Neues vom Ballaballa-Balkan Archiv
179 Episoden
59 Minuten
Anfang Mai kam es in Serbien zu zwei Amokläufen mit 17 Toten. Der unwürdige Umgang der serbischen Regierung und des Präsidenten Aleksandar Vučić brachte Zehntausende auf die Straße. Es sind die größten Massenproteste seit dem Sturz des Milošević -Regimes im Oktober 2000. Die Menschen demonstrieren gegen die Verherrlichung von Gewalt in der serbischen Gesellschaft und vor allem den staatsnahen Medien und wir fragen uns, ob Serbien ein besonderes Gewaltproblem hat. Und während in Serbien Menschen gegen die Gewalt auf die Straße gehen, sind im Kosovo serbische Putinfans auf der Straße und greifen KFOR-Truppen an, weil gewählte Bürgermeister im Norden des Landes an ihren Arbeitsplatz wollen. Was genau passiert ist, erklären wir in der Sendung. Vučić nutzt die Eskalation im Kosovo jedenfalls, weil er damit von den Protesten ablenken kann und gleichzeitig auf internationaler Bühne wieder als Feuerwehrmann präsentieren kann, nachdem er selbst das Feuer gelegt hat. Außerdem erfahrt ihr, warum ihr unbedingt den kürzlich verstorbenen Autor Dževad Karahasan lesen solltet, warum in Bulgarien erstmal nicht schon wieder gewählt werden muss und was Danijel und Krsto am 1. Juli in Heidelberg machen.
28 Minuten
Mit Geldern der EU-Kommission und Österreichs wurde im bosnischen Niemandsland, umgeben von Minen, das Camp Lipa errichtet. Teil des Geflüchtetenlagers ist auch ein Gefängnis, deren Zweck aktuell diskutiert wird. Dabei hat der zuständige ungarische EU-Erweiterungskommissar Olivér Várhelyi bereits im November 2022 offen gesagt, um was es sich handelt: Ein Abschiebegefängnis. Interniert werden sollen dort Menschen, die zuvor illegal aus dem EU-Land Kroatien gepushbackt wurden. Krsto spricht mit Petar Rosandić von der SOS-Balkanroute darüber, was da eigentlich los ist. Außerdem erfahrt ihr, wo Jörg Haider wirklich herkommt welche Rolle der ehemalige österreichische Vizekanzler „Spindi“ und sein Institut in Lipa spielen und was „Beč oida“ eigentlich bedeutet. In diesem Sinne. Laku noć Evropa. Spendenkonto: IBAN: AT20 2011 1842 8097 8400 Kontoinhaber: SOS Balkanroute Verwendungszweck: ICMPD Klage
1 Stunde 21 Minuten
"Za Beograd...svi su čuli!" Ja, so sang man einst. Von Belgrad haben alle schon gehört. Nicht immer positives aber man man kann nicht abstreiten, dass die größte Stadt des ehemaligen Jugoslawiens wohl auch die bekannteste sein dürfte. Über Jahrzehnte war die serbische Hauptstadt Anziehungspunkt für Kreative, Lebenskünstler, Politikaktivisten und grundsätzlich alle, denen es irgendwo zu eng wurde. Belgrad, das war das Versprechen auf ein Stück große, weite Welt. Und dann kam Aleksander Vučić. Das ist jetzt natürlich arg polemisch. Belgrad ist im Wandel. Und viele Bewohner wie Besucher sagen: Nicht zu seinem Vorteil. Dabei steht ein Projekt synonym für alles was schiefläuft: Beograd na Vodi - Belgrad am Wasser - Belgrad Waterfront, wie man immer man es nennen will. Danijel und Krsto waren unlängst zu Gast in Belgrad und fragen sich nun: Belgrad, was hat Dich nur so ruiniert? Und damit sie auf ihre Frage nicht auch gleich noch die Antwort liefern müssen, haben Sie mal wieder einen Stargast in der Sendung: Aleksandra Tomanić, Direktorin des European Funds for the Balkans. Seit Ende der 90er hat sie viele Jahre in Belgrad gelebt - zuletzt zehn Jahre am Stück. Wenn uns jemand etwas über die Stadt erzählen kann - dann sie. Ansonsten erfahrt Ihr, was der Hohe Repräsentant in Bosnien wieder mal ausgeheckt hat, warum das Kosovo bei Herrn Vučić wieder für Magenverstimmungen sorgt und warum Krsto lieber in den Tempel des Heiligen Sava geht als ins Haus der Blumen.
27 Minuten
In dieser Zwischenfolge spricht Danijel mit unserem geschätzten Podcast-Kollegen Ralf Grabuschnig von Déjà-Vu-Geschichte über sein neues Buchprojekt. Ralf war nämlich in Europa unterwegs, um sich über die Lage von sprachlichen und ethnischen Minderheiten zu informieren. Seine Erkenntnisse hat er in "Unterwegs zwischen Grenzen - Europas Minderheiten im Schwitzkasten der Nationen" zusammengefasst. Wieso Ihn das Thema beschäftigt und was das mit seiner Familiengeschichte zu tun hat, erfahrt Ihr hier. Link zu Ralfs Startnext-Kampagne: https://www.startnext.com/unterwegs-zwischen-grenzen
1 Stunde 16 Minuten
Bis heute sind Straßen in Neu-Delhi, Phnom Penh, Addis Abeba und vielen anderen Städten des globalen Südens nach Tito benannt und wir versuchen zu erklären, woran das eigentlich liegt. Wir beschäftigen uns mit der blockfreien Bewegung und jugoslawischer Außenpolitik nach dem 2. Weltkrieg. Und damit wie Jugoslawien von doppelter Isolation heraus zu einem wichtigen außenpolitischen Player auf der Weltbühne wurde. Zu Gast haben wir Dr. Arno Trültzsch, der seine Dissertation zu dem Thema verfasst hat. Außerdem erfahrt ihr, warum in Banja Luka kein Film zu LGBTIQ-Themen gezeigt werden kann, wie es im Wahlkampf in Montenegro so aussieht, wie deutsche Unternehmen Putinpropaganda finanzieren und warum ihr unbedingt Bücher der kürzlich verstorbenen Dubravka Ugrešić lesen solltet.
44 Minuten
Ihr habt es sicherlich mitbekommen. Letzte Woche hat sich das ZDF Magazin Royale lobenswerter Weise mit Bosnien und dem Hohen Repräsentanten Christian Schmidt befasst. Gutes Thema und eigentlich sollten wir alle ganz froh sein, dass sich endlich ein reichweitenstarkes Format darum kümmert. An der Ausführung hatten wir dann allerdings doch ein bisschen was zu meckern. Und das löste dann eine ziemlich große Twitter-Debatte aus. Wir sagen, da wurden ein paar Sachen falsch dargestellt, Böhmi sagt nein, und eine ganze Menge Leute, mit denen wir bis dahin nichts zu tun hatten, sagt nun, dass wir serbische Nationalisten sind oder kroatische Nationalisten...nichts ungewöhnliches eigentlich, aber beides auf einmal? Wie dem auch sei. Für alle, die die Debatte nicht mitbekommen haben, haben wir sie hier nochmal zusammengefasst. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel darf ein Format wie das ZDF Magazin Royale eigentlich weglassen und verkürzen? Und ab wann muss das, was dann übrig bleibt, als falsch bezeichnet werden? Nebenbei erfahrt Ihr diesmal nichts weiter. Denn ehrlich gesagt: Diese Woche hatten wir für kaum etwas anderes Zeit.
32 Minuten
Am 21. Februar 1971 ging in Baden-Württemberg eine eigene Jugoliga an den Start. Dort spielten jedes Wochenende Vereine wie Bratsvo Schwennigen, Croatia Reutlingen oder Metalac Stuttgart gegeneinander. Während die deutsche Öffentlichkeit das Phänomen weitgehend ignorierte, berichteten in Jugoslawien sogar die großen Sportzeitungen regelmäßig über die Liga und einge der großen Vereine Jugoslawiens traten in Deutschland gegen Gastarbeiter an. Der Historiker Luka Babic entdeckte auf einem Mannschaftsfoto von Polet Ravensburg seinen Vater und beschäftigt sich seither intensiv mit der Jugoliga. Mit ihm habe ich über die Liga gesprochen, die es vor allem deswegen gab, weil der Württembergische Fußball-Verband einfach keinen Bock darauf hatte die Jugos in seinem Ligasystem zu integrieren.
1 Stunde 13 Minuten
Das neue Jahr ist schon fast einen Monat alt und eigentlich ist auf dem Balkan alles wie immer. Das bedeutet auch, dass im Norden des Kosovo weiterhin oder mal wieder die Gemüter hochkochen. Inzwischen dürfte jeder mitbekommen haben, dass man sich in den letzten Monaten - eigentlich das ganze letzte Jahr - über Kennzeichen gestritten hat. Das ging dann irgendwann so weit, dass Mitte 2022 Gerüchte über einen bevorstehenden Krieg die Runde machten. Ende des Jahres dann, zogen sich serbische Amtsträger aus den kosovarischen Institutionen zurück. Barrikaden wurden errichtet, Serbien schickte seinen Armeechef an die Grenze und später fielen dann in der vorwiegend von Serben bewohnten Region um Mitrovica auch Schüsse. Fest steht: Die Serben im Norden des Kosovo wollen am liebsten nicht zum kosovarischen Staat gehören. Und die Regierun in Priština scheint es Leid zu sein, ständig ins Leere hinein zu verhandeln. Die Zeichen standen lange auf Konfrontation und erst vor wenigen Tagen scheint sich die Tür für einen neuen Kompromiss geöffnet zu haben. Einstweilen bleibt das Nordkosovo eine Krisenregion. Und weil Krise und Krieg vier Buchstaben gemein haben, wird der Streit zwischen Albanern und Serben in der westlichen Berichterstattung gerne zu einem Stellvertreter-Konflikt zwischen einer prorussischen (Serbien) und einer westlich-orientierten (Kosovo) Regierung umgedeutet. Dass der Dauerstreit sehr spezifische und tiefergehende Gründe hat, wird dabei oft vergessen. Krsto und Danijel schauen sich daher an, was die Auslöser der jüngsten Eskalation sind und welchen Anteil die Regierungen in Belgrad und Priština daran haben. Denn merke: Scheiße bauen, können die Leute auf dem Balkan auch ganz ohne die Hilfe irgendwelcher Großmächte. Nebenbei erfahrt Ihr, wie die beiden Ballaballa-Balkan-Macher ins neue Jahr gestartet sind, wieso in Bosnien serbische Militärparaden abgehalten werden und warum Krsto es manchmal gar nicht mag, wenn man seinen Namen laut durch die Gegend schreit.
1 Stunde 53 Minuten
Hohoho! Was eine Bescherung! Pünktlich zu Heilig Abend haben wir nicht einfach nur ein Extra parat! Nein es ist die längste Folge aller Zeiten geworden. Mehr als 110 Minuten in denen wir sich Krsto und Danijel pünklich zu Weihnachten einem Thema widmen, dass sich andere Podcasts nicht anzufassen wagen. FAMILIE Nein, nicht die Mafiaorganisation, sondern diese gar nicht mal so kleine soziale Einheit, die Euch zu Weihnachten heimsucht wie andere Leute Geister. Heute geht es um Mama, Tata, Braco, Seka, Striko, Ujko, Tetka und ganz viele Rođaci. Was läuft anders bei Familien aus dem Ex-jugoslawischen Raum? Welche Arten von Familien pflegen eigentlich Gastarbeiterkinder? Und sterben bei serbischen Hochzeiten wirklich regelmäßig Menschen? Das alles und vieles mehr kommt auf den Tisch. Und da wir es gerade von Podcasts hatten, die sich nichts trauen, Jagoda Marinić von "Freiheit Deluxe" ist auch mit von der Partie. Denn es ist Weihnachten und wir geben gerne ein wenig von unserem Fame ab. Also viel Spaß und Sretan Božič!!!
1 Stunde 25 Minuten
Zwei Jahre ist es her, dass sich Krsto und Danijel mit der Rezeption Jugoslawiens und seines Zerfalls durch die deutsche Linke befasst haben. Zeit einen Blick an das andere Ende des politischen Spektrums zu werfen. Dass die Recht Zeit seines Bestehens mit dem Vielvölker-Staat Jugoslawien wenig anfangen konnte, versteht sich fast von selbst. Schließlich stand da jenseits der Karawanken nicht nur ein kommunistisches Staatswesen, sondern auch noch ein "Völkergefängnis", das angeblich grundverschiedene Ethnien zu einem Zusammenleben zwang - eine doppelte Dystopie aus rechter Sicht. Daran hat sich seit den 90ern nicht viel geändert. Doch die Freund-Feindbestimmung insbesondere in der Analyse der Sezessionskriege hat einen ganz grundlegenden Wandel erfahren. Krsto und Danijel sind dem nachgegangen und haben sich den rechten Disurs in Deutschland heute und vor 30 Jahren mal näher angesehen. Dabei sind sie auf ein paar interessante Parallelen in der Argumentation von Ex-Nazi-Kollaborateuren, Neuen Rechten und Konservativen gestoßen. Nebenbei erfahrt Ihr, wie Neues vom Ballaballa-Balkan das Jahr ausklingen lassen wird, warum Šljivovica mehr als nur ein Schnaps ist - jetzt auch hochoffiziell - und wie sich die Lage im Kosovo so entwickelt hat.
33 Minuten
"Neues vom Ballaballa-Balkan" hat mal wieder einen Literatur-Tipp für Euch. Und wir sind ausnahmsweise mal hochaktuell, denn das Buch, um das es geht, ist bei Erscheinen dieses Podcasts gerade einmal seit einer Woche auf dem Markt. In "Krieg in Europa - Der Zerfall Jugoslawiens und der überforderte Kontinent" zeichnet der langjährige Balkan-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek (u.a. die Zeit, der Standard, Frankfurter Rundschau)den Verlauf der jugoslawischen Sezessions-Kriege nach. Vor allem befasst er sich mit den oft hiflosen und von wenig Sachkenntnis geprägten Versuchen der europäischen Diplomatie, der Gewalt im ehemaligen Jugoslawien Herr zu werden. Danijel hat sich mit ihm über sein Buch unterhalten unter anderem über die Frage, was an den Ereignissen der 90er-Jahre heute noch aktuell ist. (Titelbild: Victoria Karger)
1 Stunde 14 Minuten
Der kroatische Präsident hat einen U-Turn von links nach rechts hingelegt. Mit einer Betonung auf dem U. In dieser Folge unterhalten sich Danijel und Krsto über Zoran Milanović und erklären, wie ein einst progressiver Premierminister sich in den vergangenen beiden Jahren zu einem Populisten wandelte, der eine Querfrontstrategie bedient und sich dabei nicht zu Schade ist, sich bei serbischen Nationalisten einzuschleimen oder zu drohen, die Nato-Mitgliedschaft von Finnland und Schweden zu blockieren, wenn es keine von ihm gewünschte Wahlrechtsreform in Bosnien-Herzegowina gibt. Außerdem erfahrt ihr, was vom neuen Film des kanadisch-serbischen Regisseurs Boris Malagurski zu halten ist, warum die Staats- und Regierungschefs aus dem Westbalkan in Berlin waren und was der Anlass für neuen Ärger im Kosovo ist.
52 Minuten
Man darf es gar nicht mehr sagen: Aber wir müssen schon wieder über Bosnien reden. Am 2. Oktober wurden dort nämlich die mit Spannung erwarteten allgemeinen Wahlen abgehalten. Die Ergebnisse waren teils überraschend, teils enttäuschend. Und zu guter Letzt hat der Hohe Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft allen die Show gestohlen, indem er ausgerechnet am Wahlabend per Dekret das Wahlgesetz und Teile der Verfassung im bosniakisch-kroatischen Landesteil abänderte. Was das für das Land bedeutet, versucht in dieser Zwischenfolge Danijel im Gespräch mit dem Menschenrechtsaktivisten und Politikanalysten Samir Beharić zu klären.
1 Stunde 12 Minuten
Serbien ist in Gefahr! Schon wieder. Diesmal drohen finstere Kräfte aus dem fernen Brüssel Hand an die Fundamente der serbischen Nation und ihrer heiligen Werte zu legen, indem sie ungefragt queere Menschen durch die Straßen Belgrads marschieren lassen. GAYROPA versucht Serbien unter Druck zu setzen. Muss man wissen. Was los war? Eigentlich wollten nur ein paar hundert bis ein paar Tausend queere Menschen die Europride in Belgrad abhalten. Doch weil die serbisch orthodoxe Kirche im Vorfeld ein Bedrohungsszenario sondergleichen aufbaute und die serbische Regierung ein absurdes Theater um die Erlaubnis für die Veranstaltung aufführte, wurde aus einer fröhlichen Veranstaltung ein (einseitiger) Kulturkampf von rechts. Krsto war vor Ort (siehe Sondersendung). In dieser Episode analysieren wir nochmal die Hintergründe der ganzen Debatte und schauen uns an, wer von der Hetze gegen die LGBTQ-Szene profitiert oder zu profitieren glaubt. Außerdem kommen Menschen zu Wort, die am Rande der Pride körperlich angegriffen wurden. Nebenbei erfahrt Ihr, was sich der Hohe Repräsentant Christian Schmidt jetzt wieder für Bosnien ausgedacht hat, weshalb wir über die vergangene Basketball-Europameisterschaft den Mantel des Schweigens hüllen und warum Bulgarien wieder in der Hand des "männlichsten Mann-Politikers" der Region liegt.
27 Minuten
Rechtextreme und orthodoxe Kirche marschieren gegen die Europride auf. Krsto ist vor Ort und erzählt Franziska Tschinderle von seinen Eindrücken.