89 Schritte Archiv
28 Episoden
29 Minuten
Karsten Janotta ist Informatiker, bloggt, macht Musik und fotografiert in seiner Freizeit. Er erlebt die Flutnacht am 14/15 Juli auf den Straßen in Bad Bodendorf. Diese Nacht hinterlässt starke Spuren in sein Gedächtnis. Ein Jahr wird er brauchen, um diese Nacht in seinem Blog zu beschreiben. Ich lerne ihn bei der Gedenkfeier an die Flutkatastrophe kennen und danach spazieren wie an einem heißen Sonntag Ende Juli durch die Straßen im Kurviertel in Bad Bodendorf, an die Ahr, über die Bodendorfer Brücke - er erzählt Geschichten, wir sprechen, schweigen, lachen...Und ich erfahre wirklcih viel über ihn, seine Wünsche und Freunde, das Leben in Bad Bodendorf… Den Text über den 14. Juli 2021 schreibt er am 14.Juli 2022 - und er kann hier gelesen werden: https://www.karsten-janotta.de/14-juli-2021/ Die Musik in dieser Folge "Afterlife" schreibt er einen Monat nach der Flut.
17 Minuten
Stephan Maria Glöckner kennt im Ahrtal fast jeder. Der Musiker und Künstler aus Bad Neuenahr, der durch die Flut stark betroffen wurde und jetzt woanders wohnt, spricht mit seiner Gitarre, persönlichen Texten, Worten und sanfter Ausstrahlung vielen aus der Seele. Sein Bild „TRAUMATAL“ wird eine Metapher für das Erleben der Menschen im Ahrtal - und ist auch Titelbild der Ausstellung #AHRt im ARP Museum. Zum Jahrestag der Flutkatastrophe singt Stephan Maria Glöckner auf mehreren Veranstaltungen im Ahrtal. Hier - eine Begegnung während der Ausstellung #AHRt im ARP Museum.
30 Minuten
Hildegard Ginzler ist Journalistin und erlebte die Flutnacht in ihrem Haus in Sinzig. Wir treffen uns fast ein Jahr nach der Flut und sprechen, wie immer, über diese Nacht, und die neuen Erfahrungen, die jede für sich gemacht hat. Zum ertsen Mal kommt zum Ausdruck die besondere Empfindlichkeit, die man entwickelt hat, und dass einiges nur mit anderen Betroffenen ausgesprochen werden kann. Ein Gespräch auch über die "Gerechtigkeit der Flut" und über die Utopie, die in den Tagen nach der Flut Realität wurde - "Alle Menschen werden Brüder" - wo sind wir jetzt? Jede und jeder, fast ein Jahr danach?
29 Minuten
Ralf Kubon aus Bad Bodendorf ist 28 Jahre alt. Wir treffen uns auf einer Veranstaltung für Ukraine in Remagen. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine hatte er Flaschbacks aus den Tagen nach der Flut im Ahrtal und er wußte sofort - jetzt will er den Menschen in der Ukraine helfen. Maxim Poliakov aus Charkev ist 29 Jahre alt. Ralf und Max treffen sich an der polnisch-ukrainischen Grenze und wissen sofort - wir wollen weiter zusammen arbeiten. Sie gründen I.M.E.S (Immediate Medical and Evacuation Services). Mit den beiden sitzen wir an einem heißen Tag im Mai auf unserer Terrasse in Bad Bodendorf und sprechen über die Hilflosigkeit, die Zerstörung und den Mut.
25 Minuten
Anton Simons ist Journalist. Wir wohnen in einer Nachbarschaft in Bad Bodendorf. Im Unterschied zu mir, hat Anton (Toni) hier seine Wurzeln und Vorfahren. Ich bescheibe ihn als der "digitale Chronist" vom Kreis Ahrweiler (er überlegt etwas, ob das so stimmt, und sagt zu). Das von ihm vor Jahren gegründete regionale Wikipedia - AW-Wiki ist das größte regionale Wiki- Portal in Deutschland mit tausenden freiwilligen Mitarbeitern aus der Region. Sein Familienhaus wurde bei der Flut stark betroffen, eine Familenwiese - auch. Wir spazieren durch die damals überfluteten Wiesen und Waldwege um Bad Bodendorf und sprechen über das, was jetzt bei ihm nach der Flut bleibt.
26 Minuten
Das sagt der Künstler Rolf Habel, den ich in letzter Zeit im Ahrtal kennenlerne. Er hat die Flut in Bad Neuenahr erlebt und überlebt. Als er vor etwa 20 Jahren ins Ahrtal gekommen ist, war er obdachlos. Die Flut macht ihn obdachlos zum dritten Mal. Aber wenn er „Danke, liebe Flut!“ sagt - meint er das ernst. Und mehr.
28 Minuten
Karen Balzer und Hermann Schug. Dieses Ehepaar in Schuld, im Ahrtal, steht hinter dem weltbekannten Theater „Feuervogel“, das mit der Sprache der Bilder, Märchen und Mythologie arbeitet. Stelzen-Tanztheater, Akrobatik, unkonventionelle Gestaltung, ständiges Experimentieren, ort-gebundene Projekte - sind nur einige Merkmale deren Philosophie. Das Ehepaar verliert bei der Flut im Juli 2021 alles, was sie bei ihrer Arbeit fast 30 Jahre gesammelt und aufgebaut haben - Atelier, Bühnen, Kostüme, Technik. Ein Gespräch in der Küche in deren Haus in Schuld - über das Zauberhafte und Dämonische, das in allen Dingen schläft... Mehr über die "Feuervogel" kann man hier lesen: http://www.theater-feuervogel.de/
30 Minuten
Mayschoß und die Ukraine? Es gibt ganz klare Parallelen, sagt Hubertus Kunz. Ich besuche ihn an einem sonnigen Tag in Mayschoß, in seinem neuen temporären "Zuhause" - dem Pfarrhaus. Wir trinken Kaffee. Im hellen Zimmer mit großen Fenstern steht eine Nähmaschine. Hubertus Kunz war während der Flutkatastrophe im Juli 2021 der Bürgermeister von Mayschoß. Geboren in Karlsruhe, wo er nur bis zu seinem dritten Lebensjahr lebte, kurz nach dem Tod seines Vaters. Die Mutter kehrte in die Heimat zurück, nach Mayschoß. Als Kind wollte er Winzer werden, ist aber Religionslehrer geworden. Jetzt, seit ein paar Monaten, ist er in Rente. Während unseres Gesprächs läuten die Glocken der Kirche mehrmals. Sie werden der Ausgangspunkt unseres Gesprächs und begleiten uns die ganze Zeit.
29 Minuten
Sarah Irmgartz wohnt in Heimersheim mit ihrer Familie und ist dort auch aufgewachsen. Sie ist Sozialpädagogin, Yoga-Lehrerin und betreibt das Gopika-Yoga Studio. Zwischen uns ist eine spontane Freundschaft nach der Flut entstanden und wir spazieren seit November 2021 oft gemeinsam an die Ahr, Bodendorf, Heimersheim, Heppingen, Lohrsdorf, Bad Neuenahr...Ich liebe unsere Gespräche und merke, wie gut es mir tut, und uns beiden auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und einfach zu wissen, wie es denen geht... Diesen Spaziergang starten wir in Bad Neuenahr bei der neuen Behelfsbrücke.
22 Minuten
"Ein Baum für jeden Verstorbenen" Die Künstlerin Margarete Gebauer öffnet in unserem Gespräch ein großes Thema - wie soll ein Denkmal, ein Gedenken an die Flut und die Flutopfer im Ahrtal aussehen? In der Flutnacht wurde ihr Atelier überflutet, wo ihr ganzes Lebenswerk steht. Als ich sie in ihr Haus und Atelier in Bad Bodendorf Ende Januar 2022 besuche, reflektiert sie das Geschehene und die eigene Haltung mit etwas Selbstironie und findet sogar - sie kann der Flut dankbar sein. Warum? Hören Sie zu! Ein bewegendes Gespräch über Traumata und Wunder im Ahrtal. Musik in dieser Folge: Christopher Fankhauser Klavier: Ursula Welters
27 Minuten
"Es ergibt für mich keinen Sinn". In der zweiten Folge von "89 Schritte" spreche ich mit Stephan Neuhaus-Kiefel aus Heppingen. Stephan arbeitet als Trauer- und Hochzeitsredner und ehrenamtlicher Priester für die Alt-Katholische Kirche. In meinem Bekanntenkreis ist er der einzige Trauerredner, den ich kenne. Er spicht darüber, was es bedeutet nach der Flut ganz blockiert zu sein und wie er den Weg aus diesem Zustand findet. Wie wichtig es ist, einige Schritte nicht zu schnell zu gehen - z.B. - das Geschehene zu erklären oder einen Sinn zu finden, wenn es keinen gibt.
41 Sekunden
Einzelgespräche im Gehen, beim Spazieren an die Ahr, beim Tee zu Hause. Stimmen und Schritte.
26 Minuten
Episode #1: Ein Spaziergang mit Martin an die Ahr. Martin und ich wohnen seit mehr als einem Jahr in Bad Bodendorf, an der Ahr. Martin ist hier aufgewachsen, jetzt arbeitet er therapeutisch mit eigener Praxis. Wir spazieren zwischen Bodendorf und Heimersheim und sprechen über das, was wir sehen. "Es ist jetzt ein neuer Raum entstanden, für die eigenen Gefühle", sagt Martin. 89 Schritte. Ein Podcast von Diana Ivanova