Klassik Ultras Archiv
46 Episoden
5 Minuten
Alleine im Studio arbeitete sich unsere Podcasthost Catharina in der 15. Klassik Ultras Folge durch die tieftraurige Musik von Peter Tschaikowsky. Seine 6. Sinfonie, die auch sein letztes Werk ist, trägt den programmatischen Titel „Pathetique“. In jeder einzelnen Note steckt ein Stück Lebensgeschichte des Komponisten, als sei die Musik ein Spiegel seiner Erfahrungen. Eine Gefühlsreise zwischen schmerzvoller Sehnsucht und strahlender Hoffnung.
16 Minuten
Die Klassik Ultras feiern ihren 1. Geburtstag! Ein Grund zu feiern und das gemeinsam mit einem Stargast, der in dieser Folge ganz genau von den beiden Hosts unter die Lupe genommen wird. Freut euch auf eine spektakuläre Spezialfolge und erfahrt allerhand Spannendes über das Festival Modern Times, mit dem die Staatsphilharmonie im September in die neue Saison startet.
11 Minuten
Was kommt nach dem iPhone? Wird es noch einmal ein Handy geben, das den Markt derart euphorisieren kann? Das Menschen dazu bringt, sich zu verschulden oder tagelang vor den Apple-Stores dieser Welt zu campieren? Wie müsste es aussehen, was müsste es können? Es ist wahrscheinlich unmöglich, diesen Erfolg zu wiederholen, aber wer es schaffen würde, wäre reich und unvergessen. Ähnlich muss sich Komponieren im Jahr 1827 angefühlt haben. Beethoven war gerade gestorben und hatte der Nachwelt neun alles überstrahlende Sinfonien hinterlassen. „Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“, fragte Franz Schubert und er war nicht der einzige, der sich dieser Frage gegenüber quälend ratlos fühlte. Johannes Brahms arbeitete, experimentierte und verwarf 14 Jahre lang, bevor er 1876 seinen Prototypen an den Start brachte, der die Welt veränderte.
11 Minuten
Die Sache ist die: Irgendetwas ganz Neues sollte entstehen. Beethoven hatte mit der 9. Sinfonie das Prinzip der Steigerung zu einem nicht überbietbaren Höhepunkt betrieben. Für den im Finale einsetzenden Chor mit der „Ode an die Freude“ gibt es keine Steigerung. Mehr geht nicht. Wie sollen andere Komponisten darauf musikalisch antworten? Ein Johannes Brahms zum Beispiel, der 14 Jahre lang experimentierte bis er mit dem Ergebnis seiner 1. Sinfonie zufrieden war. Aus dem dabei entstandenen Kompositionsprinzip wich er jedoch dann auch nicht mehr ab und hinterließ der Nachwelt insgesamt vier ganz eigene Sinfonien.
9 Minuten
Glück kann man nicht festhalten. Ein wesentliches Merkmal ist seine Flüchtigkeit. Mit der Musik verhält es sich ganz ähnlich. Für die kurze Dauer, etwa eines Konzerts, ist sie anwesend und verschwindet mit dem Schlussakkord ins Nichts. Elgars Cellokonzert klingt, als wolle jemand das Glück mit aller Kraft festhalten – in vollem Bewusstsein dessen, dass dies unmöglich ist. Tragisch und wunderbar melancholisch entfaltet die Musik himmlische Melodien. Es ist wie Weltschmerz, schrecklicher Liebeskummer und unbestimmte Sehnsucht zusammen: Ein unbeschreibliches Leiden, das es andächtig zu genießen gilt.
14 Minuten
Bruckner war ein kleiner Mann, der große Anzüge trug. Er war sehr heimatverbunden, zurückhaltend und nicht besonders kommunikativ. Insgesamt neun erfolglose Heiratsanträge verfasste er allesamt in Briefform – manche sogar an Frauen, die er nicht einmal persönlich kannte. Um einen kleinen Einblick in die Liebesprosa des Anton Bruckner zu bekommen, hier ein kleiner Ausschnitt seines letzten Versuchs, der in etwa so geht: „Hallo, ich bin Anton Bruckner, der berühmte Komponist. Möchten Sie mich heiraten?“ Wesentlich erfolgreicher als seine Liebesbriefe waren seine Sinfonien – die Sprache, mit der er dort argumentiert, trifft das Herz wie Amors Pfeil.
8 Minuten
Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? ... Esel! Das Echo hielt im 16. Jahrhundert Einzug in die Musik und legte den Grundstein für Sinfonien und Solokonzerte, wie Schumanns „Rheinische“ oder Webers Klarinettenkonzert. Als Erfinder der Mehrstimmigkeit gilt Gabrieli, der an seinem Arbeitsplatz, dem 8.000 m² großen Markusdom in Venedig mit der speziellen Raumarchitektur experimentierte. Er platzierte seine Musiker in unterschiedlichen Nischen und auf Emporen des Doms und erzeugte durch die Echos einen frühen Surround-Sound. Was vor über 400 Jahren im Markusdom begann, inspiriert Komponisten bis heute. Zum Beispiel Manfred Trojahn zu dessen „Ariosi“ für Sopran, Bassettklarinette und Orchester.
7 Minuten
Charles Ives war schon als kleiner Junge fasziniert von Klangexperimenten. Er begann zu komponieren und wurde mit vierzehn Jahren zum jüngsten Berufs-Organisten im Staat Connecticut. Doch von der Musik zu leben hätte bedeutet Kompromisse einzugehen, denn Ives‘ radikale musikalische Ideen richteten sich nicht nach einem zahlenden Publikum. So entschied er sich, ein Doppelleben zu führen: Unter der Woche verdiente er als Versicherungsmakler viel Geld und krempelte ambitioniert die ganze Branche um. Am Wochenende widmete er sich seinen Kompositionen, die in die Zukunft wiesen und nachfolgende Generation, darunter George Gershwin, beeinflussten.
7 Minuten
Wie im Rausch arbeitete Peter Tschaikowksy im Frühjahr 1878 am Genfer See an seinem Violinkonzert in D-Dur. Es sollte Ausdruck purer Lebensfreude sein. „In solchem Gemütszustand verliert das Schaffen gänzlich das Gepräge der Arbeit“, schrieb er ganz euphorisch an seine Freundin und Gönnerin Nadeshda von Meck. Dass er noch einmal eine solche Freude verspüren würde, hätte Tschaikowsky selbst gar nicht mehr für möglich gehalten – schließlich war er in die Schweiz gereist, um sich von einem schweren Nervenzusammenbruch zu erholen. Quälende Jahre lagen auch hinter Johannes Brahms bis er mit sich als Sinfonien-Komponist zufrieden war. Dann aber schien der Knoten geplatzt zu sein. Über Brahms 3. Sinfonie urteilte Clara Schumann: „Welch ein Werk, welche Poesie, die harmonischste Stimmung durch das Ganze, alle Sätze wie aus einem Gusse, ein Herzschlag, jeder Satz ein Juwel!“
6 Minuten
Gäbe es eine Kategorie „Musik zum Verschlingen“, gehörte die 1. Sinfonie von Wassili Kalinnikow selbstverständlich dazu. Das bezweifeln Sie jetzt womöglich, weil Sie den Komponistennamen nie zuvor gehört haben. Vielleicht legen Sie deswegen diesen Text gleich beiseite, um zu schauen wann Brahms und Beethoven auf dem Programm stehen? Bitte tun Sie das gerne, aber hören Sie auch Kalinnikow – Sie würden sonst ein Wunder verpassen.
8 Minuten
Der finnische Dirigent Esa-Pekka Salonen komponiert auch. Er schrieb eine Etüde für Bratsche Solo, die sich auf das berühmte Bratschenkonzert von Béla Bartók bezieht. Abgesehen vom Solopart sind von dem Konzert lediglich Skizzen überliefert, denn Bartók konnte das Werk vor seinem Tod nicht mehr vollenden. Dieses Schicksal teilt Schuberts 7. Sinfonie. Die „Unvollendete“ ist für ihr düster-hypnotischen Eröffnungsthema bekannt und durch die besondere Werkgeschichte zusätzlich vom Nimbus des Rätselhaften umgeben.
6 Minuten
Es ist 1965 und in der New Yorker Carnegie Hall sitzt ein junger Mann namens Gilbert Kaplan. Er ist Anfang zwanzig und als Sohn eines Schneiders nicht reich auf die Welt gekommen. Doch Gilbert Kaplan weiß sich klug anzustellen und wird unfassbar reich – gewissermaßen vom Tellerwäscher zum Millionär. Fortan verfolgt er mit seinem Reichtum ein einziges Ziel: Er will Mahlers 2. Sinfonie aufführen, die ihn bei seinem Konzertbesuch 1965 vollkommen in den Bann gezogen hat. Ohne große musikalische Vorbildung nimmt er Dirigierunterricht. 1981 mietet er zu ersten Versuchszwecken das American Symphony Orchestra. Später wird er zu einem weltweit bekannten Dirigenten, der über 50 angesehene Orchester mit der 2. Sinfonie leitete. „O glaube, du warst nicht umsonst geboren …“ ist eine der bewegenden Zeilen in Mahlers Werk. Für Gilbert Kaplan hat sie sich bewahrheitet.
9 Minuten
Prinz Iwan möchte die 13 Jungfrauen befreien, die der Zauberer Kastschej im Reich des Bösen gefangen hält. Besonders die Prinzessin Zarewna liegt ihm am Herzen, denn in sie hat er sich unsterblich verliebt. Aber Kastschej und seine Dämonen sind gefährlich und bedrohen Iwan. Als die Not am größten ist, kommt der Feuervogel zu Hilfe. Mit einem Zauber bringt er alle Feinde zum Tanzen. Dann singt er ein Wiegenlied und Kastschej und seine Gefolgschaft schlafen ein. Die Musik klingt wie ein Besuch im Nostalgieladen, Strawinsky beschreibt den Sieg des Guten über das Böse mit launenhafter Wildheit und zart schillernder Raffinesse. Für Strawinsky war der „Feuervogel“ ein wichtiger Schritt, der von Russland nach Frankreich führte. Die Musik zeichnet diesen Weg nach: Vom wohligen Zuhause geht es in Richtung Avantgarde.
8 Minuten
Die lustigsten Geschichten schreibt das Leben selbst, weswegen sich das gelangweilte Zirkuspublikum vor Lachen schüttelt, als plötzlich die Figur des Tramps in die Manege stürmt. Dass sich dieser eigentlich in einer misslichen Lage auf der Flucht vor der Polizei befindet, steigert die Komik nur noch mehr. Unfreiwillig zum Star in der Manege geworden, verpflichtet der habgierige Zirkusdirektor den Tramp als Clown. Doch die Schwierigkeiten sind vorprogrammiert, denn er kann nicht auf Kommando lustig sein. Als er sich in die Kunstreiterin Merna verliebt, ist aller Schmerz zunächst vergessen, doch auch diese Geschichte verläuft anders als erwartet.
10 Minuten
Dem Publikum eine genaue Kenntnis moderner Musik zu verschaffen, war Arnold Schönbergs Ziel, als er den Verein für musikalische Privataufführungen gründete. Es war seine Antwort auf verständnislose Kritiker, Provokateure, apathische Musiker und überhaupt auf ein Musikleben, das in Selbstgefälligkeit und Routine zu versinken drohte. Euphorisch studierten die Schönberg-Schüler Werke ein, die sie ausschließlich vor Vereinsmitgliedern aufführten. Ein Orchester stand aus Platzgründen nicht zur Verfügung. Dennoch wurden im Verein sinfonische Werke in eigens für Kammermusikensembles entwickelten Bearbeitungen gespielt. Auch Bruckners 7. Sinfonie, die selbst im Miniaturformat nicht an Großartigkeit verliert, stand auf dem Spielplan. Hinter der Bearbeitung steckten die Schönberg-Schüler Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl. Als die drei 1921 ihre Arbeit beendet hatten, war der Verein allerdings bankrott, sodass es zu keiner Aufführung mehr kommen konnte. Programm: Anton Bruckner Sinfonie Nr. 7 E-Dur, Bearbeitung für Ensemble