Die hr2-Hörbar Archiv
100 Episoden
55 Minuten
Hin und her, vor & zurück, Freiheit und Repression: Für sein neues, viertes Album beschäftigt sich der finnische Trompeter mit den Wechselfällen der Menschheitsgeschichte. Und doch bedeutet Zukunft für ihn Hoffnung. Das zeigt er mit groovigem Scandi-Jazz. Der Absolvent der renommierten Sibelius-Akademie wird auf "Pendulum" grundsätzlich. Es geht ihm um die großen Herausforderungen in Geschichte, Kultur und Politik. Wie man sowas in Instrumentaljazz übersetzt? Lassen Sie sich überraschen! Das Besondere am Martti Vesala Soundpost Quintet ist seine Verbindung von akustischem Modern Jazz mit einer ausgesprochen nordischen Klangästhetik: Raum, Ruhe und Melancholie hört man da, aber eben auch aufgeweckte, druckvolle Sounds. Mit: Trompeter Vesala, Petri "Pope" Puolitaival (Saxophone, Flöten), Joonas Haavisto (Klavier, Rhodes), Juho Kivivuori (Kontrabass, E-Bass) und Ville Pynssi (Schlagzeug, Percussion). Außerdem heute an der Hörbar: Americana-Sängerin Shelby Lynne, das estnisch-flämische Quartett Estbel, das französische Projekt Roseaux mit schwedischer Unterstützung, Albanien meets Apulien in Form von Hasa-Mazzotta - und viele andere Acts mehr.
56 Minuten
Die Wochenendausgabe der Hörbar reist durch musikalische Welten: von Lucibelas Kapverden über Jazz, Folk und Global Pop bis zu Richard Thompson. Mit vertrauten Namen, überraschenden Begegnungen und Musik, die sich um Genregrenzen herzlich wenig kümmert. Traditionelle Musik trifft auf Jazz, Pop und überraschend moderne Arrangements. Folk zeigt sich dabei mal archaisch, mal urban, mal experimentierfreudig. So verbindet Leléka osteuropäische Wurzeln mit Jazz und einer eindringlichen Stimme. Auch die dunklere Seite bekommt ihren Raum: Chamber - L’Orchestre de Chambre Noir verbindet Folk und Rock mit kammermusikalischer Dramatik. Dazwischen öffnen sich Türen zu feinem, weltoffenem Songwriter-Pop, wie bei Piers Faccini. Mit Richard Thompson ist einer der großen britischen Folkrock-Erzähler dabei. Und Quadro Nuevo zeigen, wie sich selbst ein Welthit in ganz neue Klangfarben übersetzen lässt. Melancholie und Leichtigkeit, Fernweh und Groove - das ist die Hörbar am Wochenende.
55 Minuten
Die L.A. Times nennt ihn den "besten Rocksongschreiber nach Dylan und den besten E-Gitarristen nach Hendrix". Auch auf seinem neuen Album mischt Richard Thompson sein tiefes Verständnis von Folk mit dem launigen Gestus des Rockrebellen und Storytellers. Thompson hat den britischen Folkrock entscheidend mitgeprägt. Mit Fairport Convention setzte er den Folk Ende der 1960er unter Strom. Heute, mit 77 Jahren, zählt er zu den großen Songwritern und Gitarristen seiner Generation. Sein neues Album "Hippies, Thugs and Heroes" ist bereits sein 20. als Solokünstler. Darauf blickt Thompson zurück, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Alte Freunde und falsche Gurus tauchen auf, geliebte Weggefährten und frühere Ichs. Manche Figuren sind real, andere erfunden. Und Thompson klingt zugleich vertraut und überraschend gegenwärtig. Weitere Highlights an der Hörbar sind heute u.a. das Frankfurter Ensemble Bändi mit finnischem Tango-Crossover, das Cuareim Quartet mit Wurzeln in Uruguay und Griot Baye Magatte aus dem Senegal.
55 Minuten
Ein Kind der Gen Z mit einem Faible fürs Great American Songbook: Das ist Aron! Der 23jährige verbindet Jazz, Indie-Pop und große Gefühle. Angefangen hat er auf TikTok, sein Debüt "Too Close For Running" ist nun beim Jazz-Traditionslabel Verve erschienen. Aron! (das Ausrufezeichen gehört dazu) liebt Songs, die deutlich älter sind als er selbst. Seine Vorbilder heißen Cole Porter, Burt Bacharach, Brian Wilson oder Randy Newman. Entdeckt wurde der Sänger, Songschreiber und Gitarrist allerdings ganz zeitgemäß über Social Media. Dort überzeugte er mit kurzen Musikvideos ohne Gimmicks, dafür mit musikalischer Substanz. Während der Corona-Pandemie stürzte er sich obsessiv ins Klavierspiel; Bach, Chopin und Ravel inklusive. Später studierte er Jazzgesang und Filmmusik in Miami. Auf seinem Albumdebüt "Too Close For Running" trifft nun federleichter Indie-Pop auf Jazz, Orchester und das Great American Songbook. Weitere Highlights an der heutigen Hörbar sind Johanna Juhola aus Finnland, das Trio des schwedischen Pianisten Jacob Karlzon, die estnische Ausnahmesängerin Kardi Voorand, der flinke Gitarrist Adax Dörsam aus dem Odenwald - und andere mehr.
55 Minuten
Zart, melancholisch und verspielt: Die Singer-Songwriterin Billie Bird aus Lausanne singt von Herkunft, Gemeinschaft und Widerstandskraft. An der Hörbar entdecken wir ihr neues Album "La lumière sans fins des étés" - poetische Herbstmusik voller Wärme. Hinter Billie Bird steckt Élodie Romain, eine Sängerin und Gitarristin aus Lausanne mit französischen und spanischen Wurzeln. Ihre musikalische Welt liegt zwischen verspieltem Folk, geheimnisvollem Pop und französischem Chanson. In ihren Songs geht es entwaffnend offen zu. Billie Bird thematisiert Gefühle, Schmerz und Zweifel, singt von Zugehörigkeit und der queeren Community. Dabei bewahrt ihre Musik eine Art liebender Innigkeit, die auch in dunkleren Momenten spürbar bleibt: Musik, wie mit Fingern auf ein beschlagenes Fenster getupft. Außerdem heute an der Hörbar zu Gast: die finnische Folkband Frigg, Omar Pène aus dem Senegal, The Police-Sänger Sting solo, der kubanische Pianist Roberto Fonseca - und viele andere mehr.
56 Minuten
Cécile McLorin Salvant gehört zu den außergewöhnlichsten Stimmen des Jazz. Als Jazz-Residenzkünstlerin der Saison 2026/27 an der Alten Oper Frankfurt zeigt die dreifache Grammy-Gewinnerin ihre ganze stilistische Bandbreite. Jazzstandards in großen Orchesterklang mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit ihrem Trio bringt sie eine eigens komponierte musikalische Reflexion auf Henri Matisses illustratives Spätwerk "Jazz" zur Uraufführung. Beim dritten Konzert trifft Salvant dann auf die hr-Bigband und Darcy James Argue. Der arrangiert ihre Songs für den Frankfurter Klangkörper und übersetzt ihre Mischung aus technischer Brillanz, stilistischer Vielfalt und feinen Zwischentönen in überraschende Bigband-Farben. Drei Konzerte, die Cécile McLorin Salvant aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Mit ein paar ihrer Aufnahmen steigern wir an der Hörbar schon mal die Vorfreude auf diese Live-Events, gemischt wie immer mit einem bunten Cocktail "Musik grenzenlos".
55 Minuten
Auf Mucho Picante Caliente rühren El Flecha Negra wieder kräftig im lateinamerikanischen Klangtopf: Cumbia, Salsa und Guajira treffen auf Reggae, Ska und Hip-Hop. Die Freiburger Band mit Wurzeln in Chile, Peru, und Deutschland hat sich mit einem brasilianischen Gitarristen verstärkt und baut diesmal auch den Sound der traditionellen Andenflöte Quena und der kolumbianischen Gaita ein. Zwischen tanzbaren Grooves und ruhigeren Momenten erzählen die neuen Songs von Liebe und Beziehungen, vom Unterwegssein und von einer Welt, die nicht immer im Gleichgewicht ist. Umso mehr gilt: "Con cumbia se pasan las penas" - mit der Cumbia vergehen die Sorgen! In der Hörbar hören wir aus dem neuen Album von El Flecha Negra noch "Solo para mi", "Sube la marea" und "Abracito". Außerdem mit dabei: L'Art de Passage mit französischem Flair, kapverdische Farben von Carmen Souza und das Barcelona Gipsy Balkan Orchestra mit seinem temperamentvollen Mix aus verschiedenen europäischen Traditionen.
55 Minuten
Mit der neuen Zusammenstellung Café Arabica nimmt uns das Label Putumayo mit auf eine Reise durch die heutige arabische Musikwelt, von den Atlasbergen bis ans Rote Meer. Dabei geht es weniger um einen einheitlichen "arabischen Sound" als um unterschiedliche musikalische Biografien und Traditionen. Der marokkanische Musiker Hassan Wargui etwa verbindet in "Aqchchab" Banjo und Gitarre mit der Sprache und Musikkultur Südmarokkos. Das traditionelle Gewand Djellaba wird dabei zum Bild für die Frage, wie man aktuell mit dem kulturellen Erbe umgeht, ohne die Verbindung zu den eigenen Wurzeln zu verlieren. Ganz andere Töne schlägt die sudanesische Sängerin und Oud-Spielerin Sulaf an: "Ya Khilani" erzählt von Heimat und Vertreibung, von Menschen, die zurückgelassen wurden, und wird gemeinsam mit dem algerischen Gitarristen Nazim Bakour zum melancholischen Erinnerungsstück. Beim tunesischen Ensemble BROUA wiederum mischen sich Folk-Traditionen mit Jazz, Blues und anderen Einflüssen. Die Zusammenstellung "Café Arabica" zeigt, wie unterschiedlich Gegenwartsmusik zwischen dem Maghreb, Sudan und weiteren Teilen der arabischen Welt klingen kann. In der Hörbar hören wir außerdem Syna Awel sowie Simon Fransquet & Karim Baggili aus der Putumayo-Auswahl. Und außerhalb des Café Arabica warten unter anderem ein Piazzolla-Tango mit Al Di Meola und Dino Saluzzi sowie die Beatles aus ungewohnter Perspektive mit dem Phishbacher Trio.
55 Minuten
Fast 60 Jahre und 29 Studioalben lang hat Reinhard Mey seine Lieder mit anderen Musikern aufgenommen und stets im Mai veröffentlicht. Bei "Schatzhauser", ist alles anders: Sein 30. Album erscheint in diesem Frühherbst und auf ihm ist wirklich nur Mey selbst zu hören, mit Stimme und Gitarre. Die zwölf neuen Lieder setzen ganz auf Text, Melodie und die Kunst des Erzählens. Dabei geht es nicht nur nachdenklich zu. Neben ernsteren und melancholischen Tönen, die man durchaus als Resümee eines langen Lebens hören kann, kehrt auch jener spielerische Wortwitz zurück, der Meys Lieder seit Langem begleitet. In der Hörbar werfen wir einen ersten Blick auf dieses bewusst reduzierte neue Album. Und drumherum? Portugiesische Melancholie mit Mísia, nordische Klangwelten bei Aallotar und ein temperamentvoller Ausflug auf den Balkan mit Nemanja Radulović. Dazu Luz Casal gemeinsam mit dem Quatuor Ébène und der Jazzgitarrist Albare. Jede Menge "Musik grenzenlos" also!
55 Minuten
Für Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy ist ein Song nie endgültig fertig. Das zeigt sich auch bei seinem neuen Live-Album Ghosts of American Psychonauts, aufgenommen am Valentinstag 2025 in Los Angeles. Mit Klarinette, Flöte, Saxofonen, Gitarren, Bass und Klavier bekommen auch Songs aus dem damals gerade erschienenen "The Purple Bird" ein neues Gesicht. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel: Oldham spricht davon, dass alle diese Musiker auf ihre Weise Geschichten erzählen. Bühne, Publikum und Freunde werden Teil dieses Austauschs. Oder, wie er selbst sagt: "Die Musik ist der Ort, an dem wir uns treffen." Drumherum geht es an der Hörbar wie immer rund um den Globus: von galicischen Klängen mit Luar Na Lubre über Mari Boine und Bugge Wesseltoft in den hohen Norden und bis nach Kap Verde mit Nancy Vieira. Als zusätzliches Schmankerl gönnt das Balkon Jazz Ballett Mozarts "Rondo Alla Turca" einen Abstecher in ganz andere Gefilde.
55 Minuten
Auf "Hope Is the Thing with Feathers" blickt Rhiannon Giddens zurück und zugleich nach vorn. Langjährige Weggefährten aus North Carolina, Louisiana, dem Kongo und Italien kommen hier zusammen und zeigen, wie selbstverständlich unterschiedliche Traditionen in der amerikanischen Musik ineinandergreifen. Aufgenommen wurde bewusst live, mit nur minimalen Overdubs, der ungefilterte Sound und das gemeinsame lebendige Musizieren stehen im Vordergrund. Der Titelsong greift ein Gedicht von Emily Dickinson auf, "Wish in Vain" entstand vor dem Hintergrund weltweiter Flucht und Vertreibung. Im Kern geht es Giddens um Gemeinschaft und darum, aus ihr Kraft und Hoffnung zu schöpfen. Auch sonst kommt die Hörbar mal wieder weit rum: mit Piers Faccini und Ballaké Sissoko, dem finnischen Trompeter Ilkka Arola und dem armenischen Pianisten Tigran Hamasyan. Dazwischen warten französische Töne von Sanseverino und Tango mit Escolaso.
56 Minuten
Chansonnier Christophe Bourdoiseau interpretiert ein Gedicht von Jean Richepin von 1876, in dem sich dieser in derben Worten an die unteren sozialen Schichten wendet und behauptet: Euer König, der bin ich, der Dichter! Noch weiter zurück - ins Mittelalter - gehen das Hilliard Ensemble und Saxophonist Jan Garbarek, und landeten mit dieser eigentlich verwegenen Kombination aus Vokalkunst und Jazzimprovisation in den 1990er Jahren einen Riesenerfolg. Zudem besingen "Mokoomba" aus Simbabwe gutgelaunt die "Tränen" - oder auch nicht? So ganz klar ist das nicht, und wenn uns die Hoffnung da täuschen sollte, spendet uns Pianist Paul Hankinson Trost, denn "Hope is the thing with the feathers" - die Hoffnung ist das Ding mit den Federn, und kann vielleicht sogar fliegen… Das und vieles mehr in der heutigen Hörbar…
55 Minuten
Über den Krimkrieg von 1853 bis 1856 - der vor allem von Russland ausging, in den auch Großbritannien verstrickt war - wurde seinerzeit eine große Zahl von Gedichten geschrieben und teils anonym an Verlage von Provinzzeitschriften geschickt und gedruckt. Ein spannendes CD-Projekt hat sich nun dieser Poeme angenommen und englische Folkmusiker und -musikerinnen von heute gebeten, diese Texte zu vertonen. Da wird zwar zunächst noch der hoffnungsvolle Aufbruch besungen, alsbald aber nimmt - wie könnte es anders sein - der klagende und anklagende Ton Überhand. Und die traurige Parallele zur aktuellen Situation in der Ukraine drängt sich nicht nur auf, sondern wird auch musikalisch aufgegriffen. Außerdem hören wir Afro-Pop von Fatoumata Diawara, die Dr. Macaroni Brass Band ist mit einem Klassiker von Herbie Hancock vertreten, Lila Downs beschäftigt sich der Mythologie der Mixteken, und Manfred Maurenbrecher findet es komisch, wie sich die Leute entwickeln. Das und vieles mehr in der heutigen Hörbar…
55 Minuten
Zum 30-jährigen Jubiläum beschenkt sich das Ensemble Mellow Melange um den kompositorischen Vordenker Ingo Höricht mit einer kleinen EP mit dem Titel "Mellow Cello Melange". Und das "Cello" in der Mitte hat einen guten Grund: mit von der Partie ist der Cellist Christoph Otto Beyer. Gemeinsam interpretieren sie Shakespeare-Vertonungen von den letzten Mellow Melange-Alben in instrumentalen Versionen, wobei das Cello die Singstimme vertritt. Eingängige, gut gemachte Kammermusik - eben das, wofür die Fans die Formation lieben. Außerdem beschäftigt sich Chico César bedeutungsvoll mit seinen Haaren, ein Kochlied aus dem hohen Norden gibt’s von Eplemøya Songlag, Dota fragt sich, wo sie suchen soll, und Ella Fitzgerald und Louis Armstrong kommen nicht zusammen in ihrer Romanze. Das und noch viel mehr in der heutigen Hörbar…
55 Minuten
Nach sechs Jahren gibt es endlich wieder ein neues Studioalbum - The Meaning of Flowers - der in Berlin lebenden dänischen Singer/Songwriterin Agnes Obel, und sie macht da weiter, wo sie aufgehört hat: eine ganz eigene, minimalistisch-verwunschene Ambient-Klangwelt, alles selbst gesungen, eingespielt und produziert, gelegentlich sind noch ein Streicher oder Bläser mit dabei. Philosophisch-naturalistische Aspekte des Lebens, Werden und Vergehen sind diesmal stark in die poetisch-verklausulierten Texte eingeflossen, nicht zuletzt aufgrund der zwischenzeitlichen Geburt ihrer Tochter, der das Album gewidmet ist. Zum Eintauchen, Sich-Verlieren, und hoffentlich gestärkt zurückfinden in die Welt. Außerdem fordert uns Cheikh Ibra Fam aus dem Senegal zu einem Tänzchen auf, David Orlowsky nimmt den Nachtzug nach Odessa, ein schottisch-gälisches Traditional mit Karen Matheson ruft uns zur Buße auf, und Babylon Circus sinnieren verpassten Gelegenheiten nach. Das und vieles mehr in der heutigen Hörbar…