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LiteraturPur Archiv

77 Episoden
44 Minuten
LiteraturPur #31: «Mein Vater war ein Verdingkind» sagt die Autorin und Zeichnerin Lika Nüssli. In ihrer Grapic Novel «Starkes Ding» erzählt sie die Geschichte ihres Vaters, der im Alter von gut elf Jahren auf einen Bauernhof im Toggenburg geschickt wurde, um zu arbeiten. Das Verdingen von Kindern aus armen Familien wurde in der Schweiz noch bis in die 1970er Jahre praktiziert. Es ist ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte, das lange Zeit verdrängt worden ist. Hunderttausende Kinder aus armen Verhältnissen wurden im 19. und 20. Jahrhundert ausgebeutet und misshandelt. Erst 2013 hat sich der Schweizer Staat dafür entschuldigt. Lika Nüssli greift das Thema auf und schildert am Beispiel ihres Vaters wie der Alltag der Kinderknechte und Kindermägde ausgesehen hat. In Zeichnungen und Text schildert sie das Leid, die Angst, den Hunger und die Einsamkeit ihres Vaters als Kinderknecht. Für die Graphic Novel über die Geschichte ihres Vaters wurde Lika Nüssli mit dem Schweizer Literaturpreis des Bundeamts für Kultur ausgezeichnet. Lika Nüssli ist Gast im Podcast LiteraturPur, dem Podcast, der Autor*innen eine Stimme gibt.

«Starkes Ding» ist im Verlag Edition Moderne erschienen.
55 Minuten
LiteraturPur #30: Eigentlich wollte der Lyriker und Schriftsteller Klaus Merz mit 70 Jahren aufhören zu schreiben. Aber dann hat es ihn doch wieder gejuckt. Was ihn nach einer längeren Pause weider den Bleistift zur Hand nehmen liess, das erzählt er mir im Gespräch über sein neustes Buch mit dem Titel «Noch Licht im Haus». Darin hält Klaus Merz in Gedichten und kurzen Texten Rückschau auf sein Leben. Er verbindet darin Erinnerungen mit Beobachtungen und Geschehnissen aus dem Heute. In vielen seiner Gedichte spielt neben einem leisen Schalk die Aktualität rein. Sie blitzt auf zusammen mit alltäglichen Betrachtungen. Etwa der Krieg in Ukraine. Es sind aber stets nur feine Andeutungen. Dazu sagt Klaus Merz, er wolle die Dinge schon beim Namen nennen, sie aber nicht hinausposaunen. Wie immer sind seine Texte dicht und konzentriert. Kein Wort ist zu viel. Er habe eben schon immer das Bedürfnis gehabt, nur das Notwendigste zu sagen. Bei der Sprache muss für ihn wenig genug sein. Also nie zu viel. Reduktion als Prinzip.

«Noch Licht im Haus» von Klaus Merz ist im Haymon Verlag erschienen.
52 Minuten
LiteraturPur #29: Die US-Amerikanische Autorin Nell Zink hat eine Vorliebe für Aussenseiter. Deshalb wimmelt es in ihren Romanen von Nerds, Freaks und Ausgestossenen. Auch im neusten Buch mit dem Titel «Avalon» Das habe mit ihrer Herkuft zu tun, sagt sie mir im Gespräch. Ihre Eltern hätten sie dazu erzogen, eigenständig zu denken, sich nicht zu sehr anzupassen. Das schärfte bei ihr den Blick für das Absurde und Unperfekte im Alltag. Aber es war in Virginia, wo sie aufgewachsen ist, auch ein Handicap. Denn sie erfuhr, dass Menschen, die auf die Idee kamen, eigene Gedanken zu haben, zu Aussenseitern wurden. Sie kennt also das Gefühl, nicht dazuzugehören. So wie die Figuren in ihrem neusten Roman «Avalon». Dazu geehören: Ein schwuler, unbegabter Flamencotänzer, ein superkluger Nerd und eine papierlose Waise, die in der kriminellen Pflegefamilie wie eine Sklavin gehalten wird. Die Geschichte spielt diesmal in Kalifornien. Eine Gegend, die Nell als eine Kombination aus Bikergangs und Landwirtschaft beschreibt. Darüber reden wir und weiter verrät sie mir im Podcast, dass ihre Romane eigentlich Briefe an bestimmte Menschen sind und verschlüsselte Botschaften enthalten.

«Avalon» von Nell Zink ist im Rowehlt Verlag erschienen
1 Stunde 2 Minuten
LiteraturPur #28: Ich habe den bayrischen Musiker, Kabarettisten und Bühnen-Zampano Georg Ringsgwandl in München zum Gespräch getroffen. Der vielseitige Künstler und ehemalige Kardiologe hat nun seinen ersten Roman geschrieben mit dem Titel «Die unvollständigen Aufzeichnungen der Tourschlampe Doris». Was Georg Ringsgwandl als Roman bezeichnet, ist eigentlich eine verkappte Autobiografie. Die fiktive Doris erzählt von den Hochs und Tiefs, dem Glanz und Graus des Lebens mit der Band auf Tour und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Ich rede mit Georg Ringsgwandl über diese schlaue Doris, über lange Autofahrten durch die deutsche Provinz, die er nur dank der Tourbibliothek seines Gitarristen überlebt. Er verrät, warum er als Jugendlicher die original Oberkrainer so gemocht hat und welche Bücher er gerade liest. Und er erklärt mir, warum Musiker und Mediziner so einiges gemeinsam haben und er lässt sich entlocken, dass er Schwarzgeld eigentlich ganz nützlich findet. Wie immer weiss man bei ihm auch im Gespräch nie so genau, was Spontan-Kabarett und was ernst gemeint ist. Es war eine höchst vergnügliche Begegnung in den ehrwürdigen Hallen der Bayrischen Akademie der Künste, in die Georg Ringsgwandl kürzlich aufgenommen worden ist.

Georg Ringsgwandl «Die unvollständigen Aufzeichnungen der Tourschlampe Doris» ist erschienen im dtv Verlag.
1 Stunde 3 Minuten
LiteraturPur #27: Schreiben ist wie ein permanenter Karneval, da darf ich die dunkle Seite nach aussen kehren, sagt der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier. Da kann ich als «Jack the Ripper» unterwegs sein. Es ist nicht der Mörder «Jack the Ripper», aber ein anderer böser Mann, der in Michael Köhlmeiers neustem Roman «Frankie» sein Unwesen treibt. Dieser Mann ist der Grossvater von «Frankie», einem 14jährigen, aufgeweckten aber braven Jungen. Die Geschichte beginnt, als dieser Grossvater nach 18 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird und sich in das Leben seines Enkels drängt. Zuerst fürchtet sich Frankie vor diesem Grossvater, er ist ihm unheimlich. Aber er ist auch fasziniert und lässt sich verführen von seinem machohaften Getue. Auch seine «Scheiss drauf» Haltung imponiert ihm. Michael Köhlmeier erzählt nun, wie sich dieser 14jährige Frankie durch die Beziehung mit diesem Grossvater verändert. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, das Männerbild und die Faszination des Bösen. Und es ist ein unheimlicher und zugleich witziger Roman. Ein Buch, das mich von der ersten Seite an gepackt hat. Im Podcast erzählt mir Michael Köhlmeier, was ihn an Frankie interessiert, wie es sich anfühlt, wenn sich eine Person verselbständig und warum Schreiben für ihn etwas Erotisches hat.

«Frankie» von Michael Köhlmeier ist im Hanser Verlag erschienen.
43 Minuten
LiteraturPur #26:

Sie möchte keine Heimatdichterin sein und Gedichte müssen nicht der Alltagslogik entsprechen, sagt Leta Semaden. Ich habe die Schriftstellerin und Lyrikerin Leta Semadeni in Lavin, im Unterengadin, zum Gespräch getroffen. Sie gilt als eine der renommiertesten Vertreterinnen der rätoromanischen Lyrik und Erzählkunst der Gegenwart. Sie schreibt zweisprachig, im rätoromanischen Vallader und auf Deutsch. Die Zweisprachigkeit ist insofern eine Besonderheit ihrem Werk, weil sie beide Sprachen gleichberechtigt behandelt. Sie fängt in einer Sprache an und schreibt in der anderen weiter. Leta Semadeni hat mehrere Gedichtbände und zwei Romane publiziert. Kürzlich sind der Roman «Amur grosser Fluss» und der 2-sprachige Gedichtband «Ich bin auch ein Tier» erschienen. Für ihr Gesamtwerk «von schroffer Schönheit» wurde Leta Semadeni im Februar 2023 vom Bundesamt für Kultur mit dem Grandprix Literatur geehrt.

«Amur grosser Fluss» und der 2-sprachige Gedichtband «Ich bin auch ein Tier» sind im Atlantis Verlag erschienen.
37 Minuten
LiteraturPur #25: Ho scoperto l'autore ticinese Fabio Andina qualche anno fa, quando è stato pubblicato il suo libro "La pozza del Felice". Un libro contemplativo su un uomo anziano in un villaggio di montagna del Ticino. Sono rimasto entusiasta del linguaggio gentile e della calma che il libro emana. Ora il suo romanzo "Uscirne fuori" è stato appena tradotto in tedesco. È l'esatto contrario. Guidato, frenetico, pieno di rabbia. Ma almeno altrettanto affascinante. In "Uscirne fuori", in tedesco "Davonkommen", entriamo nella testa di un uomo. Si è appena separato dalla moglie e dal figlio piccolo. È confuso, ferito e pieno di rabbia. Inoltre, ha debiti e non ha un lavoro. Si butta sui tranquillanti, in combinazione con l'alcol. E si ritira come un animale ferito in una vecchia capanna di vacanza in un villaggio sperduto tra le montagne del Ticino. Lì si rimette lentamente in piedi. Nel periodo che intercorre tra la separazione e il divorzio, attraversa l'inferno. E noi con lui. Un viaggio intenso e senza fiato attraverso l'oscurità. Fabio Andina mi racconta nel podcast cosa lo attira in questo villaggio di montagna e perché non vuole più vivere in città. La conversazione è in italiano e tedesco. Io faccio le domande in tedesco, Fabio risponde in italiano.

Il romanzo è pubblicato da Rotpunkt Verlag nella traduzione di Andreas Löhrer.
40 Minuten
LiteraturPur #25: Ich habe den Tessiner Autor Fabio Andina vor ein paar Jahren entdeckt, als sein Buch «Tage mit Felice» erschienen ist. Ein kontemplatives Buch über einen alten Mann in einem Tessiner Bergdorf. Ich war begeistert von der behutsamen Sprache und der Ruhe, die das Buch ausstrahlt. Jetzt ist gerade sein Roman «Davonkommmen» ins Deutsch übersetzt worden. Und es ist das pure Gegenteil. Getrieben, hektisch,voller Wut. Aber mindestens so faszinierend. In «Davonkommen» auf Italiensch «Uschirne fuori» begeben wir uns in den Kopf eines Mannes. Er ist frisch getrennt von seiner Frau und dem gemeinsamen kleinen Sohn. Er ist verwirrrt, verletzt und voller Wut. Zudem hat er Schulden und keinen Job. Er schmeisst Beruhigungsmittel rein, in Kombination mit Alkohol. Und zieht sich wie ein verwundetes Tier in eine alte Ferienhütte in einem abgelegenen Dorf in den Tessiner Bergen zurück. Da kommt er langsam wieder auf die Beine. In der Zeit zwischen Trennung und Scheidung geht er buchstäblich durch die Hölle und wir mit ihm. Ein atemloser und intensiver Trip durch die Finsternis. Fabio Andina erzählt mir im Podcast, was ihn selber in dieses Bergdorf zieht und warum er der Stadt den Rücken gekehrt hat. Das Gespräch ist auf Italienisch und Deutsch. Anina Barandun, Lektorin und Programmverantwortliche beim Rotpunktverlag übersetzt es ins Deutsche.

Der Roman ist im Rotpunkt Verlag erschienen in der Übersetzung von Andreas Löhrer
56 Minuten
LiteraturPur #24: Der Schriftsteller Robert Menasse sagt von sich, er sei ein Spezialist für das Tragikomische. Das glaubt man ihm sofort, wenn man sein neustes Buch «Die Erweiterung» liest. Es ist sein zweiter EU Roman nach «Hauptstadt». Da führt er uns nach Albanien, in ein Land, das seit Jahren darauf wartet, in die EU aufgenommen zu werden. Ein so irrwitziger wie geistreicher Roman über Menschen, die an die EU glauben und dennoch an ihr verzweifeln. Robert Menasse verknüpft individuelle Schicksale mit den Widersprüchlichkeiten der EU-Politik. Rund um den Helm eines Helden aus dem Mittelalter entwickelt er einen rasanten Plot, der alles bietet: Liebe, Hass, Politik und Verbrechen. Er wünsche sich, sagt Robert Menasse im Gespräch, dass sich die Lesenden bei der Lektüre die grundlegenden Fragen unserer Zeit stellen. Wichtige Fragen für ihn sind: Was haben wir für Probleme, warum können wir sie nicht lösen. Was haben wir für Hoffnungen und welche Ängste plagen uns. Wie wollen wir wirklich leben und was hindert uns daran? Und dann hat er noch einen Rat für die Schweiz: Sie sollte die EU einladen, in die Schweiz einzutreten. Und das ist für ihn nicht nur ein Scherz.
1 Stunde 3 Minuten
LiteraturPur #23: Der Schriftsteller Lukas Bärfuss ist mit der streitbaren Literatukritikerin Sieglinde Geisel bei mir zu Gast. Wir diskutieren über «Die Krume Brot», den neusten Roman von Lukas Bärfuss. Darin schildert er das Leben von Adelina, die durch Herkunft, Schicksal und andere Umstände in die Armut rutscht und nicht weiss, wie sie sich und ihr Kind durchbringen soll. Lukas Bärfuss schildert, wie man in der Schweiz der 70er Jahre mit armen Menschen umgeht, sie ausgrenzt und ihnen keine Chance gibt, aus der Armutsfalle herauszukommen. Wie es ist, kein Geld zu haben, jahrelang Schulden abstottern zu müssen, das kennt Lukas Bärfuss aus eigener Erfahrung. Er hat eine Weile sogar auf der Strasse gelebt. In dieser Zeit waren Bücher für ihn sehr wichtig. Da, sagt er, habe er die Literatur entdeckt. Weiter erzählt Lukas Bärfuss, warum er als Kind ein 25-bändiges Lexikon gelesen hat und welche Bücher ihn geprägt und beim Schreiben inpiriert haben. Und wir erfahren, weshalb Bob Dylan für ihn ein Vorbild ist. Und dann verrät er, dass «Die Krume Brot» eigentlich ein Gespensterbuch ist. Überhaupt ist das Gespenstische und Surreale etwas, das ihn anzieht.

«Die Krume Brot» von Lukas Bärfuss ist erschienen im Rowohlt Verlag
53 Minuten
LitereraturPur #22: Jazz war in der Nazi-Zeit streng verboten. Aber 1940 gründet Propagandaminister Goebbels eine deutsche Swing-Band mit Namen «Charlie and his Orchestra». Sie soll für den Auslandsender «Germany Calling» spielen und im Ausland über Songtexte Nazi-Propaganda verbreiten. Dafür lässt Goebbels Musik zu, die eigentlich als entartet gilt, den Jazz. Und er stellt die besten Musiker ein, darunter auch Juden und Homosexuelle, die in der Band buchstäblich um ihr Leben spielen. So lange sie dabei sind, geschieht ihnen nichts. Eine unglaubliche und absurde Geschichte, aber sie ist wahr. Demian Lienhard ist dieser Geschichte nachgegangen und hat darüber einen Roman mit dem Titel Roman «Mr. Goebbels Jazzband» geschrieben. Er erzählt mir, was es mit dieser Band auf sich hatte, wie er auf dieses Thema gekommen ist, und was ein fiktiver Schweizer Schriftsteller damit zu tun hat.
49 Minuten
LiteraturPur #21: Als Kind wollte Christine Brand Detektivin oder Schriftstellerin werden. Als Krimiautorin hat sie beides vereint, sowohl das Schreiben wie das Aufdecken von Verbrechen. Davon und warum sie vor ein paar Jahren ihren Job und die Wohnung gekündigt hat und seither in der Welt herumreist, erzählt sie in diesem Podcast. Auch, dass sie auf der ostafrikanischen Insel Sansibar eine neue Heimat gefunden hat. Auf Sansibar hat sie auch ihren neusten Krimi «Der Feind» fertig geschrieben. Im Krimi «Der Feind» verfolgt ihr bewährtes Ermittlerpaar Attentäter, die im Netz zum Frauenmord aufrufen. Die Spur führt zu den Incels, das sind Männer, die Frauen als minderwertige Wesen bezeichnen. Eine Szene, die es tatsächlich gibt und über die Christine Brand für den Krimi recherchiert hat. Diese Incels begehen ein Attentat in der Reitschule in Bern. Christine Brand legt aber noch eine andere Spur. Das Ermittler-Paar muss eine makabre Mordserie lösen, die nach Selbstjustiz aussieht. Bizarre Morde an Männern, die ans Bett gefesselt und mit roten Stöckelschuhen an den Füssen aufgefunden werden. Christien Brand legt in «Der Feind»"geschickt verschiedene Fährten aus, welche die Lesenden bis zum Schluss in die Irre führen und für Spannung sorgen.
49 Minuten
LiteraturPur #20: Mein Gast ist der jungen Schweizer Autor Adam Schwarz. Er hat sein neues Buch mit dem Titel «Glitsch» mitgebracht. «Glitsch»ist vieles: Klimakrimi, Trennungsroman und abgründiger Abgesang auf unsere Welt. Und es ist die unheimliche Geschichte eines junges Mannes, der in einen Albtraum hineinpurzelt, in eine Parallelwelt, aus der er nicht mehr herausfindet. Oder ist es gar ein Computerspiel, in das er sich verirrt hat und sich nun von Level zu Level durchkämpfen muss? Schauplatz des Romans ist ein Kreuzfahrtschiff mit über 2000 Passagieren an Bord, das irgendwann in naher Zukunft das Polarmeer durchquert. Es ist auf der Nordostpassage, die inzwischen eisfrei ist, von Europa nach Japan unterwegs. An Bord ist Léon, der oben genannte junger Mann, dem seltsame Dinge passieren. Zuerst verschwindet seine Freundin spurlos, dann funktioniert seine Kabinenkarte nicht mehr und dann ist er auch als Gast auf der Bordkartei nicht mehr registriert. Er mutiert zum blinden Passagier, wird gejagt und findet Zuflucht zuunterst im Bauch des Schiffes, in den Räumen der Crew. Was passieert da, bildet sich Léon das alles nur ein oder ist es die Réalität in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist? Darüber rede ich mit Adam Schwarz.
53 Minuten
LiteraturPur #19: Integration ist immer gewaltvoll, sagt Ralph Tharayil. Denn Integration versucht zu sagen: Du bist ein Gast, du bist willkommen, ABER………Und um dieses ABER geht es im Buch «Nimm die Alpen weg». Der Autor, der in Liestal und Basel aufgewachsen ist, erzählt darin die Geschichte eines Geschwisterpaares, das den Kampf der Eltern mit Integration, Assimilation und Ankommen in der Schweiz miterlebt und seine eigenen Schlüsse daraus zieht. Der Autor erzählt in Bildern die Geschichte einer Kindehtie in der Schweiz. Da sind Eindrücke von heissen Sommern in Schwimmbädern, vom Spielen mit anderen Kindern. Und dazwischen immer wieder die müden, abgearbeiteten Eltern. Sie wollen es für ihre Kinder in der neuen Heimat zu etwas bringen. Aber wollen die Kinder dasselbe? Das ist eine Frage die Ralph Tharayil im Buch stellt. Im Gespräch erklärt er mir warum. Er glaubt, dass es mit den Erwartungen zusammenhängt, die mit Integration verknüpft sind. Und mit Scham und Klassenzugehörigkeit. Ralph Tharayil weiss wovon er spricht. Er ist selber ein Secondo. Seine Eltern sind aus Südindien in die Schweiz gekommen, kurz bevor er hier geboren wurde.. Er kennt den Wunsch von Eltern, ihren Kindern in der Fremde ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch diesem Wunsch stellt er ein grosses ABER gegenüber:
56 Minuten
LiteraturPur #18: Was ist real, was fiktiv? Das ist beim Schweizer Schriftsteller Peter Stamm nie so eindeutig. Seine Romane sind oft ein Gemenge aus Realem und Erfundenem und haben dadurch etwas Traumhaftes. Auch die Figuren wirken entrückt und geheimnisvoll. Das ist auch im neusten Roman mit dem Titel «In einer dunkelblauen Stunde» so. Da spielt Peter Stamm mit Dichtung und Wahrheit. Der Plot: Über den bekannten Schweizer Schriftsteller Richard Wechsler soll ein Dokumentarfilm gedreht werden. Und zwar darüber, wie er ein Buch schreibt. Aber der Autor läuft mitten in den Dreharbeiten davon. Zur gleichen Zeit, da Peter Stamm dieses Buch schreibt, wird auch über ihn ein Dokumentarfilm gedreht. Anders als seine Figur im Buch, läuft er nicht weg, sondern beendet den Film. Der Roman ist eine raffinierte Verwirr- und Verwechslungsgeschichte von Autor zu Autor. Eines ist aber klar, es ist keine Autofiktion. Im Gespräch erzählt mir Peter Stamm, wss ihn an diesem Verwirrspiel fasziniert. Weiter sagt er, dass Schreiben gefährlich sein kann, weil es ihn dazu verführt, das reale Leben zu vernachlässigen. Er verrät mir aber auch, was ihn wieder in die Realität zurückholt. Und warum er Abenteuer lieber in der Fiktion als in der Realität erlebt.
LiteraturPur

LiteraturPur

Ich bin Esther Schneider und das ist mein Literatur-Talk. Ich treffe mich hier mit Autor*innen und versuche herauszufinden, was sie umtreibt beim Schreiben, wie sie auf ihre Themen kommen, welche Büch...