International Archiv
100 Episoden
9 Minuten
Sie kämpfen an der Front, kehren versehrt heim. Und dann? Welche Unterstützung erhalten die «Helden der Spezialoperation» tatsächlich? Calum MacKenzie hat mit russischen Kriegsveteranen gesprochen. Im TALK erzählt er, wie er sie gefunden hat. Und wie er mit dem Risiko der (Selbst-)Zensur umgeht.
29 Minuten
Der russische Krieg in der Ukraine dauert an, und so wächst auch die Zahl jener, die aus dem Krieg heimkehren: verwundet und traumatisiert. Ihre Rückkehr ins zivile Leben ist oft wenig heldenhaft, sondern schwierig und begleitet von Frust und Enttäuschung – über den Staat und ihre Landsleute. Ist der Krieg gerecht? Oder nicht? Diese Frage hatte sich Jaroslaw* nie gestellt. Bis er in Russlands Krieg gegen die Ukraine zog. Freiheit gegen Kampfeinsatz versprach man dem ehemaligen Häftling. Bei seiner Rückkehr geht Jaroslaw an Krücken, sein verwundetes Bein verheilt nur langsam. Hilfe vom Staat? Fehlanzeige. Der Krieg in der Ukraine: ein «Scheisskrieg». Vor bald vier Jahren hat Russland diesen Krieg gegen die Ukraine begonnen, hat Schätzungen zufolge seither weit über eine Million Soldaten in den Krieg geschickt. Viele sind bereits zurückgekehrt, ins zivile Leben – versehrt, an Körper und Seele. Der Kreml und die Staatsmedien feiern sie als «Helden der Spezialoperation», doch die Bevölkerung zieht nicht mehr einfach mit, begegnet den «Helden» bisweilen mit Angst und Misstrauen. Man sollte alle Soldaten mit Kampferfahrung behandeln. Ausnahmslos. Sagt die Psychologin Natalja Nikiforova. Doch dafür fehlt in Russland das Personal. Und der Wille. «Wir werden auch dies überstehen,» sagt die Psychologin. Doch die Rückkehrer aus dem Krieg – sind ein Faktor mit grossem Konfliktpotential. *Name geändert
10 Minuten
Istanbul präsentiert sich gerne als muslimische Weltmetropole. Doch die Stadt auf zwei Kontinenten war einst ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen. Ceyda Nurtsch erzählt von ihrer Spurensuche bei religiösen und ethnischen Minderheiten. Und von Zuversicht, die sie selbst überrascht hat.
29 Minuten
Istanbul war über Jahrtausende ein «Mosaik der Völker». Doch die nationalistische Staatsideologie der modernen Türkei leugnete die kulturelle Vielfalt. Aber es gibt eine Gegenbewegung: Menschen, die das multikulturelle Erbe der Stadt wiederbeleben wollen. Die historische Strassenbahn bimmelt auf der Flaniermeile Istiklal Caddesi an armenischen und griechischen Stadtpalästen vorbei. Wer sich umschaut, findet überall in der Bosporus-Stadt Zeugnisse der multikulturellen Vergangenheit. Doch die moderne Türkei verstand sich als Einheitsstaat: «Glücklich, wer ein Türke ist». So der Leitsatz von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Bis heute sind die nationalistischen Strömungen in der Türkei stark. «International» begegnet Menschen, die genug haben von politischer Polarisierung und die multi-ethnische Tradition dieser Stadt auf zwei Kontinenten für sich neu entdecken. Can Evrensel Rodrik ist fasziniert vom jüdischen Erbe. Er gibt Kurse in der Sprache der sephardischen Juden Istanbuls und schafft so eine Verbindung zur eigenen Herkunftskultur. Mehmet Ugur Korkmaz will mit seinem Podcast «Die Kurden sind in der Stadt» dazu beitragen, dass das «kurdische Istanbul» als Teil der Identität der türkischen Mittelmeer-Metropole wahrgenommen wird. Traditionen, Stimmen, Kulturen und verschiedene Epochen flössen am Bosporus ineinander, das fasziniere sie seit ihrer Kindheit, sagt Kübra Şenyaylar. Die Musikerin bringt die Istanbuler Vielstimmigkeit mit ihrem «Koro Istanbul» zum Klingen.
9 Minuten
Vielen Menschen gilt der Buddhismus als faszinierende spirituelle Alternative zu monotheistischen Religionen. Doch mit Spiritualität haben die Sex- und Drogenskandale, die Thailands Klerus erschüttern, wenig zu tun. Was dahinter steckt, erzählt SRF-Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi.
25 Minuten
Eine ganze Reihe von Skandalen erschüttern den Buddhismus in Thailand. Das Vertrauen in die Mönche, die einst als moralische Stütze der Gesellschaft galten, schwindet, die Religion steckt in der Krise. Eine Frau erpresste hochrangige Mönche mit zehntausenden kompromittierenden Fotos und erbeutete Millionen. Ein angesehener Abt soll über Jahre Spendengelder eines Hospizes veruntreut haben. Doch die Krise zeigt sich auch im Kleinen, wie in der Provinz Chumphon. Dort wurden alle Mönche eines Tempels, inklusive Abt, wegen Drogenkonsums festgenommen. «Ich habe diesen Tempel seither nie wieder betreten», sagt eine Dorfbewohnerin, die nach der Razzia die Asche ihres Vaters wieder mit nach Hause nahm. Solche Vorfälle nähren die Kritik am buddhistischen Klerus. Reformer sprechen von einem Machtsystem, in dem alte Männer herrschen. Die Institution selbst sieht das Problem bei Einzelpersonen: Die Menschen könnten vom Weg abkommen, doch die Lehren Buddhas seien unvergänglich. Währenddessen wendet sich die junge Generation zunehmend ab und das Interesse, selbst Mönch zu werden, sinkt. Gleichzeitig kämpfen Frauen um die Anerkennung als gleichgestellte Nonnen – bisher ohne Erfolg.
10 Minuten
Die türkische, griechische und britische Armee sind offiziell auf der Mittelmeerinsel, die USA benutzen sie regelmässig. Auch Blauhelme sind stationiert - entlang der Waffenstillstandslinie, die Zypern teilt. Philipp Scholkmann über seine Eindrücke von einer der militarisiertesten Zonen der Welt.
27 Minuten
Die Türkei hat im Norden der Mittelmeerinsel Zypern einen Staat nach ihrem Zuschnitt geschaffen. Doch dieser wird nur von der Türkei selbst anerkannt. Die Umarmung durch die «Schutzmacht» spaltet die Bevölkerung. Und die internationale Isolation führt zu handfesten Problemen im Alltag. Die nordzyprische Politwissenschaftlerin Hayriye Rüzgar erinnert sich daran, wie aufgeregt sie war, als sie an der Hand der Eltern erstmals die Waffenstillstandslinie überschritt. 2003 gingen die ersten Checkpoints zur international anerkannten «Republik Zypern» auf. Was würde geschehen, wenn sie in diesem griechisch-zyprischen Teil türkisch sprächen, fragte sich die damals Zehnjährige besorgt. Seither sind viele Programme für Dialog und Austausch entstanden. Doch alle Versuche, den Zypernkonflikt beizulegen, sind gescheitert. Im Norden bleiben zehntausende türkische Soldaten stationiert, das Gebiet hängt wirtschaftlich am Tropf der «Schutzmacht». In der Isolation und einseitigen Abhängigkeit hat sich eine Ökonomie mit Schattenseiten entwickelt. Ein spektakulärer Immobilienboom deute auf Geldwäscherei in grossem Stil, sagt der Wirtschaftsexperte Mertkan Hamit. Doch die letzten Präsidentschaftswahlen in Nordzypern brachten einen Kurswechsel. Steigen damit die Chancen für eine Lösung des Zypernkonflikts?
10 Minuten
Selbst in Kriegs- oder Krisengebieten gibt es einen Alltag, der, trotz allem, etwas Hoffnung macht. Einen menschlichen Einblick in diesen Alltag geben die «International»-Reportagen. SRF-Auslandchefin Susanne Brunner erzählt, welche Reportagen im neuen Jahr aus welchen Ecken der Welt geplant sind.
30 Minuten
«International-Spezial» zum Jahresende, Teil 2: Frankreich-Korrespondentin Zoe Geissler und Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser blicken zurück auf ein turbulentes, ereignisreiches 2025. Ein Jahr, in dem sich die beiden «alten Mächte» dank Trump erstmals seit Brexit wieder annäherten. US-Präsident Donald Trump hielt «das alte Europa» im vergangenen Jahr, gelinde gesagt, auf Trab. In Paris und London war die Politik gefordert, aber nicht nur von Trump, sondern auch von eigenen Problemen, die beidseits des Ärmelkanals ähnlich sind. Zoe Geissler hatte kaum Zeit, in Paris ihre Koffer auszupacken und sich als neue Frankreich-Korrespondentin einzurichten, bevor sie über eine Kaskade von Regierungswechseln und Prozessen berichten musste. Und Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser erlebte, wie die Bevölkerung im Königreich weiterhin auf bessere Zeiten warten muss, trotz Versprechen eines relativ neuen Premiers. Die «neueste» SRF-Korrespondentin und der dienst-älteste Korrespondent blicken auf ein turbulentes Jahr und auf eindrückliche Begegnungen in ihren Berichtsgebieten zurück, und wagen einen Ausblick aufs Neue Jahr.
9 Minuten
Einer hat die Schlagzeilen 2025 eindeutig dominiert: US-Präsident Donald Trump. SRF-Auslandchefin Susanne Brunner erzählt, wie es ihr Team trotzdem geschafft hat, dort hinzuschauen, wo kaum jemand hinschaut. Ein Rückblick auf «International»-Reportagen fernab der Schlagzeilen.
26 Minuten
Zum Jahres-Ende zwei «International-Spezial»: im ersten ein Jahresrück- und ausblick aus Afrika: über den Kontinent berichten für SRF Sarah Fluck, aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas, und Fabian Urech, aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Die beiden reden miteinander über Krieg, Proteste und Hoffnung. Das Korrespondenten-Duo lebt auf dem gleichen Kontinent - Sarah Fluck im Osten, Fabian Urech im Westen – und trotzdem in komplett verschiedenen Welten. Afrika, mit seinen über fünfzig Staaten, ist nicht gleich Afrika, das zeigt schon die Bürokratie: In einigen afrikanischen Staaten, sagt Fabian, erinnere ihn die Visumsbürokratie an «Asterix bei den Römern», in anderen liefen gewisse Dinge besser als in den USA. Sarah wiederum reiste den Sudan, ins drittgrösste Land des Kontinents, wo sich zur Zeit die weltweit grösste humanitäre Katastrophe abspielt; sie erzählt sie aber auch von der Rad-Weltmeisterschaft , die 2025 in Ruanda stattfand. Ein Kontinent voller Gegensätze: ein politisches, persönliches und auch humorvolles Gespräch zum Jahresende.
10 Minuten
Die Abschiebepolitik Pakistans bedroht die afghanischen Flüchtlinge. Gerade Frauen haben in ihrer alten Heimat unter den Taliban keine Zukunft. Im Talk erzählt Südasien Korrespondentin Maren Peters über ihre Eindrücke aus Pakistan und die journalistischen Herausforderungen im Land.
28 Minuten
Jahrzehntelang galt Pakistan als sicherer Hafen für Millionen afghanische Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat flohen. Damit ist Schluss. Bis Jahresende will Pakistan die Flüchtlinge abschieben. In Afghanistan erwarten sie Armut, Hunger und die radikal-islamistischen Taliban. Mehrafzon Jalili hatte grosse Träume. In Afghanistan studierte die 24-jährige Zahnmedizin. Dann kamen die Taliban, ihr Vater wurde ermordet, die Rest-Familie floh ins Nachbarland Pakistan. Gut vier Jahre später steht wieder alles auf der Kippe. Erst setzten sie die pakistanischen Vermieter auf die Strasse. Dann wurde auch ihr Not-Lager in einem Park in Islamabad mitten in der Nacht von der Polizei gestürmt. Pakistan will bis Jahres-Ende alle afghanischen Flüchtlinge ausschaffen. Darunter auch solche, die vor der Machtübernahme der Taliban für westliche Regierungen oder das Militär gearbeitet haben. In Afghanistan drohen ihnen Folter und Tod. Frauen wie Mehrafzon Jalili dürfen unter den Taliban nicht studieren, nicht arbeiten, nicht einmal singen. «Afghanistan ist wie ein Friedhof geworden», sagt Jalili. Pakistan - politisch instabil, hochverschuldet und vom Militär dominiert - gibt den afghanischen Flüchtlingen pauschal eine Mitschuld an den vielen Terroranschlägen in Pakistan - und bestraft sie. Die Flüchtlinge würden zu Sündenböcken gemacht, kritisieren Menschenrechtsorganisationen. Die internationale Gemeinschaft, die helfen könnte, schaut weg.
9 Minuten
In Irland wurden uneheliche Kinder bis in die Sechziger Jahre ihren Müttern weggenommen und in Heimen vernachlässigt. Im Talk erzählt Christopher Weingart, wie er per Zufall auf die Lokalhistorikerin Catherine Corless aufmerksam wurde, die den Anstoss zur Aufarbeitung dieses nationalen Traumas gab.