00:36 - 00:55
Ben: Gude und herzlich willkommen zu einer neuen Folge
unseres Infosec Theaters. Heute mit Rudi, aber bevor Rudi sich
vorstellen darf, Reden wir erstmal über unser Thema und zwar ist
das Thema Cyber-Hikene und ja vielleicht auch noch kurz zu mir.
Ich bin Ben und Rudi magst du dich mal kurz vorstellen.
00:56 - 01:37
Rudolf: Danke Ben. Schöne Einladung mal hier auf der Theaterbühne
zu stehen. Ich mache Technik benutzbar manchmal. Ich habe für
mich festgestellt, mit Ruhe und Orientierung durchs Leben zu
gehen, ist ein ganz wichtiger Punkt für mich. Ich bin tatsächlich
in den letzten Jahren dadurch auf Yoga gekommen. Hilft mir total
viel. Vor 5, 6 Jahren hätte ich wahrscheinlich noch gedacht,
diese ganzen Cailatte-Mamis, die können wir mal gestohlen
bleiben. Inzwischen frage ich mich, wie konnte ich die Jahre ohne
auskommen. Das merke ich tatsächlich jeden Tag. Mentale Ruhe
hilft uns dann auch, in diesem tagsüber Irrsinn ganz gut klar zu
kommen.
01:37 - 01:47
Ben: Finde ich total spannend. Wenn du sagst, du machst Technik
erklärbar, dann passt das ja sehr gut hier dazu. Von was für
Technik reden wir hier so? Legotechnik oder?
01:49 - 02:29
Rudolf: Ich mache was mit Computern. Der Spruch ist nicht von
mir, den habe ich schon öfter mal gehört. Ich überlege gerade,
ich habe mal Physik studiert und habe gemerkt, dass sich anderen
Leuten das normale Arbeiten mit einem PC ganz gut erklären kann.
Die Software, wie das so funktioniert und was man damit so alles
sich zusammen basteln kann. So fing die Reise an und inzwischen
ist das bei Geschäftslösungen so in unserer großen globalen Welt
fast raus geworden Und ich habe Interesse daran, Organisationen
und auch den Menschen als Benutzern zu helfen, die Technik in
unseren Computern einfach morgen besser
02:29 - 02:31
Rudolf: benutzen zu können als heute.
02:31 - 02:57
Ben: Finde ich total spannend und passt auch total gut zu unserem
Konzept, wo wir ja Menschen näher bringen wollen, was eigentlich
Security ist und warum man da mehr für machen muss. Der Begriff
Cyber Hygiene, den weiß ich nicht, wer sich den ausgedacht hat.
Vielleicht war ich es wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich habe
ich das irgendwo mal gehört. Aber was kommt denn da spontan bei
dir an, wenn du Cyberhygiene hörst? Über was würdest du denn dann
reden oder was stellst du dir darunter vor?
02:59 - 03:41
Rudolf: Ich denke interessanterweise zuerst an Händewaschen und
wenn ich das dann so noch mal durch meine Gehirnwindung schiebe,
könnte es daran liegen, Händewaschen ist eine gewisse Routine.
Wenn ich draußen war und nach Hause komme, wasche ich mir die
Hände. Bezug auf Cyberhygiene finde ich, dass Routine im Benutzen
von Technik genauso dazu gehört und dass man nachdenkt, was man
tut. Also auf der einen Seite möchte ich gerne, dass meine Seife
mich dabei unterstützt, dass meine Hände nach dem Waschen auch
sauberer sind als vorher. Und auf der anderen Seite muss ich mich
aber auch daran gewöhnt haben, meine Seife
03:41 - 03:53
Rudolf: zu benutzen und benutzen zu wollen und auch immer daran
zu denken, Wenn ich von draußen nach innen reinkomme, wasche ich
mir eben die Hände. Und das erwarte ich von meiner Technologie
auch und da fängt für mich Cyberhygiene an.
03:53 - 04:06
Ben: Total cool. Habe ich gleich zwei Punkte, aber ich fange mal
mit dem ersten an. Du hast gesagt, wenn du von draußen
reinkommst, wäscht du dir die Hände. Machst du das aus freien
Stücken oder wo kommt das her?
04:07 - 04:41
Rudolf: Das mache ich tatsächlich aus freien Stücken. Ich merke
das auch immer mehr mit Gästen, Freunden, die ich habe. Die
machen das vielleicht zu Hause. Das habe ich bei denen
beobachtet, wenn ich bei denen zu Gast bin und wir gemeinsam
reinkommen, dann waschen die sich die Hände. Wenn die bei mir
reinkommen, tun sie es nicht. Ist ja interessant. Ich traue mich
manchmal gar nicht, die darauf hinzuweisen. Die könnten das auch
mal machen. Ich finde das total wichtig. Mir gibt es eine gewisse
Ruhe, dass ich tatsächlich keine infizierten Dinge in mich und
meine Wohnung reintrage. Ohne jetzt daraus
04:42 - 05:14
Rudolf: manisch zu werden. Es geht mir einfach darum, zu Hause
fasse ich meine Lebensmittel an. Ich bin in meiner Wohnung den
ganzen Tag, vor allem, wo ich zu Hause arbeite, mit mir und
meinem sich selber anfassen im Gesicht an die Augen. Da bin ich
ja unterwegs. Da möchte ich Krankheitserreger nicht replizieren.
Also habe ich mich sehr wohl mit dran denken daran gewöhnt, Hände
waschen und sauber bleiben.
05:14 - 05:49
Ben: Schade, ich hätte gedacht du kommst jetzt woanders her, Weil
in meiner persönlichen Wahrnehmung ist das ja eine Sache, die wir
anerzogen bekommen haben. Wenn ich auch meinen Kindern immer
sage, hey, du bist reingekommen, Hände waschen, dann machen die
das manchmal, manchmal machen sie es nicht. Manchmal sagen sie,
sie haben sich die Hände gewaschen, aber haben sie nicht. Und da
wollte ich nämlich den Punkt zum zweiten schließen und zwar
Cyber-Hikene. Einmal haben wir ausreichend Cyber-Hikene? Was ist
eigentlich vielleicht für dich oder für mich oder wem auch immer
Cyber-Hikene? Und wenn wir nicht ausreichend davon haben, woran
hängt
05:49 - 05:51
Ben: das? Also drei Fragen, einer aber.
05:52 - 06:30
Rudolf: Ich greife das mal mit den Kindern auf, das sehe ich
genauso. Also das ist zumindest eine Sache, wo ich glaube, das
hat bei meinen Kindern ganz gut funktioniert. Die waschen sich
tatsächlich die Hände. Und Cyberhygiene setzt sich beim Benutzen
unserer Computer oder Geräte, was wir heutzutage an vielfältigen
Dingen dort haben, setzt sich genauso an. Da gehört Ausbildung
mit dazu, wenn ich gar nicht weiß, dass Gefahren existieren. Oder
dass jemand auf der anderen Seite ist, der mich betrügen möchte,
der an mein Geld ran will. Letztendlich, finde ich, geht
Cyberkriminalität immer in die Richtung, dass ich jemandem Geld
06:30 - 07:00
Rudolf: klaue oder irgendwelche Werte. Also gehört die
Cyberhygiene dazu, dass mir das nicht passiert. Und das finde ich
total wichtig, das muss trainiert werden. Und ansofern erwarte
ich das auf der einen Seite als Ausbildung von denen, die sich
damit auskennen und auf der anderen Seite dann vielleicht auch,
das ist so ein bisschen die Seife dabei, dass es Mechanismen
gibt. Und in der IT sind es dann wahrscheinlich Software- und
Hardwarelösungen, die mir helfen können, diese
Hygieneanforderungen auch umzusetzen.
07:01 - 07:13
Ben: Okay. Und wenn wir jetzt konkreter werden wollen und über
einzelne Maßnahmen reden, die wir jetzt Händewaschen gleichsetzen
wollen würden, was fällt dir da so spontan ein oder fiel dir so
spontan ein?
07:13 - 07:55
Rudolf: Das wichtigste, Was ich über all die Jahre, die ich mich
mit Computern beschäftige, ist hingucken und lesen, was da steht.
Ich bin Benutzer, ich klicke irgendwie in meinem Betriebssystem
rum. Ich nehme jetzt einfach nur mal E-Mails. Ich bekomme
irgendwie Post. Da gucke ich doch, ist die wirklich von
demjenigen, der da oben als Name eingeblendet ist? Stimmt die
E-Mail-Adresse überein? Ich bin der festen Überzeugung, weil ich
das auch zum Beispiel bei meinen Eltern sehe. Die werden 85
dieses Jahr. Mein Vater ist inzwischen darauf trainiert, wenn er
mal was Merkwürdiges noch entdeckt, das ist dann nur noch die
07:55 - 08:17
Rudolf: Restmenge, dann ruft er mich an. Oder er macht ein Foto
von dieser E-Mail und schickt die mir mal, dass ich raufgucken
kann, wenn er unsicher ist. Und das finde ich ist so ein das
beginnt damit gucken, lesen, nachdenken. Dann kannst du aus
meiner Sicht 90 Prozent, wenn nicht sogar 99 Prozent von
zukünftigen zwischenfällen vermeiden.
08:17 - 09:00
Ben: Finde ich total spannend. Ich mag den Begriff Cyberhygiene
oder Security Hygiene oder wie auch immer eigentlich auch
deswegen ganz gerne, weil wenn wir uns als Menschen nicht so
hygienisch verhalten, dann fangen wir irgendwann zu stinken. Wenn
wir unsere IT nicht sauber halten, dann stinkt die auch. Merken
wir da mit Ransomware-Vorfällen. Und für mich sind halt, ich
glaube der wichtigste Hygienefaktor für mich im Bereich IT ist
eben das Thema Patchen. Also das auf den neuesten Versionsständen
halten von meiner Hardware, Software, was auch immer. Also selbst
meine Hardware muss ich heutzutage ja patchen, öfter als mir lieb
ist.
09:01 - 09:50
Rudolf: Das ist insofern ein spannender Bereich, weil er
eigentlich tief technisch ist und mit dem Nutzer gar nichts zu
tun hat. Ich denke gerade an einen Disney-Aufklärungsfilm. Der
muss das den 40er-, 50ern gewesen sei. Da ging es
interessanterweise darum, Pharma. Ganz banal nur der
Schwarz-Weiß-Vergleich. Früher hat man nahe an seinem Feld
gewohnt. Man hatte noch keine Kanalisation und fließendes Wasser.
Wo ist man hingegangen, seine Sachen loszuwerden?
Merkwürdigerweise ins Feld, denn da hat einem keiner zugeguckt.
Was folgt da draus? Wo sind dann die Keime gewesen? Ach, da, wo
ich danach was zum Essen ernte, interessanter Kreislauf ist dort
09:50 - 10:31
Rudolf: entstanden. Im Prinzip ist das das Gleiche in der
Technologie. Die Prinzipien sind überall die gleichen. Jetzt sind
es auf dem Feld die Keime gewesen, die den Menschen angreifen. In
der Technik geht es darum, dass es ein Geschäftsmodell ist, die
dort Keime bauen, die dich angreifen, dein Geld abzusaugen.
Deswegen ist es so wichtig, dass Ausbildung dort stattfindet und
dass das Wissen dann in Verhaltensweisen in die Organisation
reingetragen wird. Das wird ein spannender Punkt sein, dass wir
uns über diese Verhaltensweisen und die Verhaltensänderung
unterhalten. Denn darauf haben die Menschen.
10:32 - 11:04
Ben: Ja, da bin ich voll bei dir. Ich verstehe auch, dass du
sagst, Patchen ist ein sehr technisches Thema. Ich hätte dir vor
etlichen Jahren auch noch zugestimmt. Mittlerweile, wo wir immer
mehr so zu so Smartphone- Monstern verkommen, Würde ich aber
sagen, jedem ist bewusst, dass da ständig im App-Store eine rote
1 oder eine rote 50 oder sowas ist, was ja schon drauf hinweist,
ich hab da was zu tun. Das hab ich jetzt vielleicht auf meinem
Computer nicht so oder vielleicht doch oder was auch immer, Aber
selbst mein Browser sagt ja bitte starte mich mal neu ein
11:04 - 11:45
Ben: neues Update einzuspielen. Trotzdem ist es was, was ich
machen muss und was, was genauso nervig oder unangenehm ist wie
Zähne putzen. Also ganz im Ernst, wir putzen gerne die Zähne. Es
verschenkt der Lebenszeit am Ende des Tages. Man kann dabei auf
einem Bein stehen und noch irgendwie ein bisschen
Gleichgewichtssinn austrainieren oder so. Aber eigentlich macht
man das, weil man das eingepläut bekommen hat, dass man das tun
soll. Und ich glaube, der größte Punkt, woran wir sehen, dass wir
in Security-Hygiene, Cyber-Hygiene, was auch immer, nicht so gut
sind, sind die Nachrichten, wenn wir dann wieder sehen,
Unternehmen
11:45 - 12:22
Ben: XYZ hat einen Ransom-Werfforfall. Also wurde von
irgendjemanden verschlüsselt. Und wenn wir dann auch wieder ganz
massiv hören Die Unternehmen sagen ja alle, das waren
hochtechnische Angriffe, State Actors, irgendwelche Ganz
kriminellen Gesellschaften, die mit ganz gemeinen Exploits
irgendwas getan haben. Aber in Wahrheit ist es ja ganz oft, wenn
man das übertrieben überträgt in die richtige Welt, so dass
jemand zwar ein Haus hat, aber keine Haustür eingebaut hat. Oder
das Schloss vergessen hat. Und wenn dann einer einbricht und das
mit nach draußen nimmt, dann war das keine organisierte
Kriminalität, dann war das
12:22 - 13:02
Rudolf: meine Dummheit. Das ist ein schönes Beispiel. Ich denke
gerade an einen Freund von mir, der hat einen Schlüsseldienst.
Der hat mir vor 15 oder 20 Jahren schon gesagt, klar, deine
Haupteingangstür wird gesichert wie Fort Knox. Wo steigen die
dann ein? Durchs Küchenfenster. Das ist einfach die Ecke, hat
quasi Nullsicherung, ist vielleicht noch weniger einsichtig. Da
geht es dann lang. Im Prinzip, da kommen wir zu deinen
Schwachstellen zurück, in der Technik ist es genauso. Ich
vermute, wenn ich mir die Unterhaltung mit Freunden und Familie
anschaue, es ist für die Menschen, die nicht so sehr wie wir in
13:02 - 13:23
Rudolf: der Betriebs-IT drinstecken, ist es nicht transparent.
Man sieht das ja nicht. Das dicke Schloss, die stabile Tür, da
hat man noch so einen Effekt. Das sieht man vielleicht sogar von
außen, wenn man an dem Haus vorbeigeht. Du kannst an einem
Computer, an einem Mobilgerät, doch gar nichts erkennen, nur
ungefähr die
13:23 - 13:23
Ben: Marke.
13:23 - 13:24
Speaker 4: Das war's
13:24 - 14:03
Rudolf: dann schon. Ich denke jetzt an meine Mutter. Die ruft
mich an und fragt, ob sie das letzte Browser-Update installieren
soll. Meistens sage ich, ja klar, dafür ist es ja gedacht. Auf
der anderen Seite, wenn wir jetzt an uns als auch manchmal IT-
und Betriebsparanoide denken, eigentlich müsste man ausprobieren,
ob das ein gutes Update ist, weil jede Softwareänderung auch
manchmal wieder Probleme nach sich führt. Ich will es jetzt nicht
dramatisieren. Punkt bleibt, da sehen wir eine Ausbildungslücke.
Warum wurde es den Menschen, wie mit deinem Appstore-Beispiel,
nicht erklärt? Das kenne ich nur aus unserer Community selbst.
Das können
14:03 - 14:09
Rudolf: wir doch mal unseren Mitmenschen, Freunden und Familie
auch mal erläutern. Dauert
14:10 - 14:53
Ben: zehn Minuten, wenn überhaupt. Aber sinnvollerweise würden
wir in der Schule schon mit anfangen. Und uns in der Schule schon
erwehren Nachwuchs schaffen. Wie auch immer das ist. Bewussten
Nachwuchs schaffen, sensibilisierten Nachwuchs, der auf das Thema
schon mal eingeht. Ich sehe noch einen weiteren wichtigen Faktor
im Bereich, Cyberhygiene. Und zwar, okay, ich hab nicht gepatcht,
ich hab mir die Hände nicht gewaschen. Blöd. Jetzt hab ich die
Läuse bekommen oder so. Dann, ähm, was mach ich dann? Entweder
Ich hab einen Plan und vielleicht so was wie ein Backup. Ich hab
eine Sicherung meiner Daten irgendwo anders. Oder ist
14:53 - 14:57
Ben: das halt alles weg? Und was mach ich denn, wenn meine ganzen
Urlaubsfotos weg sind?
14:59 - 15:37
Rudolf: Backup ist was für Feiglinge, hab ich früh gelernt. Bin
ich immer noch zum Schmunzeln? Oder das ist so ungefähr wie Rate
1. Dann hast du irgendwie den Fehler im Datalsystem auf die
andere Seite repliziert. Es erinnert mich da dran, die meisten
Menschen haben ja mit sich selbst leider keine Orientierung in
vielerlei Hinsicht. Und Da kommen wir zu dem zurück, was mir Spaß
macht, mit Menschen nicht nur Technik, sondern Orientierung zu
geben. Wo bist du, wo willst du hin, Was willst du erreichen? Das
sehe ich bei Cyberhygiene genauso. Das korreliert sofort mit dem
Ansatz in der Schule.
15:37 - 16:04
Rudolf: Du musst jemanden haben, der in der Lage ist, nicht nur
Kapitän an Deck zu sein, sondern auch Lotse. Es muss die
Möglichkeit sein, dass diese Person die Rolle, Lotse zu sein,
einnehmen darf. Wenn du jetzt in der Spring-wieder-in-die-Schule
zurück jemanden hast, der eigentlich Hobbyanwender ist, den
würdest du jetzt in einem großen Containerhafen den
Überseefrachter einparken lassen? Ich glaube nicht.
16:04 - 16:14
Ben: Nee, eher nicht so gerne. Aber wieder zurück in die reelle
Welt, also die analoge. Wie viele Haustürschlüssel hast du?
16:15 - 16:20
Rudolf: Für meine Wohnung und das Haus, tatsächlich brauch ich
nur einen. Da gibt's ein Schließsystem.
16:21 - 16:26
Ben: Es gibt nur einen einzigen Schlüssel. Deine Kinder haben
nicht noch einen Schlüssel.
16:26 - 16:34
Rudolf: Das meintest du, ich dachte, Für die Kinder gibt es dann
noch einen eigenen Schlüssel.
16:34 - 16:37
Ben: Es gibt nicht noch einen Ersatzschlüssel bei den Eltern?
16:40 - 16:49
Rudolf: Bei den Eltern schon. Auch die Ex-Frau hat letztendlich
über die Kinder Zugriff auf die anderen Schlüssel, die sie
eigentlich selber nicht mehr nutzt.
16:49 - 17:21
Ben: Aber was sind diese Schlüssel? Backups. Und da haben wir
quasi Backups zu unseren Haustüren wieder, die vielleicht gut
gesichert sind. Auf der anderen Seite haben wir auf unseren
Computern Erinnerungen von unseren Kindern. Wir haben unsere
ganzen Arbeitszeugnisse. Weißt du, Herrgott, was? Und wer hat
davon Backups? Weil da kann ja nichts passieren. Was sollte da
schon passieren? Das ist übrigens einer meiner Lieblingssprüche
überhaupt. Warum sollte mich jemand hacken? Ich bin so unwichtig,
ich hab nichts zu verbergen. Das
17:22 - 18:14
Rudolf: höre ich immer noch öfter, nein, immer noch oft. Das habe
ich nie verstanden. Aus meiner Sicht, wenn das jemand für sein
Unternehmen spricht, finde ich das grob fahrlässig, gnadenlos
unterschätzt. Das Unternehmen hat eine Wertschöpfungskette und
verdient Geld. Wenn die nicht funktioniert, verdient da keiner
mehr Geld. Mir ist aufgefallen beim Nachfragen, die Menschen
glauben, der IT-Zwischenfall, das Cyberproblem ist, wie wenn bei
mir zu Hause jemand einbricht. Da geht er gezielt hin und bricht
ein, weil er weiß, da ist etwas zu holen. Das ist im Bereich
Cyber komplett falsche Annahme. Diese Angriffe sind
automatisiert, letztendlich nach einem technologischen
18:15 - 18:45
Rudolf: Geschäftsmodell. Dort werden technologische
Schwachstellen ausgenutzt. Als ob jemand einen Scanner hätte und
durch ein Wohngebiet von außen durch Vorbeifahren scannen könnte.
Welche Tür geht am einfachsten auf? Die nehme ich dann. Egal, was
dahinter sein könnte. Alleine diese Übersetzung zwischen analoger
Welt und Technologie, die macht ja Also, hab ich in der Erklärung
noch irgendwo gefunden. Das mach ich dann, wenn ich mit jemandem
mal darüber sprechen kann.
18:46 - 18:46
Speaker 4: Find ich total gut.
18:46 - 19:18
Ben: Im Bekanntenkreis haben wir auch schon darüber diskutiert,
warum denn, warum es so böse Menschen gibt, die Krankenhäuser
quasi vom Netz nehmen oder so oder die angreifen. Und wo ich
immer sage, das sind keine bösen Menschen, also doch sind böse
Menschen, die irgendwann angreifen, da überhaupt, Aber die haben
nicht dieses Krankenhaus gezielt angegriffen oder in meisten
Fällen nicht. Vielleicht war da mal ein politischer Mensch, den
man irgendwie die Stromversorgung abstellen wollte. Aber sagen
wir dahingestellt, Grundsätzlich bin ich da bei dir. Das sind
keine gezielten Angriffe.
19:18 - 19:19
Rudolf: Da fährt
19:19 - 19:31
Ben: einer mit dem Schleppnetz durch die Ostsee. Genau. Wenn ich
den nicht schnell genug wieder rausgeholt hab, dann verendet der
halt. Und dann ist halt dieses blöde Krankenhaus, dieses
Kommunale,
19:31 - 19:31
Speaker 4: was sich gedacht hat,
19:31 - 19:52
Ben: wir hängen unseren Exchange-Sarre ins Internet und AD auch.
Das ist dann halt der Wahl, der da leider verendet ist, bevor ihn
jemand aus dem Netz holen konnte. Und ganz oft kriegt man ja auch
mit oder hat man mitbekommen, wollten die Ransomware-Gruppen ja
gar nicht mehr so viel Geld von denen. Oder haben die auch
umsonst wieder entschlüsselt? Oder haben es versucht, manchmal
funktioniert es dummerweise nicht?
19:52 - 20:34
Rudolf: Da erkennen wir wieder eine Verhältnismäßigkeit. Mein
Eindruck über die Jahre, die ich mich mit IT beschäftige, ist,
dass die meisten Menschen die Möglichkeiten gar nicht anwenden
können. Klar, nach Statistik sind wahrscheinlich auch 98%
Benutzer. Die anderen 2% sind die, die das technologisch
bereitstellen. Ich muss von weniger Leuten der großen Masse
erklären, wie man damit umgeht. Wenn jetzt die zwei Prozent sich
damit auch nur teilweise auskennen und in wahren Vorstellungen
leben, was soll denn dann bei rauskommen? Dann gibt es eben ab
und zu diesen Schleppnetzeffekt. Jetzt gehe ich mal sogar so weit
und behaupte, die Cyberkriminalität in
20:34 - 21:10
Rudolf: den letzten Jahren, ich könnte mir vorstellen, die nutzen
auch CRM-Systeme. Wir wissen inzwischen ziemlich genau, dass es
auch eine mehrteilige Arbeitsweise ist, die dort stattfindet. Der
eine entwickelt ein Stückchen Software, die schwache Haustür
herauszufinden. Der nächste stellt das Auto zur Verfügung, mit
dem man durch die Wohngebiete fahren kann. Und so weiter und so
fort wird das arbeitsteilig aufgeteilt. Genauso wie in unserer
anerkannt positiven Seite der Welt. An sich versuchen die auch
nur, etwas zu verkaufen. Man könnte sogar so weit gehen, wie war
es mit dem Spruch an der Börse? Dein Geld ist nicht weg, es ist
21:10 - 21:38
Rudolf: nur woanders. Natürlich ist das hier durch Definitionen
an Gesetzmäßigkeiten Illegal, was dort läuft. Aber an sich ist
die Idee dahinter ein ganz normaler Verkaufsprozess, ein
Schlupfloch zu finden, einen Euro abzugreifen. Ich kann das mit
einem gewissen Schmunzeln sagen, das sehe ich eher als fast
satirischen Kommentar. Nur, vielleicht sollten wir uns das mal
auch als Menschen bewusst machen und dann besser damit umgehen.
21:39 - 22:13
Ben: Ja, total spannend. Ich hab letzte Woche auf LinkedIn, ich
weiß gar nicht mehr von wem, sonst würde ich den Namen auch
nennen, ein schönes Bild oder Zitat, wie auch immer, es ist kein
Zitat, weil ich es nicht richtig nachwiedergeben kann, gelesen.
Und zwar war da die Aussage, dass diese ganzen
Ransomware-Angriffe ja eigentlich nur Krisensimulationen sind,
aber halt echte. Und dann sehe ich vielleicht bei mir, wie gut
mein Krisenmanagement funktioniert, weil wenn ich das schon mal
geübt habe, dann ist so ein Angriff, okay, dann wird halt ein
Server verschlüsselt oder zwei, also ein kleiner Teil von
Infrastruktur,
22:13 - 22:49
Ben: aber es wird nie der große Big Bang passieren. Es wird nicht
bei mir alles in die Krütze gehen. Und das fand ich auch ein
schönes Bild, das passt da auch ganz gut dazu. Ich würde aber
gerne noch mal zurück zu dem Bild kommen wollen, unsere IT stinkt
oder unser Umgang mit der IT stinkt. Mir persönlich kommt noch
ein dritter Punkt neben Patchen, Backup in den Sinn, der bei
vielen Anwendern, aber auch fast noch mehr bei den ganzen
Admin-Kollegen, die sich das Thema kümmern, sehr stinkt und der
gerade, wenn es bei den Admin-Kollegen stinkt, dafür sorgt, dass
22:49 - 22:52
Ben: alles in die Krutze geht. Hast du eine Idee, worauf ich
hinaus will?
22:52 - 23:49
Rudolf: Passworte etwa? Ja! Unser Dauerbrenner, definitiv.
Zugangskontrolle letztendlich. Ich mach wieder so eine analoge
Brücke. Nehmen wir unsere Baustellen, wir nehmen Häuser, die
gebaut werden, Gebäudeverwaltung, Schließsysteme. Da, wo ein
Mensch physisch dran beteiligt ist, werden aus meiner Sicht viel
genauer und penibler Konzepte entwickelt. Wer wo sich bewegen
darf, in Bezug auf die IT und die Weiterentwicklung der
Möglichkeiten dort, wird da nicht so drauf geachtet. Mein
Eindruck ist manchmal, dass die Firmen, die letztendlich die
Technologie benutzen, leider nicht so viel Wert darauf legen,
dass die Mitarbeiter, die die Technologie aufbauen, auch
entsprechend ausgebildet sind. Es braucht einfach Zeit,
23:49 - 24:34
Rudolf: sich damit zu beschäftigen, was jetzt an dem nächsten
Smart-Home-Dings auch wieder zu Hause noch machbar ist. Das muss
ich auf meiner beruflichen Seite genauso machen. An sich ist die
Weiterentwicklung der Technologie Die Basis dafür, dass diese
Cyber-Geschäftsmodelle existieren. Denn was machen die denn?
Technologie wird aufgebaut. Und dann haben sich Menschen
überlegt, wie kann ich daraus einen Vorteil für mich erlangen?
Wie kann ich Geld verdienen, indem ich kriminelle Energie
einsetze, jemanden aus seiner Wertschöpfungskette etwas zu
klauen? Das ist bewusst sehr abstrakt formuliert. Es kann sein,
dass ich versuche, dein Unternehmen lahmzulegen, dass ich dich
erpressen möchte. Es
24:34 - 25:03
Rudolf: kann aber auch sein, dass ich irgendwelche E-Mails
schreibe und die passenden Personen auffordere, mal Geld auf ein
bestimmtes Konto zu überweisen. An sich sind das ganz banale
Dinge, die auch in der analogen Welt existieren. Jetzt muss ich
gerade daran denken, dass mein Onkel mich auch mal angerufen
hatte und fragte, ob ich in Bremen sei und ob ich dort eine
Wohnung kaufen möchte und mir Geld fehlen würde. Wie das
weitergeht, können wir jetzt hochrechnen.
25:04 - 25:40
Ben: Ja, ich sehe vielleicht noch mal eine steile These, die uns
auf jeden Fall in meiner Welt, in Deutschland, auch betrifft.
Bestimmt in anderen Teilen der Welt auch, und ich bin da
vielleicht zu kritisch. Aber wir wollen ja hier alles perfekt
machen. Und lieber brauchen wir Jahre und haben dann was
Perfektes, als dass wir die Sachen erst mal funktionierend
machen. Blöderweise, wenn ich jetzt heute sage, ich will
irgendwas bauen und ich brauche fünf Jahre, damit das perfekt ist
nach dem Stand von heute, dann ist das schon wieder, wenn es denn
dann in fünf Jahren da ist, fünf
25:40 - 26:07
Ben: Jahre alt von der Technologie. Als ganz konkretes Beispiel,
bei uns im CAF ist jetzt seit drei Jahren wird eine Brücke
gebaut, Über eine Bahn-Schiene. Das dauert seit drei Jahren,
weil, keine Ahnung, weil es halt so lange dauert. Wir haben alle
während der Corona-Pandemie lernen dürfen oder mitbekommen oder
erzählt bekommen, dass China dann irgendwie in vier Wochen
Krankenhäuser für 20.000 Leute hinstellen kann.
26:07 - 26:08
Rudolf: Und Schlughäfen.
26:08 - 26:40
Ben: Die dann aber vielleicht nur 20 Jahre halten. Die Frage ist
nur, würde ich denn lieber eine Brücke wollen, die ich 20 Jahre
befahren kann und die ich dann innerhalb von vier Wochen
austausche. Oder will ich eine Brücke, die ich 40 Jahre befahren
kann und die dann fünf Jahre fürs Neubaum brauche. Und wo ich
dann fünf Jahre irgendwie den Verkehr, und das ist sehr viel
Verkehr, durch unsere 20.000 Einwohner-Stadt über die
Hauptverkehrsata quasi umleiten muss und durch Leute an
Wohnenstraßen. Und ich glaube, Da haben wir ein Problem. Wir
wollen zu viel perfekt machen, anstelle von, dass
26:41 - 27:29
Rudolf: wir die Sachen funktionabel machen. Mein Eindruck ist,
dass wir das Perfekte ausführen, als Grund vorschieben, nicht
anzufangen. Wenn ich zurückdenke, warum habe ich Physik studiert?
Weil ich mich nicht festlegen wollte, einen bestimmten Ingenieur
zu studieren. Ich weiß noch, Ich habe das
TU-Vorlesungsverzeichnis durchgeblättert und überlegt, Spezialist
für Optokoppler. Weiß ich, ob das mein Lieblingsberuf wird? Nein.
So bin ich zurückgegangen und habe gemerkt, so was
Konzeptionelles. Mit Physik könne ich Mathe, Chemie, Biologie,
alles einbeißen. Ich lerne die Natur kennen und Probleme zu
lösen. Ich lerne auch zu schauen, was geht es bei dem Problem.
Kann ich da ein
27:29 - 28:09
Rudolf: Muster erkennen? Kann ich das versuchen zu beschreiben?
Deswegen haben wir in der Physik gelernt, dass viele
unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Modelle zur Folge
hatten. Warum wird denn das nicht in unserem täglichen Leben auch
angewandt? Also ich wasche mir doch mit Seife die Hände und nicht
eine Drahtbürste, weil das ein cooles Reinigungsmittel ist. Da
passe ich das auch an. Das könnte ich bei der Technologie genauso
machen. Das könnte ich auch bei der NABAN-Brücke machen. Wenn man
sich überlegt, wir müssen die Brücke modernisieren, was haben wir
für Möglichkeiten? Dann würde man auf die Idee kommen, die
deutsche Ingenieursvariante versus
28:09 - 28:14
Rudolf: die chinesische Variante auszuwählen. Dazwischen könnte
ich doch mal navigieren, das könnte
28:15 - 28:39
Ben: ich doch abwägen. Risikoorientiert, nach dem Motto, ich hab
draußen im Sandkasten gespielt, Wasser reicht, vielleicht ein
bisschen Seife. Oder ich bin hier hingefallen und in den
Kuhfladen rein. Deswegen infiziere ich mir die Hand vielleicht
mal oder ich habe einen Baum gefasst und habe alles voll mit
Harz, dann hole ich vielleicht eine Drahtböste raus, dann muss
ich auch schrubben. Also ich muss es ja angepasst auf die
jeweilige Gegebenheit machen.
28:39 - 28:40
Speaker 4: Das finde
28:40 - 28:55
Ben: ich ganz schön. Das macht es auch wieder rund. Ich weiß
nicht, wir können ja noch mal versuchen, einen Fazit zu ziehen,
was man denn so wo denn IT alles stinken könnte oder was
Cyberhygiene so gefährlich macht. Willst du? Soll ich? Fang du
an.
28:56 - 29:27
Rudolf: Ich fange gerne mal an. Cyberhygiene adressiert für mich
hauptsächlich den Benutzer. Die Ausbilder sind die, die die IT
bereitstellen und die Konzepte, wie man denn sicher mit IT
umgeht, die müssen für das jeweilige Unternehmen definiert
werden. Und Das erwarte ich so ähnlich wie mit der Brücke. Das
passende Konzept müssen die, die die IT bereitstellen, für die,
die diese benutzen, aufstellen und dann ausbilden und für Fragen
und Antworten und Trainings zur Verfügung stehen.
29:28 - 29:57
Ben: Sehr gut. Ich würde noch mal ein kleines Akronym mitgeben
wollen an alle die uns hier zuhören. PDP, Pätschen, Backup,
Passwort Hygiene. Nein, egal. Hat auf jeden Fall viel Spaß
gemacht, aber ich werde dich nicht entlassen bevor du mir meine
Lieblingsfrage beantwortet hast. Und zwar Rudi, was ist denn für
dich oder stellen wir es anders? Wenn Cybersicherheit ein Tier
wäre, welches wäre es und warum?
30:02 - 30:02
Speaker 4: Ich habe gerade an
30:02 - 30:04
Rudolf: den Lux gedacht. Weil der so gut riecht? Der kann gut
riechen.
30:05 - 30:07
Ben: Der ist schnell.
30:12 - 30:31
Rudolf: Der soll ganz clever sein. Der kann supergut hören. Damit
kann er sich seiner Zielgruppe, das ist die, die er
wahrscheinlich frisst, weil er keinen Lehrerauftrag hat, er kann
sich seiner Zielgruppe angepasst widmen. Er ist unsichtbar und
dann aber effizient zur Stelle.
30:32 - 30:40
Ben: Das finde ich eine super Antwort, die habe ich bislang auch
noch nie gekriegt. Vielen lieben Dank und bis zum nächsten Mal.
Tschüss.
31:00 - 31:15
Speaker 4: Das war's für heute. Bis zum nächsten Mal. SWR 2020
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