Bad von nebenan, in dem man doch eigentlich nur schwimmen will, nochmal in ein ganz besonderes Licht: Denn jedes hat seine ganz eigene Schönheit, die Pia in ihren Fotos ganz wunderbar herausgearbeitet hat.
Im Moment arbeitet Pia an ihrem Fotobuch, das sie für ihre Masterarbeit einreichen will, sie studiert in Dortmund Photographic Studies. „No running“ hat sie ihre Foto-Serie genannt, denn in Bädern darf man nicht nur nicht fotografieren, sondern auch nicht laufen. Und so sind ihre Fotos Momente des Innehaltens im Kontrast zur gewohnten lärmigen Schwimmbadatmosphäre. Mitte Oktober soll es im Studio 35 in Berlin-Lichtenberg dann auch eine Ausstellung geben. Alles Weitere erfahrt Ihr bei den Chlorgesängen und auf Pias Webseite!
https://piahenkel.com/
https://panorama.pm/project/no-running/
https://www.itsnicethat.com/articles/pia-henkel-no-running-project-photography-150922
https://taz.de/!5987725/
46 Minuten
Die Ferien gehen langsam dem Ende zu und in manchen Bundesländern sind sie sogar schon längst vorbei. Zurück bleibt für viele die Erinnerung an See, Meer und Strand, wo sie sich so richtig mal erholen können. Für unseren heutigen Gast eine gruselige Vorstellung: Margit Schreiber erholt sich am besten beim Mehrfach-Ultra-Triathlon! Denn das Durchschwimmen des Ärmelkanals und der Straße von Gibraltar hat ihr nicht gereicht. Sie findet, schwimmen, Fahrrad fahren und laufen gehören einfach zusammen. Strange, finden wir - aber gleichzeitig auch sehr faszinierend.
3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen - das ist der so genannte Langdistanz-Triathlon oder auch Ironman. Alles, was darüber hinausgeht, nennt man Ultra-Marathon. Aber Margit macht nicht nur EINEN Ultra-Thriathlon, sondern hat diesen Sommer in Colmar den FÜNFFACHEN Iron-Man absolviert - also 19 Kilometer Schwimmen, 900 Kilometer Radfahren und 211 Kilometer Laufen. Allein bei der Vorstellung werden Ute und Martina ganz müde - Margit dagegen lebt immer mehr auf, während sie erzählt. „Eine Woche Zeit für mich“ sei das gewesen, kein Handyklingeln, keine Rechnung öffnen, nichts organisieren, einfach nur Schwimmen, Radfahren, Laufen, immer unterstützt von ihrem Mann, den sie vor genau 10 Jahren nach einem Triathlon geheiratet hat.
Allerdings hat sie nicht durchgemacht wie die amtierende Weltmeisterin, sondern zwischendurch auch gegessen und geschlafen und konnte auch in aller Ruhe auf die Toilette gehen. Alles akribisch vorbereitet, um 4 Uhr morgens ging es in der Regel los. Und dann - sehr viel im Kreis, was vor allem Ute etwas fassungslos macht. Margit nicht. „Solche Rennen werden zwischen den Ohren entschieden und nirgendwo sonst“, sagt sie lakonisch und lacht.
Muskelkater hatte sie danach nicht, nur eine kleine Blase am Fuß. Aber nochmal neue Motivation. Mittlerweile schwimmt sie wieder am Tag 4 Kilometer oder läuft 11 Kilometer oder fährt ein paar Dutzend Kilometer Rad. Im nächsten Jahr will Margit Schreiber den 10fach-Ironman in Angriff nehmen - es sich dabei „gemütlich“ machen, wie sie sagt: 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren, 422 Kilometer Laufen. Wir wünschen ihr voller Demut und Hochachtung auf jeden Fall viel Erfolg!
https://bretzelultratri.com/resultats-2/
https://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/die-kanalarbeiterin-1536019.html
https://www.donaukurier.de/archiv/vom-challenge-vor-den-traualtar-4253572
https://de.wikipedia.org/wiki/Ultratriathlon
https://www.podcast.de/episode/623620710/folge-41-die-extremschwimmerin
3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen - das ist der so genannte Langdistanz-Triathlon oder auch Ironman. Alles, was darüber hinausgeht, nennt man Ultra-Marathon. Aber Margit macht nicht nur EINEN Ultra-Thriathlon, sondern hat diesen Sommer in Colmar den FÜNFFACHEN Iron-Man absolviert - also 19 Kilometer Schwimmen, 900 Kilometer Radfahren und 211 Kilometer Laufen. Allein bei der Vorstellung werden Ute und Martina ganz müde - Margit dagegen lebt immer mehr auf, während sie erzählt. „Eine Woche Zeit für mich“ sei das gewesen, kein Handyklingeln, keine Rechnung öffnen, nichts organisieren, einfach nur Schwimmen, Radfahren, Laufen, immer unterstützt von ihrem Mann, den sie vor genau 10 Jahren nach einem Triathlon geheiratet hat.
Allerdings hat sie nicht durchgemacht wie die amtierende Weltmeisterin, sondern zwischendurch auch gegessen und geschlafen und konnte auch in aller Ruhe auf die Toilette gehen. Alles akribisch vorbereitet, um 4 Uhr morgens ging es in der Regel los. Und dann - sehr viel im Kreis, was vor allem Ute etwas fassungslos macht. Margit nicht. „Solche Rennen werden zwischen den Ohren entschieden und nirgendwo sonst“, sagt sie lakonisch und lacht.
Muskelkater hatte sie danach nicht, nur eine kleine Blase am Fuß. Aber nochmal neue Motivation. Mittlerweile schwimmt sie wieder am Tag 4 Kilometer oder läuft 11 Kilometer oder fährt ein paar Dutzend Kilometer Rad. Im nächsten Jahr will Margit Schreiber den 10fach-Ironman in Angriff nehmen - es sich dabei „gemütlich“ machen, wie sie sagt: 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren, 422 Kilometer Laufen. Wir wünschen ihr voller Demut und Hochachtung auf jeden Fall viel Erfolg!
https://bretzelultratri.com/resultats-2/
https://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/die-kanalarbeiterin-1536019.html
https://www.donaukurier.de/archiv/vom-challenge-vor-den-traualtar-4253572
https://de.wikipedia.org/wiki/Ultratriathlon
https://www.podcast.de/episode/623620710/folge-41-die-extremschwimmerin
27 Minuten
Dieses ist zwar einerseits eine Urlaubsfolge - Martina verbringt zwei Wochen an der Südküste von Kreta und liebt es trotz ihrer Freiwasser-Phobie, dort im kristallklaren libyschen Meer zu kraulen - aber es geht in dieser Folge um mehr. Denn der Strand dort ist nicht etwa nur für Touristen da, wie manche Menschen meinen. An der Messara Bay rund um Matala suchen sich die Caretta Caretta an den Stränden alljährlich ihren Eier-Ablageplatz. Und das ist überlebenswichtig, denn die Caretta Caretta, bekannt auch als Unechte Karettschildkröte, ist eine von nur noch sieben Meereschildkrötenarten und sie alle sind vom Aussterben bedroht.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Meeresschildkröten werden intensiv bejagt, ihr Fleisch und auch die Schildkröteneier gelten als Delikatesse, ihr Panzer ist wertvoll. Mehr als 250.000 Schildkröten sterben jährlich in Fischernetzen. Das das ist nicht die einzige Bedrohung: Ihre Lieblingsspeise sind Quallen. Und die verwechseln sie nur allzu oft mit - Plastik. Qualvoller Erstickungstod ist die Folge.
Doch erstmal müssen sie überhaupt schlüpfen. Und dafür ist es wichtig, dass die Caretta Caretta ihre Eier ablegen kann, bis zu 100 können das sein. Dafür kehrt sie zurück an den Ort, wo sie selber einst aus dem Nest gekrochen ist. Warum das so ist? Weiß man nicht. Aber jeder erschlossene Strand, an dem womöglich gebaut wird oder Touristen unachtsam entlangtrampeln, schränkt die Eier-Ablageplätze immer weiter ein.
Organisationen wie „Archelon - the sea turtle protection society of Greece“ sorgen dafür, dass die Nistplätze am Strand gekennzeichnet und geschützt werden. Jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe laufen Freiwillige aus aller Welt die Strände an der Messara Bay entlang, um neue Nester zu finden und zu markieren. Auch nachts sind sie unterwegs, wenn die Schildkröten schlüpfen. Rund 500 Volunteers machen alljährlich mit, von Ende Mai, wenn die ersten Schildkröten ihre Eier ablegen, bis Ende September, wenn die letzten Schildkröten schlüpfen. Die meisten Freiwilligen sind in dieser Zeit drei bis vier Wochen da, viele kommen direkt nach dem Schulabschluss oder in den Semesterferien. Einzige Voraussetzung: Die Liebe zur Natur und die Bereitschaft, mit Menschen aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Nähere Informationen s. u. in den Links.
Martina hat bei ihren Urlauben auf Kreta schon mehrfach dabei sein dürfen, wenn sich die kleinen, höchsten handtellergroßen Schildkröten aus ihrem Nest am Strand emporwühlen und den Weg zum Meer suchen. Damit sie den finden, braucht es absolute Dunkelheit, denn Schildkröten orientieren sich am Mond und an den Sternen. Nahe Straßenlaternen, laute Tavernen, Camper am Strand sind Gift für sie.
Ein Wunder, dass sie es überhaupt schaffen. Kein Wunder ist es unter diesen Umständen allerdings, dass am Ende nur eine von 10.000 überlebt! Um dann, nach gut 20 Jahren, zurückzukehren und selber Eier zu legen.
WICHTIG!
Was Touristen in Schildkrötengebieten deshalb unbedingt beachten sollten:
- Den Strand nachts nicht betreten - sie stören die Mutter-Schildkröten genauso wie die Schlüpflinge!
- Kein Auto fahren auf dem Strand
- Alle Strandmöbel abends wegräumen, damit die Schildkröten ungestört ihr Nest bauen können
- Keine Lichter und Parties am Strand in der Nacht!
- Eingezäunte Nester respektieren und nicht darauf herumlaufen
- Die Schlüpflinge müssen das Meer selbst erreichen - nicht anfassen und nicht mit Handys leuchten
- Keinen Müll hinterlassen
Übrigens - man kann auch Schildkröten-Pate werden, ohne an den Strand zu fahren, ganz einfach von zuhause aus. Alles Weitere findet ihr in den Links!
https://de.wikipedia.org/wiki/Unechte_Karettschildkr%C3%B6te
https://archelon.gr/en
https://www.matala.gr/en/the-sea-turtle-caretta-caretta/
https://archelon.gr/en/project-areas/crete-messaras-bay
https://archelon.gr/en/volunteer/project-areas/crete-messaras-bay
https://archelon.gr/en/support-us/at-the-beach
Die Gründe dafür sind vielfältig: Meeresschildkröten werden intensiv bejagt, ihr Fleisch und auch die Schildkröteneier gelten als Delikatesse, ihr Panzer ist wertvoll. Mehr als 250.000 Schildkröten sterben jährlich in Fischernetzen. Das das ist nicht die einzige Bedrohung: Ihre Lieblingsspeise sind Quallen. Und die verwechseln sie nur allzu oft mit - Plastik. Qualvoller Erstickungstod ist die Folge.
Doch erstmal müssen sie überhaupt schlüpfen. Und dafür ist es wichtig, dass die Caretta Caretta ihre Eier ablegen kann, bis zu 100 können das sein. Dafür kehrt sie zurück an den Ort, wo sie selber einst aus dem Nest gekrochen ist. Warum das so ist? Weiß man nicht. Aber jeder erschlossene Strand, an dem womöglich gebaut wird oder Touristen unachtsam entlangtrampeln, schränkt die Eier-Ablageplätze immer weiter ein.
Organisationen wie „Archelon - the sea turtle protection society of Greece“ sorgen dafür, dass die Nistplätze am Strand gekennzeichnet und geschützt werden. Jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe laufen Freiwillige aus aller Welt die Strände an der Messara Bay entlang, um neue Nester zu finden und zu markieren. Auch nachts sind sie unterwegs, wenn die Schildkröten schlüpfen. Rund 500 Volunteers machen alljährlich mit, von Ende Mai, wenn die ersten Schildkröten ihre Eier ablegen, bis Ende September, wenn die letzten Schildkröten schlüpfen. Die meisten Freiwilligen sind in dieser Zeit drei bis vier Wochen da, viele kommen direkt nach dem Schulabschluss oder in den Semesterferien. Einzige Voraussetzung: Die Liebe zur Natur und die Bereitschaft, mit Menschen aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Nähere Informationen s. u. in den Links.
Martina hat bei ihren Urlauben auf Kreta schon mehrfach dabei sein dürfen, wenn sich die kleinen, höchsten handtellergroßen Schildkröten aus ihrem Nest am Strand emporwühlen und den Weg zum Meer suchen. Damit sie den finden, braucht es absolute Dunkelheit, denn Schildkröten orientieren sich am Mond und an den Sternen. Nahe Straßenlaternen, laute Tavernen, Camper am Strand sind Gift für sie.
Ein Wunder, dass sie es überhaupt schaffen. Kein Wunder ist es unter diesen Umständen allerdings, dass am Ende nur eine von 10.000 überlebt! Um dann, nach gut 20 Jahren, zurückzukehren und selber Eier zu legen.
WICHTIG!
Was Touristen in Schildkrötengebieten deshalb unbedingt beachten sollten:
- Den Strand nachts nicht betreten - sie stören die Mutter-Schildkröten genauso wie die Schlüpflinge!
- Kein Auto fahren auf dem Strand
- Alle Strandmöbel abends wegräumen, damit die Schildkröten ungestört ihr Nest bauen können
- Keine Lichter und Parties am Strand in der Nacht!
- Eingezäunte Nester respektieren und nicht darauf herumlaufen
- Die Schlüpflinge müssen das Meer selbst erreichen - nicht anfassen und nicht mit Handys leuchten
- Keinen Müll hinterlassen
Übrigens - man kann auch Schildkröten-Pate werden, ohne an den Strand zu fahren, ganz einfach von zuhause aus. Alles Weitere findet ihr in den Links!
https://de.wikipedia.org/wiki/Unechte_Karettschildkr%C3%B6te
https://archelon.gr/en
https://www.matala.gr/en/the-sea-turtle-caretta-caretta/
https://archelon.gr/en/project-areas/crete-messaras-bay
https://archelon.gr/en/volunteer/project-areas/crete-messaras-bay
https://archelon.gr/en/support-us/at-the-beach
31 Minuten
Heute sprechen wir mit einem Schwimmer, der uns schon vorher, währenddessen und auch danach außerordentlich beeindruckt hat: Mohammad Shaban ist Syrer und lebt seit 2016 in Deutschland. Während seiner Flucht, im Schlauchboot zwischen der Türkei und Griechenland, hat er etwas gesehen, was er nie vergessen wird und was fortan der wichtigste Antrieb seines Handelns werden soll - die Angst in den Augen der anderen Insassen. Weil sie nicht schwimmen können. Nicht wissen, ob sie den Weg über das offene Meer überleben werden. Darunter auch sein bester Freund. Mohammad selbst hat mit vier Jahren das Schwimmen gelernt, sein Vater hat es ihm damals beigebracht. Während der Fahrt mit dem Schlauchboot nimmt er sich vor: Ich will in Zukunft anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Damit sie niemals solch eine Angst vorm Wasser haben müssen! Doch erstmal landet Mohammad in Augsburg, lernt deutsch, freundet sich mit einer Augsburger Familie an, die ihm beibringt, wie die Deutschen so ticken und was alles wichtig ist in Sachen deutscher Kultur und deutscher Mentalität. Doch dann hört er eines Tages von dem bundesweit einzigartigen Berliner Projekt SPORTBUNT. Menschen mit Fluchthintergrund können hier einen Trainerschein machen, auch einen Schwimmtrainerschein. Für Mohammad ist klar: Das will er machen, er muss nach Berlin. Also verlässt er 2019 Augsburg, zieht in die Hauptstadt, lebt zunächst mit mehreren Menschen in einem Zimmer, zieht von Unterkunft zu WG, bis er eines Tages tatsächlich eine kleine Wohnung findet. Viel wichtiger ist für ihn ohnehin etwas anderes: Anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Durch SPORTBUNT macht er seinen Trainerschein, wird zudem Rettungsschwimmer und arbeitet bald darauf in einem der zu Coronazeiten eingerichteten Schulschwimmzentren. Alle, die ihn dort bei seiner Arbeit mit den Kindern beobachten, geraten sofort ins Schwärmen - denn der 35jährige Syrer hat eine ganz besondere Gabe: Er kann den Kindern die Angst nehmen. Mit Mohammad trauen sich alle ins Wasser. Weil er den Kindern auf Augenhöhe begegnet. Und manchmal auch, weil er ihre Sprache spricht. Die deutsche Sprache hat er durchs Schwimmen auch noch viel besser gelernt - wenn ihm auch Worte wie "Seepferdchen" oder "Poolnudel" erst einmal ein ziemliches Rätsel waren. Manchmal tauscht er mit den Kindern auch die Rolle - und er ist der Schüler, der noch besser deutsch lernen will und die Kinder seine Lehrer. Mittlerweile ist Mohammad selbst Trainerschein-Ausbilder und angestellt beim Berliner Schwimmverband. Sein Traum ist es, eines Tages als Schwimmlehrer an einer Schule angestellt zu sein. Und was ihn besonders freut: Alle Menschen auf dem Schlauchboot damals haben überlebt. Sein Freund besucht ihn mittlerweile regelmäßig in Berlin. Und dann gehen sie gemeinsam schwimmen.
https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/das_gespraech/archiv/20240707_1900.html
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mohammad-shaban-fluechtete-im-schlauchboot-uebers-mittelmeer-jetzt-ist-er-schwimmlehrer-a-b5e9b516-baec-4e3d-9cb1-d17083653be0?giftToken=9aadfef8-2c0e-4f5d-9b00-e3ca4c278574
https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/das_gespraech/archiv/20240707_1900.html
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mohammad-shaban-fluechtete-im-schlauchboot-uebers-mittelmeer-jetzt-ist-er-schwimmlehrer-a-b5e9b516-baec-4e3d-9cb1-d17083653be0?giftToken=9aadfef8-2c0e-4f5d-9b00-e3ca4c278574
31 Minuten
Heute sprechen wir mit einem Schwimmer, der uns schon vorher, währenddessen und auch danach außerordentlich beeindruckt hat: Mohammad Shaban ist Syrer und lebt seit 2016 in Deutschland. Während seiner Flucht, im Schlauchboot zwischen der Türkei und Griechenland, hat er etwas gesehen, was er nie vergessen wird und was fortan der wichtigste Antrieb seines Handelns werden soll - die Angst in den Augen der anderen Insassen. Weil sie nicht schwimmen können. Nicht wissen, ob sie den Weg über das offene Meer überleben werden. Darunter auch sein bester Freund. Mohammad selbst hat mit vier Jahren das Schwimmen gelernt, sein Vater hat es ihm damals beigebracht. Während der Fahrt mit dem Schlauchboot nimmt er sich vor: Ich will in Zukunft anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Damit sie niemals solch eine Angst vorm Wasser haben müssen! Doch erstmal landet Mohammad in Augsburg, lernt deutsch, freundet sich mit einer Augsburger Familie an, die ihm beibringt, wie die Deutschen so ticken und was alles wichtig ist in Sachen deutscher Kultur und deutscher Mentalität. Doch dann hört er eines Tages von dem bundesweit einzigartigen Berliner Projekt SPORTBUNT. Menschen mit Fluchthintergrund können hier einen Trainerschein machen, auch einen Schwimmtrainerschein. Für Mohammad ist klar: Das will er machen, er muss nach Berlin. Also verlässt er 2019 Augsburg, zieht in die Hauptstadt, lebt zunächst mit mehreren Menschen in einem Zimmer, zieht von Unterkunft zu WG, bis er eines Tages tatsächlich eine kleine Wohnung findet. Viel wichtiger ist für ihn ohnehin etwas anderes: Anderen Menschen das Schwimmen beibringen. Durch SPORTBUNT macht er seinen Trainerschein, wird zudem Rettungsschwimmer und arbeitet bald darauf in einem der zu Coronazeiten eingerichteten Schulschwimmzentren. Alle, die ihn dort bei seiner Arbeit mit den Kindern beobachten, geraten sofort ins Schwärmen - denn der 35jährige Syrer hat eine ganz besondere Gabe: Er kann den Kindern die Angst nehmen. Mit Mohammad trauen sich alle ins Wasser. Weil er den Kindern auf Augenhöhe begegnet. Und manchmal auch, weil er ihre Sprache spricht. Die deutsche Sprache hat er durchs Schwimmen auch noch viel besser gelernt - wenn ihm auch Worte wie "Seepferdchen" oder "Poolnudel" erst einmal ein ziemliches Rätsel waren. Manchmal tauscht er mit den Kindern auch die Rolle - und er ist der Schüler, der noch besser deutsch lernen will und die Kinder seine Lehrer. Mittlerweile ist Mohammad selbst Trainerschein-Ausbilder und angestellt beim Berliner Schwimmverband. Sein Traum ist es, eines Tages als Schwimmlehrer an einer Schule angestellt zu sein. Und was ihn besonders freut: Alle Menschen auf dem Schlauchboot damals haben überlebt. Sein Freund besucht ihn mittlerweile regelmäßig in Berlin. Und dann gehen sie gemeinsam schwimmen. https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/das_gespraech/archiv/20240707_1900.html https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mohammad-shaban-fluechtete-im-schlauchboot-uebers-mittelmeer-jetzt-ist-er-schwimmlehrer-a-b5e9b516-baec-4e3d-9cb1-d17083653be0?giftToken=9aadfef8-2c0e-4f5d-9b00-e3ca4c278574
41 Minuten
Die Seepferdchen-Prüfung hat Daniel Weißhoff als Kind nicht auf Anhieb geschafft. Nicht, weil er nicht schwimmen konnte. Sondern weil er schon damals den Kopf lieber unter Wasser hielt. Als Grundschüler tauchte er 38 Meter ohne Flossen, als Jugendlicher dann sogar 83 Meter. Heute kann er über sechseinhalb Minuten ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben - und im Januar 2024 stellte er einen neuen Weltrekord auf: Beim Freedive Everesting in Siegburg tauchte Daniel Weißhoff 222mal 20 Meter tief runter und wieder rauf - und schaffte so unter 13 Stunden eine Strecke von 8880 Metern! Wir halten auch schon die Luft an vor lauter Ehrfurcht. Aber der Vater von drei Kindern ist ein total netter Typ. Bis Mitte 20 habe er keine Ahnung davon gehabt, erzählt er, dass Apnoe-Tauchen - auch Free-Diving genannt - eine eigene Sportart ist und er offenbar ein ganz besonderes Talent dafür hat. Davor hat er schwimmerischen Fünfkampf gemacht, also 100 Meter, 2x50 Meter, 25 Meter Tauchen und zwei Kunstsprünge vom Einer oder Dreier. Aber die Trainingsgruppe löste sich auf und Daniel entschloss sich, das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht - und trat in den Berliner Tauchsportclub ein. Am Anfang tauchte er vor allem im Pool. Mittlerweile liebt er es, so lange wie möglich am Grund eines Sees auszuharren. Die Stille. Die Dunkelheit. Einfach nur für sich sein. Und dabei gleichzeitig zu wissen, dass er noch lange genug die Luft anhalten kann, um in aller Ruhe wieder an die Oberfläche zurücktauchen zu können. Ganz ungefährlich ist das nicht. Der Druckausgleich muss geübt sein, damit die Lunge nicht kollabiert. Daniels Erfahrung: Je ruhiger er wird, desto besser ist seine Leistung. Und damit wir uns das noch besser vorstellen können, nimmt er uns einfach mal auf einen Tauchgang mit. Theoretisch natürlich, denn wir können gerade mal ne gute Minute die Luft anhalten. ÜBER Wasser. Aber länger Luft anhalten kann man lernen, sagt Daniel und gibt uns gleich mal ein paar Übungen mit: Zum Beispiel abends im Bett zwei bis drei Minuten entspannen, ohne auf die Atmung zu achten. Dann zwei-, dreimal ein bisschen tiefer einatmen, Luft holen und dann entspannt die Luft anhalten, solange man kann. Pro Abend drei Durchgänge - und jeweils bei Durchgang zwei und drei versuchen, fünf bis zehn Sekunden länger die Luft anzuhalten. "So mancher ist überrascht, was man da schon nach wenigen Tagen schaffen kann", sagt Daniel. Wir haben es noch nicht ausprobiert, aber Daniel muss es wissen. Denn in seiner Tauchschule bringt er auch anderen das (länger) Tauchen bei. Mittlerweile, sagt er, sei Apnoe-Tauchen fast schon zu einem Trendsport geworden. Früher kannte man sich in Berlin untereinander, heute seien hier dann doch schon mehrere hundert ohne Sauerstoffflaschen unter Wasser unterwegs. Um mit wenig Equipment die Ruhe der Natur zu genießen. https://www.freediving-center-germany.de/team/daniel-weisshoff/https://www.youtube.com/watch?v=92g5qO_JWS4https://unterwasserwelt.de/222-mal-auf-20-meter-tiefe-getaucht-rhr-weltrekord-im-freedive-everesting-von-daniel-weisshoff-im-d4l/
41 Minuten
Die Seepferdchen-Prüfung hat Daniel Weißhoff als Kind nicht auf Anhieb geschafft. Nicht, weil er nicht schwimmen konnte. Sondern weil er schon damals den Kopf lieber unter Wasser hielt. Als Grundschüler tauchte er 38 Meter ohne Flossen, als Jugendlicher dann sogar 83 Meter. Heute kann er über sechseinhalb Minuten ohne Luft zu holen unter Wasser bleiben - und im Januar 2024 stellte er einen neuen Weltrekord auf: Beim Freedive Everesting in Siegburg tauchte Daniel Weißhoff 222mal 20 Meter tief runter und wieder rauf - und schaffte so unter 13 Stunden eine Strecke von 8880 Metern! Wir halten auch schon die Luft an vor lauter Ehrfurcht. Aber der Vater von drei Kindern ist ein total netter Typ. Bis Mitte 20 habe er keine Ahnung davon gehabt, erzählt er, dass Apnoe-Tauchen - auch Free-Diving genannt - eine eigene Sportart ist und er offenbar ein ganz besonderes Talent dafür hat. Davor hat er schwimmerischen Fünfkampf gemacht, also 100 Meter, 2x50 Meter, 25 Meter Tauchen und zwei Kunstsprünge vom Einer oder Dreier. Aber die Trainingsgruppe löste sich auf und Daniel entschloss sich, das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht - und trat in den Berliner Tauchsportclub ein. Am Anfang tauchte er vor allem im Pool. Mittlerweile liebt er es, so lange wie möglich am Grund eines Sees auszuharren. Die Stille. Die Dunkelheit. Einfach nur für sich sein. Und dabei gleichzeitig zu wissen, dass er noch lange genug die Luft anhalten kann, um in aller Ruhe wieder an die Oberfläche zurücktauchen zu können. Ganz ungefährlich ist das nicht. Der Druckausgleich muss geübt sein, damit die Lunge nicht kollabiert. Daniels Erfahrung: Je ruhiger er wird, desto besser ist seine Leistung. Und damit wir uns das noch besser vorstellen können, nimmt er uns einfach mal auf einen Tauchgang mit. Theoretisch natürlich, denn wir können gerade mal ne gute Minute die Luft anhalten. ÜBER Wasser. Aber länger Luft anhalten kann man lernen, sagt Daniel und gibt uns gleich mal ein paar Übungen mit: Zum Beispiel abends im Bett zwei bis drei Minuten entspannen, ohne auf die Atmung zu achten. Dann zwei-, dreimal ein bisschen tiefer einatmen, Luft holen und dann entspannt die Luft anhalten, solange man kann. Pro Abend drei Durchgänge - und jeweils bei Durchgang zwei und drei versuchen, fünf bis zehn Sekunden länger die Luft anzuhalten. "So mancher ist überrascht, was man da schon nach wenigen Tagen schaffen kann", sagt Daniel. Wir haben es noch nicht ausprobiert, aber Daniel muss es wissen. Denn in seiner Tauchschule bringt er auch anderen das (länger) Tauchen bei. Mittlerweile, sagt er, sei Apnoe-Tauchen fast schon zu einem Trendsport geworden. Früher kannte man sich in Berlin untereinander, heute seien hier dann doch schon mehrere hundert ohne Sauerstoffflaschen unter Wasser unterwegs. Um mit wenig Equipment die Ruhe der Natur zu genießen. https://www.freediving-center-germany.de/team/daniel-weisshoff/ https://www.youtube.com/watch?v=92g5qO_JWS4 https://unterwasserwelt.de/222-mal-auf-20-meter-tiefe-getaucht-rhr-weltrekord-im-freedive-everesting-von-daniel-weisshoff-im-d4l/
32 Minuten
Diesmal sind wir an einem Ort, wo es kein Schwimmbecken und noch nicht einmal Wasser gibt. Und unsere beiden Gesprächspartner sind auch keine Schwimmer. Und wir reden auch nicht übers Schwimmen. Trotzdem geht es um Orte, an denen man schwimmen kann - um Freibäder. Denn seit 2023 macht die Berliner Sportjugend zusammen mit dem Projekt SpOrt 365 kostenlose Sportangebote im Berliner Prinzenbad - und in diesem Jahr kommen noch drei weitere Schwimmbäder hinzu. Wir treffen uns aber nicht dort, sondern da, wo SpOrt 365 zuhause ist: Im Görlitzer Park. Hier macht SpOrt 365 seit 2021 in einem eingezäunten Bereich Sportangebote für jeden und jede, Fußball, Tischtennis, Basketball, Trampolinspringen, Volleyball, Skateboard und vieles mehr. Für alle kostenlos. Zusammen mit Freunden oder Menschen, die es werden könnten, unterstützt von Sozialpädagogen, Sportpädagogen und qualifizierten Übungsleitern. Wir sprechen dort mit dem Projektleiter Erik Little und mit Steffen Sambill, Geschäftsführer der Berliner Sportjugend, unter deren Ägide SpOrt 365 mittlerweile läuft, um uns erzählen zu lassen, wie es dazu kam und wie sich das Projekt in den Freibädern so anlässt. Los ging es damit, dass sich der Berliner Senat an die Sportjugend gewandt hat, um gemeinsam zu überlegen, was man gegen Jugendgewalt in den Freibädern machen könnte, erzählt Steffen Sambill. Es gab Brandbriefe der Bäderangestellten, es musste was passieren. In drei Freibädern finden 2024 in den Sommerferien Sportangebote statt, wieder im Prinzenbad, im Neuköllner Columbiabad und im Sommerbad in Pankow. Darüberhinaus plant SpOrt 365 neben dem Görlitzer Park einen zweiten Standort - und zwar im Kombibad Gropiusstadt. Dort soll es dann nicht nur ein Ferienangebot geben, sondern Sportmöglichkeiten im ganzen Jahr, an 365 Tagen, auf dem Gelände des Schwimmbads. Damit wird dann auch ein Teil der riesigen Liegefläche im Kombibad genutzt, die außerhalb der Freibadzeit ansonsten einfach brach liegt. Fertig wird das Ganze voraussichtlich zum Ende der Sommerferien. Das Modellprojekt „Sport im Freibad“ im Prinzenbad ist bereits im letzten Jahr sehr gut angenommen worden. Erik Little erzählt, dass Übungsleiter aus verschiedenen Sportbereichen vor Ort waren, meist nicht viel älter als die Jugendlichen im Bad, und dass sie nicht auf die Jugendlichen zugehen, sondern es wichtig sei, dass die zu ihnen kämen. Aber das sei auch kein Problem - Musik und ein Ball - und schon gehe es los. 100 bis 200 Jugendliche am Tag lassen sich so begeistern, Erik ist selber überrascht, wie gut das Angebot angenommen wird, auch Kinder und Familien sind dabei. Steffen Sambill freut zudem, dass auch die Berliner Bäder so offen waren, ihre Flächen für diese Angebote zur Verfügung zu stellen - auch da bewegt sich was! Und Steffen würde das Angebot am liebsten in ALLEN Berliner Freibädern machen. Finanziert wird das Projekt von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, 50.000 Euro kostet das Ferienangebot in den drei Bädern insgesamt. Und bislang ist es erfolgreich - im Kreuzberger Prinzenbad gab es im letzten Jahr keinen Gewaltvorfall, und auch das Projekt SpOrt 365 im Görlitzer Park hat in den letzten vier Jahren lediglich einmal die Berliner Polizei rufen müssen. https://www.lsb-berlin.de/aktuelles/news/details/sport-im-freibad-mit-der-sportjugend-berlin https://www.sueddeutsche.de/panorama/bildungssenatorin-sportprojekt-gegen-krawall-im-schwimmbad-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230825-99-959422 https://www.podcast.de/episode/622766502/folge-56-traeumerei-aus-dem-prinzenbad https://www.podcast.de/episode/625885839/folge-59-schwimmen-ist-bunt
53 Minuten
Endlich ist es gelungen - wir treffen den Schriftsteller Arno Frank, über dessen Buch „Seemann vom Siebener“ wir schon mehrfach gesprochen haben, endlich persönlich. Und natürlich in einem Freibad, dem Berliner Sommerbad am Insulaner. Ein bisschen mussten wir uns schon bemühen, dabei nicht als schmachtende Fan-Girls daherzukommen, zumal das Buch wirklich großartig ist und Arno zudem noch ausgesprochen nett - aber selbstverständlich haben wir trotzdem total hart und kritisch nachgefragt, so hart und kritisch, wie man das an einem herrlichen Sommertag im Freibad eben sein kann. „Seemann vom Siebener“ ist 2023 erschienen, ein Buch über einen Tag im Freibad, mit Menschen, die man eben im Freibad trifft, vom Bademeister bis zur Frau an der Kasse, von Seepferdchen-Kindern und Erziehern, der alten Dame, die gefühlt schon seit Jahrzehnten hier täglich ihre Runden dreht bis hin zu Jugendlichen, Familien, Menschen, die der Zufall hierher verschlagen hat und solchen, die seit Jahren zum ersten Mal wieder herkommen. Was sie in diesem Buch verbindet, ist das Freibad - das selbst aber auch eine ganz eigene Geschichte hat. Und dann gibt es noch ein düsteres Ereignis, was aber schon eine Weile zurückliegt, und ein Gespenst - was man aber entdecken muss. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden! Arno erzählt uns, wie er auf diese Geschichte gekommen ist, wie sich die Figuren in seinem Kopf nach und nach entwickelt, quasi darum beworben haben, in seinem Buch dabei sein zu dürfen. Und dass, anders als bei vielen anderen Büchern, der Plot nicht von Anfang an feststand. Sondern dass nach und nach eine ganz eigene Dynamik entstand: Der Figuren untereinander, aber eben auch in Bezug auf ihre Rolle an diesem einen Tag im Freibad. Und der „Seemann“ - ein Köpper, bei dem die Arme nicht nach vorn gestreckt werden, sondern am Körper anliegen - ist der Lieblingssprung von Arno, erzählt er, und deswegen stand auch der Titel schon von vornherein fest. Wenn er auch erstmal nicht bedacht hatte, dass es gar keinen Siebener gibt als Teil des Sprungturms. Sondern vielmehr den Siebeneinhalber zwischen dem Fünfer und dem Zehner. Und der Seemann: Ein Sprung, für den man sich überwinden muss, mit dem man aber auch beeindrucken kann, sagt Arno: „Die elegante Alternative zur Arschbombe!“ Das Besondere an diesem Buch ist, dass das Freibad eben nicht nur Kulisse ist, sondern auch ein ganz eigenes Schicksal hat. Und - das ist Arno besonders wichtig - es soll kein gesellschaftliches Phänomen beleuchten, keinen Missstand deutlich machen, keine Ratschläge transportieren, sondern einfach nur sein. Und das ist sehr gut gelungen, sicher auch, weil Arno Frank für seine Recherche selber viele Tage im Freibad verbracht hat, um zu schauen - wie fühlt es sich an, das Gras auf der Liegewiese, wie klingt das Sprungbrett, wenn es nach dem Absprung wieder zurückwippt, was ist das nochmal für ein Gefühl, wenn man mit dem nackten Fuß auf eine Pommes tritt? All das erzählt er uns und gibt uns gleich auch noch live eine Kostprobe seiner Fantasie, überlegt, was wohl der Frau in dem roten Badeanzug durch den Kopf gehen mag, die ein paar Meter von uns sich gerade mit Sonnenmilch einreibt, ob sie auf ihren Freund wartet oder allein diesen herrlichen Tag im Freibad genießt - und gibt uns so eine kleine Kostprobe, wie das Buch entstanden ist. Und so ist das Gespräch mit ihm mindestens genauso ein Genuss wie die Lektüre des Buchs selbst. Wer es noch nicht kennt - unbedingt lesen! Wo auch immer man dabei ist, gefühlt verbringt man einen herrlichen Tag im Freibad! https://www.klett-cotta.de/produkt/arno-frank-seemann-vom-siebener-9783608501803-t-5565 https://de.wikipedia.org/wiki/Arno_Frank https://www.klett-cotta.de/produkt/arno-frank-so-und-jetzt-kommst-du-9783608503692-t-2826
31 Minuten
Diesmal führt uns der Weg mal wieder ins tiefste Neukölln, in das Kombibad Gropiusstadt. Da waren wir letztes Jahr schon mal, an einem sehr heißen Sommertag, in einem vollem, aber ausgesprochen friedlichen Bad mit einer Bademeister-Crew, die freundlich, aber bestimmt die Lage jederzeit im Griff hatte. Seit diesem Jahr ist Sven Kraatz der Chef dieser Crew, also Leiter des Kombibads. Er begrüßt uns mit festem Händedruck und von der ersten Sekunde ist klar - er hat sehr großen Spaß an seiner Arbeit. Und dass es an diesem Tag immer wieder regnet und nur drei Menschen im Schwimmbecken ihre Bahnen ziehen, ist für ihn fast ein bisschen langweilig. Was womöglich auch daran liegt, dass er praktisch im Schwimmbad aufgewachsen ist: Sein Vater war viele Jahre Leiter im Kreuzberger Prinzenbad. Und der Sohn ebenfalls dort, wann immer er Zeit hatte. Und irgendwann stellte er dann fest - das will ich auch. Also machte seine Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetriebe, 2014 war er fertig und hatte seinen ersten Einsatz - im Prinzenbad! „Das war das erste richtige Jahr für mich und das letzte Jahr für meinen Vater“, erzählt er uns. Und die beiden hatten offensichtlich Spaß gemeinsam am Beckenrand - von Generationenkonflikt keine Spur. Sein Vater war eine Größe im Prinzenbad, man kannte ihn in Kreuzberg, den Erhard Kraatz, eine Respektsperson. Auch Sven findet ihn cool, fachsimpelt mit ihm immer noch gern am Abendbrottisch, sodass es seiner Frau auch schon mal zu viel wird. Beim Fachangestellten wollte Sven es dann aber doch nicht belassen, Vater hin oder her. Also machte er an der Akademie Saarbrücken seinen Meister und übernahm im Juni 2021 die Leitung der Schwimmhalle Sewanstraße - mit bis zu 20 Mitarbeitenden, Standortplanung, Aus- und Weiterbildung, Einkauf und alles, was dazu gehört. Drei Jahre später nun also der nächste Schritt - die Leitung eines Ganzjahresbades, Halle und Freibad, mit den unterschiedlichsten Bedingungen und Erwartungen, je nach Jahreszeit und Kundschaft. Für Sven, wie er sagt, eine tolle Herausforderung. Sein Ziel ist es, dass er nicht unvorhergesehen schließen muss - und dass die Gäste sich wohl fühlen. „Die Leute kommen doch hierher, um Spaß zu haben und sich zu entspannen“, sagt er. „Und das sollen sie auch können!“. Deshalb freut er sich auch schon auf das Sportangebot, das es demnächst auf dem Gelände des Kombibads das ganze Jahr über geben soll, von Volleyball bis Tischtennis. Außerdem will er, wenn es nicht ganz so voll ist, im Sommerbad zwei Bahnen abtrennen - „damit auch die sportlichen Schwimmer Lust haben vorbeizukommen!“. Nur länger öffnen als bis 20 Uhr kann er im Sommer leider nicht: „Wir haben hier draußen keine Beleuchtung - das wäre einfach zu gefährlich!“. Seine Geschichte, sagt Sven, sei übrigens keine Besonderheit. Bei den Berliner Bäderbetrieben gäbe es viele Familien in zweiter und dritter Generation. Mit seinem Sohn übt er auch schon die Abendroutine - allerdings nur zuhause. Der kleine Mann ist erst zweieinhalb und muss das Schwimmen erst noch erlernen. Aber wer weiß?
30 Minuten
Endlich Sommerferien! Endlich wegtauchen von Job und Alltagsstress, eintauchen in neue Welten, egal, ob im Urlaub oder auf dem Balkon, am Strand oder im Freibad. Und weil man in dieser Zeit so gar keine Lust auf Höchsleistungen verspürt, sondern sich lieber den Abenteuern von anderen widmet, empfehlen wir gleich zwei Bücher von zwei sehr starken Frauen, deren gößte Leidenschaft es ist, das Meer zu bezwingen - jede auf ihre ganz eigene Art und Weise. Die Extremschwimmerin Nathalie Pohl erzählt in ihrem Buch „Im Meer bin ich zu Hause“ von ihrem Traum, alle sieben Meerengen der „Ocean´s Seven“ zu durchqueren, wie sie sich immer wieder akribisch darauf vorbereitet - und doch scheitert. Es ist ein sehr lesenswertes Buch, weil hier keine Heldin von ihrer Großartigkeit erzählt. Im Gegenteil - Nathalie Pohl hat im Laufe der Zeit vor allem Demut gelernt. Vor dem Meer, den Gezeiten, dem Wind und den Meeresbewohnern. Sechs der sieben Meerengen hat sie mittlerweile geschafft, in diesem Herbst steht die letzte an. Wer dieses Buch gelesen hat, wird ihren Kampf durch den Nordkanal zwischen Schottland und Irland voll Spannung verfolgen. Ebenfalls extrem ist die Leidenschaft von Anna von Boetticher. Sie kann mit nur einem Atemzug 100 Meter tief tauchen, kommt sechs Minuten unter Wasser ohne Sauerstoff aus. In ihrem Buch „In die Tiefe“ erzählt sie, wie sie eine der erfolgreichsten Apnoe-Taucherinnen der Welt wird - und das, obwohl man ihr bereits als Kind eine zu kleine Lunge attestiert. In den Tiefen der Weltmeere schwimmt sie mit Haien, Rochen und Schildkröten - und ihre Begegnung mit einem Orca lässt einen schon beim Lesen das Blut in den Adern gefrieren. Und macht Mut. Ihr Motto: „Einfach mal ganz ruhig bleiben“. Gute Romane sollen hier aber auch nicht zu kurz kommen: „Solange wir schwimmen“ von Julie Otsuka ist ein Buch, was bei uns beiden sehr lange nachgehallt hat. Im Kern geht es um eine Mutter-Tochter-Geschichte und den Umgang mit Demenz - aber die Beschreibung der Schwimmbadbesuche gehören zum Besten, was wir seit langem gelesen haben. Bis eines Tages der Riss auftaucht - im Becken, in der Geschichte, im Buch. Unbedingt lesen! Ein Buch, was sich eher für den Balkon als für den Urlaub eignet, ist „Ein Leben für den Ozean“. Zehn Geschichten über die Helden der Meere, zusammengetragen vom Macher des Podcasts „Helden der Meere“. Ein schweres und zugleich leichtes Buch, mit eindrucksvollen Bildern und starken Geschichten. Im wahrsten Sinne des Wortes - zum Eintauchen. Leicht und verzaubernd kommt dagegen „Wasserzeiten“ daher, das Büchlein von Kristine Bilkau. Wer mit eigenen Worten nicht zusammenfassen kann, was ihm/ihr das Schwimmen bedeutet - nach der Lektüre dieses Buches fällt es leichter. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes immer klarer und klarer - und beschert einem auf jeden Fall eine entspannte kleine Auszeit. Auch ein Krimi soll hier nicht fehlen: „Der Schwimmer“ von Joakim Zander. Schon ein paar Jahre alt, aber deswegen ist nicht weniger spannend, die Geschichte von einem amerikanischen Agenten, der nur zur Ruhe kommt, wenn er schwimmen gehen kann. Und noch ein Tipp: Elizabeth Strout „Mit Blick auf´s Meer“. Wer ihre Hauptperson, die pensionierte Lehrerin Olive Kitteridge einmal kennengelernt hat, wird sie niemals vergessen. Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen! https://www.amazon.de/Meer-bin-ich-Hause-Reiseberichte-ebook/dp/B0CLL1YJ4C https://www.amazon.de/die-Tiefe-Grenzen-suchte-Chancen/dp/3864930707 https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783866486911/Otsuka-Julie/Solange-wir-schwimmen https://ein-leben-fuer-den-ozean.de/ https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783716028193/Bilkau-Kristine/Wasserzeiten?wt_mc=p.sea.ecom_campaign.google.dsa_kategorie.&gad_source=1&gclid=CjwKCAjwp4m0BhBAEiwAsdc4aFqNT0ZjHajqW5Yk3c3TsrOsnaZOpi2MenLhzkIfhFGz2ojf8_b3HBoCgtgQAvD_BwE https://www.amazon.de/Schwimmer-Klara-Walld%C3%A9en-Band/dp/3499268876 https://www.perlentaucher.de/buch/elizabeth-strout/mit-blick-aufs-meer.html
32 Minuten
Heute geht es um den beeindruckenden Versuch, einem alten Schwimmbad wieder Leben einzuhauchen - und das ganz ohne Wasser. Das Hubertusbad in Berlin-Lichtenberg ist ein genialer Ort mit Option auf mehr, davon waren wir bei unserem Besuch an einem warmen Juni-Sonntag jedenfalls auf Anhieb überzeugt. Anlass war die Ausstellung „Stadbad reloaded“, die zur Zeit in dem 96 Jahre alten Schwimmbad stattfindet: Über 150 digitale Kunstwerke auf über 150 Tablet-Bildschirmen, von mehr als 30 Künster:innen aus aller Welt - im Foyer, in den Duschen, an und in den Umkleidekabinen und sogar in den Toiletten. Dabei ist das Bad schon selbst ein Kunstwerk. Erbaut in den 1920er Jahren, im Stil des Expressionismus mit Jugendstil-Elementen, mit einem Schwimmbecken für Frauen (20 Meter lang) und einem Schwimmbecken für Männer (25 Meter lang), jeweils in einer eigenen Halle. Dazwischen: Die Wannen- und Brauseabteilung, wo sich Menschen einfach nur waschen und baden konnten, weil sie in der eigenen Wohnung oft keine Möglichkeit dazu hatten. Das Schwimmbad hat eine wechselvolle Geschichte. Vereine schwammen hier, Rettungsschwimmer wurden ausgebildet und sogar Wettkämpfe fanden hier statt, was man sich kaum vorstellen kann, weil die Becken auf der einen Seite zwar 3,50 Meter, auf der anderen Seite allerdings nur 50-70 Zenttimeter tief sind. Und doch - Anfang der 90er Jahre war Schluss mit dem Hubertusbad. Wasseraufbereit und Heizungsanlage funktionierten nicht mehr, Baumängel und Geldmangel taten ihr übriges. Allerdings - das Gebäude stand und steht unter Denkmalschutz, einfach abreißen also unmöglich. Die erneute Nutzung als Schwimmbad allerdings auch nicht - obwohl sich zahlreiche Initiativen dafür immer wieder einsetzten. Bis 2016 der Berliner Senat beschloss, dass das Hubertusbad zwar trocken bleibt, aber als Veranstaltungsort und Begegnungszentrum genutzt werden soll. Und wir müssen sagen - der erste Teil der Sanierung ist einfach wirklich toll geworden. In der Frauen-Schwimmhalle wurde aufgeräumt und der alte Zustand liebevoll konserviert. So lässt sich der Glanz der alten Zeiten nach vielen Jahren des Stillstands heute wieder erahnen, wir haben das Gefühl, wir sind auf Zeitreise: Ein Holzboden, der über das Beckengezogen wurde, lädt mit dicken Kissen zum Verweilen ein. Von hier aus schweift unser Blick über die zahlreichen Umkleidemöglichkeiten, die sich rund um die Schwimmbecken im Erdgeschoss und auf der Galerie verteilen. Dahinter der so genannte Stiefelgang, nach vorn führt der Weg aus der Kabine direkt in den Badebereich. Fun fact: Vor dem Schwimmen musste eine Körperreinigung ohne Badekleidung vorgenommen werden, und das wurde von den Badefrauen dort such stichprobenartig kontrolliert. Heute kaum vorstellbar! Die Ausstellung, die Kunstwerke auf den Tablets nehmen die Umgebung auf, spielen mit ihr, spinnen die Geschichte weiter oder kehren sie um, manchmal entrückt, manchmal detailverliebt, manchmal verstörend. Der Kurator Dennis Peqas, selbst Lichtenberger, hat die Ausstellung allein finanziert, über 20.000 Besucher:innen haben sich seit Ende Februar hier inspirieren lassen. Auch wir sind einfach nur begeistert - vor allem, weil wir die noch unsanierte „Männerhalle“ zwar nicht betreten, durch durchsichtige Plexiglawände aber reinschauen dürfen. Als Ausstellungsort ist das alles eine Wucht, als Veranstaltungsort aber auch - hier tanzt man wahrhaftig auf dem Boden der Vergangenheit. Wir finden übrigens, die Ausstellung ist ein super Ort für ein erstes Date. Hier gibt es so viel zu entdecken, dass man gleich merkt, ob man auf einer Wellenlänge schwimmt … Mindestens bis Ende Juli ist „Stadtbad reloaded“ auf jeden Fall noch geöffnet, immer von Donnerstags bis Sonntags von 12 bis 22 Uhr. https://www.stadtbadreloaded.de/ https://docs.google.com/document/d/e/2PACX-1vQ8TyEj3vSNCK7Ne2ULT0E3cKdwa5LI3zlLx0bOK9VahkR2C7uf750_hd2vfIlaJOGWEjQrnhAlmrQr/pub https://swim.de/aktuell/szene/lost-places-in-berlin-wie-digitale-kunst-dem-stadtbad-lichtenberg-neues-leben-einhaucht/ https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbad_Lichtenberg#cite_note-6
43 Minuten
Er hat ganz klare Vorstellungen, was sich in (Berliner) Bädern ändern muss, damit alle im Becken zu ihrem Recht kommen: Alexander Steinhart ist Trainer mit A-Lizenz des Deutschen Schwimmverbands, betreut und trainiert mit seinem Unternehmen xray sports GmbH nationale und internationale Schwimmer:innen, Kaderathleten, Leistungsschwimmerinnen. Auch Nachwuchs für das Landesleistungszentrum hat er bereits gesichtet. Bei unserem Gespräch kommen wir dann auch gleich auf seinen 5-Punkte-Plan zu sprechen: 1. In jedem Bad müsse es mindestens 3 geleinte Bahnen geben, um auch sportliches Schwimmen zu ermöglichen, im Freibad am besten in der Mitte - dann hätten alle anderen zudem jederzeit die Sicherheit eines Beckenrands (Finden wir eine sehr charmante Idee!) 2. Fünf Meter vor dem Rand müsste jede Leine mit einem Fähnchen versehen sein - für Rückenschwimmer und gegen das schmerzhafte Autsch am Ende der Bahn (Absolut!). 3. Schwimm-Equipment müsse überall ohne Einschränkungen zugelassen werden - also alle Schwimmer:innen sollten Paddles, Kurzflossen, Schwimmbretter oder Pullbuoys mitbringen und jederzeit nutzen können (an dieser Stwelle müssen wir das erste Mal widersprechen - auf engen Bahnen mit Flossenschwimmern unterwegs zu sein, ist nicht automatisch ein Vergnügen. Da kriegt man schnell mal einen mit der Flosse gewischt und das kann schon weh tun. Aber natürlich - wenn alle wirklich rücksichtsvoll sind …). 4. Auf den geleinten Bahnen müsse es unbedingt nutzbare Startblocks geben, um Startsprünge üben zu können. (Auch hier können wir den Wunsch zwar nachvollziehen - wenn es allerdings richtig voll ist, könnte es andere Schwimmer doch stören, wenn an allen Bahnen gesprungen wird. Aber ein Versuch wäre es wert!) 5. Es müsse optimale Öffnungszeiten für Berufstätige geben - also auch im Sommer in den Freibädern bis 22 Uhr, am Wochenende verlässlich durchgehend von 8 bis 21 Uhr. Und zwar in jedem Bezirk bei mindestens einem Schwimmbad. (Hach … Seufz. Ja, das wäre schön. Aber es gibt ja schon jetzt zu wenig Fachpersonal. Und außerdem auch nicht in jedem Bezirk ein Schwimmbad …) Alexander hat diese Forderungen schon häufiger vorgetragen, genutzt hat es leider nichts, sagt er. Er wünscht sich auch eine Diskussion darüber, wie Schwimmtrainer eigentlich vergütet werden müssen. In der Regel haben sie ihre Ausbildung selbst finanziert, sie unterrichten etwas, was überlebenswichtig ist - da wäre auch eine größere finanzielle Anerkennung angemessen, findet er. Und meint nicht, dass Eltern oder Schwimmer:innen tiefer in die Tasche greifen müssen. Sondern dass der Staat unterstützt, was dringend gebraucht wird. 60 Euro kostet es zum Beispiel schon, eine Bahn zu mieten. Ein Personaltraining bietet Alexander Steinhart schon ab 85 Euro an. Alexander trainiert seine Schützlinge in der Regel im Berliner Kombibad Seestraße, Athlet:innen genauso wie Kinder. Beim Seepferdchen startet er mit Rückenschwimmen, dann Kraul und dann erst Brust. „Alles andere ist für die Kinder oft viel zu schwer“, findet er. Generell ist er der Meinung - wer regelmäßig gut schwimmen will, sollte nicht nur im Wasser trainieren, sondern auch darüber hinaus Muskelaufbau und Muskeltraining betreiben, Deshalb macht er am 22 Juni in Berlin-Kreuzberg ein eigenes Personal Training Studio auf. Schwim-Camps kann man da übrigens auch buchen. https://www.xray-sports.com/ https://www.provenexpert.com/de-de/xray-sports-ug/ https://selbststaendigkeit.de/news-interviews/interview-schwimmtrainer-alexander-steinhart-xray-sports-berlin/ https://www.instagram.com/alexandersteinhart/ https://www.instagram.com/xray_sports/
39 Minuten
Enja Kanzelmeyer ist Hörerin unseres Podcasts seit der ersten Folge - und deshalb hat die Physiotherapeutin aus Stade (on der Nähe von Hamburg) uns einfach mal angeschrieben. Denn auch in ihrem Beruf hat Enja immer ihre Leidenschaft zum Wasser und dem Schwimmen gepflegt, und davon wollte sie uns gern mal erzählen. Wir fanden das sehr interessant - und weil Enja sowieso regelmäßig in Berlin ist, um Tochter und Enkelkind zu besuchen, haben wir uns kurzerhand verabredet - und zwar im Kombibad Seestraße, wo Enja regelmäßig schwimmen geht, wenn sie in der Hauptstadt ist. Enja ist Aquafitness-Trainerin, Baby- und Kleinkindschwimmlehrerin und gibt für die Rheumaliga Funktionstrainingskurse im Wasser. Sie erzählt, dass Patienten, die zu ihr zur Manuellen Lymphdrainage kommen, sich oft von ihr anhören müssen, dass Bewegung im Wasser eine der tollsten Methoden ist, um ihre Wassereinlagerungen zu beheben. Viele Patienten habe sie dadurch zu regelmäßigen Schwimmer:innen gemacht. Aber natürlich gibt es auch Physiotherapie IM Wasser. Allerdings - in der ärztlichen Verordnung muss auf dem Rezept "Krankengymnastik im Bewegungsbad" stehen. Und längst nicht alle Physiotherapeuten wollen und können das, erzählt Enja. In der Ausbildung zum Physiotherapeuten sei dies ein Unterrichtsfach, das mit nur 10 Stunden abgedeckt wird. Sie selbst hat dieses Fach über mehrere Jahre an der Berufsfachschule für Physiotherapie in Stade unterrichtet. Die nötige Praxis hat sie: Neun Jahre war sie in einer Physiotherapie-Praxis mit Bewegungsbad tätig. Deswegen hat sie dort auch besonders gern gearbeitet. Sie ist genauso überzeugt wie wir davon, dass das Medium Wasser uns und unserem Körper gut tut! Ein "Wasserthema", über das wir auch kurz gesprochen haben, ist Wasser als Entspannungsmedium. Bewegen oder bewegt werden im ca. 35° warmen Wasser hat einen großartigen Einfluß nicht nur auf unseren Körper, sagt Enja, sondern auch auf unsere Psyche/Seele. Sie selbst hat früher in einem Verein in Leverkusen geschwommen, dann, wie die meisten, nur so ab und zu. Doch weil sie wegen eines Rückenproblems nicht mehr längere Strecken joggen konnte, hat sie den Schwimmsport wiederentdeckt - und erneut in einen Verein eingetreten: Den „Schwimmladies“ des Stader Schwimmvereins. Seit letztem Frühjahr ist sie auch ausgebildete Rettungsschwimmerin in Silber, damit eine Rettungskraft beim Vereinstraining präsent ist, die dann aber auch mitschwimmen darf. Diese Ausbildung zum Rettungsschwimmer sei von ihr und ihren Schwimmkolleg:innen vom Verein deutlich unterschätzt worden: „Wir sind alle sehr gute Schwimmer, aber die Prüfungsaufgaben, zu denen wir uns bis auf die Befreiungsgriffe nicht vorbereitet haben, haben wir deutlich unterschätzt!“ Seitdem habe sie großen Respekt vor allen Menschen, die das Rettungsschwimmen betreiben! Wir hatten ein sehr munteres Gespräch und Enja hat echt tolle Ideen und probiert vieles aus. Eine Idee muss sie uns unbedingt noch mitgeben: Liebesgeschichten, die unsere Hörer:innen zu erzählen/schreiben/berichten haben, die mit dem Schwimmen zu tun haben. Sie selbst hat ihren ersten Freund mit 15 Jahren im Schwimmverein kennengelernt. Er schwamm Brust, sie kraulte und es war eine erste zarte Liebe, die das Erwachsenwerden nicht überlebte. Vor 15 Jahren gab es ein Ehemaligentreffen des damaligen Schwimmvereins und die beiden sind sich wieder begegnet. Die Liebe flammte zwar nicht wieder auf, aber seitdem haben die beiden wieder losen Kontakt. Wir finden, das ist eine tolle Idee. Wer hat Lust, uns von seiner Schwimm-Liebesgeschichte zu erzählen??? https://heilmittelkatalog.de/massnahmen-der-physiotherapie https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/kurse-im-ueberblick/gesundheitskurs-wassergymnastik/ https://bez-hildesheim.dlrg.de/fileadmin/groups/8300000/DLRG_Quiz.pdf https://www.watsu.de/ https://www.youtube.com/watch?v=rZ8LylrPbPM https://www.youtube.com/watch?v=7vOgAhdhXE4