Lesezeichen Archiv
26 Episoden
23 Minuten
Dass mit den gängigen Schönheitsnormen Milliarden verdient werden, das ist längst bekannt. Ebenso, dass genau deshalb immer wieder neue Schönheitsideale erfunden werden. Trotzdem ist es für sehr viele, wenn nicht für die meisten, enorm schwer, ihrem oder seinem Aussehen halbwegs gelassen zu begegnen. Elisabeth Lechner seziert in ihrem Buch "Riot, don't diet!" den kapitalistischen und politischen Hintergrund, vor dem Menschen aufgrund ihres Körpers bewertet, normiert und diskriminiert werden. Die Podcasterin und Genderexpertin Beatrice Frasl spricht in dieser Ausgabe von "Lesezeichen" über die Funktionen von im Buch thematisierten Affekten wie Scham und Eckel und dass es schlicht nicht die Aufgabe unserer Körper ist, für andere schön auszusehen.
21 Minuten
In "Dein Schatten tanzt in der Küche" (Aufbau Verlag) packt die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth, die schon seit der Veröffentlichung ihres ersten Romans "Die Klosterschule" im Jahr 1968 zur fixen Bewohnerin der österreichischen Literaturlandschaft zählt, die ganz großen Themen in die kleine Form der Erzählung. Für Darya, Agnes, Amelie, Paula und Doris geht es in unterschiedlichen Ausprägungen um weibliche Selbstbestimmung, das Hinnehmen und Umgehen mit harten Verlusten, Schuld und Scheitern an bestimmten Lebensumständen. Kunstvoll und tatsächlich sehr unsentimental erzählt die Autorin, die Anfang Juli ihren 80. Geburtstag feiert, diese fünf Frauenschicksale, in denen mehrfach auch das Thema Altern und vor allem Alterspräkariat ein Thema werden. "Dein Schatten tanzt in der Küche" ist aber nicht das einzige Buch, das Barbara Frischmuth anlässlich ihres Geburtstags ihrer Leserschaft vorlegt. Wenn es um die Altausseer Autorin geht, dann darf ein Pflanzenbuch nicht fehlen: "Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen" (Residenz Verlag) heißt es und versammelt zwei Vorlesungen der großen Garten-Autorin. Was sie darin alles verpackt hat, auch darüber erzählt uns die Journalistin, Literaturkritikerin und Garten-Expertin Julia Kospach, die schon viele Begegnungen mit Frischmuth hinten sich hat. Zum 80er binden wir der Schriftstellerin auch einen digitalen Blumenstrauß-Gruß. Kurze Stichworte: Madonnenlilien und Eselspenisse. Wir wünsche der Autorin alles Gute!
21 Minuten
"Das Land der Anderen" ist die Geschichte der jungen, abenteuerlustigen Elsässerin Mathilde, die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine, einen marokkanischen Offizier der französischen Armee verliebt, ihn heiratet und mit ihm von Frankreich nach Marokko geht und dort mit ihm auf einem abgelegenen Hof bei Meknès ihre beiden Kinder großzieht. Leila Slimani nimmt uns mit in die Biografie ihrer Großmutter, erzählt über den Kolonialismus in Marokko und über die Zerrissenheit eines Landes auf dem Weg zur Unabhängigkeit, einer Familie und einer Frau zwischen Tradition und Moderne, zwischen Umbruch und Aufbruch. Mit der österreichischen Schriftstellerin Tanja Paar, die lange für den STANDARD als Reiseredakteurin tätig war, sprechen wir über diesen spannenden historischen Stoff, Slimanis ersten Teil einer Roman-Trilogie.
20 Minuten
Die Geschichte von Mia spielt in der fernen Zukunft. Heterosexualität als der Standard schlechthin ist passé, die klassische Kernfamilie gibt es nur mehr im hintersten Winkel des Weltalls, die Erde ist längst nicht mehr bewohnbar. Die erst 25-jährige Comic-Künstlerin Tillie Walden legte mit ihrer ursprünglich als Webcomic angelegten Geschichte eine Space-Opera vor, in der es ums Erwachsenwerden und die erste Liebe Grace geht. Und in Mias Fall ist es offenbar auch die ganz große Liebe: Sie kann sie nicht vergessen und macht sich mit ihrer Wahlfamilie auf die Suche nach Grace. Die US-Amerikanerin Tillie Walden nimmt die Leser*innen mit in eine atmosphärische Science-Fiction-Geschichte, über die wir in "Lesezeichen" mit Karin Krichmayr, Wissenschaftsjournalistin beim STANDARD und Comicexpertin, sprechen. Welche Rolle spielt Geschlecht in Waldens Entwurf einer fernen Zukunft, und wie lässt sich Waldens verwendete Jugendsprache auf Deutsch übersetzen?
21 Minuten
Als Judith Hermann mit ihrem Kurzgeschichtenband "Sommerhaus, später" 1998 schlagartig berühmt wurde, war sich das deutschsprachige Feuilleton einig, dass sie damit den Sound einer ganzen Generation getroffen hat und hat Hermann zum "Fräuleinwunder" der deutschen Literatur gestempelt. Jetzt ist mit "Daheim" der erst zweite Roman der mittlerweile 50-jährigen Berlinerin erschienen, der von der Literaturkritik und auch hier im Standard-Buchklub durchaus positiv aufgenommen wurde. Zu Gast bei "lesezeichen" ist die österreichische und ausgesprochen feministische Schriftstellerin Gertraud Klemm, die sich mit ihren Romanen "Muttergehäuse", "Aberland" oder zuletzt "Hippocampus" einen fixen Platz in der österreichischen Literaturlandschaft gesichert hat. Mit Mia Eidlhuber bespricht sie den Aufbau und die tragenden Personen von "Daheim" und auch darüber, dass es Judith Herman im deutschen Literaturbetrieb nicht immer ganz einfach hatte.
21 Minuten
Nach ihrem Erfolgsroman aus dem Vorjahr, "Die Bagage", legte die 73-jährige Autorin Monika Helfer Anfang dieses Jahres einen weiteren autobiographischen, oder besser: autofiktionalen, Roman vor. In "Vati" erzählt sie von ihrer eigenen Kindheit, ihrem wortkargen, verwitweten und Bücher liebenden Vater, der früh verstorbenen Mutter und dem Rest einer Familie, die einspringt, wenn sich die Eltern nicht kümmern konnten. Helfer wechselt dabei zwischen ihren Erinnerungen im Hier und Jetzt, denen sie selbst nicht immer ganz traut, und weit zurückliegenden Familiengeschichten virtuos hin und her, wie Doris Knecht, ebenfalls Romanautorin, über "Vati" feststellt.
22 Minuten
"Vom Aufstehen", so hieß schon der Text, mit dem Helga Schubert 2020 den Bachmannpreis gewonnen hat und damit für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, nicht nur, weil die deutsche Autorin damit als 80-Jährige ein literarisches Comeback hingelegt hat, sondern auch eine bemerkenswerte Geschichte über eine äußerst schwierige und komplexe Mutter-Tochter-Beziehung erzählt. Sage und schreibe 40 Jahre zuvor wurde Helga Schubert als 40-Jährige schon einmal nach Klagenfurt eingeladen, durfte damals aber aus der DDR nicht ausreisen. In 29 autofiktionalen Geschichten, in denen zunächst vieles nicht gut ist, erzählt sie uns aus den Zeiten der DDR-Diktatur, der Wende und den Wende-Jahren, und vor allem auch von ihrem traurigen Dasein als Kriegskind, das mit nur einem Jahr den Vater verliert und mit der Mutter eine dramatische Fluchtgeschichte erleben muss. Schuberts Buch handelt schließlich viel davon, wie aus so vielen biografischen Widrigkeiten doch noch ein gelingendes Leben werden kann, an dessen Ende gilt: Alles ist gut.
21 Minuten
Die Ich-Erzählerin ist 27, also genau in dem Alter, in dem Janis Joplin, Jimi Hendrix und viele andere Musiker*innen gestorben sind, Stichwort Klub 27. In "Komplett Gänsehaut" geht das Leben allerdings erst so richtig los. Es gibt keinen wilden bis lebensbedrohlichen Lebenswandel, stattdessen macht die Erzählerin eine Art Transformation von ihrem bisherigen Selbstentwurf als Jugendliche in eine Art Erwachsenenleben durch. Neue Wohnung, neue Gegend, neues Leben? Sophie Passmann wurde vor allem durch ihren Bestseller "Alte weiße Männer. Ein Schlichtungsversuch" (2019) bekannt, in dem sie mit dem mächtigen Mann ins Gespräch kommen wollte. Mit "Komplett Gänsehaut" fühlt sie nun – wenngleich in einem völlig anderen Stil – den Kindern dieses privilegierten Milieus auf den Zahn. Die Musikerin und Autorin (zuletzt "Du bist dran!") Doris Mitterbauer aka Mieze Medusa ist am 2. April unser Buchklubgast und verrät uns, ob und warum wir dieses Buch lesen sollten.
20 Minuten
Die Essaysammlung der nur 32-jährigen Jia Tolentino, mittlerweile Redakteurin beim renommierten US-Magazin "New Yorker", gilt heute schon, das Buch ist in den USA schon 2019 erschienen, als feministischer Klassiker des Internetzeitalters. In neun unterschiedlichen, sehr persönlichen Ich-Geschichten liefert Tolentino jede Menge unterhaltsamen und nachdenklich machenden Content. Sie kritisiert die süchtig-machenden Social Media-Portale, enthüllt ihre eigene TV-Reality-Vergangenheit, beschreibt die schmerzlichen Selbstoptimierungsmechanismen junger Frauen, die evangelikale Megachurch-Gemeinde, in der sie in Houston aufgewachsen ist oder die traurige Rape-Culture an US-Elite-Universitäten. Unser Buchclub-Gast am 19.3. ist die Puls4-Moderatorin und Social-Media-Expertin Corinna Milborn.
20 Minuten
Die 24-jährige Nivedita studiert bei der charismatischen Saraswati Postkoloniale Theorie. Sie bewundert ihre eloquente Professorin, die für sie auch eine wichtige Identitätsfigur ist. Doch es bricht ein Skandal herein: Saraswati ist in Wahrheit weiß und keine Woman of Color, wie sie vorgegeben hat. Saraswati ist Sara Vera Theilmann. Darf man eine Identität ab- und anlegen, wie es einem passt? Und, wenn ja: Was bedeutet das für die Debatten über Rassismus und Identitätspolitik? Unser "Lesezeichen"-Gast Melisa Erkurt, Autorin und Journalistin, bespricht mit Beate Hausbichler Mithu Sanyals vieldiskutierten Roman "Identitti".
46 Sekunden
Willkommen bei Lesezeichen, dem STANDARD-Buchclub für Literatur, die uns bewegt. Hier lesen und besprechen wir ab 5. März alle 14 Tage Bücher von Autor*innen, die für hitzige gesellschaftspolitische Debatten sorgen oder uns so sehr inspirieren, dass wir darüber reden müssen. Unser Buchclub lädt zum Mitlesen und Debattieren ein. Wir sind aber auch die genau richtige Adresse für alle, die einfach auf der Suche nach gutem Lesestoff und interessanten Neuerscheinungen sind. Wer unsere Diskussionen und Empfehlungen nicht verpassen will, abonniert “Lesezeichen” am besten gleich bei Apple Podcasts oder Spotify.