Intro & Einstieg
Kurzer Einstieg ins Thema: Warum ist die Geschichte von Celtic
Glasgow mehr als nur eine Fußballchronik? Warum wir immer ein
bißchen Celtic Fans waren.
Kapitel 1: Die Gründung (1887)
Alles beginnt am 6. November 1887 in der St. Mary's Church Hall
im Glasgower Stadtteil Calton. Der irische Maristenbruder Walfrid
ruft Celtic ins Leben – nicht als sportliches Projekt, sondern
als Mittel zur Armutsbekämpfung. Seine Wohltätigkeitsorganisation
"Poor Children's Dinner Table" versorgt hungrige Kinder im East
End mit Mahlzeiten, doch dafür braucht es Geld. Fußball, zu jener
Zeit ein aufstrebender Massensport, soll genau dieses Geld
einbringen. Inspiriert vom Vorbild Hibernian in Edinburgh,
entsteht so ein Verein, der bewusst Brücken zwischen irischer
Einwanderergemeinschaft und schottischer Bevölkerung schlagen
soll – daher auch der Name "Celtic". Am 28. Mai 1888 bestreitet
der junge Klub sein erstes Spiel überhaupt, ausgerechnet gegen
die Glasgow Rangers, und gewinnt deutlich mit 5:2 – ein Ergebnis,
das gewissermaßen die berühmteste Rivalität des europäischen
Fußballs einläutet, lange bevor jemand das Wort "Old Firm" dafür
erfand.
Kapitel 2: Die ersten Erfolge
Der sportliche Aufstieg lässt nicht lange auf sich warten: 1892
gewinnt Celtic den ersten Scottish Cup, ein Jahr später die erste
schottische Meisterschaft. 1895 stellt die Mannschaft beim 11:0
gegen Dundee einen bis heute gültigen Ligarekord auf. Geprägt
wird diese Ära vor allem von Willie Maley, der den Verein von
1897 bis 1940 – also 43 Jahre lang – als Trainer und Manager
formt und zu einer der dominierenden Kräfte Schottlands macht. In
diesen Jahrzehnten entstehen auch die ersten echten Legenden des
Vereins: der bullige Stürmer Jimmy Quinn, der technisch brillante
Patsy Gallacher und der Torschützenkönig Jimmy McGrory, der über
400 Ligatore für Celtic erzielt – eine europaweit kaum erreichte
Marke für einen einzigen Verein. Doch die Vereinsgeschichte kennt
auch dunkle Kapitel: Am 5. September 1931 stirbt der erst
22-jährige Torhüter John Thomson nach einer Kollision im
Old-Firm-Spiel – eine Tragödie, die den gesamten schottischen
Fußball erschüttert und bis heute nachwirkt.
Kapitel 3: Der Bergmann wird Trainer
Im Zentrum dieser Folge steht ein Mann, dessen Weg so
ungewöhnlich wie eindrucksvoll ist: John "Jock" Stein, geboren
1922 in Burnbank, Lanarkshire, arbeitet zunächst selbst jahrelang
als Kohlebergmann – eine harte, prägende Erfahrung, die später
seine Disziplin und seinen Blick für die Arbeiterklasse formt.
Als Spieler kommt er 1951 zu Celtic, wird dort sogar
Mannschaftskapitän, doch eine schwere Verletzung beendet 1956
abrupt seine aktive Karriere. Was folgt, ist der eigentliche
Beginn seiner Legende: Als Trainer rettet er den kleinen Verein
Dunfermline Athletic vor dem Abstieg und gewinnt mit ihm 1961
sensationell den schottischen Pokal – ausgerechnet gegen Celtic
selbst. Nach einer weiteren erfolgreichen Station bei Hibernian
kehrt Stein 1965 als Cheftrainer zu seinem alten Klub zurück –
ein Verein, der zu diesem Zeitpunkt seit über einem Jahrzehnt auf
einen Meistertitel wartet.
Kapitel 4: Das Wunderjahr 1967
1967 wird zum unvergesslichen Jahr der Vereinsgeschichte: Celtic
gewinnt buchstäblich jeden Titel, den es zu gewinnen gibt –
Meisterschaft, Scottish Cup, Ligapokal, Glasgow Cup und, als
Krönung, den Europapokal der Landesmeister. Im Finale am 25. Mai
1967 in Lissabon trifft die Mannschaft auf den haushohen
Favoriten Inter Mailand, trainiert vom weltgewandten Helenio
Herrera und Meister des defensiven Catenaccio-Fußballs. Nach
frühem Rückstand durch einen Foulelfmeter dreht Celtic das Spiel
in der zweiten Halbzeit mit offensivem, mutigem Fußball – Tommy
Gemmell und Stevie Chalmers erzielen die Tore zum 2:1-Endstand.
Celtic wird damit der erste britische Verein, der diesen Titel
gewinnt, und zwar mit einer Mannschaft, deren Spieler – bis auf
eine einzige Ausnahme – allesamt aus dem unmittelbaren Umkreis
von Glasgow stammen. Diese elf Männer gehen als "Lisbon Lions" in
die Fußballgeschichte ein.
Kapitel 5: Neun Meisterschaften in Folge
Der Triumph von Lissabon bleibt kein Strohfeuer: Von 1966 bis
1974 gewinnt Celtic unter Stein neun schottische Meisterschaften
in ununterbrochener Folge – ein Rekord, der über Jahrzehnte
unerreicht bleibt und die fast schon erdrückende Dominanz des
Vereins im eigenen Land dokumentiert. Auch international bleibt
Celtic eine Macht: 1970 erreicht man nach einem Sieg über den
favorisierten englischen Meister Leeds United erneut das
Europapokalfinale, verliert dort aber überraschend gegen
Außenseiter Feyenoord Rotterdam. Dennoch festigt sich in diesen
Jahren der Ruf Steins als einer der größten Trainer des
europäischen Fußballs – ein Mann, der seine Spieler bis ins
Detail kennt, der fordern und fürsorglich sein kann.
Kapitel 6: Abschied und Nationaltrainer
Nach sportlich schwächeren Jahren – die Saison 1977/78 endet für
Celtic enttäuschend nur auf Rang fünf – legt man Stein nahe, von
der Trainerbank in eine Vorstandsposition zu wechseln. Für den
Mann, der sein gesamtes Leben dem Spielfeld gewidmet hat, ist das
inakzeptabel: Im August 1978 verlässt er Celtic. Sein Nachfolger
wird mit Billy McNeill ausgerechnet der einstige Kapitän der
Lisbon Lions. Stein selbst wechselt kurz zu Leeds United, bleibt
dort aber nur 44 Tage, bevor er noch im selben Jahr das Amt des
schottischen Nationaltrainers übernimmt – eine Rolle, in der er
Schottland unter anderem zur Weltmeisterschaft 1982 in Spanien
führt.
Kapitel 7: Cardiff, 10. September 1985
Das letzte Kapitel der Geschichte ist zugleich das bewegendste:
Im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales in Cardiff braucht
Schottland zwingend ein Unentschieden, um sich wenigstens einen
Playoff-Platz zu sichern. Nach einem dramatischen Spielverlauf
gleicht Davie Cooper per Foulelfmeter in der 81. Minute zum 1:1
aus. In den letzten, chaotischen Sekunden der Partie erhebt sich
der bereits gesundheitlich angeschlagene Stein – er hatte schon
1977 einen ersten Herzinfarkt erlitten – vermutlich in der
irrigen Annahme, das Spiel sei bereits beendet, um seinem
walisischen Trainerkollegen die Hand zu schütteln. Dabei erleidet
er einen schweren Herzinfarkt und bricht zusammen. Wenige Minuten
nach dem offiziellen Abpfiff wird sein Tod verkündet – eine
Nachricht, die den schottischen Fußball bis ins Mark erschüttert.
Kapitel 8: Das Vermächtnis
Was bleibt, ist die Geschichte eines Vereins, der als Suppenküche
für hungrige Kinder begann, und eines Bergmanns, der zum größten
Trainer wurde, den Schottland je hervorgebracht hat. Bis heute
prägen Jock Stein und die Lisbon Lions die Identität von Celtic –
von der Statue vor dem Celtic Park bis zur nach ihm benannten
Tribüne. Zum Abschluss ordnen wir ein, warum dieses eine goldene
Jahr 1967 und der tragische Tod 1985 bis heute untrennbar mit dem
Namen Celtic Glasgow verbunden bleiben.
Outro
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