Kunst musst Du nicht verstehen Archiv
103 Episoden
18 Minuten
Ein Vogel auf Augenhöhe von Martha, der Frau des Malers Heinrich Vogeler, zieht den Blick ins Bild. Ein paar Mal springt er hin und her zwischen Martha und dem Vogel, bevor er über Birkenstämme oder das intensiv türkisfarbene, zeltförmige Kleid nach unten in einen Moortümpel abgeleitet wird. Ein paar kleine eingestreute Blüten am Rand des Wasserlochs und das frische Wiesengrün weisen auf die Jahreszeit und das Lebensalter von Martha hin. Frühling. Auch Heinrich Vogeler selbst war erst 25 Jahre alt, als er dieses großformatige Bild 1897 malte.
Was geht in Martha vor, während sie still und verträumt mit dem Vogel zu sprechen scheint? Das ganze Bild lädt zur Flucht in die Naturidylle und in die Leichtigkeit ein, aber der Tümpel stört beim Abheben. Fühlst Du Dich in diesem „Frühling“ so frei wie der Vogel?
Was geht in Martha vor, während sie still und verträumt mit dem Vogel zu sprechen scheint? Das ganze Bild lädt zur Flucht in die Naturidylle und in die Leichtigkeit ein, aber der Tümpel stört beim Abheben. Fühlst Du Dich in diesem „Frühling“ so frei wie der Vogel?
22 Minuten
Karfreitag ist schon wieder fast vergessen, aber mit dieser Podcast-Folge wird der Tag noch einmal kurz wieder auferstehen. Malerin Svenja Wetzenstein und ich haben uns am Karfreitag 2022 über ein Bild von Lovis Corinth unterhalten, das uns an eine Kreuzabnahme erinnerte. Ganz neutral betrachtet handelt es sich um eine Schlachtung und ebenso neutral lautet der Titel des 1899 gemalten Bildes „Im Schlachthaus“. Es dampft, tropft und fließt darin alles zu einer seltsamen Ästhetik zusammen. Thematisch liegt dieses Bild sehr nah am eigenen Werk von Svenja Wetzenstein. Einen tieferen Einblick erhältst Du auf ihrer Website https://svenja-wetzenstein.de/ und im Rahmen eines Interviews, das Du unter https://astridblohme.de/interview-mit-svenja-wetzenstein findest.
Wenn Du Lust hast, mit einem selbst ausgewählten Bild an einer Podcast-Folge teilzunehmen, schreibe mich gerne über das Kontaktformular auf meiner Website an: https://astridblohme.de/kontakt.
Wenn Du Lust hast, mit einem selbst ausgewählten Bild an einer Podcast-Folge teilzunehmen, schreibe mich gerne über das Kontaktformular auf meiner Website an: https://astridblohme.de/kontakt.
20 Minuten
Keys To Open The Sky. Schlüssel aus Glas? Die brechen doch sofort ab! Der Himmel ist offen oder etwa nicht? Muss man ihn auf- oder zuschließen? Als ich die Schlüssel zum ersten Mal sah, fand ich sie einfach nur schön, aber auch absurd. Vor ein paar Tagen tauchten sie in meiner Erinnerung an die Ausstellung „Peace is Power“ auf, die Yoko Ono 2019 im Museum der bildenden Künste in Leipzig gezeigt hat.
„Absurd“ wäre wohl ein passendes Attribut für das, was noch immer stattfindet, aber sinnlos ist. Das ist natürlich nur mein eigenes arrogantes Urteil, was ich durch die kleinen Schlüssel jetzt dezent unterstrichen sehe.
Die Himmelsschlüssel haben - so oder so - Saison. Mehr zu Yoko Ono’s Objektkunstwerk kannst Du in dieser 10. Podcast-Folge erfahren.
„Absurd“ wäre wohl ein passendes Attribut für das, was noch immer stattfindet, aber sinnlos ist. Das ist natürlich nur mein eigenes arrogantes Urteil, was ich durch die kleinen Schlüssel jetzt dezent unterstrichen sehe.
Die Himmelsschlüssel haben - so oder so - Saison. Mehr zu Yoko Ono’s Objektkunstwerk kannst Du in dieser 10. Podcast-Folge erfahren.
22 Minuten
Rita und Hubert (1954). Wenn Du das hörst, hast Du wahrscheinlich allerlei Assoziationen im Bereich des Gelsenkirchener Barock. Damit liegst Du genauso daneben wie ich, als ich das so betitelte Bild von Alice Neel zum ersten Mal sah. Alice Neel (1900 - 1984), eine US-amerikanische Malerin mit bewegter Geschichte, sah sich als „Seelensammlerin“. Mit ihrer Malerei kehrte sie das Innere der porträtierten Menschen nach außen. Auch bei Rita und Hubert ist ihr das aus meiner Sicht hervorragend gelungen.
Hubert Satterfield war Schriftsteller, der aber - so wie hier im Bild - aufgrund seiner Hautfarbe nicht deutlich aus dem Schatten heraustreten konnte. Er blieb weitgehend unbekannt. Meinen Katalog zur Alice Neel-Ausstellung 2017/2018 in Hamburg habe ich wahllos irgendwo aufgeschlagen und so bin ich bei Rita und Hubert gelandet. Vielleicht nicht ohne Grund, denn Ausgrenzung und Diskriminierung sind noch immer ein ungelöstes Thema.
Hubert Satterfield war Schriftsteller, der aber - so wie hier im Bild - aufgrund seiner Hautfarbe nicht deutlich aus dem Schatten heraustreten konnte. Er blieb weitgehend unbekannt. Meinen Katalog zur Alice Neel-Ausstellung 2017/2018 in Hamburg habe ich wahllos irgendwo aufgeschlagen und so bin ich bei Rita und Hubert gelandet. Vielleicht nicht ohne Grund, denn Ausgrenzung und Diskriminierung sind noch immer ein ungelöstes Thema.
20 Minuten
Es begann alles ganz harmlos am Morgen eines heißen Sommertages in Bayern. Über einen ländlichen Flohmarkt schlendernd fiel mir ein flacher Holzkasten ins Auge, der mit ganz vielen kleinen nostalgischen Puppen gefüllt war. Sie lagen dort wie die Sardinen in einer Büchse und ich fand dieses Bild auf irgendeine Weise attraktiv. Festgehalten per Foto nahm ich die Puppen mit nach Hause und stellte mich der Herausforderung, das Ganze malerisch umzusetzen. So etwas kann schnell in die totale Süßlichkeit abgleiten und das versuchte ich um jeden Preis verhindern. Es scheint gelungen zu sein, denn das Bild hat eine überraschende Dramatik bekommen, auf die mich erst die BetrachterInnen aufmerksam machen mussten. Meine Wahrnehmung war eine ganz andere. In dieser Podcastfolge geht es um die Re-animation von Flohmarkt-Puppen. Oder auch von Menschen und der Kultur insgesamt? Mach’ Dir Dein eigenes Bild!
19 Minuten
Gerade hat auf der Nordhalbkugel der Frühling begonnen und ich spreche über ein Herbstbild der amerikanischen Malerin Georgia O’Keeffe (1887 - 1986). Ein bisschen gegen den Strom schwimmen - das ist jetzt einfach dran. Die „Bäume im Herbst“ von 1920/21 scheinen anstelle von Zweigen Hände zu haben, die fordernd, tanzend und stellenweise auch müde wirken. Die Farben des Indian Summers lodern durch das Bild, rechts gehalten oder gebremst durch einen stoischen dunklen Nadelbaum. Im Hintergrund wölbt sich ein sanftes Gebirge oder aber ein Frauenkörper? Ich selbst finde Landschaften und Blumen malerisch schwierig, denn allzu leicht schleicht sich eine seichte Süße ein. Bei Georgia O’Keeffe ist davon nichts zu spüren, denn sie vermittelt eine ungewohnte und fremde Sicht auf diese Sujets. Ihre Bilder wirken malerisch und inhaltlich auch nach 100 Jahren noch immer absolut modern.
18 Minuten
Drummer und Gitarrist. Dieses großformatige, wilde, expressive Bild hat Rainer Fetting (geb. 1949 in Wilhelmshaven) mehrfach in unterschiedlichen Farben und mit leicht veränderten Details, aber in immer gleicher dynamischer Komposition gemalt. Wenn Du die Bilder anschaust, stehst Du beinahe selbst im CBGB’s, dem New Yorker Punk-Club, den Rainer Fetting Ende der 1970er Jahre wohl sehr häufig besucht hat. Gleißend helle Scheinwerfer, Rockmusiker im Gegenlicht, laute und rohe Malerei. Der Club wurde 2006 geschlossen, aber in dieser Podcastfolge von „Kunst musst Du nicht verstehen“ darfst Du noch einmal ‘rein.
22 Minuten
Selbstüberlistung mit alter Technik. An den Film erinnere ich mich nicht mehr, aber in einem Still, in dem sich zwei aufeinander folgende Bilder durch Aufnahme mit einer in die Jahre gekommenen Digitalkamera überlagern, gab es malerisch und farblich viel zu entdecken. So ist 2013/2016 Futur II entstanden. Erst jetzt habe ich im Rückspiegel erkannt, was damals durch dieses fragmentiert erscheinende Bild wohl ausgedrückt werden wollte. Es ging um mehr als das flirrend bunte, überdrehte urbane Leben. In der neuen Podcastfolge von „Kunst musst Du nicht verstehen“ bin ich nicht nur Bildbetrachterin, sondern ich spreche aus dem Blickwinkel der Malerin auch darüber, wie ein Bild das eigene Leben ein bisschen entschlüsseln kann.
25 Minuten
Mr. und Mrs. Clark und Percy. Es gibt Einblicke ins Schlafzimmer von Ossie und Celia Clark. Auch eine Katze ist dabei. Alles medientaugliche Zutaten. Um die Erwartungen ein wenig zu dimmen: Die Clarks sind oder waren Freunde von David Hockney, der die beiden 1970/71 auf einer lebensgroßen Leinwand mit Acrylfarbe dargestellt hat - gekleidet im Stil der Zeit. Katze Percy wendet sich im Gegensatz zum jungen Ehepaar vom Bildbetrachter ab. Das Schlafzimmer habe ich für ein Wohnzimmer gehalten, aber das spielt keine Rolle. In dieser Podcastfolge von „Kunst musst Du nicht verstehen“ geht es um Zwischenmenschliches, um viel Türkis und um den Künstler selbst.
24 Minuten
Mark Rothko (1903 - 1970). Seine Bilder sind wahrscheinlich bekannter als der Maler selbst. In Form von Kunstdrucken und Malereien „so ähnlich wie…“ sind die hauptsächlich über die Farbe und die Art des Farbauftrags wirkenden Arbeiten beinahe allgegenwärtig. Wie so oft lässt sich das Ausmaß, in dem die Originalwerke berühren können, kaum aus Printmedien heraus ermessen. 2008 hatte ich das Glück, Rothko’s Bilder in einer umfassenden Retrospektive in der Hamburger Kunsthalle zu erleben.
In dieser Podcastfolge geht es um inhaltliche Sichtweisen, Rothko’s Maltechnik und wie beides mit seiner Persönlichkeit verwoben gewesen sein könnte.
Die Farbwahl, der Auftrag mit dem Übereinander und Untereinander, Transparenz und Dichtheit, das Geschehen an den Farbfeldrändern, ein extrem ausgereizter Bildaufbau - all das machen seine Bilder so spannend bis hin zur Dramatik. Farbe mit voller Wucht.
In dieser Podcastfolge geht es um inhaltliche Sichtweisen, Rothko’s Maltechnik und wie beides mit seiner Persönlichkeit verwoben gewesen sein könnte.
Die Farbwahl, der Auftrag mit dem Übereinander und Untereinander, Transparenz und Dichtheit, das Geschehen an den Farbfeldrändern, ein extrem ausgereizter Bildaufbau - all das machen seine Bilder so spannend bis hin zur Dramatik. Farbe mit voller Wucht.
19 Minuten
Cecily Brown, eine zeitgenössische Malerin (geb. 1969 in London), hat die Ölmalerei mit kontrolliert unkontrollierter Unruhe und Farbigkeit neu belebt. Bei ihr steht man oft riesigen Formaten gegenüber, in denen unzählige kleine Geschichten zu entdecken sind. Aus der Ferne betrachtet spielt sich etwas anderes ab als in direkter Leinwandnähe. Diese Offenheit, Rätselhaftigkeit, aber auch der explosive Malstil (offiziell: neuer Expressionismus) machen die Attraktivität der Bilder aus. Die Meinungen darüber sind durchaus zwiespältig. „Leere Ästhetik ohne Inhalt“ - so kann man es sehen, wenn das Glas halb leer ist.
Es gibt einige Beispiele erotischer Darstellungen in der Kunstgeschichte. Courbet hat sich bei mir diesbezüglich am deutlichsten eingeprägt. Cecily Brown wird jedoch unterstellt, ihre teilweise sehr gewagten Bilder seien ein Element ihrer Marketingstrategie. Welche Rolle spielt das? Ihr Werk ist so vielfältig wie jedes einzelne Bild. Vielleicht zieht Dich die unbeschreibliche Lebendigkeit ihrer Malerei genauso in den Bann wie mich. Achtung, es wird laut.
„Roody Hooster“ - dazu konnte ich keine sinnvolle deutsche Übersetzung ergoogeln. Womöglich verbirgt sich dahinter etwas Unanständiges. So what!
Es gibt einige Beispiele erotischer Darstellungen in der Kunstgeschichte. Courbet hat sich bei mir diesbezüglich am deutlichsten eingeprägt. Cecily Brown wird jedoch unterstellt, ihre teilweise sehr gewagten Bilder seien ein Element ihrer Marketingstrategie. Welche Rolle spielt das? Ihr Werk ist so vielfältig wie jedes einzelne Bild. Vielleicht zieht Dich die unbeschreibliche Lebendigkeit ihrer Malerei genauso in den Bann wie mich. Achtung, es wird laut.
„Roody Hooster“ - dazu konnte ich keine sinnvolle deutsche Übersetzung ergoogeln. Womöglich verbirgt sich dahinter etwas Unanständiges. So what!
24 Minuten
Kunst berührt mich ganz tief, wenn sie mir neue Erkenntnisse über mich selbst oder ganz allgemein über das Leben beschert. Edvard Munchs Bilder sind in dieser Hinsicht besonders kraftvoll. Mit meiner allerersten Podcast-Folge habe ich mich selbst überrascht: Ich zog den Katalog einer Munch-Ausstellung, die ich 2012 in Bremen gesehen hatte, aus dem Regal, schlug irgendeine Seite auf und landete bei einem Bild von 1894: "Die Frau. Sphinx". Das Thema darin begegnete mir während der Produktion des Podcasts an mehreren anderen Stellen. Wieder einmal eine sonderbare Synchronizität.
Du darfst Dich zurücklehnen und Dich mitnehmen lassen in die Tiefen von Munchs Malerei - und vielleicht auch Deiner eigenen Seele.
Du darfst Dich zurücklehnen und Dich mitnehmen lassen in die Tiefen von Munchs Malerei - und vielleicht auch Deiner eigenen Seele.
5 Minuten
Worum geht's hier eigentlich? Antworten gibt es in diesem Intro.