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Diskothek Archiv
14 Episoden
1 Stunde 59 Minuten
Othmar Schoecks Bruder war Hobby-Cellist und spielte ihm oft die Gesangspartien aus dessen neuen Vokalwerken vor. So erstaunt es nicht, dass der Brunner Komponist auch dem Cello zu einem grossen gesanglichen Auftritt verhalf – wenn auch erst in seinem Spätwerk nach dem Krieg, im Jahr 1947. Allerdings spielte nicht Schoecks Bruder die Uraufführung des spätromantischen Cellokonzerts in Zürich, sondern kein geringerer als Pierre Fournier, zusammen mit dem Tonhalle-Orchester Zürich. Es ist ein ganz besonderes Konzert, in welchem das Soloinstrument nicht mit einem grossen Orchester musiziert, sondern eng verwoben mit einem kleineren Streichorchester dialogisiert. Wir erleben Schoeck hier als grossartigen Melodiker, wie auch als ideenreichen Harmoniker und begnadeten Kontrapunktiker. Der vielseitige Schlusssatz ist quasi eine Oper en miniature, inklusive grosser Gesangsszenen, einer Art Rezitativ und einem verspielten Finale. Gäste von Moritz Weber sind die Dirigentin Graziella Contratto und die Cellistin Carla Keller.
1 Stunde 59 Minuten
Überraschende Harmonien, kühne Einfälle und ständig wechselnde Stimmungen: Mit seinen Royal Consorts schuf William Lawes Musik voller Fantasie. Er hat sie 1635 für den englischen König Charles I. komponiert. Das Besondere: Lawes kombiniert die warmen Klänge der Gamben mit der damals modernen Geige. Die Royal Consorts gehören zu den originellsten Instrumentalwerken des englischen Barocks. Die Besetzung mit Geigen, Gamben und Basso continuo ist damals ungewöhnlich, erzeugt aber einen besonders feinen und farbenreichen Klang. Dazu komponiert Lawes gewagte Harmonien, überraschende Wendungen und starke Kontraste – mal höfisch und elegant, mal kühn und experimentell. Musik voller Erfindungsgeist für den Hof von König Charles I.. In der Diskothek vergleicht Jenny Berg verschiedene Aufnahmen des ersten dieser Royal Consort Sets gemeinsam mit der Gambistin Caroline Ritchie und der Geigerin Leila Schayegh.
2 Stunden
Es sind Werke voller Leidenschaft, voller Kontraste und abrupter Stimmungswechsel, die vier grossbesetzten Hamburger Sinfonien von C.P.E. Bach. Während sich Bach bei Friedrich dem Grossen in Potsdam in seinen Arbeiten nach dessen Gusto zu richten hatte, war er in Hamburg als Nachfolger von Telemann als städtischer Musikdirektor viel freier. Dieser Posten ermöglichte es ihm, kompositorisch zu experimentieren, was in den Sinfonien Wq183 gut zum Ausdruck kommt. Die Bläser z.B. verstärken nicht nur die Streicher, sondern bekommen hier eine eigenständige Funktion. In der Diskothek werden fünf Aufnahmen von Carl Philipp Emanuel Bachs Sinfonie G-Dur Wq183/4 verglichen. Erstausstrahlung: 23.11.2020
1 Stunde 59 Minuten
Jeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prämierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf. In diesem Monat: - Leonard Bernstein: West Side Story - Florence Price: Klaviersonate e-Moll - Alfred Schnittke: Violinkonzert Nr. 3
1 Stunde 59 Minuten
Trillerketten, Sprünge, Akkord- und Doppelgriffpassagen – besonders leicht zu spielen ist es nicht, das dramatische 3. Violinkonzert von Alfred Schnittke, eines seiner poetischsten und zugleich persönlichsten Werke. Die Solovioline wird gejagt, bedrängt und zu extremen Klangwirkungen getrieben. Die Musik wirkt zeitweise wie ein Streit zwischen Individuum und Welt, mehr noch: wie ein persönliches Tagebuch. Man hört einen Menschen, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Glaube und Zweifel, Hoffnung und Verzweiflung zerrissen ist. Ein zutiefst persönlicher Dialog zwischen Erinnerung und Gegenwart, in dem eine einsame Violine durch zerbrochene Klangwelten auf der Suche nach Trost und Sinn wandert. Die Geigerin Yulia Kopylova und der Musikkritiker Marco Frei diskutieren einige Aufnahmen, die verschiedene Ansätze verfolgen: da gibt es die romantische, weiche Sichtweise, die statische und introvertierte oder die vorwärtsdrängende, die voll auf Risiko setzt.
1 Stunde 59 Minuten
Während Dekaden geriet die Musik der US-amerikanischen Komponistin in Vergessenheit. Erst seit einigen Jahren entdecken auch namhafte Musizierende die Juwelen ihres mehr als 300 Werke umfassenden Œuvres. Nicht nur mit ihrer ersten Sinfonie, sondern auch mit ihrer Klaviersonate gewann Florence Beatrice Price im Jahr 1932 den Rodman Wanamaker Music Contest. Ihre Sonate verlangt einen starken Interpreten oder eine starke Interpretin. Temperament, Kraft und Technik sind ebenso gefragt wie feiner Klangsinn und Poesie. Ein Gespür für die flehenden, an Spirituals erinnernden Partien braucht es im berührenden zweiten Satz. Schnelle Doppelgriffe und rasende Oktaven fordern eine ausgefeilte Pianistik und stellen die Interpretierenden vor anspruchsvolle Aufgaben, technisch wie musikalisch. In der langen Geschichte der Diskothek steht nun erstmals eines ihrer Hauptwerke zur Diskussion; die Gäste im Studio sind die Musikwissenschaftlerin Corinne Holtz und der Pianist Oliver Schnyder.
1 Stunde 59 Minuten
Liebe über alle Grenzen hinweg, ein Bandenkrieg mit tödlichem Ausgang und eine Musiksprache zwischen Klassik, Jazz und Latin. Mit der 1957 uraufgeführten West Side Story schuf Leonard Bernstein einen Meilenstein der Musicalgeschichte. Gemeinsam mit Jerome Robbins und Arthur Laurents sprengte Bernstein die Konventionen des Broadways. Mit der West Side Story wurde Musical zur Kunstform auf Augenhöhe mit Oper und Theater. Reales Zeitgeschehen bildet den Stoff. Rassendiskriminierung und Peer-Pressure bestimmen die Story um zwei verfeindete Jugendgangs im New York der Fünfziger Jahre. Die Jugendlichen aus weissem und lateinamerikanischem Milieu sind von Bernstein raffiniert durch unterschiedliche musikalische Stile charakterisiert. Operntechniken wie klassisch gebaute, komplexe Fugen stehen neben neusten Jazzströmungen, Bebop, lateinamerikanischen Rhythmen und aufwühlenden Songs. Die moderne Romeo-und-Julia-Story ist Aufruf zu Toleranz. Trotz tragischem Ende überwiegt zum Schluss die Hoffnung. Bernstein nannte sein Werk selbst «an out and out plea for racial tolerance». Die West Side Story bleibt thematisch brandaktuell und begeistert bis heute rund um den Globus: auf der Bühne im Film, im Konzert oder als Albumeinspielung. In dieser Diskothek vergleichen wir fünf Aufnahmen mit Musical-, Theater- und Operncasts. Gäste von Gabrielle Weber sind Stefan Wirth, Pianist und Komponist, und der Pianist James Alexander.
2 Stunden
Zwei verfeindete Zwillingsbrüder im alten Ägypten und Griechenland, eine Massenhochzeit, ein Massenmord und ein infernales Schlussbild mit Furienchor und Feuerregen. Salieri lieferte dem Pariser Publikum bei der Uraufführung am 26. April 1784 eine Dramatik und ein Spektakel, das man dort noch nicht auf der Bühne gesehen hatte. Antonio Salieri landete mit seinen Danaiden einen Riesenerfolg, der noch Jahrzehnte nachwirkte. Über diesen Fünfakter schwärmten später auch Hector Berlioz sowie Richard Wagner, und Ludwig van Beethoven, nur einer der vielen berühmten Schüler des Hofkomponisten von Joseph II., kopierte Stellen des Werks im Unterricht, um davon zu lernen. Wohl wegen des aufkommenden Nationalismus am Anfang des 19. Jahrhunderts fielen Antonio Salieri und sein grosses, teils geradezu avantgardistisches Œuvre mit fast 40 Opern zwischen Stuhl und Bank: Für die Italiener war der bereits als Teenager ausgewanderte Salieri ein Wiener, für die Wiener blieb er Italiener, und für die Franzosen war er ein Deutscher. Er wurde somit in keinem der Länder, in welchen er so erfolgreich wirkte, zur nationalen Identifikationsfigur oder zum Nationalkomponisten erkoren. 2025 jährten sich Salieris 200. Todestag. Aus diesem Anlass fand erstmals ein Werk dieses damals so beliebten und häufig gespielten Komponisten in die Diskothek. Gäste von Moritz Weber sind der Salieri-Biograf Timo Jouko Herrmann und der Bassbariton Robert Koller. Erstausstrahlung: 08.09.2025
1 Stunde 59 Minuten
Die beiden Solowerke für Klavier «Herma» und «Mists», und dazu das Cembalostück «Khoaï» des griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Das ist Musik wie ein Klangstrudel, voller brodelnder Energie – durchaus überfordernd für die Interpretin, aber mitreissend für das Publikum, dessen Ohren aber dennoch nicht frustriert oder betäubt werden. Die Pianistin Asia Ahmetjanova und die Musikwissenschaftlerin Doris Lanz diskutieren über verschiedene Möglichkeiten, wie man mit diesen archaischen Urkräften umgehen könnte…. Erstausstrahlung: 23.09.2024
2 Stunden
Die Bayreuther Festspiele gibt es schon seit 150 Jahren - aus diesem Anlass eine Wagner-Diskothek. Wagners Götterdämmerung schliesst den Opernzyklus «Ring des Nibelungen» ab. Siegfried, der grosse Held, versagt kläglich, lässt Brünnhilde links liegen und vertraut den Falschen. Brünnhilde rächt sich, Siegfried stirbt. Und die Götter merken, dass sie die Menschen nicht mehr lenken können. Der Untergang der Götter wird mit einer Musik gezeigt, die wieder grosses Suchtpotential hat. Welche Aufnahme überzeugt am meisten? Das diskutiert Annelis Berger mit der Wagnersängerin Tanja Ariane Baumgartner und mit Andreas Homoki, Intendant am Opernhaus Zürich. Erstausstrahlung: 13.11.2023
1 Stunde 59 Minuten
Mit seinem 4. Klavierkonzert betritt Sergei Rachmaninow Neuland. Als er das Werk 1926 vollendete, lebte er bereits seit fast einem Jahrzehnt im amerikanischen Exil. Die Musikwelt hatte sich verändert: Jazz war allgegenwärtig, die Moderne auf dem Vormarsch. Auch Rachmaninow suchte nach neuen Ausdrucksformen. Das Ergebnis war ein Klavierkonzert, das sich deutlich von seinen berühmten Vorgängern unterscheidet – schlanker, rhythmisch markanter und überraschend modern. Die Uraufführung 1927 in Philadelphia verlief jedoch enttäuschend: Publikum und Kritiker vermissten die grossen, eingängigen Melodien der früheren Konzerte. Rachmaninow nahm sich die Kritik zu Herzen und überarbeitete das Werk gleich mehrfach. Die heute gespielte Fassung von 1941 ist deutlich kürzer und konzentrierter als das Original. Lange Zeit blieb das vierte Klavierkonzert ein Aussenseiter im Repertoire. Im Schatten des zweiten und dritten Konzerts wurde es nur selten aufgeführt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann eine eigentliche Wiederentdeckung. Heute schätzen viele Pianistinnen und Pianisten gerade jene Qualitäten, die das Publikum einst irritierten: die raffinierte Harmonik, die rhythmische Energie und die ungewöhnliche Verbindung von russischer Spätromantik und amerikanischem Zeitgeist. In der Diskothek stehen fünf Aufnahmen von Rachmaminows g-Moll-Konzert zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind die Pianistin Aglaia Graf und der Pianist Manuel Bärtsch.
1 Stunde 59 Minuten
Alma Mahler ist im Wien der Jahrhundertwende die Muse etlicher Künstler. Ihre eigenen künstlerischen Ambitionen muss sie jedoch der Liebe opfern. Ihr Ehemann Gustav Mahler duldet nur einen Komponisten in der Familie: sich selbst. Dennoch erkennt er später, welch Unheil er damit angerichtet hat, seiner jungen Frau das Komponieren zu verbieten. 1910 wählt er aus ihren frühen Werken fünf Lieder zum Druck aus. Doch es ist zu spät: Die lange Kompositionspause hat Almas künstlerische Entwicklung zum Erliegen gebracht, sie komponiert nur noch sehr wenig. Und auch die Ehe kriselt weiter; 1911 schliesslich stirbt Gustav Mahler. Erstmals werden nun Kompositionen von Alma Mahler in der Diskothek besprochen: die «Fünf Lieder» aus den Jahren vor 1901; gedruckt 1910. Gäste von Jenny Berg sind die Sängerin Silke Gäng und der Musikbibliothekar Markus Erni. Erstausstrahlung: 03.05.2021
1 Stunde 59 Minuten
«Wenn Musik nur klingende Algebra wäre, würde sie mich kaum interessieren»: Für Arthur Honegger bedeutete Komponieren eine Position beziehen, er wollte die Menschen durch seine Musik wachrütteln. Ein Werk, in dem das besonders erfahrbar ist, ist Honeggers 3. Sinfonie. Entstanden ist sie unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges, als Europa in Trümmern lag. Ihre Uraufführung fand vor 80 Jahren in Zürich statt, am 17. August 1946, dirigiert vom Widmungsträger Charles Münch. Honegger nannte sein Bekenntniswerk «Symphonie liturgique». Er zitiert in seiner Sinfonie zwar keine liturgischen Melodien, aber er setzte vor jeden der drei Sätze ein entsprechendes Zitat: Dies Irae, De profundis clamavi, Dona nobis pacem. Der Aufruhr am Tag des göttlichen Zorns, die hoffnungslose Verlorenheit des Menschen und der Kampf gegen dumpfen Maschinismus, wobei am Schluss doch so etwas wie die Vision einer besseren Welt auftaucht: Das sind die Stationen, die Honegger in seiner Musik symbolisiert. Gäste von Norbert Graf sind die Musikpublizistin Corinne Holtz und der Dirigent Matthias Kuhn. Erstausstrahlung: 04.04.2022
1 Stunde 59 Minuten
Marin Marais war einer der wichtigsten Gambisten am Hof von Louis XIV. Einem breiteren Publikum wurde er durch den Film «Die 7. Saite» mit Gerard Depardieu bekannt. Marais Kompositionen sind noch heute für jeden Gambenspieler unverzichtbar – weil er sehr genau notierte, wie es klingen soll. Diese genaue Notation ist heute ein wertvoller Bestandteil in der historischen Musikforschung. Bei Marin Marais Werken kann man genau studieren, in welcher Vielfalt Triller, Praller, Verzierungen damals anzubringen waren. Doch vor allem sind Marais Kompositionen elegant und phantasievoll. Seine Suite für zwei Viole da gamba und Basso continuo Nr. 6 in G-Dur aus dem premier livre liegt denn auch in zahlreichen Aufnahmen vor. Fünf davon diskutiert Jenny Berg mit ihren beiden Gästen, der Gambistin Jane Achtman und dem Cembalisten Thomas Leininger. Erstausstrahlung: 11.04.2022