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  4. "Bedingt abwehrbereit": Beginn der Spiegel-Affäre | 27.10.1962
Am Abend des 26. Oktober 1962 besetzte die Polizei Redaktionsräume
des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im Hamburger Pressehaus.
Vorausgegangen waren Berichte des "Spiegel", die sehr kritisch
gegenüber der Politik von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß
(CSU) waren. Insbesondere der Artikel, der am 10. Oktober 1962
unter der Überschrift "Bedingt abwehrbereit" erschienen war. Der
Artikel kam zu dem Ergebnis, dass die Verteidigungsstrategie der
Bundeswehr im Fall eines sowjetischen Angriffs nicht funktionieren
würde. Die Bundeswehr sei dafür zu schlecht ausgestattet. Diesen
Artikel und die darin enthaltenen Details betrachteten
Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister
Strauß als Landesverrat, aber auch Bundesanwalt Albin Kuhn sah das
so. Am 23. Oktober 1962 ergingen Haftbefehle, drei Tage später
schlug das Bundeskriminalamt zu und am folgenden Morgen, dem 27.
Oktober 1962, informierte der Verlag die Öffentlichkeit über die
Vorgänge. Später, am selben Tag, befragen Journalisten die
Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, worüber wiederum der Südwestfunk
berichtete. Darin fällt auch das Stichwort "Onkel Aloys". Unter
diesem Titel war im September bereits ein Strauß-kritischer Artikel
im Spiegel erschienen – und zwar darüber, dass ein enger Vertrauter
der Strauß-Familie, Aloys Brandenstein, durch Rüstungsgeschäfte der
Bundesregierung Millionen an Provisionsgeldern kassiert habe.
Minister Strauß verklagt "Spiegel"-Chef Rudolf Augstein. Viele
spekulieren, dass die aktuelle Aktion gegen den "Spiegel" ein
Racheakt des Verteidigungsministeriums sei. Auch diese Frage
sprechen die Journalisten gegenüber der Bundesanwaltschaft an.
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