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Der Literaturpodcast der vergessenen Bücher Archiv

298 Episoden
3 Minuten
Je weiter wir in die Geschichte von Isaac Rosas Roman "Ein sicherer Ort" in der Übersetzung Luis Ruby vordringen, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, dass wir an einem solchen Ort nicht leben wollen. Lieber sterben, als unter der Erde hinter atombombensicherem Beton zu hausen und mitzuerleben, wie allmählich die Vorräte zur Neige gehen, ohne zu wissen, was an der Oberfläche vor sich geht.
3 Minuten
Sie hat eine Geschichte in Streifzügen über jenes Paris geschrieben, das hinter der Périphérique liegt. Es als Banlieue in die Nachrichten schafft, wenn wieder mal Autos brennen, Randbezirke, die die französische Hauptstadt jedoch ebenso prägen, wie der Eifelturm und die Bastille. Zusammen mit Bruno Boudjelal, einem Fotografen, der eine Doku über die Neun-Drei-Departements plant, schlendert sie durch die Pariser Vorstädte, begibt sich auf Spurensuche, findet sich auf Friedhöfen, auf Industriebrachen, vor Mietskasernen wieder, die von den Späher der Drogendealer bewacht werden.
3 Minuten
Obwohl die Schiffspassagen bezahlt sind, auf jeden ein anderes Schicksal wartet, bewegen sich die drei Freunde in Michael Ondaatjes Roman "Katzentisch" wie blinde Passagiere an Bord. Sie reisen übers Meer von Colombo nach London. Der Ich-Erzähler zu seiner Mutter, die ihn vor fünf Jahren zurückgelassen hat. Wehmut macht sich breit, die Melancholie geht mit dem Gefühl des Verlusts einher.
3 Minuten
Wie der Blick auf einen Roman sich doch langsam verändert. Auf Deutsch ist Philip Roths "Nemesis" als erstes 2011 erschienen. Mag er damals, weil die Geschichte 1944 spielte, die Erschütterung in Newark beschrieb, historischen gewirkt haben, weitet sich nach Corona unser Blick auf die damalige Polioepidemie und mischt sich mit den eigenen Erfahrungen einer Pandemie.
2 Minuten
Die südkoreanische Autorin Han Kang wagt in ihrem Roman "Griechischstunden" die Begegnung einer verstummten jungen Frau mit einem viel älteren Griechischlehrer, der allmählich erblindet. Zu schweigen, kann eine scharfe Abwehr sein, um der Welt aus dem Weg zu gehen, um das Unverständnis anderer Leute an einem zu ignorieren, um das Leben erträglicher zu machen.
3 Minuten
Da der Vater, der ihrer Schwester die Haare abschneiden lässt, weil sie gerade zur New Romantic gefunden hat und in ihre Punkphase eingetaucht ist. Da die Mutter, die hinter ihrem Mann verblasst. Dana von Suffrin erzählt von einem familiären Tableau in den 1990er Jahren, das erneut erwacht, als der Vater stirbt und Rosa seine Wohnung ausräumen muss.
2 Minuten
Wenn Arthur Kellerlicht noch mit Achtzehn gezüchtigt wird, bevor er das Internat verlassen darf, um nach Paris aufzubrechen, ist das für sein Selbstbewusstsein, seine Seele nicht gerade förderlich. Es plagt ihn die Scham. Er gibt sich selber die Schuld daran. Hätte er nicht die unerlaubten Bücher gelesen, hätte er nicht die Finger von sich lassen können, statt sich selbst zu befriedigen, wäre er nicht aus der Heimat vertrieben worden, um in einer französische Erziehungshölle zu stranden, würden die Menschen ihm dann nicht wohlwollender begegnen?
2 Minuten
In Paul Austers Roman "Baumgartner" wechseln sich melancholische Episoden mit verstörenden ab, wenn er unter anderem glaubt, dass seine seit über zehn Jahren tote Ehefrau ihn anruft. In der Übersetzung von Werner Schmitz bedrängen ihn seine Begegnungen, verfällt er ganzen Lebensläufen. Da ist Anna, die Ehefrau, mit der Sy über vierzig Jahre glücklich verheiratet war. Da ist sein Werk.
3 Minuten
Die Deutschiranerin Nilufar Karkhiran Khozani nähert sich in der Figur einer Psychologiestudentin sich selbst an. Eine Tochter bricht zu einer Reise in den Iran auf, um ihre Familie, vor allem aber dem Vater zu begegnen. Als junges Mädchen hat er sie bei ihrer Mutter gelassen und ist zurück in den Iran gegangen. Trotz aller Versuche, in Deutschland Fuß zu fassen, trotz all Geschäftsideen ist er niemals dort angekommen.
3 Minuten
In Sarah Moss Roman "Sommerwasser" gelingt der Autorin etwas äußerst Seltenes. Die Familie drängt sich nicht auf, indem sie möglichst schrullig von ihrem eigenen Unglück berauscht daherkommt. Moss erzählt den Aufbruch in einen verregneten Urlaub und zeigt sie in den wenigen Momenten davor, die sie für sich haben.
3 Minuten
Im Kern dreht sich alles in Benjamín Labatuts Roman "Maniac" um die Frage, tragen wir die Verantwortung für das, was aus unseren Entdeckungen, unseren Forschungen wird? Angesichts der Wissenschaftler, deren Leben er nacherzählt, eine äußerst beunruhigende Frage. Fanatiker, Spieler, Lebensunfähige, dazwischen eine Handvoll Gutmenschen. Bei aller Exzentrik ist John von Neumann, der Erfinder der Spieltheorie, der Geburtshelfer der Atombombe und Vordenker des Personal Computers, nur an einem interessiert, die Grenzen des Denkbaren zu sprengen.
2 Minuten
Jon Fosses Figuren haben etwas auf sich Verdichtetes, bewegen sich in Schleifen, Strudeln, halten ihre Gedanken kurz an, als versuchten sie, sich abzusichern, dass das, was sie erleben, empfinden, wirklich so ist. Mitunter scheinen sie in Gefahr zu geraten. Fosse gelingt es, sie aus dem Alltag zu lösen, ihnen einen Moment der Zufriedenheit zu schenken. So bewegen wir uns als Leser durch die Vermutung der ständigen Annäherung.
2 Minuten
Roman Rozina erzählt in "Hundert Jahre Blindheit" ein Epos, eine Chronik der slowenischen Umwälzungen im 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Jungen Matijas und seiner Schwestern, die ihr Zuhause verlieren und mit den Eltern in eine Bergbausiedlung umziehen müssen, ist eine Geschichte voller Kriege, Besetzungen, Revolutionen, Diktaturen und verlorener Hoffnungen.
2 Minuten
Wie gewohnt rückt Houellebecq die französische Intelligenzija in ihrer stupenden Ohnmacht in den Mittelpunkt. Der Ich-Erzähler ist Akademiker, beschäftigt sich mit Huysmann und kann sich dem anstehenden Präsidentschaftswahlkampf nicht entziehen, weil die Vorboten überall sind. Es kommt in Paris zu tumultartigen Auseinandersetzungen, die selbst im demonstrationsfreudigen Frankreich für Beunruhigung sorgen. Was ist bloß mit der öffentlichen Ordnung los?
2 Minuten
Wie leicht fällt es uns diesen Marlow, der davon erzählt, wie er in den Kongo gezogen ist, um das Kommando eines abgetakelten Flussdampfers zu übernehmen und für eine belgische Handelsgesellschaft zu arbeiten, als Kolonialisten, gar als Rassisten, jedenfalls als verkrachte Existenz zu sehen. Zwar ist er kein Reisender auf der Suche nach Exotik, aber er würde alles tun, um wieder ein Schiff unter die Füßen zu bekommen.