Eigentlich Podcast Archiv
115 Episoden
1 Stunde 13 Minuten
Nehmen wir beispielsweise den 'Sound' von Vinyl. Eigentlich sollte Vinyl als Medium für Aufnahmen kein Eigengeräusch haben. Hat es aber. Und jede:r kennt den Sound von Vinyl, das leise Rauschen, Knistern und Knacken der sich drehenden Schallplatte. Dieser Sound steht sogar für etwas, löst Emotionen aus, wird z.B. im Film eingesetzt, um eine schlimme Vorahnung zu induzieren, wenn wir nur das Knacken einer Schallplatte in einem leeren Zimmer hören. In dieser Episode beschäftigen wir uns mit Fehlern in Tonaufnahmen, die mit der Zeit nicht mehr als Fehler, sondern originäre Sounds oder Charakteristika wahrgenommen werden. Genaugenommen geht es in dieser Episode eigentlich um eine Kette von Fehlern, die bei Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe entstehen - oder auch schon vorher: in der Beschaffenheit des Raumes, in dem der Klang entsteht. Es geht um Sound-Engineering mit solchen inzwischen originären Sounds die digital vermessen und emuliert werden. Oder mittels AI gänzlich neu und in Echtzeit generiert werden, um Stimmungen zu induzieren, die eine Musik für unsere Ohren in der Zeit platzieren, in der diese Fehler gemacht wurden, weil es einfach nicht anders möglich war, z.B. ein Echo zu erzeugen, als mit zwei massiven Metallplatten, die von einem Lautsprecher in Schwingung versetzt wurden.
58 Minuten
Flo bringt in dieser Episode ein Thema mit auf dem Weg, dass ihn schon fast sein Leben lang begleitet. Kaum ein anderer Schauspieler begleitet uns seit unserer Jugend so kontinuierlich in hochproduzierten Blockbuster Filmen wie der Schauspieler Tom Cruise. Für sein Lebenswerk wurde er in diesem Jahr mit der Godenen Ehrenpalme in Cannes ausgezeichnet. Wir haben uns schon oft Mühe gegeben Tom Cruise nicht zu mögen wegen seiner Mitgliedschaft bei Scientology, aber so recht wollte uns das nicht gelingen. Also blenden wir diese private Seite von Tom Cruise aus und widmen uns voll seinem Filmschaffen der letzten Dekaden. Wir sind uns einig, dass Tom Cruise im Bereich Science-Fiction und Action bei Meilensteinen der Filmgeschichte mitgewirkt hat. Wir sprechen darüber, was uns an Tom Cruise als Darsteller so begeistert, welche seiner Filme wir besonders mögen und mit welchen anderen Schauspieler:innen und Regisseur:innen er zusammengearbeitet hat. Unsere Laufroute in Brandenburg verläuft dabei genauso gradlinig wie die Karriere von Tom Cruise.
58 Minuten
Berlin feiert sich für die Brandenburger Seen in der Nähe. Doch diese Seen trocknen aus. Und zwar rasend schnell. In drei Jahren fiel der Wasserspiegel um zwei Meter. Unmengen an Wasser hat sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Einiges ist darüber geschrieben und berichtet worden. Und im nahegelegenen Berlin schüttelt man den Kopf. Klimawandel, direkt vor der Haustür. Krass. Noch vor zwei, drei Jahren beklagten Berichte, dass der Wasserspiegel pro Jahr um ein paar schnuckelige Zentimeter fallen würde. Schock-Schlag-schwere-Not, hieß es da schon. Doch es geht noch mehr, noch schneller, noch schlimmer. In unserem Erlebnisbericht sprechen wir von zwei Metern in drei Jahren. Der erste Gedanke: da ist was kaputt im See, der läuft aus. Aber der Blick auf die Seen im Umkreis zeigt überall das Gleiche: zwei Meter Wasser sind weg. Der Umkipp-Punkt scheint inzwischen erreicht. Geht's irgendwie wieder zurück? (Mit vielen Fotos!)
1 Stunde 13 Minuten
Der russische Regisseur Andrej Tarkowski erschuf mit "Stalker" 1979 die cineastische Blaupause einer postapokalyptischen Zone, unwissend, dass ihn 7 Jahre später mit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl die Realität einholen sollte. Im Film ist "Stalker" jemand, der sich anschleicht, über verschlungene Pfade pirscht und in der erzählten Geschichte unter Lebensgefahr Interessierte in die streng bewachte Zone bringt und dort führt. Wie auch in der Romanvorlage "Picknick am Wegesrand" der Gebrüder Strugazki, ist die Zone nicht ganz von dieser Welt. Naturgesetze sind nicht zuverlässig sondern aufgeweicht, wenn nicht sogar aufgehoben, was mit Gegenständen zu tun habe, die eine außerirdische Intelligenz hier zurückgelassen habe. Die Pilgergruppe, die Stalker führt, besteht aus einem Wissenschaftler und einem Künstler, die mit ihm auf überwachsenen Wegen in der ZONE den Raum der Wünsche erreichen möchten. Wie in Geoffrey Chaucers "Canterbury Tales" aus dem 14. Jahrhundert ist die Pigerfahrt die Passage der Erzählung. Die Gruppe reflektiert menschlichen Glauben, Wissenschaft und Kunst, diskutiert polarisierend und existentiell vor dem Hintergrund der postapokalyptischen Landschaft. Auch wir (Flo und Micz) sind wie immer unterwegs, pilgern durch Berlin und "gehen" (buchstäblich) der Frage nach, warum von solchen Sperrzonen eine solche Faszination ausgeht und wie das ästhetisch verarbeitet wird. Wir sprechen über die Ästhetisierung der Todeszone von Tschernobyl und in dem ukrainischen Computerspiel S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl hin zur Ostzone von Berlin nach dem Mauerfall. Dabei laufen wir auch nicht immer den kürzesten Weg durch die Parks und Straßen von Moabit und landen schließlich am Kanal. Auch bei uns sind die Naturgesetze aufgeweicht, so ist z.B. Flo stellenweise das Mikro im ersten Drittel ausgefallen, so dass die Soundqualität sehr leidet. Bitte entschuldigt das!
1 Stunde
Was beglückt Menschen, wenn sie sich stundenlang Videos anschauen, in denen andere Menschen wortkarg Dinge wieder herstellen, reparieren, restaurieren? Das reflektieren wir auf unserer heutigen Eigentlich-Podcast Tour, die vor dem Kunstgewerbemuseum am Potsdamer Platz beginnt. Von dort laufen wird durch den Tiergarten und weiter, immer weiter nach Norden, vorbei am Hauptbahnhof und hinein in neuwertige Zonen des Wohnens und Arbeitens, die sich dort gebildet haben und in Teilen aussehen wie Ausgrabungen einer längst verspielten Utopie. Miczs Thema: 'Restoration Videos' (deshalb auch das Kunstgewerbemuseum) und wir reden über Sollbruchstellen als geplante Obsoleszenz, über das Recht zu Reparieren, Cradle to Cradle, die Schnittmengen zwischen Videoformaten wie Unpacking, Repair, Tools, Restoration, usw. und so fort. Eine Prise Psychodynamik darf nicht fehlen, deshalb streifen wir Sigmund Freuds Neffen Edward Bernays, der - aufbauend auf das Konzept seines Onkels über die Primärprozesse, Triebe und das Unbewusste - Produktmarketing in Amerika revolutionierte.
1 Stunde 22 Minuten
Wir starten heute unsere Wanderung mitten im Herzen von Berlin - am Potsdamer Platz. Von dort bewegen wir uns fast nur im Grünen bis zum Tempelhofer Feld. Flo stellt in dieser Episode den Film "First Cow" der US-amerikanischen Drehbuchautorin und Regisseurin Kelly Reichardt vor. Reichardt erzählt in ihrer eigenen sehr zärtlich-ästhetischen Art die Beziehung zweier Männer im Wilden Westen. Der Anti-Western entstand 2019 und wir sprechen in dieser Episode ausführlich über das Genre "Western", die Kolonialisierung des Wilden Westens und den Begriff "Frontier". Micz versucht mehrfach herauszubekommen, warum Flo sich diesen Film ausgesucht hat, bis wir schließlich mit etwas Zivilisationskritik und Gedanken zur Schlachthof Optimierung mitten auf dem Tempelhofer Feld enden.
1 Stunde 10 Minuten
In dieser Folge beginnen wir unsere Wanderung am ehem. Flughafen Tempelhof und ziehen gen Norden durch die Hasenheide. Wir sprechen über den Disney-Film "Encanto" aus dem Jahr 2021 und entdecken den Horrorfilm hinter der Happy Happy Magie (vgl. The Stepford Wives, 1975). Das Trauma ist hier nicht Gründungsmythos von Superheld:innen, sondern die buchstäbliche Leiche im Keller, die transgenerational in der Familie Madrigal wirkt. Der Film erzählt von der Identität der Generation der Enkelkinder, beschreibt, wie der Großmutter ihre Kontrolle zunehmend entgleitet und die unbedarfte Protagonistin Mirabel Antworten auf die brennende Frage findet: "Was war damals 'eigentlich' los?" Auf der Reise durch den Film und Berlin reflektieren wir die biologischen, psychischen und kulturellen Mechanismen, die eine "transgenerationale Weitergabe von Traumata" plausibel machen.
59 Minuten
Rashomon erzählt die Geschichte der Geschichten in einer Geschichte. Akira Kurosawas filmisches Meisterwerk Rashomon aus dem Jahr 1950 hat Japans Kinokultur weltberühmt gemacht. Wir sprechen über diesen Film, die Erzählungen, die Kurosawa als Vorlage dienten und zeitgenössische Adaptationen. Auf der Suche nach der "eigentlichen" Geschichte in den verschiedenen Episoden von Rashomon finden wir nur die Erkenntnis, dass diese nicht zu finden ist. Dahinter liegen aktuelle Abgründe von Wirklichkeitsverlust die uns dennoch dazu bewegen mit einem ehrlichen und positiven Schluß aus der Episode zu gehen.
34 Minuten
Der Roman Contact des Astrophysikers und Schriftstellers Carl Sagan ist genauso voller Neugier und Zuversicht, wie seine gesamte Arbeit und wirkt darin genauso belebend, erfrischend und inspirierend wie antiquiert. Dabei ist das doch nur ein paar Jahrzehnte her… Wir diskutieren über den Film, das Buch, was die beiden verbindet und was sie trennt, über intelligentes Leben und der Gänsehaut, wenn tatsächlich Nachrichten einer höheren Ordnung in physikalischen Konstanten versteckt wären. Oder finden wir sie nur, weil wir daran Glauben möchten?
17 Minuten
Warum wir denken einen Podcast machen zu müssen, bleibt in dieser Episode ungelöst. Wahrscheinlich, weil wir nicht müssen wollen. Wollen wollen wir aber — so viel wird in diesem Vorgespräch deutlich, das wir Trailer nennen. Was als Fingerübung geplant war, um die Technik besser zu verstehen, beschreibt dann doch am besten das, was wir machen wollen: Reden beim Laufen und laufend reden. Viel Spaß mit dem ungeplanten Trailer.