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Psychologie und Pädagogik - Open Access LMU - Teil 01/02 Archiv

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Am Problem der zentralnervSsen Verarbeitung vestibul~trer and optiseher Daten bei der Wahrnehmung der Vertikalrichtung wurde eine fiir wahrnehmungspsyehologische Untersuchungen geeignete Methodik kybernetiseher Systemanalyse entwickelt. Drei Versuehspersonen hatten die Aufgabe, bei versehiedenen KSrperschriiglagen eine Leuchtlinie vor dem Hintergrund eines langsam frontparallel um die Blickaehse rotierenden Streifenfeldes fortlaufend ansehaulieh vertikal einzustellen. Aus den Versuehsergebnissen wurde in kontrollierten Schritten unter ausffihrlicher Diskussion aller verwendeten Pri~missen ein Modell in Form eines Blocksehaltbildes entwickelt. Das Modell lggt sich im wesentliehen durch folgende tIypothesen eharakterisieren: 1. Die (approximative) Riehtungskonstanz des Wahrnehmungsraumes bei Kopfschr~iglage beruht auf einer orthogonalen Drehtransformation der phi~nomenMen Raumkoordinaten gegensinnig zur Kopfneigung (,,Kompensationstheorem"). 2. Die kompensatorisehe Drehtransformation wird unter unseren Versuehsbedingungen im wesentliehen vom Yestibularapparat und vom Visuellen System kontrolliert. 3. Das vestibul~re System ist ffir sich allein imstande, die Drehtransformation zu steuern; zusgtzliehe visuelle Einfliisse iiberlagern sieh dieser Aktivitiit additiv (,,Superpositionshypothese"). 4. Diese visuellen Einfliisse sind eine Funktion der figuralen Hauptaehsen des optisehen Panoramas; unter unseren Versuchsbedingungen (gleiehmS~gig rotierendes Streifenfeld) ist ihr zeittieher Verlauf demnach periodisch oszillierend. 5. In die oszillatorische Komponente geht auger dem visuellen jedoeh auch noch ein vestibul/irer Anteil ein (,,Optiseh-vestibuli~re Verh~iltniszahl"), und zwar multiplikativ (,,Multiplikationshypothese"). Dieser Anteil ist der sog. Augenrollung proportional. 6. Die Drehbewegung des Streifenfeldes verursacht ein ,,Nachhinken", abet keine nennenswerte Ferzerrung der Versuchsergebnisse, verglichen mit der Versuehsdurchfiihrung im stationiiren Fall (,,Verschiebungshypothese"). 7. Die visuelle Kontrolle der Transformation der ph~nomenalen Raumkoordinaten erfolgt auf dem Wege einer zentralnerv6sen t~egelkreisschaltung (Hypothese der ,,Riickw~r tskompensation"). Dieses Modell wurde auf versehiedenen Wegen validiert; unter anderem erwies es sich als in der Lage, die Versuchsergebnisse in den wesentlichen Anteilen zu reproduzieren.
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Die vorliegende Arbeit hatte das Ziel, die ldquorUmstimmung der retinalen Raumwerteldquo während willkürlicher horizontaler Blicksprünge (Sakkaden) zu untersuchen. Die Methodik bestand darin, während oder nach der Augenbewegung kurzzeitig einen ca. 1° großen Lichtreiz (Elektronenblitz) im Gesichtsfeld der Vp zu exponieren, den diese in bezug auf eine kopffeste Skala zu lokalisieren hatte. Die Auslösung des Lichtreizes erfolgte auf elektrookulographischem Weg durch die Augenbewegung selbst. Bei diesen Versuchen traten in systematischer Abhängigkeit vom retinalen Ort des Reizes und von der zwischen Sakkadenbeginn und Reizexposition verstrichenen Zeit deutliche Verlagerungstäuschungen auf. Sie lassen sich am besten interpretieren, wenn man die Umwertungsprozesse als ldquorWanderungldquo eines lokalisatorischen Bezugssystems über ein zentralnervöses Projektionsfeld der Retina auffaßt. Diese Wanderung wird eingeleitet und angeführt durch ein rasches Einschwingen der Koordinate des Zielpunktes der Blickbewegung in die Fovea; in der zielabgekehrten Netzhauptperipherie vollzieht sich die Umwertung wesentlich langsamer. Dabei kann es vorübergehend zu topologischen Veränderungen des Bezugssystems kommen, deren Genese noch unklar ist. Ausgehend von den bislang vorliegenden Ansätzen zur Erklärung der Richtungskonstanz (insbesondere vom Reafferenzprinzip, den Aufmerksamkeitstheorien und der Theorie MacKays) wird ein eigenes Modell entwickelt, in dessen Rahmen die Versuchsergebnisse diskutiert werden.