Sie wollten einfach nur klettern. Im Fels, im Eis, auf Gipfel. Doch
ihr Weg führte diese Frauen mitten hinein in gesellschaftliche
Rollendebatten – und in die Geschichte des Schweizer
Alpinismus. Der Dokumentarfilm «Pionierinnen am Berg» erzählt von
Bergsteigerinnen und Kletterinnen, die sich in einer Männerdomäne
behauptet haben. Er porträtiert Frauen, die nicht für
Gleichstellung kämpften, sondern für ihre Leidenschaft – und dabei
unbeabsichtigt zu Wegbereiterinnen wurden. Eine von ihnen ist
Nicole Niquille. 1986 wird sie als erste Frau in der Schweiz als
Bergführerin patentiert. Der Beruf war bis dahin Männern
vorbehalten. Erst ein Bundesgerichtsurteil öffnete Niquille die
Tür. Sie reist mit dem Schweizer Ausnahmebergsteiger Erhard Loretan
auf Expeditionen zum Everest und K2 und führt 10 Jahre lang Gäste
in die Berge – bis ein Unfall beim Pilzesammeln ihr Leben radikal
verändert. Nina Caprez steht für eine jüngere Generation. Sie hat
sich mit der Begehung schwierigster Mehrseillängenrouten einen
Namen gemacht und lange die Frauenszene des Schweizer Klettersports
dominiert. Nach der Geburt ihres ersten Kindes kehrt sie rasch in
den Sport zurück – etwas, das für eine Frauengeneration vor ihr ein
Ding der Unmöglichkeit war. Und sie schreibt an ihrer
Klettergeschichte weiter: In den Gastlosen gelingt ihr die Route
«Yeah Man» (8b+), die sie als erste Frau frei klettert. Nun ist sie
erneut schwanger, im siebten Monat – und hängt lachend in einer
6er-Route, «immerhin im Nachstieg», wie sie betont. Für Caprez ist
Familie kein Widerspruch zur Kletterkarriere. Ihre Geschichte
zeigt, wie sich Rollenbilder verändern – und wie Frauen heute neue
Wege gehen. Rita Christen wiederum ist keine Pionierin im Fels,
sondern im Verband. Sie steht als erste Frau dem Schweizer
Bergführerverband vor, ein Club, der zu 97 Prozent aus Männern
besteht. Ihre Wahl zur Präsidentin hat viele Reaktionen ausgelöst,
vor allem bei jungen Frauen. Das habe sie überrascht, sagt sie. Sie
dachte, das Thema sei erledigt. Doch auch sie beobachtet, dass
Frauen in gemischten Gruppen oft zurückstehen, wenn es um Führung
geht. Der Film blickt zurück – auf eine Zeit, in der Frauen
belächelt, behindert oder schlicht ignoriert wurden. Gerade die
Schweiz mit den grossen Bergen und dem kleinen Sinn für
Gleichstellung hat ihnen viele Hindernisse in den Weg gelegt. So
war der Schweizer Alpenclub SAC weltweit der einzige, der Frauen
explizit ausschloss. Erst 1980 durften sie beitreten – neun Jahre
nach Einführung des Frauenstimmrechts. Doch «Pionierinnen am Berg»
ist kein historischer Rückblick. Es ist ein Film über Leidenschaft,
über Lebenswege, über Berge als Orte der Freiheit und der
Selbstfindung. Er erzählt von inspirierenden Frauen, die nicht
gefragt haben, ob sie dürfen, sondern einfach gegangen sind. Und
dabei Spuren hinterlassen haben, denen heute viele folgen.
Erstausstrahlung SRF: 29.03.2026
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